Titel: Ueber die Anwendung des Thons in den Dampfkesseln zur Verhinderung ihrer Incrustation.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 72, Nr. XXI./Miszelle 2 (S. 73)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj072/mi072021_2

Ueber die Anwendung des Thons in den Dampfkesseln zur Verhinderung ihrer Incrustation.

Der Thon, nach dem von Hrn. Chaix beschriebenen Verfahren zubereitet, d.h. von allen fremdartigen Substanzen gereinigt, wird in getrokneten Broden an die Dampfschiffe abgeliefert. Um die zeitraubende Arbeit der Verdünnung des Thons vor dem Hineinschütten in die Dampfkessel zu vermeiden, besonders aber um zu verhindern, daß bei dem regelmäßigen Reinigen der Kessel, welches das Seesalz nöthig macht, der Thon nicht mit entfernt werde, ohne daß er seine Wirkung auf die Kalksalze ausgeübt hat, bringt man ihn in blecherne Büchsen, welche mittelst Schraubenbolzen an den Scheidewänden der Dampfkesselräume befestigt und mit siebartigen Löchern von 3 Millimeter Oeffnung versehen sind, deren Entfernungen von einander 1 Centimeter betragen. Der obere Theil dieser Büchsen berührt das Niveau des Wassers im Dampfkessel. – Der Thon zertheilt sich allmählich, so daß er nach und nach denjenigen ersezt, welcher durch das Ablassen des Wassers mit fortgeschwemmt werden möchte. Diese sehr einfache Vorrichtung wurde längere Zeit mit Nuzen auf dem Phare angewendet.

Es ist zu erwarten, daß man mit der Zeit eine für längere Reisen bequemere Vorrichtung erfinden wird, die aber wahrscheinlich auch complicirter werden dürfte, als z.B. das Speisewasser mit Thon zu schwängern, indem man es durch einen mit lezterm gefüllten Behälter leitet, der mit dem Condensator in Verbindung steht.

Für Dampfkessel zu 160 Pferdekraft müssen 12 Büchsen angebracht werden. Eine jede enthält ungefähr 34 Kilogr. Thon, also im Ganzen 400 Kilogr. Thon, welche man für eine Reise von Toulon nach Algier, während 50 bis 60 Stunden Heizungszeit, verbraucht. Bei der Entleerung und Reinigung, welche man bei der Ankunft vornimmt, wird nicht aller Thon mit fortgeschwemmt; es genügt daher für die Rükreise, die Büchsen mit 200 Kilogr. Thon zu füllen. Nach einer darauf folgenden gänzlichen Entleerung löst man die Kalksalze, welche sich von Neuem niedergeschlagen haben, ab; leztere sizen, vermöge der Vermengung mit den Thontheilchen wenig fest an den Kesselwänden. (Nach diesen Bemerkungen des Hrn. Campaignac, welche in den Verhandl. des Vereins z. Beförd. d. Gewerbfl. in Preußen 1838 Nr. 6 aus den Annales coloniales et maritimes mitgetheilt werden, scheint der gereinigte Thon in Frankreich wirklich mit Vortheil in den Dampfkesseln angewendet zu werden, was allerdings mit den an mehreren Orten in Deutschland gemachten und im polytechnischen Journal Bd. LXIX, S. 321 angeführten Beobachtungen in Widerspruch steht.)

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