Titel: Preisaufgaben des böhmischen Gewerbevereins.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 72, Nr. XXXVIII./Miszelle 1 (S. 152–154)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj072/mi072038_1

Preisaufgaben des böhmischen Gewerbevereins.

Bei der am 26. März 1838 gehaltenen Generalversammlung des Vereins zur Ermunterung des Gewerbgeistes in Böhmen machte das Vereinsmitglied Hr. Eduard Leitenberger aus Reichstadt, den Antrag für drei Preisaufgaben, welche er vorläufig bezeichnete, die Lösungspreise aus eigenen Mitteln zu bestreiten.

Dieser Antrag wurde von der Versammlung dankend angenommen, worauf Hr. Leitenberger das Programm der Generaldirection zu übergeben versprach.

Diese Preisaufgaben werden hier ausgeschrieben.

Die Preisschriften sind zu versiegeln, mit einem Motto zu versehen und mit einer ebenfalls versiegelten Devise, in welcher das Motto, der Name und Aufenthaltsort des Verfassers angegeben ist, an die Generaldirection des Vereins zur |153| Ermunterung des Gewerbgeistes in Böhmen, welcher die weitern Einleitungen übertragen worden sind, einzusenden.

Von der Generaldirection des Vereins zur Ermunterung des Gewerbgeistes in Böhmen.

Erste Preisaufgabe.

Ein Hundert Ducaten in Gold für die Auffindung und Mittheilung eines soliden intensiven Carmoisin, durch Aufdruk und Färbung aus reinem Krapp auf Baumwollstoffe zu erzeugen, das so fest als Rouge-Adrianopel und in Betreff der Schönheit dieser Farbe an die Seite gestellt zu werden verdient, in Rüksicht des Preises den des Rouge-Adrianopel nicht mehr als ein halbmal übersteigt, und in welchem sich ein reines Weiß darstellen läßt.

Ob übrigens das Weiß durch Aussparung bei dem Aufdruk des Mordant, durch Reserven, Aezen oder durch Entfärbung mit Chromsäure oder Chlor u.s.w. erzielt wird, bleibt freigestellt.

Eben so, ob man dazu geöhlte oder ungeöhlte Baumwollstoffe anwendet. Bisher erzeugte man diese Farbe auf Baumwollstoffen mittelst Cochenille, Fernambuc, Rothholz oder Lak-Day (?) u.s.w., und sie kam in Rüksicht der Schönheit den Wünschen ziemlich nahe, doch in der Solidität gegen Luft, Licht, Säuren und Seifenbäder ließ sie sehr Vieles zu wünschen übrig, obschon man durch Zusäze von Krapp hoffte, die Solidität zu erhöhen. Doch dieß gelang bisher nicht, ohne daß die Schönheit der Farbe litt und der Zwek dadurch erreicht worden wäre.

Zweite Preisaufgabe.

Ein Hundert Ducaten in Gold für die Auffindung und Mittheilung eines soliden intensiven Gelb, das die Eigenschaft besizt, mit den Mordants für Krapp zugleich und auch mit Aecht-Indigblau verbunden, aufgedrukt zu werden, ohne daß durch das Färben in Krapp und die folgenden Seifen- und Belebungspassagen die Schönheit der Farbe verdorben wird, so daß es als ein brauchbares reines Gelb nach dem Krappfärben und den folgenden Reinigungs- und Belebungspassagen erscheint, oder, was dasselbe ist, für die Auffindung eines Mordant, der für sich und mit Aecht-Indigblau verbunden, mit den Krapp-Farben-Mordants zugleich aufgedruckt werden kann, und die Eigenschaft besizt, gegen das Krapp-Pigment keine Affinität zu zeigen, eben so die Seifen- und Belebungspassagen auszuhalten, um dann in einem dazu passenden gelbfärbenden Pigment, welches das Weiß nicht verderben darf, als ein brauchbares schönes Gelb von Solidität ausgefärbt werden zu können.

Die Erfindung, mit der Modeldrukmaschine eine beliebige Anzahl Farben auf einmal aufdruken zu können, bringt das Bedürfniß des in der Preisaufgabe ausgesprochenen Gegenstandes hervor, und Versuche haben gezeigt, daß sich diese Aufgabe auf mehrere Art dürfte lösen lassen.

Die gelben Pigmente sind nämlich viel zu wenig untersucht, und es sind alle drei Reiche der Natur sehr vielfältig damit ausgestattet. Bisher begnügte man sich, sie entweder in Betreff der Schönheit, Solidität oder Wohlfeilheit zu berüksichtigen, die Eigenschaften in Beziehung der Preisaufgabe blieben stets ungewürdigt. Man wird bei sorgfältiger Forschung solide, substantive, gelbfärbende Pigmente finden. Der Gummigurt, Safran, Weltersches Bitter, der Schwefel, zeigen uns Körper, welche, wenn sie solidere Farben lieferten, die Aufgabe lösten.

Anderseits ertragen gelbfärbende Mordants, mit Harzen und andern Schuzmitteln verbunden aufgetragen, das Krappfärben und die nachfolgenden Passagen, ohne daß das Krapp-Pigment den Mordant anfärbt, und nachdem sodann die schüzenden Harze u.s.w. von dem gelben Mordant befreit wurden, färben sie sodann in den gelbfärbenden Pigmenten sich gehörig an.

Jedoch das Verfahren war bisher zu umständlich und zu unsicher, um eine praktische Anwendung davon machen zu können. Die Lösung dieser Preisaufgabe würde unberechenbaren Nuzen und die größte Vervollkommnung im Kattundruk hervorbringen.

Dritte Preisaufgabe.

Ein Hundert Ducaten in Gold für die Erfindung und Mittheilung eines nicht zu kostspieligen, wenig Kraft erfordernden Waschapparates, zum Behuf der Kattunfabrication, womit man große Quantitäten mindestens von hundert |154| Stük Callicots, zu 40 W. Ellen gerechnet, oder andere Gewebe, in verhältnißmäßigem Quantum, sowohl zum Behufe der Bleiche, zum Reinigen der mit Mordant bedrukten oder auch gefärbten Stoffe, auf einmal besser als durch Waschräder, Walken oder andere bisher übliche Wasch- und Reinigungsmaschinen, waschen kann, Zeit und Arbeit erspart und die Waare vor jeder Beschädigung schüzt.

Diese Aufgabe wäre gelöst durch Anwendung des Extractionsverfahrens nach Art der Real'schen und Romershaus'schen Presse, indem man die Waaren in große Bottiche brächte, die gehörig verschlossen, und so durch den Druk einer Wassersäule auf was immer für Art hervorgebracht, ausgewaschen würden.

In England hat man sich besonders zum Behufe der Bleiche eines ähnlichen Verfahrens bedient, indem man mittelst Wasserdampf luftverdünnte Räume unterhalb der zu reinigenden oder zu extrahirenden Waaren bildete, und kalte oder warme Flüssigkeiten nach Bedarf durchströmen ließ, und so die Geschwindigkeit der durchströmten Flüssigkeiten, um den luftverdünnten Raum zu erfüllen, zum Reinigen und Fortschaffen der die Gewebe verunreinigenden Substanzen benuzte, um die Wirkung des Ausziehens zu erhöhen.

Diese Verfahren haben sich immer mangelhaft gezeigt, und zwar aus dem Grunde, weil bei dem Durchströmen der Flüssigkeiten auch in die in die Bottiche eingelegte Waare sich Luken oder vielmehr Canäle bildeten, wodurch die Flüssigkeiten rasch durchflossen, und viele Stellen, wo die Waare fest übereinander lag, ungereinigt oder unextrahirt ließen, dadurch eine sehr unsichere Waschung entstand und bei öfterer Umlegung der Waare und Wiederholung der Operationen, der Wunsch, Zeit und Kosten zu ersparen, nicht erfüllt wurde.

Eine der gegebenen Preisaufgabe vollkommen entsprechende Verbesserung des bekannten erwähnten Extractionsverfahrens würde gleichfalls den Preis erringen.

Die Preisbewerbung sey In- und Ausländern gestattet, und die Dauer der Fristbewerbung ist auf ein Jahr, vom Tage der Ausschreibung der Preise, fest, gesezt.

Reichstadt, den 26. Februar 1839.

Eduard Leitenberger, mp.

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