Titel: Dr. Ure's Recept zur Bereitung einer schwarzen Tinte.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 72, Nr. XXXVIII./Miszelle 8 (S. 158–159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj072/mi072038_8

Dr. Ure's Recept zur Bereitung einer schwarzen Tinte.

Dr. Ure gibt in seinem Dictionary of arts and manufactures folgendes Recept zur Bereitung einer guten Tinte. „Man nehme auf 120 Pfund Wasser 12 Pfd. Galläpfel, 5 Pfd. grünen Eisenvitriol und 5 Pfd. Senegalgummi. Die zerstoßenen Galläpfel koche man in einem cylindrischen Kessel beiläufig 3 Stunden lang mit 3/4 der angegebenen Wassermenge, wobei immer wieder so viel Wasser nachzugießen ist, als durch die Verdampfung verloren geht. Diesen Absud gieße man in ein Gefäß, aus welchem man, nachdem sich die Galläpfel abgesezt, die klare Flüssigkeit abgießt. Einige empfehlen einen Zusaz von etwas Ochsenblut oder Eiweiß, um einen Theil des Tannins oder Gerbestoffes wegzuschaffen; allein hiedurch wird die Menge des Productes beeinträchtigt, und selten wird daher ein Fabrikant dieses Verfahren einschlagen. Dem klaren Absude wird der in einer geringen Menge heißen Wassers aufgelöste und durch ein Filter geseihte Gummi zugesezt; und ebenso muß auch der Eisenvitriol eigens aufgelöst werden, bevor man ihn der Mischung der beiden ersten Ingredienzien beimengt. Die auf diese Weise bereitete Tinte ist anfangs blaß und wird erst nach und nach an der Luft durch höhere Oxydation des Eisens schwarz; sie gibt aber in blassem Zustande angewendet eine dauerhaftere Schrift, weil ihre Theile in diesem Zustande feiner sind, das Papier besser durchdringen und mithin nicht ausradirt werden können. Hat die nach obiger Vorschrift bereitete Tinte eine mäßig dunkle Farbe erlangt, so soll man sie klar in Flaschen abziehen und gut verkorken. Einige Fabrikanten lassen sie, bevor sie sie verkorken, etwas Weniges in den Gefäßen schimmelig werden, in der Meinung, daß sie dann in den Flaschen nicht so leicht schimmelt; einige gestoßene Gewürznelken |159| oder ein anderes ähnliches Arom verhüten jedoch das Schimmeligwerden. Ich halte es für besser, die Galläpfel zu digeriren, anstatt sie zu sieden. Abkürzen läßt sich das Verfahren, wenn man den Eisenvitriol vorher durch eine mäßige Calcinirung in einem offenen Gefäße auf eine höhere Oxydationsstufe bringt; allein diese Tinte ist, so schön sie auch dem nicht Eingeweihten scheinen mag, nicht so dauerhaft und auch nicht so leichtflüssig, als die nach dem ersten Verfahren dargestellte. Man kann die aus der angegebenen Menge von Ingredienzien gewonnene Tinte durch Mehrzusaz von Wasser selbst bis auf 200 Pfund bringen, denn sie ist reicher als die meisten käuflichen Tinten. Wegen des hohen Preises der Galläpfel nimmt man statt ihrer leider zu häufig Sumach, Blauholz und selbst Eichenrinde.“

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