Titel: Ueber die Fabrication des indischen Stahles.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 72, Nr. LIII./Miszelle 11 (S. 238)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj072/mi072053_11

Ueber die Fabrication des indischen Stahles.

Hr. Wilkinson hielt am 16. Februar l. J. vor der Asiatic Society zu London einen Vortrag über die Verschiedenheit des Verfahrens, nach welchem man in Indien und in England bei der Stahlfabrication zu Werke geht, und über die Gründe, aus denen er mehrere der Eigenschaften des Eisens und der in denselben vorkommenden Verschiedenheiten der Einwirkung der Elektricität zuzuschreiben geneigt ist. Das Echo du monde savant entlehnt aus diesem Vortrage im Wesentlichen Folgendes. Das englische Verfahren besteht darin, daß man das Eisen in inniger Berührung mit Holzkohlen einer sehr starken Hize aussezt, während nach dem indischen Verfahren das Eisen mit den getrokneten Zweigen eines gewissen Strauches und den grünen Blättern einer anderen Staude in Tiegeln erhizt wird. Nach Hrn. Heath in Madras besteht das indische Eisenerz aus einem Gemenge von 48 Theilen Quarz und 52 Theilen eines magnetischen Eisenoxydes, welches sich hauptsächlich in der Gegend von Salem findet, und daselbst niedrige Berge bildet. Dieses Erz, welches schon an der Oberfläche in solcher Menge vorkommt, daß kein eigentlicher Bau auf dasselbe getrieben zu werden braucht, wird durch Pochen und Schlemmen von dem Quarz befreit, und in 3 bis 5 Fuß hohen birnförmigen Oefen, welche bloß aus Thon aufgeführt sind, behandelt. Das Gebläse besteht aus zwei Bokhautschläuchen, von denen eine Röhre aus Bambus ausläuft, welche in eine thönerne Windröhre endigt. Das Erz wird ohne allen Zuschlag auf Holzkohlen in den Ofen gebracht. Nach vierstündigem Spiele der Gebläse ist das Metall reducirt, wo man dasselbe in Gestalt einer teigigen Masse aus dem Ofen nimmt, und heiß mit einem Beilhammer in Stüke zerkleinert. Diese Stüke werden von den Schmieden gekauft und von diesen in Stäbe und in Stahl verwandelt. Die Schmiede erzeugen nämlich auf mehrere Hizen und durch wiederholtes Hämmern Stäbe, deren äußeres elendes Aussehen sehr wenig verspricht, aus denen man aber einen trefflichen Gußstahl zu bereiten versteht. Man schneidet die Stabe zu diesem Zweke in kleine Stüke, und bringt von diesen ungefähr ein Pfund mit trokenem Holze der Cassia auriculata und einigen grünen Blättern der Asclepias gigantea in Tiegel, von denen der Luftzutritt durch einen in sie gekitteten Dekel aus weichem Thone sorgfältig abgehalten wird. Wenn der Thon troken geworden, erhizt man beiläufig 20 solcher Tiegel 2 1/2 Stunden lang mit Holzkohlen in einem kleinen Ofen. Der Stahl, den man nach diesem Verfahren erhält, ist vortrefflich, allein man gewinnt von den 62 Proc. Eisen, welche in dem Oxyde enthalten sind, wegen der Unvollkommenheit der Schmelzung nur 15 Proc. Hr. Wilkinson kündigt in seiner Abhandlung an, daß er sich mit einer Reihe von Versuchen über den Einfluß, welchen elektrische Strömungen seiner Ansicht nach auf die Stahlfabrication ausüben, beschäftige.

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