Titel: Farel, über den Bau des Indigknöterigs.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 72, Nr. LIII./Miszelle 14 (S. 239–240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj072/mi072053_14
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Farel, über den Bau des Indigknöterigs.

Hr. P. Farel hat im Bulletin de la Société d'agriculture de l'Hèrault die Resultate seiner Versuche über den Indig- oder Färbeknöterig, Polygonum tinctorium, mit dem er im Jahr 1838 einen Flächenraum von 40 Aren bebaute, und über den unseren Lesern bereits die Beobachtungen anderer bekannt gegeben wurden, niedergelegt. Das Wesentliche dieser Resultate läßt sich in Folgendem zusammenfassen. Die Pflanze gedieh in dem genannten Departement sehr gut, und erreichte im Durchschnitte eine Höhe von 90 Centimeter. Auf einer Are standen 3000 Pflanzen, und jede Are lieferte ohne Stängel 800 Kilogr. frischer Blätter. Um 50 Kilogr. Blätter zu sammeln, hatten zwei Weiber zwei Tage zu pflüken. Die Kosten der Bodencultur beliefen sich beinahe eben so hoch wie bei dem Runkelrübenbaue. Hr. Farel erhielt erst dann, wann die Pflanze in die Blüthe zu treten anfing, reinen Indigo ohne Beimischung von grünem Sazmehle. Dieses Sazmehl, womit der Indigo auf einer früheren Entwiklungsstufe der Pflanze vermengt ist, würde, da es keine Verwandtschaft zur Baumwolle, Wolle und Seide hat, und sich also nicht auf diesen Stoffen fixirt, die färbende Kraft des Indigo nicht beeinträchtigen; dagegen wird es aber, da es dem Indigo ein viel schlechteres Aussehen gibt, seinem Werthe als Handelsartikel bedeutend schaden. Den schönsten, kupferigen Indigo erhielt Hr. Farel aus Blättern, welche zugleich mit den Samen gesammelt wurden. Die ersten Versuche, welche er zum Behufe der Darstellung des Indigo's machte, beruhten darauf, daß er nach vorläufiger Gährung zur Fällung des Sazmehles Kalkwasser anwendete und den Kalk dann später mit Salzsäure abschied. Später reichte er jedoch mit Umgehung des Kalkes und der Salzsäure bloß mit heißem Wasser aus. Er ließ nämlich die Blätter, nachdem sie mit Wasser, welches auf 40° R. erhizt worden, übergossen worden waren, die Gährung eintreten, goß nach Beendigung dieser die Flüssigkeit ab, und rührte sie stark und lange um, bis der dabei entstandene Schaum eine dunkle matte blaue Farbe zeigte, wo er dann durch Filtration einen angeblich absolut reinen Indigo erhielt. Bei 20maligen Versuchen gaben 50 Kilogr. Blätter einigemale 3/4 noch öfter aber 1/2 Proc. Indigo. Was die ökonomische Frage betrifft, so glaubt er diese beiläufig folgendermaßen abthun zu können.

Die Bearbeitung einer Hektare Landes kostet 600 Fr.
Das Sammeln der Blätter zu 2 Fr. die 100 Kil., macht für 80000
Kilogr., welche eine Hectare erzeugt

1600 –
Die Gewinnung des Indigo, zu 2 Fr. auf 100 Kil. der frischen
Blätter, macht

1600 –
–––––––
3800 Fr.
Ertrag: 80000 Kilogr. Blätter liefern zu 1/2 Proc. 400 Kilogr.
Indigo, der, das Kilogramm zu 14 Fr. angeschlagen, in
Summa gibt


5600 Fr.
–––––––
Der Reinertrag per Hectare beliefe sich also auf 1800 Fr.

Wenn auch im Großen dieser Ertrag viel geringer ausfallen dürfte, so wird er doch immer so bedeutend seyn, daß er eine ansehnliche Rente sichert. Zu bemerken ist, daß welke 10 Tage alte Blätter eben soviel Indigo gaben, wie die frischen; daß aber nach einjähriger Aufbewahrung kein Indigo mehr aus ihnen darzustellen war. (Echo du monde savant, No. 409.)

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