Titel: de Wilback's neue Räder für Eisenbahnwagen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 72, Nr. LIII./Miszelle 5 (S. 235–236)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj072/mi072053_5

de Wilback's neue Räder für Eisenbahnwagen.

Der Moniteur industriel vom 13. Januar 1839 berichtet von einer Erfindung des Hrn. de Wilback, welche an den Eisenbahnen Gefälle von viel größerer Steilheit und Curven von viel kleinerem Radius möglich machen, und daher die Baukosten der Bahnen um Vieles vermindern soll. Die ziemlich undeutliche Notiz, welche er hierüber gibt, lautet wie folgt: „Es scheint Hrn. de Wilback dadurch, daß er an jedem der Räder ein Sperrrad anbrachte, gelungen zu seyn, das bezüglich der Anwendung von Gefällen oder Rampen bestehende Problem, bei welchem es sich um Räder handelte, die bergan nach Belieben, nicht aber |236| bergab umlaufen können, gelöst zu haben. Es besteht bei der Anwendung dieser Sperrräder keine Gefahr des Brechens; ihre Abnuzung ist gering, und die Unterhaltungskosten sind unbedeutend. Die beim Uebersteigen der Gefälle verminderte Geschwindigkeit wird keinen Verlust an der Totalgeschwindigkeit bedingen. Es bedarf keiner stehenden Maschine; denn je nach Umständen wird es die am Fuße des Gefälles anlangende Maschine seyn, welche sich mittelst eines Taues oder einer Kette mitsammt dem Wagenzuge hinaufzieht, um oben ihren Weg fortzusezen; oder wenn sich am Fuße des Gefälles eine Station befindet, wird das Hinaufziehen durch die neue Locomotive bewerkstelligt werden. – Das zweite Problem, nämlich gefahrloses Durchlaufen von Curven mit kleinem Radius ohne Steigerung der Reibung und ohne Verlust an Geschwindigkeit, ward schon von Laignel gelöst, indem er die zu einem Paare gehörigen Räder solidarisch machte, so daß sie nothwendig eine gleiche Anzahl von Umläufen vollbringen mußten, und indem er den Durchmesser des die äußere Curve durchlaufenden Rades dadurch vergrößerte, daß er dessen Ohr auf der Schiene emporsteigen ließ. Nach dem Systeme des Hrn. de Wilback sind die Achsen gebrochen so daß also jedes der Räder die ihm nach den Curven zukommende Geschwindigkeit hat. Die auf geraden Bahnstreken parallelen Achsen werden demnach auf den Curven convergirend und bilden Verlängerungen der Radien dieser lezteren; ihre Stüzpunkte bilden ein Trapez. Die Reibung ist an den Curven genau dieselbe wie an geraden Bahnstreken. Die in Bezug auf die Rotirung von einander unabhängigen Räder sind an jedem Räderpaare in Bezug auf die seitliche Bewegung, welche nöthig ist, um die Achsen convergirend zu machen, solidarisch. Das Getrieb, welches mittelst zweier Zahnstangen die seitliche Bewegung bewerkstelligt, muß sich bei einer Curve mit 10 Meter Radius beiläufig nur um 4 Centimeter, bei einer Curve mit 50 Meter Radius nur um einen Centimeter, und bei einer Curve mit 100 Meter Radius beiläufig um 5 Millimeter drehen. Es hat einen Radius von 35 Millimeter, und die Kurbel, die dasselbe umdreht, hat ihrer 300. Auf einer ebenen Fläche mit Rädern ohne Ohren so gut wie auf den Schienen, durchläuft der Wagen beliebig gerade Linien sowohl als Curven von jedem Radius; auch geht er von den einen auf die anderen über, ohne daß eine Gefahr damit verbunden wäre, und ohne daß eine Zunahme der Reibung oder ein Verlust an der Gesammtgeschwindigkeit damit verbunden wäre.“

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