Titel: Locomotiven mittelst comprimirter Luft.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 72, Nr. LXXVIII./Miszelle 3 (S. 396)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj072/mi072078_3

Locomotiven mittelst comprimirter Luft.

Hr. Audrand zeigte der Akademie in Paris an, daß er eine Methode erfunden, nach welcher die Locomotiven mittelst comprimirter Luft in Bewegung gesezt werden könnten. Auf diese Ankündigung hin reclamirte Hr. Tessier die Priorität, indem er erklärte, daß er im Begriffe stehe, nach diesem Systeme eine Maschine zu bauen. Allein auch die Ansprüche dieses Erfinders wurden angefochten, und zwar durch Hrn. Pelletan, der unterm 10. Julius 1838 ein Patent auf eine derartige Anwendung der comprimirten Luft nahm. Das Echo du monde savant entlehnt aus dem Schreiben, welches Hr. Pelletan in dieser Beziehung an die Akademie richtete, folgendes. Ein Kubikdecimeter oder ein Liter auf 10 Atmosphären comprimirter Luft kann, wenn man sie ausdehnungsweise anwendet, für die Streke von einem Meter eine Kraft von 300 Kilogr. geben. 10 Liter geben also 3000 Kilogr., und verwendet man diese 10 Liter in einer Secunde, so gibt dieß die theoretische Kraft von 40 Pferden. Wenn man also einen auf 20 Atmosphären probirten Behälter aus Schmiedeisen von 2,8 Met. Durchmesser auf 6 Met. Länge hat, so faßt derselbe 36000 Kubikdecimeter; und wenn die in ihm enthaltene Luft auf 15 Atmosphären comprimirt ist, so kann er eine Stunde lang in jeder Secunde 10 Liter Luft abgeben, deren Spannung von 15 bis zu 5 Atmosphären wechselt, und also im Durchschnitte 10 Atmosphären beträgt. Reducirt man die theoretische Kraft von 40 Pferden auf die Hälfte effectiver Kraft, so wird ein derlei Behälter im Stande seyn, auf einer Eisenbahn einen Wagenzug eine Stunde lang mit einer Kraft von 20 Pferden und mit einer Geschwindigkeit von 10 Stunden in der Zeitstunde fortzubewegen. Man braucht also die Luft nur von 10 zu 10 Stunden zu erneuern, was mit Hülfe von stehenden Dampfmaschinen geschehen könnte. Der Druk von 15 Atmosphären kann hier keine Besorgniß erregen, weil in der Kälte gearbeitet wird, indem es nicht möglich wäre, mit einem solchen Druke in der Wärme zu arbeiten. Statt eines einzigen Behälters könnte man auch mehrere kleinere Röhren anwenden. Mit Röhren von 8 Zoll Durchmesser würde der Apparat für die oben angegebene Luftmenge 5000 anstatt 3000 Kilogr. wiegen. Die einzige Schwierigkeit, welche mit der Anwendung der comprimirten Luft verbunden ist, liegt darin, daß bei einem so starken Druke keine gehörige Adjustirung der Kolben zu erzielen ist. Hr. Pelletan schlägt daher vor, sich lieber seiner rotirenden Dampfmaschinen zu bedienen.

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