Titel: Ueber de Caligny's Wasserhebmaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 72, Nr. LXXVIII./Miszelle 6 (S. 397–398)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj072/mi072078_6
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Ueber de Caligny's Wasserhebmaschine.

Hr. de Caligny ist der Erfinder einer zum Heben von Wasser bestimmten Maschine, über welche in No. 8 des Compte rendu des Séances de l'Académie des sciences Folgendes enthalten ist. Die Maschine des Hrn. de Caligny hebt das Wasser mit Hülfe des Gefälles, welches Statt findet, wenn aus einem höher gelegenen Beken ein Theil der Flüssigkeit durch ziemlich lange Leitungsröhren in ein tiefer gelegenes fließt. Sie hebt an einer Stelle dieser Röhre einen Theil des Wassers, welches sich in das untere begeben sollte. Man denke sich das die beiden Beken verbindende Rohr entweder in seiner ganzen Länge oder bloß an der Stelle, an der das Wasser gehoben werden soll, auf eine ziemlich bedeutende Tiefe unter das Niveau des unteren Bekens gesenkt. An dem tiefsten Punkte dieser Röhre denke man sich eine senkrechte Röhre eingesezt, welche bis zu der Höhe, auf welche das Wasser gehoben werden soll, emporreicht. An der Stelle, an welcher die senkrechte Röhre in die waagerechte eingesezt ist, denke man sich ein bewegliches Stük, welches die Stelle eines doppelten Ventiles vertritt, welches durch die Maschine selbst in Thätigkeit gesezt wird, und dessen Aufgabe es ist, die senkrechte Röhre abwechselnd mit der einen oder anderen Seite der waagerechten Röhre, d.h. mit dem Wasser, welches sich aus dem oberen in das untere Beken begibt, in ausschließliche Communication zu sezen. Hat man diese Anordnungen gehörig aufgefaßt, so ist es ein Leichtes, sich das Spiel der Maschine zu versinnlichen. Man denke sich, daß das Wasser des oberen Bekens die Verbindungsröhre und einen Theil der Steigröhre erfülle, und man denke sich den Kolben so über dieser lezteren Röhre hinausgestellt, daß ihre Communication mit der Fortsezung der waagerechten Röhre, die in Folge der Verbindung, in welcher sie mit dem unteren Beken steht, gleichfalls mit Wasser gefüllt ist, gesperrt ist. Wenn nun das Spiel der Maschine beginnen soll, denke man sich, daß die senkrechte Röhre geleert worden, während der Kolben so jenseits dieser Röhre steht, daß die Flüssigkeit in ihr emporsteigen kann. Die Folge wird seyn, daß in der senkrechten Röhre eine aufsteigende Oscillirung entsteht. Da aber diese Röhre auf einer Höhe abgeschnitten ist, die unter jener liegt, bis auf welche das Wasser emporsteigen kann, so wird dieses mit abnehmender Geschwindigkeit bei der oberen Mündung ausfließen. In dem Augenblike, wo die Wassersäule stationär geworden, und wo kein Wasser mehr aus der Röhre ausfließt, eröffnet der Kolben, indem er sich dießseits der Steigröhre stellt, die Mündung der horizontalen Röhre, wo dann die Communication zwischen der Steigröhre und dem unteren Beken eröffnet ist. Hierauf sinkt die in der Steigröhre enthaltene Wassersäule herab, so daß in das untere Beken eben soviel Wasser zurükfließt, als aus der senkrechten Röhre ausgeflossen ist. Der Abfluß in dieses Beken währt so lange fort, bis die fallende Geschwindigkeit erschöpft ist. Ist diese Oscillirung zu Ende, so stellt sich der Kolben wieder jenseits der Steigröhre, so daß diese mit der Röhre des oberen Bekens communicirt, womit das Spiel der Maschine von Neuem beginnt. Wenn die Bewegung des Kolbens oder vielmehr der seine Stelle vertretenden Klappe durch die Maschine selbst gehörig regulirt ist, so wird sie, wenn man die senkrechte Röhre das erstemal geleert oder gefüllt hat, ihre Wirkung unbestimmt lange Zeit fortsezen. Zur Erleichterung des Spieles dieser Klappe, die den wesentlichen Theil der Maschine bildet, mündet der zweite Theil der horizontalen Röhre, durch welche das Wasser in das untere Beken abfließt, etwas unter dem Niveau des ersten Theiles dieser Röhre in die senkrechte Röhre. An der Einmündungsstelle befindet sich eine Kammer, in der die Klappe, welche eine Viertels-Umdrehung um die in der Nähe ihres Mittelpunktes befindliche Achse machen kann, untergebracht ist. In senkrechter Stellung schließt diese Klappe die Communication zwischen dem Steigrohre und der Abflußröhre, während sie dagegen die Communication zwischen dem Steigrohre und der von dem oberen Behälter herführenden Röhre eröffnet: in horizontaler Stellung eröffnet sich die erste Communication, während sie die leztere schließt. In beiden Stellungen strebt die Flüssigkeit sowohl während ihrer Bewegung als während des Zustandes der Ruhe den Verschluß, welcher Statt finden muß, zu erhalten. Die Maschine ist einfach und mit keinem anderen Verluste an Arbeit, als eben zur Ueberwindung der in den Röhren Statt findenden Reibung nöthig ist, verbunden.

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