Titel: S. Crosley's pneumatischer Telegraph.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 72, Nr. LXXVIII./Miszelle 7 (S. 398–400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj072/mi072078_7
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S. Crosley's pneumatischer Telegraph.

Nachdem wir bereits optische, akustische, hydraulische und elektromagnetische Telegraphen besizen, hat sich in neuester Zeit Hr. S. Crosley auch mit einem Vorschlage zu einem sogenannten pneumatischen Telegraphen vernehmen lassen. Das Wesentliche dieses Vorschlages beruht dem Mechanics' Magazine No. 814 S. 421 gemäß in Folgendem:

1) Atmosphärische Luft ist das leitende Agens des pneumatischen Telegraphen. – 2) Die Luft wird durch eine Röhre, welche von einer Station zur anderen läuft, isolirt. Diese Röhre ist an dem einen Ende mit einem Gashälter verbunden, der jede durch Compression oder durch Temperatursveränderungen in der Röhre vorgehende Erhöhung oder Verminderung des Volumens auszugleichen, und auch das durch Auslassen Verlorengehende zu ersezen hat. Das andere Ende der Röhre endigt sich in einen Drukanzeiger. – 3) Wenn an einer Station in dem Gashälter ein gewisser Druk erzeugt und unterhalten wird, so wird sich dieser Druk schnell bis zur nächsten Station erstreken, und daselbst an dem Drukanzeiger bemerklich werden. – 4) Zehn Gewichte, welche zehn verschiedene, durch Zahlen von einander verschiedene Grade von Druk erzeugen, und denen an dem Drukanzeiger eben so viele bestimmte Zeichen entsprechen, können also beliebige telegraphische, auf ein Signalbuch bezügliche Zeichen mittheilen. Man braucht nichts weiter, als an der einen Station ein dem gewünschten Zeichen entsprechendes Gewicht auf den Gashälter zu legen, um zu bewirken, daß an der nächsten Station an dem Drukanzeiger auf dasselbe Zeichen gedeutet wird. – 5) An Orten, wo keine fortwährende, sondern nur eine periodische Beobachtung des Telegraphen erforderlich ist, lassen sich die Signale auf Papier registriren, indem man mit der Luftröhre ein Instrument verbindet, dessen man sich an großen Gaswerken schon seit langer Zeit zur Aufzeichnung des Wechsels bedient, welcher in den Hauptgasröhren in Hinsicht auf den Druk vorgeht. Dasselbe Instrument bedingt auch eine Erweiterung des Maaßstabes, wodurch die bei kleinen Eintheilungen leicht möglichen Irrungen vermieden werden. – 6) Die Einführung der Eisenbahnen hat nicht nur der Telegraphie ein weiteres Feld eröffnet; sondern die Eisenbahnen beseitigten auch die Hauptschwierigkeiten, welche bisher der Errichtung der Telegraphenlinien und ihrer Unterhaltung und Sicherstellung im Wege standen. – 7) Die Hauptfragen, welche hiebei in Betracht kommen, beziehen sich auf die Sicherheit und Bestimmtheit der Mittheilungen, auf die Anlagskosten, auf die Unterhaltungs- und Bewachungskosten, und auf die zu den Mittheilungen erforderliche Zeit. – 8) Was die Zeit betrifft, so ist klar, daß weder der hydraulische noch der pneumatische Telegraph in dieser Beziehung mit dem elektromagnetischen concurriren kann. Unstreitig besizt aber jedes dieser Systeme seine Vorzüge, von denen je nach Umständen einer den anderen aufwiegen oder wenigstens ausgleichen kann. So wird z.B. eine größere Sicherheit wohl eine Differenz in der Zeit, welche nur zwischen einer Secunde und einer Minute und selbst zwischen einer Secunde und fünf Minuten beträgt, aufwiegen. – 9) Es fehlen zwar noch bestimmte, in größerem Maaßstabe angestellte Versuche über den pneumatischen Telegraphen; allein wir besizen dafür eine 20jährige Erfahrung in Hinsicht auf die Leitung des Leuchtgases in Röhren von verschiedenen Dimensionen; ja es bestehen Fälle, in denen das Gas bei sehr geringem Druke 5 bis 8 engl. Meilen weit geleitet wird. Als ein Beweis für die Raschheit, mit der die Bewegung Statt findet, läßt sich anführen, daß wenn eine plözliche Unterbrechung des Gaszuflusses vorkam, selbst in ausgedehnten Distrikten die Lichter mit einem Male und beinahe ganz gleichzeitig zum Verlöschen kamen. Ein anderer Beweis für die große Beweglichkeit der Gase liegt in der flakernden Bewegung der Lichter in großen Distanzen, wenn sich Wasser in den Röhren angesammelt hat. – 10) Die einzigen Beobachtungen über die Transmission von Luft in Leitungsröhren wurden, soviel mir bekannt ist, an den drei Eisenbahnstationen zu Edinburgh, Liverpool und Euston-Square angestellt. An diesen Anstalten benuzt man nämlich Luftröhren von 1 1/4 bis zu 2 engl. Meilen in der Länge, um Nachricht zu geben, wenn ein Wagenzug von der stehenden Maschine über die Rampe hinaufgezogen werden soll. Die Mittheilung geschieht hier nämlich, indem man am Fuße der Rampe in die Röhre Luft einbläst, wo dann an dem anderen Ende durch ein Pfeifchen oder auch durch eine Orgelpfeife Laut gegeben wird. Man befolgt dieses Verfahren schon seit zwei oder vier Jahren, und nie sind noch Klagen darüber |400| vorgekommen. – 11) Es wurde ferner ein Versuch mit einer zölligen Röhre von beinahe 2 engl. Meilen Länge, welche so gebogen war, daß sie auf denselben Punkt, von dem sie auslief, zurükkehrte, angestellt. Ein an dem einen Ende angebrachter Druk, welcher einer Wassersäule von 7 Zoll gleichkam, wurde an dem anderen Ende in 15 Secunden bemerkbar. – 12) Die Geseze, welche von ausgezeichneten Physikern über den Widerstand, den die Luftarten in Röhren erleiden, ausgemittelt wurden, scheinen auf gegenwärtig vorliegende Frage nicht ganz anwendbar; jedenfalls dürften erst Versuche, die in größerem Maaßstabe angestellt wurden, entscheiden. – Hr. Crosley hat in der Polytechnic Institution zu London ein Modell seines Telegraphen niedergelegt.

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