Titel: Fuchs, Verfahren den Eisengehalt der Eisenerze etc. zu bestimmen.
Autor: Fuchs, Johann Nepomuk
Fundstelle: 1839, Band 73, Nr. XI. (S. 36–47)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj073/ar073011

XI. Einfaches Verfahren den Eisengehalt der Eisenerze und anderer eisenhaltiger Körper zu bestimmen, und das Verhältniß von Eisenoxyd und Eisenoxydul darin auszumitteln, nebst Bemerkungen über ein Eisenphosphat von Rabenstein bei Bodenmais; vom Oberbergrath und Professor Dr. Joh. Nep. Fuchs in München.3)

Seitdem wir am kohlensauren Kalk oder kohlensauren Baryt ein Mittel kennen, das Eisenoxyd vom Eisenoxydul mit aller Schärfe zu scheiden, hat es in vielen Fällen keine Schwierigkeit mehr, das quantitative Verhältniß dieser Oxyde zu bestimmen, wenn sie zusammen in Verbindung mit anderen Substanzen vorkommen.4) Es gibt aber auch Fälle, wo sich dieses Verfahren nicht anwenden läßt, z.B. wenn Phosphorsäure vorhanden ist; und in diesem Falle befand ich mich unlängst, als ich ein Mineral von Rabenstein zu untersuchen bekam, worin mich die vorläufige qualitative Untersuchung Phosphorsäure, Eisenoxyd und Eisenoxydul erkennen ließ. Da die bekannten und in diesem Falle anwendbaren Methoden umständlich sind, und mir auch nicht sicher genug schienen, so bemühte ich mich, eine andere, einfachere und zugleich zuverlässige ausfindig zu machen; und dieses ist mir, wie ich glaube, gelungen.

Diese Methode, welche nicht nur in dem gegebenen Falle anwendbar ist, sondern überhaupt zur Bestimmung des Eisengehalts verschiedener Körper dient, will ich hier mittheilen, und dann auch Einiges über das angeführte Mineral von Rabenstein sagen.

Sie gründet sich darauf, daß die Salzsäure, wenn der Luft der Zutritt nicht gestattet wird, gar kein Kupfer auszulösen vermag, daß sie aber davon, wenn Eisenoxyd hinzukommt oder vorher schon darin enthalten ist, einen, diesem entsprechenden, Theil auflöset.

Dabei wird einerseits salzsaures Eisenoxydul, oder, wenn man lieber will, Eisenchlorür, andererseits salzsaures Kupferoxydul oder Kupferchlorür gebildet. Wenn man nun ein genau gewogenes Quantum von Kupfer in eine Auflösung von salzsaurem Eisenoxyd einträgt |37| und so lange kocht, bis sich kein Kupfer mehr auflöst, die Flüssigkeit dann abgießt, und das unaufgelöste Kupfer mit Wasser gut abwäscht, troknet und wägt, so erfährt man durch den Gewichtsunterschied, wie viel Kupfer aufgelöst worden.

Hiemit hat man Alles, was man zur Bestimmung des in der Salzsäure aufgelösten Eisenoxyds braucht; denn man darf nur mit der stöchiometrischen Zahl des Eisenoxyds (= 40) die aufgelöste Kupfermenge multipliciren und das Product mit der stöchiometrischen Zahl des Kupfers (= 31,7) dividiren. Der Quotient zeigt die Menge des Eisenoxyds an, welches in der Auflösung befindlich war. Es verhält sich nämlich die stöchiometrische Zahl des Kupfers zur stöchiometrischen Zahl des Eisenoxyds, wie sich verhält das aufgelöste Kupfer zu x, d. i. zum Eisenoxyd, was bestimmt werden soll.

Will man das dem Eisenoxyd entsprechende Eisenquantum wissen, so darf man nur für die stöchiometrische Zahl des Eisenoxyds die des Eisens (= 28) einsezen; die Rechnung bleibt übrigens die nämliche.

Wenn Eisenoxyd und Eisenoxydul zugleich in einem Körper vorhanden sind, so muß man, um jedes zu bestimmen, zwei Versuche machen. Bei dem einen wird die salzsaure Auflösung sogleich mit Kupfer gehörig gekocht, wodurch man herausbringt, wieviel Eisenoxyd darin ist; bei dem anderen wird zuerst das vorhandene Eisenoxydul auch auf das Maximum der Oxydation gebracht und im Uebrigen so verfahren, wie vorhin gesagt wurde. Von dem bei lezterem Versuche ausgemittelten Eisenoxyd wird das bei ersterem ausfindig gemachte abgezogen und der herausgebrachte Rest durch Rechnung auf Eisenoxydul reducirt.

Ich will nun angeben, was zu thun und zu beobachten ist, um die Versuche gut durchzuführen und zuverlässige Resultate zu erhalten.

1) Was das bei diesen Versuchen in Anwendung zu bringende Kupfer anbelangt, so muß es rein, und insbesondere eisenfrei seyn. Es ist daher rathsam, sich dasselbe aus Kupfervitriol durch Präcipitation mittelst Eisen und Auskochen des Präcipitats mit Salzsäure zu bereiten. Dieses wird zusammengeschmolzen und dann zu Blechen ausgewalzt, welche in 3–4 Linien breite Streifen geschnitten werden. Diese müssen vor dem Gebrauche nochmals mit Salzsäure ausgekocht werden, weil ihnen fast immer etwas Kupferoxydul anhängt, wodurch, wie leicht einzusehen ist, die Versuchsergebnisse unrichtig würden. Wie viel man bei jedem Versuche Kupfer anwenden muß, so daß stets noch ein nicht unbedeutender wägbarer Theil unaufgelöst bleibt, wird man leicht bemessen können, wenn man bedenkt, daß, wenn sich 100 Theile Eisenoxyd in der Auflösung befänden, 80 Theile Kupfer |38| völlig consumirt würden, und daß, wenn man 100 Theile metallisches Eisen auflösen und auf das Maximum der Oxydation bringen würde, von 114 Theilen zugesezten Kupfers nur sehr wenig unaufgelöst zurükbleiben könnte.

2) Die Salzsäure, welche rein und ziemlich concentrirt seyn muß, ist im Uebermaaß anzuwenden – nicht nur darum, daß sie während der Operation, wobei immer ein bedeutender Theil verflüchtigt wird, bis ans Ende in hinreichender Menge vorhanden sey, sondern auch, damit das sich bildende salzsaure Kupferoxydul dadurch aufgelöst erhalten werde. Man kann auch, wenn man es für nöthig erachtet, gegen das Ende der Operation etwas Salzsäure nachtragen; sie muß aber erwärmt oder mit heißem Wasser versezt seyn.

3) Um alles in der Auflösung befindliche Eisen oder dessen Oxyd genau bestimmen zu können, muß, bevor das Kupfer eingetragen wird, alles auf das Maximum der Oxydation gebracht seyn, weil sonst, wie leicht zu begreifen ist, ein zu geringer Eisengehalt angezeigt würde. Man bedient sich zu diesem Zweke gewöhnlich der Salpetersäure; allein diese ist hier nicht anwendbar, weil ein Ueberschuß derselben, selbst wenn die Flüssigkeit fast bis zur Trokniß abgedampft wird, nicht ganz entfernt werden kann, und dadurch auch ein Theil des Kupfers in Salzsäure auflöslich gemacht würde. Man muß daher entweder Chlorgas durch die Auflösung strömen lassen, oder, was weit bequemer ist, derselben chlorsaures Kali in hinreichender Menge zusezen, – nicht in Pulverform, sondern in Krystallen, weil sonst die Zersezung dieses Salzes zu rasch und mit starkem Aufwallen der Flüssigkeit erfolgt und viel chlorige Säure wirkungslos davon geht. Man hat sich dabei sehr in Acht zu nehmen, um nichts von den sich entwikelnden Dämpfen einzuathmen.

Hierauf muß man die Flüssigkeit zum Sieden bringen, und 3 bis 4 Minuten lang darin erhalten, um alles Chlor oder Chloroxyd zu verjagen. Dann darf man erst das Kupfer zusezen; was aber nicht während des Siedens geschehen darf, weil dadurch ein starkes Aufwallen der Flüssigkeit verursacht würde, wobei leicht einiger Verlust Statt finden könnte, der, so gering er auch wäre, den Experimentator bestimmen müßte, den Versuch als einen verunglükten zu betrachten und einen neuen anzufangen. Wenn die Flüssigkeit nur wenig abgekühlt ist, so daß sie nicht mehr siedet, so kann ohne Gefahr das Kupfer eingetragen werden. Rathsam ist es jedoch, besonders wenn viel Eisenoxydul vorhanden war, sich vorher zu überzeugen, ob alles in Eisenoxyd verwandelt worden. Dieses geschieht dadurch, daß man mittelst eines Glasstabes einen Tropfen von der Flüssigkeit herausnimmt, und in eine geringe Menge einer Auflösung von Kaliumeisencyanid |39| bringt. Wird diese dadurch braun, so kann man überzeugt seyn, daß sich alles Eisen auf dem Maximum der Oxydation befindet; wird sie aber bläulich, so ist es ein Zeichen, daß noch Eisenoxydul vorhanden ist, und es muß noch etwas chlorsaures Kali zugesezt werden. Es versteht sich übrigens wohl von selbst, daß diese Probe bei dem Versuche nicht zu machen ist, bei welchem man bloß das neben dem Oxydul vorhandene Oxyd bestimmen will, wobei auch das Chlor oder chlorsaure Kali keine Anwendung findet.

4) Während der Operation ist dafür zu sorgen, daß die Luft nicht einwirken kann. Deßhalb muß man, wenn das Kupfer eingetragen ist, die Flüssigkeit so schnell als möglich zum Sieden bringen und dieses ohne Unterbrechung fortsezen. Darum muß man auch die Operation in einem Kolben vornehmen, der aber doch ziemlich geräumig seyn muß, damit nicht bei dem bisweilen Statt findenden Aufstoßen der Flüssigkeit etwas hinausgeschleudert wird.

5) Als Kennzeichen für das Ende der Operation dient die Farbe der Flüssigkeit. Bald nachdem das Kupfer zugesezt worden, wird sie dunkelbraun; nach einiger Zeit hellt sie sich aber auf und wird blaß gelblich grün. Wenn man beim fortgesezten Kochen keine weitere Veränderung bemerkt, so kann man die Operation für beendigt ansehen. Bei der darauf folgenden Verdünnung mit Wasser muß sie sich wasserklar zeigen.

6) Um die Auflösung von dem unaufgelösten Kupfer zu entfernen, gießt man heißes Wasser zu, und füllt den Kolben ganz damit an. Dann gießt man Alles sogleich ab und wiederholt dieses noch einmal. Zulezt wird das rükständige Kupfer, was gewöhnlich einen bräunlichen Anflug hat, mit kaltem Wasser abgewaschen, bei etwas erhöhter Temperatur getroknet und gewogen; worauf die Berechnung folgt, wie oben schon gesagt wurde.

Wenn man alles dieses genau beobachtet, was keine Schwierigkeiten hat, so wird man bei mehrmaliger Untersuchung des nämlichen Körpers so übereinstimmende Resultate erhalten, als man nur wünschen kann. Zudem hat dieses Verfahren noch das Gute, daß die gewöhnlichen Nebenbestandtheile der Eisensteine keinen nachtheiligen Einfluß dabei ausüben und der Bestimmung des Eisengehalts nicht hinderlich sind. Es können, soviel ich bis jezt erfahren habe, ohne Nachtheil für diesen Proceß vorhanden seyn: Kieselerde, Thonerde, Bittererde, Kalk, Titanoxyd, Manganoxydul, Phosphorsäure, Schwefelsäure etc., indem bei ihrer Gegenwart nicht mehr und nicht weniger Kupfer aufgelöst wird, als wenn sie nicht vorhanden sind. Auch das Manganoxyd und Manganhyperoxyd kann nicht schaden, da es bekanntlich beim Auflösen in der Wärme in Manganoxydul verwandelt |40| wird. Ja, man könnte sich wahrscheinlich desselben mit Vortheil bedienen, um das Eisen auf das Maximum der Oxydation zu bringen, wenn es selbst ganz eisenfrei wäre.

Die Arseniksäure verhält sich nicht so indifferent wie die eben genannten Substanzen, es entstehen nämlich auf den Kupferblechen schwärzlich graue Schuppen, welche sich leicht ablösen und vor dem Löthrohr auf Kohle zu einem weißen und spröden Metallkorn (Arsenikkupfer) schmelzen. Dieses bemerkte zuerst Hr. Oberbergamtsassessor Bezold, welcher einen arseniksäurehaltigen Brauneisenstein von Langenborn bei Kahl nach dieser Methode untersuchte. Ob sich auf diese Weise alles Arsenik abscheiden und quantitativ bestimmen läßt, kann ich noch nicht sagen; jedenfalls verräth sich dadurch seine Gegenwart.

Wir haben demnach hiemit eine Eisenprobe auf nassem Wege, welche sich hinsichtlich der Genauigkeit gewiß mit den besten auf trokenem Wege messen kann, eine Probe, die nicht kostspielig ist, und keinen großen Zeitaufwand fordert, indem in Zeit von 2 Stunden leicht Alles dabei abgemacht werden kann, wenn man alle Requisiten dazu bei der Hand hat. Diese Methode dient aber nicht bloß die Eisensteine zu probiren, sondern auch den wahren Eisengehalt von Gußeisen und andern Eisensorten auszumitteln und sie in dieser Hinsicht mit einander zu vergleichen.

Aus der vom unaufgelösten Kupfer abgegossenen Flüssigkeit kann man mit Eisen das Kupfer niederschlagen, um sich zu neuen Versuchen reines Kupfer zu bereiten; man kann auch Eisen und Kupfer zusammen durch Schwefelwasserstoff-Ammoniak abscheiden, um nachher in der Auflösung noch andere Bestandtheile, welche man in dem, in Arbeit genommenen Eisen oder Eisenstein vermuthet, auszusuchen.

Ich will nun einige Versuche anführen, welche ich größtentheils bloß in der Absicht anstellte, um diese Methode in Hinsicht ihrer Zuverlässigkeit zu prüfen. Dazu könnte am besten ganz reines Eisen dienen; denn wenn man dieses in Salzsäure auflöste und auf das Maximum oxydirte, so müßte hernach durch das aufgelöste Kupfer wieder eben so viel oder wenigstens sehr nahe so viel angezeigt werden, als man zum Versuche genommen. Da es aber kein solches Eisen gibt, so muß man sich zu diesem Zweke mit solchen Sorten begnügen, welche nach ihren physischen Eigenschaften zu urtheilen, als nur sehr wenig verunreinigte zu betrachten sind. Kommen nun damit bei diesem Verfahren solche Resultate heraus, daß sie den bisherigen Erfahrungen nicht widersprechen, und findet auch die Theorie dagegen nichts einzuwenden, so wird man dasselbe als hinreichend bewährt |41| betrachten können, und ihm vielleicht vor manchen andern Methoden den Eisengehalt zu bestimmen, den Vorzug einräumen dürfen.

Ich machte also zuerst mit mehreren Sorten von geschmeidigen Eisen einige Versuche, und ging dann zu anderen über. Hievon will ich nur wenige als Beispiele angeben.

1) 50 Gran sehr weiches englisches Eisen, welches ich vom Hrn. Hofmusikus Böhm erhalten hatte, wurden in Salzsäure aufgelöst und mittelst chlorsaurem Kali auf das Maximum oxydirt. Dazu wurden 85,8 Gran reines Kupfer gesezt, wovon 29,6 Gran unaufgelöst blieben und mithin 56,2 Gran sich aufgelöst hatten.

Berechnung des Eisengehalts:

31,7 : 28 = 56,2 : x – 49,64, d. i. 99,28 Proc. reines Eisen.

Bei wiederholter Untersuchung ergab sich der Procentgehalt = 99,19.

2) 50 Gran Claviersaiten wurden in der Hauptsache eben so behandelt, wie das vorhergehende Eisen – nur mit dem Unterschiede, daß die Oxydation auf das Maximum mittelst Chlorgas geschah. Das aufgelöste Kupfer betrug 55,9 Gran, welchem 49,375 reines Eisen entsprechen. Der Procentgehalt dieser Eisensorte war mithin = 98,75.

Beim Auflösen derselben in Salzsäure sezte sich ziemlich viel Kohle ab, welche während des Durchströmens des Chlorgases durch die Auflösung völlig verschwand.

3) Graues und weiches Gußeisen von der Maximilians-Hütte bei Bergen.

50 Gran desselben wurden mit Salzsäure, chlorsaurem Kali und 80 Gran Kupfer behandelt wie Nr. 1. Das aufgelöste Kupfer betrug 53,4 Gran, welchen 47,16 Gran reines Eisen entsprechen, wie die Rechnung zeigt, nämlich:

(28 × 53,4)/31,4 = 47,16 = 94,32 Procent.

Als Nebenbestandtheile dieses Eisens fand ich Kohlenstoff, Silicium, Phosphor und Schwefel, und zwar in folgendem Verhältnisse:

Kohlenstoff 3,43
Silicium 1,75
Phosphor 0,37
Schwefel 0,12
Eisen 94,33
––––––
100,00

Das Silicium schied sich als Kieselerde schon anfangs beim Auflösen des Eisens in Salzsäure mit etwas Kohlenstoff (Graphit 1,8 Procent) vermengt aus, und wurde von diesem mittelst Kali geschieden. Sie kam mir aber später noch einmal unter die Hand, |42| nämlich bei der Bestimmung des Kohlenstoffs, welche ich beiläufig kurz anführen will.

Ich bediente mich dazu des salzsauren Eisenoxyds. Die Auflösung desselben wirkt, besonders wenn sie concentrirt ist, mit großer Heftigkeit auf pulverisirtes Eisen ein, und die Temperatur steigt von selbst fast bis zum Siedepunkt, wobei sich viel Wasserstoffgas und mitunter kohlenstoffhaltiges entwikelt. Dadurch würde man folglich den beabsichtigten Zwek nicht vollkommen erreichen; die Wirkung dieses Mittels muß daher gemäßigt werden. Dieses bewerkstelligte ich dadurch, daß ich der etwas verdünnten Auflösung so lange kohlensauren Kalk zusezte, bis sie eine dunkelbraune Farbe annahm, und schon etwas Eisenoxyd niederzufallen anfing. Mit dieser Auflösung, in welcher die Salzsäure möglichst abgestumpft war, wurde das pulverisirte Eisen übergossen und 3 Tage unter öfterm Aufrühren bei gelinder Wärme digerirt, wodurch ohne merkliche Entwikelung von Kohlenwasserstoffgas die Abscheidung des Kohlenstoffs bewirkt wurde. Zugleich sezte sich auch ein starker Schlamm von Eisenoxydhydrat ab.

Als kein metallisches Eisen mehr zu bemerken war, wurde die Flüssigkeit abgegossen, der Schlamm mit Salzsäure weggenommen, der kohlige Rükstand auf ein gewogenes Filtrum gebracht und weiter so verfahren, wie sich von selbst versteht.

Um den Phosphor- und Schwefelgehalt zu bestimmen, wurde aus der Auflösung, welche zur Bestimmung des Eisengehaltes gedient hatte, zuerst das Kupfer und Eisen durch hydrothionsaures Ammoniak, dann die Phosphorsäure durch salzsauren Kalk und zulezt die Schwefelsäure durch salzsauren Baryt niedergeschlagen und weiter so verfahren, wie bekannt ist.

4) Krystallisirter Spatheisenstein aus dem Lobenstein'schen.

70 Gran wurden in Salzsäure aufgelöst, mittelst chlorsaurem Kali in salzsaures Eisenoxyd verwandelt und mit 60 Gran Kupfer gehörig gekocht, wovon sich 35,08 Gran auflösten.

Darnach berechnet sich der Gehalt von Eisenoxydul und Eisen wie folgt:

a) 31,7 : 40 = 35,08 : x = 44,26 Gran Eisenoxyd;

b) 31,7 : 36 = 35,08 : x = 39,83 Gran Eisenoxydul;

c) 31,7 : 28 = 35,08 : x = 30,98 Gran Eisen.

Es sind mithin in 100 Theilen dieses Spatheisensteins, wie sich leicht durch Rechnung finden läßt, 56,9 Theile Eisenoxydul enthalten, welche 44,3 Theilen Eisen gleichkommen und 91,68 Theilen kohlensaurem Eisenoxydul entsprechen. Das, was von 100 Theilen abgeht, |43| nämlich 8,32, besteht in kohlensaurem Manganoxydul und vermuthlich auch etwas kohlensaurer Kalk- und Bittererde.

Ich untersuchte auch den geglühten Spatheisenstein, der bekanntlich durch das Glühen in Eisenoxyd und Eisenoxydul verwandelt wird; ich fand aber nicht, was ich zu finden gehofft hatte, nämlich, daß er wie der Magneteisenstein zusammengesezt sey. Er enthielt viel mehr Oxydul und weniger Oxyd.

5) Eisenglimmer vom Gleißinger Fels im Fichtelgebirge.

70 Gran wurden in Salzsäure aufgelöst und der Auflösung wurde etwas chlorsaures Kali zugesezt.

Beim Auflösen schied sich ein sandartiges Pulver ab, welches aus nichts als Quarz bestand, und 5,2 Gran wog. Es wurde aber erst nach beendigter Operation gesammelt. Von 80 Gran Kupfer, womit die Flüssigkeit gekocht wurde, lösten sich 51,2 Gran auf, welche 64,6 Gran Eisenoxyd entsprechen, wie die Rechnung zeigt:

(40 × 51,2)/31,7 = 64,6 Eisenoxyd = 45,22 Eisen.

Das Eisenoxyd und der Quarz zusammen machen 69,8 Gran aus, so daß also nur ein Abgang von 0,2 Gran Statt fand.

Demnach sind in 100 Theilen dieses Eisenglimmers 92,3 Eisenoxyd und 7,43 Quarz enthalten, und sein Eisengehalt beträgt 64,7 Procent.

Bei einem zweiten Versuche, dessen Resultat in der Hauptsache mit dem des vorigen übereinstimmte, fand ich nur 5,46 Proc. Quarz. Er muß folglich sehr ungleich in diesem Eisenglimmer vertheilt seyn. Auf keinen Fall ist darin Kieselerde mit Eisenoxyd chemisch verbunden.

Es mag überflüssig scheinen, daß ich bei diesem Versuche chlorsaures Kali in Anwendung brachte, da im Eisenglimmer das Eisen ohnehin schon als rothes Oxyd vorhanden ist; allein ich that es deßwegen, weil die Varietät, mit welcher ich es zu thun hatte, etwas auf die Magnetnadel wirkte, und daher etwas Eisenoxydul darin vermuthet werden konnte. Davon sind auch selbst manche Thoneisensteine nicht ganz frei; weßhalb es öfters rathsam ist, auch bei Untersuchung dieser Eisensteine etwas chlorsaures Kali in Anwendung zu bringen, wenn man ihren Eisengehalt richtig bestimmen will.

6) Krystallisirter Magneteisenstein.

Wenn man darin nicht bloß den Eisengehalt, sondern auch das Eisenoxyd und Eisenoxydul bestimmen will, so müssen 2 Versuche gemacht werden, wie oben schon gesagt wurde.

|44|

1. Versuch.

Die salzsaure Auflösung, wozu 50 Gran Magneteisenstein genommen wurden, behandelte ich, um das Eisenoxydul auch in Oxyd zu verwandeln, mit chlorsaurem Kali, und kochte sie dann mit 50 Gran Kupfer, wovon 40,71 Gran aufgelöst wurden. Das gesammte Eisenoxyd beträgt mithin

(40 × 40,71)/31,7 = 51,36 Gran = 102,72 Procent,

und der Eisengehalt macht 71,91 Procent aus.

2. Versuch.

Dazu wurden ebenfalls 50 Gran Magneteisenstein genommen, welche, nachdem sie in Salzsäure aufgelöst waren, sogleich und ohne Zusaz von chlorsaurem Kali mit 50 Gran Kupfer gekocht wurden, um das darin präexistirende Eisenoxyd zu bestimmen.

Das aufgelöste Kupfer betrug 27,1 Gran und folglich das demselben entsprechende Eisenoxyd

(40 × 27,1)/31,7 = 34,2 Gran = 68,4 Procent.

Wird das präexistirende Eisenoxyd (= 68,4) von dem, beim ersten Versuche ausgemittelten gesammten Eisenoxyd (= 102,72) abgezogen, so bleiben 34,32 Theile Oxyd; und diese sind

= (36 × 34,32)/40 = 30,88 Eisenoxydul.

Dieser Magneteisenstein enthält demnach, sehr nahe übereinstimmend mit der für dieses Eisenerz von Berzelius aufgestellten Formel (FF) in 100 Theilen

Eisenoxyd 68,40
Eisenoxydul 30,88
––––––
99,28
Abgang 0,72
––––––
100,00

Bei der hier beschriebenen Verfahrungsart den Eisengehalt zu bestimmen, kommt gleich viel auf richtige Rechnung, wie auf genaue Manipulation an, wenn zuverlässige Resultate erzielt werden sollen; und ein Haupterforderniß dabei ist, daß die stöchiometrischen Zahlen, welche der Rechnung zum Grunde gelegt werden, ganz richtig seyen. Berzelius nimmt, indem er den Sauerstoff = 100 sezt, für das Kupfer die Zahl 395,695 an, welche sehr nahe übereinstimmt mit 31,7, wenn nämlich der Wasserstoff (das Doppelatom) = 1 gesezt wird, und diese Zahl habe ich auch beibehalten.

|45|

Das Eisen hat nach Berzelius die Zahl 339,213 in der Sauerstoffscala, und sehr nahe 27,18 in der Wasserstoffscala. Allein diese Zahl scheint etwas zu klein zu seyn; denn wenn man damit rechnet, so bleibt man um ein Bedeutendes hinter dem wahren oder sehr wahrscheinlichen Eisengehalt der angeführten Körper zurük. Ich folgte daher, da ich keinen Grund habe, an der Richtigkeit des bei diesem Verfahren Statt findenden Processes zu zweifeln, in Hinsicht der stöchiometrischen Zahl des Eisens denjenigen, welche sie = 28 sezen; und dazu stimmen die erhaltenen Resultate so gut, als man es nur verlangen kann.

Wenn man die Zahl des Eisens = 27,5 und die des Kupfers = 31,5 sezen wollte, so käme man vielleicht der Wahrheit am nächsten; was ich jedoch nicht bestimmt behaupten will.5)

Ich komme nun zu dem Eisenphosphat von Rabenstein, welches die erste Veranlassung zu den vorstehenden Versuchen gegeben hat. Ich sagte schon, daß darin Eisenoxyd und Eisenoxydul mit Phosphorsäure enthalten sind; dazu kommt noch, wie die weitere Untersuchung zeigte, Manganoxydul nebst 9 bis 10 Procent Wasser und etwas phosphorsaurer Kalk, welcher wahrscheinlich nur als eingemengt betrachtet werden kann.

Die chemische Constitution dieses Minerals genau auszumitteln, war mir bisher noch nicht möglich, weil ich kein Exemplar habe erhalten können, welches nicht mit fremdartigen Substanzen verunreiniget oder nicht mehr oder weniger verwittert gewesen wäre. Der Eisengehalt fiel daher bei drei Untersuchungen sehr verschieden aus; das Eisenoxyd überwiegt aber jedenfalls weit das Eisenoxydul. Bei einem kleinen Stüke, was ziemlich rein und frisch zu seyn schien, ergaben sich durch die Untersuchung mit Kupfer 38,9 Procent Eisenoxyd und nur 3,87 Procent Eisenoxydul. Phosphorsäure erhielt ich einmal 25,52 und ein anderesmal 30,27 Procent.

|46|

In Salzsäure löst es sich mit Hülfe der Wärme leicht auf, und die Auflösung ist roth, wie die von Eisenoxyd; sie gibt aber mit Kaliumeisencyanid ein ziemlich starkes blaues Präcipitat.

Vor dem Löthrohre schmilzt es leicht zu einer schwärzlich grauen Kugel, welche nur sehr schwach auf die Magnetnadel wirkt.

Vorzüglich charakteristisch für dieses Mineral ist, daß es in ganzen und frischen Stüken eine dunkel grünlichschwarze und im Striche eine gelblichgrüne Farbe hat. Nicht selten ist es aber theilweise, ja öfters durch und durch bräunlich, mitunter auch gelblich; was als ein sicheres Zeichen von Verwitterung zu betrachten ist, wozu es sehr geneigt zu seyn scheint.

Es ist undurchsichtig oder nur höchst schwach an den Kanten durchscheinend.

Die frischen Stüke haben ungefähr die Härte des Apatits; die verwitterten sind weich.

Das specifische Gewicht eines reinen aber nicht ganz frischen Stükes fand ich = 3,38.

Es kommt gewöhnlich mit Triphylin vor, und beide sind oft innig mit einander gemengt, und das Gemeng, was eine schwärzlich graue Farbe besizt, zeigt unvollkommenen Blätterdurchgang, welcher nicht diesem Mineral, sondern dem Triphylin angehört. Der Triphylin ist manchmal auch nur stellenweise damit gemengt, wo er eine schwärzliche Farbe hat. Es gibt auch knollige Massen, welche auswendig aus verwittertem Triphylin und inwendig aus diesem Mineral bestehen, was auch gewöhnlich mehr oder weniger verwittert ist. Diese Knollen, woran sich bisweilen Krystallflächen von Triphylin erkennen lassen, sind fast immer hohl, und das in Rede stehende Mineral ist da öfters kleintraubig oder nierenförmig und zugleich kurzfaserig, ins strahlige übergehend; aber, wie gesagt, gewöhnlich verwittert und nicht selten mit einem gelblich grünen Anflug überzogen.

Bisweilen findet es sich auch in kleinen derben Partien in Quarz und Feldspath (Albit) eingewachsen; und diese Varietät ist theils höchst feinkörnig blätterig, theils ganz dicht – auf dem Bruche uneben und matt.

Dieses ist Alles, was ich gegenwärtig über dieses Mineral zu sagen weiß. Obwohl die Charakteristik desselben noch nicht vollständig ist, so sind doch Gründe genug vorhanden anzunehmen, daß es einer eigenen Species angehöre, für welche ich bezüglich auf seine Farbe im Ganzen und im Striche den Namen Melanchlor in Vorschlag bringe. Vermuthlich gehört dazu auch der von Karsten untersuchte sogenannte Grüneisenstein und ein von Vauquelin analysirtes |47| Eisenphosphat aus der Gegend von Limoges, welche beide Mineralien ich noch nicht zu Gesicht bekommen habe.

Wir glauben durch die Mittheilung dieser schäzbaren Abhandlung aus den zu München erscheinenden gelehrten Anzeigen den Eisenhüttenmännern etc. einen wesentlichen Dienst zu erweisen. A. d. R.

|36|

Siehe hierüber neues Jahrb. der Ch. und Phys. Jahrg. 1831. Bd. II. S. 184.

|45|

Beiläufig bemerke ich, daß, wie sich zwar von selbst versteht, diese Methode auch zur Bestimmung des Kupfergehaltes in manchen Fällen anwendbar ist. Zu diesem Zweke wird der kupferhaltige Körper in Salzsäure aufgelöst, wobei darauf zu sehen ist, daß alles Kupfer in Oxyd oder Chlorid verwandelt werde.

Die Auflösung wird unter Beobachtung der nöthigen Cautelen so lange mit Kupfer gekocht, bis sie eine blaß olivengrüne Farbe annimmt und nach der Verdünnung mit Wasser farblos erscheint.

Es ist begreiflich, daß, wenn kein Eisenoxyd vorhanden ist, eben so viel Kupfer in die Auflösung übergehen muß, als sich schon vorher darin befand, weßhalb man nur das rükständige regulinische Kupfer von dem in Anwendung gebrachten Quantum abzuziehen hat, um den Kupfergehalt des aufgelösten kupferhaltigen Körpers zu erfahren.

Wenn man z.B. eine Auflösung, zu welcher man 100 Gran reinen Malachits genommen, von dem man voraus schon weiß, daß er 57,5 Gran Kupfer enthält, mit regulinischem Kupfer gehörig behandelt, so wird man finden, daß sich darin, wenn auch nicht ganz genau, doch sehr nahe so viel Kupfer auflöst, als im Malachit enthalten ist. Würde sich merklich weniger auflösen, so wäre es ein Beweis, daß der Malachit nicht rein war.

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