Titel: Collomb, über die Gewinnung eines Krapp-Tafelroths.
Autor: Collomb, Ed.
Fundstelle: 1839, Band 73, Nr. XII. (S. 47–56)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj073/ar073012

XII. Ueber die Gewinnung eines rothen Farbstoffs aus dem Krapp und dessen Anwendung zum Zeugdruk; von Ed. Collomb.

Aus dem Bulletin de la Société industrielle de Mulhausen, No. 58.

Die Arbeiten, welche bisher über den Krapp unternommen wurden, haben uns hauptsächlich nur solche Thatsachen geliefert, welche für die Wissenschaft von Interesse sind; dahin gehören insbesondere die Entdekung des Alizarins und Purpurins von den HHrn. Robiquet und Colin, die Analysen der Krappwurzel von Buchholz und John, Kuhlmann, Gaultier und Persoz. Dagegen ist aus allen diesen Thatsachen nicht viel hervorgegangen, was eine unmittelbare Anwendung auf die Industrie gestattet hätte6): im Befestigen der Beizmittel, im Färben und Aviviren sind seit mehreren Jahren keine Veränderungen von solcher Wichtigkeit vorgenommen worden, daß man annehmen könnte, die Wissenschaft sey hier der Industrie zu Hülfe gekommen. Der Krapp scheint eine Ausnahme von der allgemeinen Regel zu machen; in Bezug auf ihn machten die Wissenschaft und Industrie immer gleiche Fortschritte, ohne sich jemals zu begegnen. Es ist mir nun durch ganz praktische Versuche, die ich nicht zu erklären suchen werde, gelungen, aus dem Krapp einen Farbstoff auszuziehen und denselben auf Gewebe aufzudruken, so daß ich ein achtes Rosenroth erhalte, wie man es sonst nur durch das Färben und Aviviren darzustellen vermag. Vielleicht gelingt es in der Folge durch Abänderung oder Verbesserung des Verfahrens auch Dunkelroth, Violett und Püce auf diese Art zu druken. Bis jezt habe ich mich nur mit dem Rosenroth beschäftigt, welches unter allen Farben, die der Krapp liefert, das größte Interesse darbietet.

Es wäre unnüz, die zahlreichen Versuche hier anzuführen, welche keine genügenden Resultate gaben; ich werde sie nur im Vorbeigehen erwähnen, damit nicht andere mit Wiederholung derselben die Zeit verlieren. Folgendes Verfahren gelang mir am besten und ich wende |48| es auch zu Wesserling seit mehreren Jahren an: Ich weiche 1 Kil. (2 Pfd.) vom besten Avignonkrapp in 5 Liter (10 Pfd.) kaltem Wasser ein, so daß ein ganz gleichartiger Brei entsteht. Der Krapp ist bisweilen so hart, daß er im Wasser schwer zu zertheilende Klumpen bildet; dieß läßt sich jedoch vermeiden, wenn man das Wasser nur in kleinen Portionen zusezt und dabei das Ganze sorgfältig umrührt. Diese Operation nimmt man in einem Gefäß aus Steingut oder Holz vor, welches 20–24 Liter (40–48 Pfd.) Wasser zu fassen vermag. Dann sezt man auf den Krapp 250 Gramme (16 2/3 Loth) Salpetersäure von 40° Baumé, die mit ihrem vierfachen Gewichte Wasser verdünnt wurde, zu, und vermischt das Ganze gut. In dem Augenblike, wo man die Säure zugießt, erfolgt ein schwaches Aufbrausen, weil der Krapp bekanntlich kohlensauren Kalk enthält. Nachdem das Aufbrausen aufgehört hat, läßt man die Masse einige Stunden stehen, indem man sie von Zeit zu Zeit umrührt; hierauf gießt man 15 Liter (30 Pfd.) kaltes Wasser hinzu, rührt um und läßt die Masse 12 Stunden lang ruhig stehen. Die Salpetersäure löst die verschiedenen Kali- und Kalksalze, das Gummi, den Zuker auf, wirkt auf das Harz und wahrscheinlich auch auf andere Substanzen; nach 12 Stunden ist sie dunkelbraun gefärbt. Man gießt nun die Flüssigkeit von dem auf dem Boden des Gefäßes befindlichen Krapp ab, sezt noch einmal 15–20 Liter kaltes Wasser zu, läßt den Krapp sich wieder absezen und gießt die Flüssigkeit nochmals ab; leztere ist jezt goldgelb. Endlich werden zum drittenmal 15–20 Liter Wasser auf die Masse gegossen, und nachdem sich der Krapp wieder abgesezt hat, davon abgezogen; dasselbe zeigt sich nun blaßgelb gefärbt. Wollte man den Krapp in diesem Zustande vier, fünf oder sechs Mal mit kaltem Wasser auswaschen, so würde er sich nicht mehr von selbst ganz absezen, sondern die feineren Theile blieben in der Flüssigkeit schwebend; man könnte also leztere nicht mehr abgießen, sondern müßte sie filtriren, wobei sich aber das Filter verstopfen würde; wenn man mit großen Massen arbeitet, wäre dieses Filtriren fast unmöglich.

Nach beendigtem Auswaschen gießt man aus den Krapp 400 Gramme (26 2/3 Loth) Aeznatronlauge, welche bei 15 oder 20° R. an Baumé's Aräometer 12° zeigt; rührt das Ganze von Zeit zu Zeit um und läßt es 12 Stunden lang weichen. Das Aeznatron dringt in den Holzstoff ein und bläht ihn auf; die Wurzel, welche goldgelb war, wird dadurch dunkelviolett. Bei dieser Operation werden die verschiedenen Farbstoffe des Krapps, nämlich ein rother, ein rosenrother und ein orangegelber aufgelöst. Man gießt hierauf 15 bis 20 Liter Wasser in das Gefäß und sezt dann 125 Gramme |49| (8 1/3 Loth) Salpetersäure von 40° Baumé, die man mit ihrem vier- bis fünffachen Gewicht Wasser verdünnte, zu; es entsteht sogleich ein reichlicher Niederschlag, der so voluminös und dik ist, daß ein hölzerner Rührer mitten in dem Gefäße stehen bleiben kann. Nun bringt man die ganze, aus dem klumpigen Niederschlage und Holzstoffe bestehende Masse auf ein Filter von weit gewobener Leinwand und sezt, nachdem alle orangefarbige Flüssigkeit durchgelaufen ist, neuerdings kaltes Wasser zu, wiederholt das Auswaschen sodann noch einmal und drükt den Rükstand zulezt schwach aus. Hierauf bringt man denselben in ein Gefäß aus Steingut oder Kupfer, welches 20–25 Liter faßt, und versezt ihn darin mit 2 1/2 Kil. (5 Pfd.) gepulvertem Alaun und 12 Liter (24 Pfd.) Wasser. Man leitet eine Dampfröhre in das Gefäß und steigert seine Temperatur in zehn Minuten bis zum Kochen, erhält die Masse unter Umrühren zehn Minuten im Sieden, schließt dann den Dampfhahn und gießt das Ganze noch kochend auf ein Leinwandfilter; dasselbe muß von einem etwas enger gewobenen Zeuge als das vorher erwähnte seyn. Die durchlaufende Flüssigkeit ist dunkelroth; man wascht den Krapp auf dem Filter mit kochendem Wasser aus, bis die Flüssigkeit nur mehr blaß rosenroth gefärbt ist; zwei- oder dreimaliges Auswaschen reicht hin, wenn man vor dem Zusezen frischen Wassers die erste Flüssigkeit vollständig ablaufen ließ. Sämmtliche Flüssigkeiten werden in ein hölzernes Gefäß, welches beiläufig 40 Liter faßt, zusammengegossen und allmählich, während sie noch heiß sind, mit 900 Grammen (60 Loth) krystallisirter Soda, die in ihrem zehnfachen Gewichte Wasser aufgelöst ist, versezt; vorher gießt man jedoch einige Tropfen Oehl auf die Flüssigkeit, damit sie durch das Aufbrausen nicht über die Ränder des Gefäßes hinaussteigt. Es bildet sich, besonders beim Erkalten, ein reichlicher Niederschlag, welcher eine Verbindung von Thonerde mit rothem und rosenrothem Farbstoff ist; mehr als 900 Gramme Soda darf man jedoch nicht zusezen, weil sonst der Niederschlag, welcher dunkelpurpurroth seyn muß, schmuzig ziegelroth würde. Man bringt nun das Gefäß auf eine erhöhte Stelle, um das Abgießen der Flüssigkeit leichter vornehmen zu können. Nachdem das Ganze erkaltet ist und der Niederschlag sich abgesezt hat, wascht man ihn mit heißem Wasser aus, bis dieses klar und farblos wird; gewöhnlich reicht dreimaliges Auswaschen hin. Nur durch Auswaschen mit heißem Wasser erhält man einen Lak von reiner Nüance und kaltes Wasser ist hiezu nicht ausreichend; wenn sich lezteres nämlich nicht mehr färbt, zieht kochendes noch eine orangefarbige Substanz aus, welche man absondern muß. Man bringt sodann den Niederschlag auf ein leinenes Filter und preßt ihn, nachdem alles Wasser |50| abgelaufen ist, aus, so daß man eine harte und consistente Masse erhält. Anstatt des Auspressens kann man die Masse auch mehrere Tage an der Luft ausbreiten, um das Wasser zu verdunsten.

Man rührt nun den Thonerdelak in einem kupfernen Gefäß mit 1 Kilogr. (2 Pfd.) Essigsäure von 8 bis 9° Baumé an, die man in kleinen Portionen und unter beständigem Umrühren zusezt. Hierauf erwärmt man die Masse auf 40–45° R., aber nicht stärker. Man könnte glauben, daß eine geringe Menge essigsaures Kupfer, welches durch Einwirkung der concentrirten Essigsäure auf das kupferne Gefäß entsteht, der Schönheit der Farbe schaden würde; dieß ist aber nicht der Fall, sondern das Kupfer macht die Farbe im Gegentheil etwas lebhafter. Benuzt man zur Operation ein verzinntes Gefäß, so muß man aus diesem Grunde der Flüssigkeit auch ein wenig essigsaures Kupfer zusezen. Aus 1 Kil. Krapp erhält man stets 2 Liter Farbe.

Die so bereitete Auflösung von essigsaurer Thonerde nebst rothem und rosenrothem Krapppigment ist schön dunkelroth, zeigt 17 bis 18° Baumé, und braucht zum Druken nur noch verdikt zu werden. Sie enthält jedoch noch eine körnige falbe Substanz, wovon man sie entweder durch Filtriren oder Abgießen befreien muß; am besten ist es sie durch Papier zu filtriren. Man verdikt sodann den Liter Farbe mit 5 bis 6 Grammen (1/3 bis 2/5 Loth) Traganth. Beim Verdiken sind einige Vorsichtsmaßregeln zu befolgen: man bringt nämlich zuerst den feingepulverten Traganth in das Gefäß und gießt die Auflösung in kleinen Portionen darauf, so daß ein Brei entsteht; hierauf sezt man die übrige Flüssigkeit zu, läßt das Ganze 12 Stunden lang stehen und erhizt es endlich noch über einem schwachen Feuer oder im Wasserbade auf 25° R.; eine höhere Temperatur würde die Flüssigkeit zersezen und einen reichlichen rothen Niederschlag hervorbringen, der sich selbst in einem großen Ueberschüsse von Essigsäure und sogar in Salzsäure nicht mehr auflöst. Nachdem der Traganth aufgelöst ist und man die Farbe durch ein feines Sieb passirt hat, eignet sie sich zum Druken.

Die Farbe wird wie gewöhnlich mit dem Model oder der Walze bedrukt. Die Mödel, Siebe, Bürsten müssen aber außerordentlich rein seyn, damit sich die rosenrothe Nüance nicht ändert. Nach dem Aufdruken der Farbe läßt man die Stüke zwei oder drei Tage lang hängen, worauf man sie auf gewöhnliche Art 1/2 oder 3/4 Stunde dämpft, im Flußwasser auswascht und troknet. Das Dämpfen ist nicht durchaus nöthig; man kann sich auch damit begnügen, die Stüke einige Stunden im Flußwasser zu waschen und zu walken; alsdann erhält man aber kein so lebhaftes Rosenroth.

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Diese Farbe muß immer erst zulezt eingedrukt werden; die Stüke lassen sich nämlich nicht mehr durch Chlor oder Kalk, Aezlauge, saures chromsaures Kali Passiren, ohne daß das Rosenroth leidet; der Luft, dem Licht und der Seife widersteht es aber eben so gut wie die gewöhnlichen Krappfarben.

Man kann diese Farbe auch auf Zeuge druken, welche vorher durch eine mit Schwefelsäure versezte Auflösung von Zinnoxyd in Aeznatron passirt worden sind, oder die man zuerst mit salzsaurem Zinnoxyd und hieraus mit kohlensaurem Natron behandelt hat, so wie auch auf solche, welche mit essigsaurer Thonerde grundirt und gut getroknet wurden; lezteres Verfahren liefert eine intensivere Farbe.

Die so eben beschriebenen Operationen können durch verständige Arbeiter im Großen eben so gut ausgeführt werden als im Kleinen. Der Avignoner Krapp lieferte mir immer farbstoffreichere Producte und überdieß in größerer Menge, als der Elsässer Krapp; lezterer ist dagegen leichter zu behandeln, denn sein Pulver ist gröber und er kann also schneller ausgewaschen und filtrirt werden.

Mehrere Chemiker, welche sich mit der Bereitung des Krapplaks beschäftigten, schlugen vor, man solle die Krappwurzel vor Allem mit vielem Wasser auswaschen oder gähren lassen; durch lang fortgeseztes Auswaschen mit Wasser wird ihr jedoch eine große Menge rothen Farbstoffs entzogen und man erhält nur eine geringe Ausbeute an Lak. Salpetersäure hat diesen Fehler nicht, indem sie die fremdartigen Bestandtheile größten Theils auflöst, ohne auf den Farbstoff zu wirken; sie läßt sich übrigens auch durch verdünnte Schwefelsäure ersezen.

Das Aeznatron, womit der Krapp nachher behandelt wird, löst alle Farbstoffe auf, so daß, wenn man dieses Alkali mit einer Säure sättigt und dann das Ganze mit einer hinreichenden Menge Alaun kocht, ein vollkommen entfärbter Rükstand bleibt, der wie Sägespäne von Tannenholz aussieht. Da der weiße Rükstand nur aus Holzstoff zu bestehen scheint, so ließe sich aus seinem Gewichte vielleicht der Werth einer Krappsorte im Vergleiche mit einer anderen bestimmen.

Wenn man die alkalische Auflösung mit Salpetersäure gefällt hat und filtrirt, darf man den Niederschlag nicht mit zu viel Wasser auswaschen; die Flüssigkeit bleibt nämlich sehr lange goldgelb gefärbt, besonders wenn man mit kochendem Wasser aussüßt. Man kann sich hiebei überzeugen, daß der Krapp wirklich einen rothen und einen rosenrothen Farbstoff enthält; denn wenn man diesen Niederschlag 25–30 Mal oder so lange mit heißem Wasser aussüßt, bis dasselbe farblos abläuft, und ihn dann mit Alaun und |52| kohlensaurem Natron behandelt, so liefert er einen glänzend rosenrothen Lak, welcher aber, wenn er aufgelöst und auf Zeug befestigt wird, nur ein sehr blasses Rosenroth hervorbringt. Wascht man hingegen den Niederschlag nur zwei oder drei Mal mit kaltem Wasser aus, so erhält man einen dunkelrothen Lak, welcher auf Zeugen ein sattes Rosenroth liefert. Die mit Säure, Aeznatron und dann wieder mit Säure behandelte Krappwurzel enthält also nicht nur einen rothen Farbstoff, welcher in kochendem Wasser oder in einer großen Menge kalten Wassers auflöslich ist, sondern auch einen rosenrothen, in dieser Flüssigkeit ganz unauflöslichen.7) Es wäre interessant, wenn man diese beiden Farbstoffe von einander trennen und dadurch ihre Eigenschaften ausmitteln könnte. Bei meinen Versuchen erhielt ich keine genügenden Resultate, weil es sehr schwer ist, ein orangefarbiges, mit dem rothen innig verbundenes Pigment abzuscheiden.

Das Verhältniß von 2 1/2 Kilogr. Alaun schien mir zum Auflösen der Farbstoffe das geeignetste zu seyn; nach dieser Behandlung ist der Krapp aber noch nicht vollständig erschöpft; er hält noch etwas rosenrothes Pigment zurük, welches man durch ein zweites Auskochen mit 1 1/2 Kilogr. Alaun ausziehen kann; die Farbe, welche lezteres beim Druken liefert, ist jedoch zu schwach, als daß sich seine Darstellung lohnen würde. Wenn man den Krapp (anstatt ihn auf einmal mit 2 1/2 Kilogr. Alaun auszukochen) dreimal nacheinander, jedesmal mit bloß 0,8 Kilogr. (1 3/5 Pfd.) Alaun auskocht, so erhält man nur sehr wenig rothen Lak, und überdieß eine geringere Qualität, was zu beweisen scheint, daß der rothe Farbstoff nur in einem großen Ueberschuß von Alaun auflöslich ist.

Die Alaunauflösung muß, während sie noch heiß ist, niedergeschlagen werden, weil sonst darin ein reichlicher stokiger orangefarbiger Niederschlag entsteht, nebst einem anderen dunkelrothbraunen und überdieß eine Portion krystallisirter Alaun gefällt würde, der viel Farbstoff mit sich risse; wenn man die Auflösung nach dem Erkalten neuerdings erhizt, lösen sich diese verschiedenen Niederschläge nicht wieder auf. Unter allen Alkalien verdient das kohlensaure Natron zum Fällen des Laks den Vorzug; Ammoniak und Kali, sie mögen im äzenden oder kohlensauren Zustande angewandt werden, geben keine so guten Resultate. Die 0,9 Kilogr. kohlensaures Natron sind bei weitem nicht hinreichend, um alle Thonerde aus den 2 1/2 Kilogr. Alaun niederzuschlagen; sezt man aber mehr davon zu, so wird der |53| dunkelrothe Niederschlag ziegelroth und behält diese Farbe bei, so oft man ihn auch auswaschen mag.

Um einen dunkelrothen Lak zu erhalten, braucht man nur in dem kohlensauren Natron 32 Gramme (2 1/4 Loth) Cochenille aufzulösen, zu filtriren und diese Auflösung zum Niederschlagen des Alauns zu benuzen; die folgende Behandlung ist dann gerade so, als wenn keine Cochenille angewandt worden wäre. Man erhält so auf Zeugen ein lebhaftes Dunkelroth, welches jedoch der Seife nicht ganz so gut widersteht, wie das mit bloßem Krapp dargestellte.

Beim Auspressen des Laks verfährt man am besten folgendermaßen: man läßt ihn in dem Zeuge, worin er filtrirt wurde und wikelt ihn dann in ein starkes Leinentuch ein, worin man ihn unter die Presse bringt.

Krappe, die bereits zum Färben von Roth und Rosenroth benuzt worden waren, lieferten mir bei derselben Behandlung wie ungebrauchte, sehr schöne Lake. Beim gewöhnlichen Färben wird also der Krapp bei weitem nicht erschöpft und der Rükstand, welchen man wegwirft, enthält noch viel Farbstoff.

Die Krappextracte, welche im Handel unter dem Namen Garancin, Colorin etc. vorkommen, lieferten mir nur schlechte Lake.

Die Kosten 1 Liters verdikter Drukfarbe berechnen sich in Frankreich auf 2 Fr. 90 Cent.

Bericht des Hrn. Heinrich Schlumberger im Namen des Ausschusses für Chemie, über das Krapp-Tafelrosenroth des Hrn. Collomb.

Das Tafelrosenroth des Hrn. Collomb ist ein in Essigsäure aufgelöster Krapplak, mit Traganth verdikt. Er versichert durch sein Verfahren ein Rosenroth zu erhalten, welches eben so acht ist, als das durch Färben mit Krapp und Aviviren erhaltene; doch sagt er später in seiner Abhandlung, daß sein Rosenroth die Passagen in Chlor, Aezkalk und Aeznatron, sowie in chromsaurem Kali nicht aushält.

Hr. Collomb hat seiner Abhandlung mehrere Muster beigelegt, bei welchen das Schwarz, Püce, Roth etc. auf gewöhnliche Art im Krapp gefärbt, das Rosenroth aber zulezt nach seinem Verfahren eingedrukt ist. Lezteres ist rein und sehr lebhaft, so daß man versucht werden könnte, es für ein in Krapp gefärbtes und avivirtes zu halten.

Ich habe das von Hrn. Collomb beschriebene Verfahren genau wiederholt und es gelang mir auch, dadurch ein Helles Rosenroth zu |54| erzielen, ähnlich demjenigen auf den eingeschikten Mustern. Ich glaube jedoch bemerken zu müssen, daß manches gefärbte Rosenroth den von Hrn. Collomb erhaltenen Nuancen vorzuziehen ist, und daß uns von einigen Seiten Proben von Krapp-Tafelrosenroth zukamen (worunter namentlich das schon vor einigen Jahren von Hrn. Leitenberger in Reichstadt dargestellte zu zählen ist), welches lebhafter als dasjenige auf den Mustern des Hrn. Collomb ist.

Obgleich wir aber nach dem von Hrn. Collomb beschriebenen Verfahren ein ähnliches Rosenroth wie auf seinen Mustern zu erzeugen im Stande waren, so erhielten wir doch hinsichtlich der Aechtheit desselben oder seines Verhaltens gegen verschiedene Agentien Resultate, welche von seinen Angaben sehr abweichen.

Hr. Collomb behauptet, daß sein auf Baumwollenzeuge aufgedruktes Rosenroth ächt ist und sich beim Aviviren wie das gefärbte Rosenroth verhält. Als ich jedoch die von Hrn. Collomb selbst eingeschikten Muster, sowie die nach seinem Verfahren von mir dargestellten, mit einem sehr schwachen kochenden Seifenbad behandelte, wurde dasselbe in kurzer Zeit Heller und bald darauf blieb nur noch eine schwache schmuzige Farbe zurük, während das gefärbte Rosenroth in einem solchen Seifenbad nicht nur aushält, sondern noch lebhafter wird.

Chlorkalk, Alkalien, Säuren wirken auch nachtheilig auf dieses Tafelrosenroth, während sie auf das gefärbte und avivirte Rosenroth fast gar nicht einwirken. Nur am Licht und unter dem Einfluß der Feuchtigkeit verhält sich dieses Tafelrosenroth eben so wie das durch die gewöhnlichen Färbeoperationen erhaltene.

Hr. Collomb verdikt seine Farbe mit Traganthgummi und dieser ist auch das einzige für sie taugliche Verdikungsmittel; nun wissen aber alle Druker, daß der Traganth für sich allein ein schlechtes Verdikungsmittel der Handdrukfarben ist, besonders für feine und zarte Muster. Dasselbe gilt auch für die Walzendrukfarben, indem es unmöglich ist, mit diesem Verdikungsmittel irgend ein Muster ganz rein zu druken.

Der Umstand, daß man genöthigt ist die Farbe mit Traganth zu verdiken, die schwache Intensität dieses Rosenroths und besonders seine geringe Haltbarkeit sind nach unserer Ansicht ein Hinderniß für seine vortheilhafte Anwendung.

Die von Hrn. Collomb vorgeschlagene Bereitung des Farbstoffs oder vielmehr des Laks ist keine neue Idee, denn seit mehreren Jahren kommen im Handel Krapplake vor, welche noch lebhafter und dunkler sind, als sie das Verfahren des Hrn. Collomb liefert. Dahin gehören vor allen die von Hrn. Schweighäuser in Straßburg |55| und der Mad. Gobert in Paris; leztere sind überdieß noch ziemlich wohlfeil. Ferner müssen wir hier die ungemein lebhaften Lake erwähnen, welche Hr. Leitenberg er in Reichstadt schon vor einigen Jahren zum Bedruken der Baumwollenzeuge benuzte.

Das Dictionaire technologique; hat im Jahr 1827 eine Vorschrift zur Bereitung der Krapplake bekannt gemacht, wonach man freilich nur geringere Sorten erhält und zu derselben Zeit stellten die HHrn. Robiquet und Colin schöne Krapplake mit ihrer schwefelsauren Kohle dar. Diese beiden Chemiker schlugen schon damals das Purpurin zur Darstellung eines Krapp-Tafelrosenroths vor, welches jedoch nicht acht ist, wie sie es auch selbst angaben.

Im Mai 1833 überschikte Hr. Peter Köchlin in Lörrach der (Mülhauser) Industriegesellschaft einige Flaschen einer Auflösung von Krapplak in Essigsäure zur Darstellung von Krapp-Tafelrosenroth und auf unserer Ausstellung im vorigen Jahre sahen wir Meubleszeuge mit türkischrothem Grund und mit Krapp-Tafelrosenroth eingedrukt, von demselben Fabrikanten eingesandt.

Hr. Collomb wurde durch seine Versuche veranlaßt, zwei Farbstoffe im Krapp anzunehmen: einen rothen, in kochendem Wasser auflöslichen, und einen rosenrothen, welcher darin unauflöslich, aber in Alaun auflöslich ist. Eine solche Annahme scheint uns jedoch durch seine Versuche keineswegs hinreichend unterstüzt zu seyn. Ich habe schon in meinen früheren Abhandlungen über den Krapp gezeigt, daß der Holzstoff der Krappwurzel eine sehr große Verwandtschaft zum Farbstoff hat, und selbst durch die geeignetsten Lösungsmittel nur sehr schwierig ganz davon getrennt werden kann; da Hr. Collomb den Krapp zuerst mit kochendem Wasser behandelt, so darf man sich also nicht wundern, daß, wenn dieses nichts mehr auflöst, eine Alaunauflösung daraus doch noch Farbstoff auszieht.

Hr. Collomb sagt in seiner Abhandlung auch, daß der Avignon-Krapp dunklere, sattere Lake und überdieß mehr davon liefert, als der Elsässer Krapp. Ich habe mich aber seit mehreren Jahren durch Versuche im Großen überzeugt, daß man mit beiden Krappsorten gleich gute Lake erhält und dieselbe Beobachtung machte auch Hr. Schweighäuser.

Hr. Collomb gibt dem kohlensauren Natron zum Niederschlagen der Krapplake den Vorzug. Ich habe bei meinen Versuchen keinen Unterschied zwischen den durch kohlensaures Natron und kohlensaures Kali gefällten Laken gefunden, wenn ich lezteres Alkali in klarer Auflösung und hinreichend rein anwandte. Dieselbe Beobachtung machten auch mehrere Krapplak-Fabrikanten schon vor mir.

Uebrigens sind wir Hrn. Collomb für seine uneigennüzige |56| Mittheilung sehr verbunden, weil Niemand vor ihm die Bereitung der Krapplake und das Verfahren sie zum Zeugdruk anzuwenden, so genau und umständlich beschrieben hat.

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Die zahlreichen Arbeiten von Heinrich Schlumberger, welche der Verfasser gar nicht erwähnt, sind unter allen Untersuchungen des Krapps für die Praxis die wichtigsten: man vergleiche darüber polytechn. Journal Bd. LVII. S. 455, Bd. LVIII. S. 283, Bd. LXV. S. 214, und Bd. LXX. S. 124. A. d. R.

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Diese beiden Bestandtheile des Krapps sind ohne Zweifel dieselben, welche von Gautier und Persoz aufgefunden wurden. A. d. O.

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