Titel: Die Leistungen der englischen Baumwollenmanufactur im Jahre 1838.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 73, Nr. XXXVII. (S. 133–150)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj073/ar073037

XXXVII. Die Leistungen der englischen Baumwollenmanufactur im Jahre 1838. Nach Burn's Commercial glance for 1838 und mit Rüksicht auf die deutsche Baumwollenmanufactur.

Der Aufschwung, den die Baumwollenmanufactur in England genommen, und der Umfang, den sie gewonnen hat, ist so staunenswerth, daß, wer sich immer für gewerbliche und nationalwirthschaftliche Gegenstände interessirt, nicht umhin kann, sie fortwährend im Auge zu behalten. Vielmal schon hat man geglaubt, sie habe nunmehr ihren höchsten Punkt erreicht, aus mancherlei Ursachen und Verhältnissen hat man ihr Schaden und Nachtheil prophezeyt, ohne daß sich diese Vermuthungen und Vorhersagungen bestätiget haben. Auch im Jahre 1838 hat sie wiederum bedeutend zugenommen, und die nachfolgenden Thatsachen mögen diese Behauptung begründen.

1. Rohe Baumwolle.

Die Einfuhr an roher Baumwolle war in England seit dem Jahre 1781, wo sie nur 5 Millionen Pfund betrug, bis zu dem Jahre 1833 bis auf 304 Mill. Pfd. gestiegen, die in 931,796 Ballen enthalten waren. Manche glaubten nun, der um diese Zeit sich bildende deutsche Zollverband würde der englischen Baumwollenindustrie wegen der sehr hohen Besteuerung der fremden baumwollenen Manufacturwaaren bedeutenden Schaden thun, und sie deßhalb in Abfall gerathen, oder wenigstens leiden. Indessen hat die Erfahrung diese Befürchtungen nicht gerechtfertigt. Ungeachtet sich im Innern des Zollverbandes, unter dem Schuze der Zölle, die deutsche Baumwollenfabrication außerordentlich gehoben hat, so hat doch die englische ihrerseits sich gleichfalls immer mehr ausgebreitet, gewiß ein erfreuliches Zeichen, daß die industriellen Fortschritte des einen Landes nicht so nothwendig auf Kosten der Industrie eines anderen Landes erfolgen, sondern daß die Industrie aller Länder gleichzeitig immer mehr prosperiren kann. Die Einfuhr der rohen Baumwolle stieg seit 1833 in folgender Progression. Sie betrug

|134|
1833 931,796 Ballen.
1834 946,585 –
1835 1,089,309 –
1336 1,191,744 –
1837 1,163,839 –
1838 1,429,062 –

im Durchschnittspreise zu 7 Den. das Pfund. Die Einfuhr ist demnach seit 1833 um ungefähr 50 Proc. gestiegen. Die Ausfuhr an roher Baumwolle betrug

1833 79,066 Ballen.
1834 90,895 –
1835 107,240 –
1836 100,853 –
1837 128,535 –
1838 102,370 –

Die Ausfuhr an roher Baumwolle ist also ebenfalls um etwa 20 Proc. gestiegen; doch lange nicht so stark als die innere Consumtion, die sich in folgendem Verhältnisse bewegt hat. Sie betrug

1833 877,589 Ballen.
1834 883,280 –
1835 937,616 –
1836 1,031,904 –
1837 1,064,931 –
1838 1,265,116 –

Sie hat sich also ziemlich um 50 Proc. gehoben, und der ganze Vorrath an roher Baumwolle, der 1837 in 259,373 Ballen bestanden hatte, bestand ultimo December 1838 in 321,099 Ballen.

Von der wieder ausgeführten rohen Baumwolle gingen nach

Amsterdam 1784 Ballen.
Belgien 10,224 –
Genua 3608 –
Hamburg 23,007 –23)
Dortrecht 2650 –
Rußland 20,894 –
Rotterdam 15,092 –
Triest 8637 –
Ireland 12,979 –
in andere verschiedene Häfen 3495 –
–––––––––––
102,570 Ballen.

2. Baumwollene Garne.

Die Quantität der im Jahre 1838 gesponnenen Garne beträgt 379,486,510 Pfd., und ist demnach gegen das Jahr 1837, wo sie |135| nur 324,031,851 Pfd. betrug, um 55,454,659 Pfd. oder um 16 Proc. gestiegen. Gegen das Jahr 1833 dürfte sich ungefähr folgendes Verhältniß herausstellen. Die Quantität der eingeführten Baumwolle betrug in jenem Jahre 303,000,000 Pfd. Die Vorräthe des vorigen Jahres können dabei außer Rechnung bleiben, weil am Schlusse des Jahres von der im Laufe desselben eingeführten Baumwolle ebenfalls wieder ein ähnlicher Vorrath für den Bedarf des nächsten Jahres bleibt, so daß sich diese Vorräthe gegenseitig gewöhnlich so ziemlich ausgleichen. Nehmen wir nun an, daß der Verlust an Gewicht bei dem Verspinnen der Baumwolle, nach dem niedrigsten Ansaze, auf 1/9 zu berechnen ist, und lassen wir, um in Bezug auf die Vorräthe alle und jede Differenz auszugleichen, die Ausfuhr jenes Jahres mit 79,066 Ballen ganz außer Berechnung, so würde aus den eingeführten 303 Mill. Pfd. roher Baumwolle doch nicht mehr als etwa 270 Mill. Pfd. Garn haben gesponnen werden können. Daraus erhellt demnach, daß die Fabrication der baumwollenen Garne seit jener Zeit um etwa 40 Proc. zugenommen hat.

Ueber die im Jahre 1838 gesponnenen 379,486,510 Pfd. Garn ist folgendermaßen disponirt.

Die Ausfuhr an Garnen und gezwirntem Garne betrug 116,116,180 Pfd.
Das Gewicht des in den ausgeführten baumwollenen Waaren
enthaltenen Garnes betrug

120,784,629 –
In mit Baumwolle gemischten Waaren, welche ausgeführt sind,
ist baumwollenes Garn enthalten im Betrage von

16,753,000 –
Sonach bleiben für die innere Consumtion u. die Vorräthe 125,832,701 –
––––––––––––––
379,486,510 Pfd.

Der Durchschnittspreis des Pfundes Garn stellt sich auf 12 3/4 Den., der des Pfundes gezwirnten Garnes auf 18 Den. heraus. Von den ausgeführten 116,116,180 Pfd. Garn waren 113,753,197 Pfd. Garn und 2,362,983 Pfd. gedrehtes Garn. Die Bewegung der Ausfuhr dieser Fabricate seit 1833 ist in folgender Progression vor sich gegangen. Sie betrug

an Garn an gedrehtem Garne.
1833 67,760,762 Pfd. 1,187,601 Pfd.
1854 78,212,330 – 1,982,736 –
1835 82,457,885 – 1,842,124 –
1836 85,195,702 – 2,020,998 –
1837 105,106,529 – 2,099,181 –
1838 113,753,197 – 2,362,983 –

Die Ausfuhr baumwollener Garne ist also seit 1833 um mehr als um 66 Proc., die Ausfuhr gezwirnter Garne um 100 Proc. gestiegen. Folgende Punkte bilden die Hauptabnehmer und empfingen an baumwollenen Garnen nachstehende Posten:

|136|
1836. 1837. 1838.
Garn im
Allgemeinen.
Garn im
Allgemeinen.
Garn Gedrehtes
Garn.
Pfd. Pfd. Pfd. Pfd.
Die Barbarei u. Marocco 36,400 16,444
Brasilien u. Südamerika 7320 108,521 27,776 289,904
Brittisch Westindien 19,770 93,852 15,290 48,555
Canada 272,362 234,428 248,902 31,461
Belgien 26,162 221,336 75,970 63,073
Küste von Afrika 2266 76,922 233,344 4979
Chili und Peru 5170 34,100 105,397
Das Cap 47,034 19,140 11,320 5890
Columbia 242,653 2732 12,090
Dänemark 44,621 97,856 29,700
Frankreich 109,734 354,025 98,713 105,166
Aegypten 234,266 660,700 1,268,495 19,400
Das fremde Westindien 7810 55,520 65,541 268,242
Gibraltar 72,523 280,114 257,374 23,116
Die Hansestädte 31,911,358 36,104,778 38,646,576 76,216
Hannover 188,105
Holland 14,016,795 17,235,896 22,733,186 108,784
Indien und China 9,006,052 9,013,319 10,969,816 70,034
Malta und Jonien 241,538 371,760 743,156 7399
Mauritius und Batavia 51,200 26,800 5854
Mexico 316,020 1,931,825 674,810 19,276
Neuholland 29,288 10,016 9865 6862
Neapel und Sicilien 2,585,405 3,765,400 5,829,572 39,255
Preußen 2736 4324 15,788
Rußland 18,866,308 23,910,019 18,799,716 20,071
Schweden und Norwegen 968,184 899,518 1,014,923 11,756
Spanien 15,970 3100 10,026 10,155
Sardinien, Toscana 2,625,224 3,354,145 3,501,981 252,791
Triest und Venedig 1,358,760 1,999,393 2,961,894 91,616
Die Türkei 1,785,399 3,387,171 4,260,607 38,426
Vereinigtes Nordamerika 205,369 357,432 265,983 450,951
–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
85,195,702 105,106,529 113,753,197 2,362,983

Aus dieser Uebersicht sieht man deutlich, wohin die Haupteinfuhren gehen, und sie beweist insbesondere auch das große Emporblühen der Baumwollenmanufactur in den Zollvereinsstaaten, auf welche weit der größte Theil der in den Hansestädten eingeführten Garne zu rechnen seyn möchte. Troz dem, daß seit 1834 große und bedeutende Baumwollspinnereien in denselben entstanden sind, ist dennoch die Weberei in noch stärkerem Maaßstabe gestiegen, so daß offenbar die neu entstandenen Spinnereien mit der Vermehrung der Weberei nicht haben gleichen Schritt halten können, sondern daß sich die Einfuhr fremder Garne um etwas mehr als 22 Proc. vermehrt haben mag, offenbar, weil die inländischen, obwohl vermehrten, |137| Spinnereien dem noch mehr gestiegenen Bedarfe der Webereien nicht haben Genüge leisten können.

3. Baumwollene Waaren.

Von manufacturirten baumwollenen Waaren wurden im Jahre 1838 ausgeführt an

Pfd. St.
Calicos 547,572,621 Yards in dem declarirten Werthe von 9,832,289
Cambrics und Muslins 5,845,521 147,964
Velveteens 4,688,077 152,363
Quilting etc. 472,202 15,729
Baumwollen und Leinen vermengt 1,870,473 22,551
Ginghams 2,516,576 65,011
Inletzeug 212,553 4073
Dimities 89,802 1535
Damast 18,332 522
Nankin 383,786 6461
Lawns 18,250 410
Nachgemachte Shawls 106,572 2664
Tüll 81,987,421 922,358
Tücher aller Art
Counterpanes etc.
905,231 Duzend 226,308
Strumpfwirkerwaare 447,391 – 219,967
Ohne Angabe 119,190
Bobbins 51,205 4080
–––––––––
11,746,475

Die Hauptausfuhrartikel bilden demnach Callicos, Tull, Strumpfwirkerwaaren, Tücher, Cambrics und Muslins, und Velveteens etc. Von diesen wurden ausgeführt nach

|138|
Callicos. Tüll. Strumpf-
waare
.
Tücher. Cambrics
und Muslins.
Velveteens
etc.
Yards. Yards. Duzend. Duzend. Yards. Yards.
der Barbarei und Marocco 4,004,094 66,654 4,145 18,723 57,383
Brasilien 57,842,750 593,458 110,927 127,438 310,438 44,674
Britt. Westindien 27,994,009 94,413 48,075 32,794 668,035 73,803
Canada 10,369,126 511,685 11,171 4,924 48,407 67,226
Belgien 2,134,105 15,743,893 4,662 16,953 101,223 133,325
Küste von Afrika 5,595,669 109,751 1,249 98,218 70,629 81,066
Chili und Peru 15,619,994 76,629 26,627 64,492 38,479 11,960
Cap 5,166,129 25,181 8,739 33,094 227,907 166,924
Columbia 4,575,695 10,640 3,251 5,249 31,396 384
Dänemark 57,759 8 161
Aegypten 13,545,957 19,300
Frankreich 2,661,472 13,209,466 1,368 3,117 59,192 35,948
Fremd-Westindien 18,486,136 493,521 21,270 59,047 182,226 32,054
Gibraltar 14,740,688 58,959 2,058 13,407 50,748 9,026
Hansestädte 41,115,788 32,121,937 1,596 39,979 1,236,003 2,094,376
Hannover 36,804 25,800 19 4,502 1,522
Holland 26,627,166 11,669,637 4,651 26,795 276,913 735,900
Indien und China 70,760,483 507,670 15,803 25,320 686,954 35,023
Malta und die Ion. Inseln 6,014,379 16,842 1,322 3,858 24,322 18,248
Mauritius und Batavia 6,290,308 96,620 11,483 13,499 259,437 7,277
Mexico 9,349,429 9,355 8,641 1,500
Neu Holland 3,917,366 166,724 26,735 10,254 380,095 152,264

|139|

Callicos.

Tüll.

Strumpf-
waare
.

Tücher.

Cambrics
und Muslins.

Velveteens
etc.
Yards. Yards. Duzend. Duzend. Yards. Yards.
Neapel und Sicilien 10,429,161 124,156 120 17,789 42,649 210,769
Preußen 400
Portugal und Madeira 39,794,813 558,510 12,353 17,785 81,425 90,610
Rußland 1,750,861 60,325 2,393 948 98,092 15,018
Schweden und Norwegen 368,812 37,468 270 3,640 13,939 9,969
Spanien 1,524,339 47,848 3,496 26,930 40,663 90,733
Sardinien, Toscana 29,654,139 555,670 2,396 30,025 35,332 49,593
Triest, Venedig 17,763,425 126,200 274 9,319 7,450 9,936
Türkei und Levante 55,730,272 3,374 322 8,769 163,688 63,952
Nordamerika 33,651,483 7,073,890 111,255 87,746 627,374 446,097
––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Total der Ausfuhr 1838. 547,572,621 81,987,421 447,391 808,924 5,845,521 4,688,077
– – 1837. 459,721,180 68,609,242 341,232 726,974 6,193,690 4,638,718
– – 1836. 522,600,344 89,341,275 421,802 738,528 9,555,724 5,814,686
– – 1835. 455,683,869 73,522,896 394,354 816,611 10,509,055 7,362,538
– – 1834. 413,760,655 83,308,400 352,874 691,482 11,544,044 7,504,933
– – 1833. 315,655,992 79,193,574 468,602 690,514 13,754,366 8,162,991
– – 1832. 257,426,695 73,516,126 469,134 239,875 15,243,393 7,431,501
– – 1831. 306,749,324 57,644,099 791,945 158,503 13,082,835 4,756,790
– – 1830. 349,695,580 69,603,688 346,349 243,536 19,705,628 4,909,930
– – 1829. 308,850,550 39,022,310 365,065 165,445 17,759,089 5,902,059
|140|

Aus dieser Uebersicht der Hauptausfuhren in baumwollenen Manufacturwaaren ergibt sich, daß gegen 1833 nur Velveteens und Cambrics, leztere allerdings bedeutend und noch mehr gegen frühere Jahre, zurükgeblieben sind, ein Ausfall, der jedoch durch die große Zunahme aller anderen Artikel weit überwogen wird.

Allerdings haben wir hier bloß die Hauptartikel erwähnt, besonders auch, um die Absazwege derselben zu bezeichnen, indessen gibt das Ganze ungefähr dasselbe Resultat des Fortschreitens und muß es nothwendig gewähren, weil sonst die bereits oben bemerkte fortschreitende Vermehrung der Einfuhr roher Baumwolle nicht möglich wäre.

Das Pfund Garn, welches als Garn einen durchschnittlichen Werth hatte von 12 3/4 Den., erlangte als Waare verarbeitet, dem Gewichte nach gerechnet, einen durchschnittlichen Werth von 23 5/16 Den.

Diese Notizen über den Umfang der manufacturirten baumwollenen Waaren beziehen sich allerdings nur auf die Bestimmung des ausgeführten Theils derselben, und lassen eine Lüke in Bezug auf die, eben auch sehr bedeutende, innere Consumtion derselben, die wir nur annäherungsweise durch Conjecturen auszufüllen vermögen, und versuchen wollen.

Wir haben oben gesehen, daß von den im Jahre 1838 in England gesponnenen Garnen von 379,486,510 Pfd. für die innere Consumtion die Summe von 125,832,701 Pfd., nach Abrechnung der theils in natura theils verarbeitet ausgeführten Garne in England und Schottland übrig blieben. Nehmen wir nun an, daß von dem Jahre 1837 her ein, wegen der damaligen Stokungen jedenfalls bedeutender Vorrath von Garn vorhanden war, so ist, da der Handel 1838 besser ging, anzunehmen, daß am Schlusse des Jahres 1838 kein größerer Vorrath davon im Ganzen verblieben seyn werde, als sich am Schlusse des Jahres 1837 vorfand, und daß man daher wohl annehmen könne, es werde die ganze oben bezeichnete Quantität von 125,833,701 Pfd. zu Waaren für die innere Consumtion verwendet worden seyn. Wir haben gesehen, daß zur Fertigung der sämmtlichen ausgeführten baumwollenen Manufacturwaaren die Summe von 120,784,624 Pfd. verbraucht wurde, die nahezu den Betrag des auf die innere Consumtion gerechneten Garnes erreicht. Man kann daher annehmen, daß die innere Consumtion im Ganzen eine eben so große, vielleicht noch etwas größere Masse von Waaren erfordert habe, als die ist, welche man an das Ausland abgegeben hat. Dieß trifft auch mit der gewöhnlichen Schäzung englischer Statistiker ungefähr zusammen.

|141|

Mac-Culloch 24) schäzt den Gesammtwerth der englischen Baumwollenfabricate ungefähr auf 34 Millionen Pfd. St., von denen die Hälfte ausgeführt wird, und Baines ist derselben Ansicht, und schäzt ihn auf 30–34 Millionen Pfd. St.

Die Ausfuhr baumwollener Fabricate hat im Jahre 1838 nach dem declarirten Werthe betragen:

a) an Garn für 6,043,138 Pfd. St.
b) an gezwirntem Garne für 177,224 –
c) an manufacturirten Waaren für 11,746,475 –
Hiezu also an manufacturirten Waaren für die innere Consumtion etwa 12,000,000 –
–––––––––––––––
Summa 29,966,837 Pfd. St.

Diese Summe möchte mit Baines niedrigster Angabe ungefähr übereintreffen, und es mag diese Angabe der Wahrheit um so näher kommen, als Baines und Mac-Culloch die Jahre 1831 und 1833 vor Augen haben, hier aber die Rede von 1838 ist, und eine Uebersicht der Ausfuhren Englands zeigt, daß der declarirte Werth der Waaren immer geringer wird, obwohl die Quantität derselben steigt, theils weil die rohe Baumwolle wohlfeiler wird, theils weil Ersparnisse an den Fabricationskosten erzielt werden. Erstere kostete z.B. 1833 an 8 Den. per Pfund, während sie 1838 mit 7 Den. durchschnittlich zu berechnen ist. Die obige Berechnung möchte daher wohl der Wahrheit ziemlich nahe kommen, wenigstens nahe genug, um, wenn es sich von so großen Summen handelt, Resultate mit ziemlicher Sicherheit ziehen zu können.

Betrachtungen.

Die große und unter allen Verhältnissen immer noch im Steigen begriffene Baumwollenmanufactur Englands muß nothwendig schon im Allgemeinen Staunen erregen, und die vorliegende Skizze reicht für den Kenner vollkommen hin, um die Wichtigkeit ihrer Bedeutung zu bemessen. Für unsere weniger damit bekannten Leser wollen wir indessen an diese Uebersicht noch einige Betrachtungen knüpfen, welche dazu dienen werden, auch ihnen die Wichtigkeit und Bedeutung einer solchen Manufactur für die wirtschaftlichen Verhältnisse eines Landes noch einleuchtender zu machen. Wir müssen deßhalb den Geldwerth, den die Stoffe bei ihrem Eingange haben, betrachten und sehen, wie derselbe nach und nach zunimmt, bis er die höchste Stufe erlangt, welches geschieht, wenn die manufacturirten Waaren in Umlauf gesezt werden, oder zur Consumtion übergehen.

|142|

Wenn wir bedenken, daß die Quantität des im Jahre 1838 in England gesponnenen Garnes, wie mehrmals bemerkt worden ist, 379,486,510 Pfd. beträgt, und erwägen, daß, wegen des Abganges, nach der geringsten Annahme die Quantität der dazu erforderlichen rohen Baumwolle die Quantität des daraus gesponnenen Garnes um 1/8 übersteigen muß, so sind dazu in runder Summe 427,000,000 Pfd. roher Baumwolle erforderlich gewesen, welche ein Capital von circa 12,450,000 Pfd. St. gekostet haben mögen. Diese sind allerdings dafür, wie man gewöhnlich zu sagen pflegt, aus dem Lande gegangen.

Dagegen ist der Werth dieses rohen Materials nach und nach durch die verschiedenen Arbeiten bis auf beinahe 30,000,000 Pfd. St., also fast um 150 % erhöhet worden, und diese Erhöhung kommt, mit alleiniger Ausnahme der Auslagen für einige Färbestoffe, ganz und gar England zu gute, welches auf diese Weise, wenn man auch ganz nach dem Geiste des Mercantilsystemes rechnen wollte, dennoch dabei, weil es nur etwa 12 1/2 Millionen ausgibt und für wieder ausgeführte Waaren allein gegen 18 Millionen Pfd. St. empfängt, über 5 Millionen Pfd. St. an Geld gewinnen und so zu sagen seinen eigenen Bedarf noch umsonst haben würde.

Ist nun auch diese Ansicht der Dinge in ihrer Schroffheit eine falsche, so dient sie nichtsdestoweniger dazu, die große Wichtigkeit dieses Fabricationszweiges für England zu beweisen, die übrigens in wirtschaftlicher Hinsicht auch dadurch so höchst bedeutend wird, daß, nach den neuesten Berechnungen, an 750,000 Personen direct, und ebenfalls so viele indirect dadurch Beschäftigung und Verdienst finden.

Wir knüpfen weiter daran die Betrachtung, wie wohlthätig es ist, daß rohe Baumwolle in den deutschen Zollverband freien Eingang hat, und wie unrichtig die Ansicht des französischen Zollsystems ist, welches sie mit einer Abgabe belegt hat und noch dazu den Kaufleuten zu Havre de Graçe, in Bezug auf ihren Verkauf, gewisse Monopole verliehen zu haben scheint, wie aus den Aussagen der HHrn. Mimerell von Roubair und Fauquet le Maitre und Crepet aus Rouen bei der Enquête von 1834 hervorgeht.25)

Endlich lassen sich auch manche Betrachtungen über die eigentliche Bestimmung großer Quantitäten von englischen baumwollenen Waaren, sowie über die zukünftigen Schiksale derselben machen.

Zuvörderst muß bemerkt werden, daß Asien, Afrika und Amerika einen sehr großen Theil der brittischen Baumwollenwaaren in Anspruch |143| nehmen, welcher, nach den angegebenen Wen, in den Hauptartikeln beträgt wie nachsteht:

Textabbildung Bd. 73, S. 143

Hiebei sind noch starke Einfuhren in der Türkei und Levante, die man in mancher Beziehung ganz zu Asien rechnen kann, nicht in Anschlag gebracht. Dieser Theil des Handels wird England für lange Zeiten hinaus ungestört bleiben, und er ist noch einer Erweiterung fähig, von der wir jezt kaum einen Begriff haben, weil mit der Civilisirung von Amerika, die für ganz Südamerika nun erst im Werden ist, nothwendig die Consumtion fortschreiten muß und den Engländern der Absaz dahin, wenigstens so lange sie ihr gegenwärtiges Uebergewicht auf der See behaupten, wohl fast ausschließlich verbleiben dürfte.

Die Ausfuhr nach jenen Gegenden hat das Gegengewicht, welches die verschiedenen zum Theil neu entstandenen Zollsysteme Europa's gebildet haben, wieder auf-, ja überwogen. Eine etwas genauere Betrachtung der Uebersicht der Ausfuhr baumwollener Fabricate seit 1829, die wir oben gegeben haben, zeigt, daß sich die Ausfuhr aller der Artikel, welche nicht in größeren Massen nach Asien und Amerika gehen, nicht auf eine entsprechende Weise vermehrt hat, und daß eine große Zunahme sich nur in den von uns ausgehobenen Hauptausfuhr-Artikeln zeigt, ja manche Artikel haben sogar bedeutend abgenommen. So hat z.B. in Velvets und Velveteens, Artikel, die ihm Natur nach in den wärmeren Ländern nicht großen Absaz finden |144| können, ein bedeutender Ausfall der Ausfuhr sich gezeigt. Die Ausfuhr dieser Artikel, die im Jahre 1829 noch 5,902,059 Yards betrug und sich 1833 bis auf 8,162,991 Yards erhoben hatte, kam von da an zum Sinken, und sank mit 1838 bis auf 4,688,077 Yds. Da dieser Artikel der Mode weniger unterworfen ist, die außereuropäischen Verhältnisse sich nicht geändert haben, und der Velvets u.s.w. für das heißere Klima der übrigen Welttheile nicht paßt, so ist man wohl berechtigt anzunehmen, daß die in Europa in der Zwischenzeit entstandenen neuen Zollsysteme die Abnahme der Ausfuhr in diesen Artikeln, die, der Lage der Sache nach, in den fremden Welttheilen keinen bedeutend erweiterten Absaz finden konnten, veranlaßt haben mögen.

Eine noch größere Aufnahme zeigt sich bei den Cambrics und Muslins, deren Ausfuhr sich so stellt:

1829 17,759,089 Yards.
1830 18,705,623 –
1831 13,082,835 –
1832 15,243,393 –
1833 12,754,366 –
1834 11,544,044 –
1835 10,509,055 –
1836 9,555,724 –
1837 6,193,690 –
1838 5,845,521 –

Die Ausfuhr dieses Artikels hat seit 1829 um 150 und seit 1833 um 100 Proc. abgenommen. Es ist wohl klar, daß diese Abnahme nicht auf Rechnung der übrigen Welttheile gesezt werden kann, denn dort sind Veränderungen der Mode nicht gewöhnlich und in ihren äußeren Verhältnissen hat sich nichts geändert. Auch nehmen sie 62 Proc. der dermaligen Ausfuhr für sich in Anspruch, während das übrige Europa nur 38 Proc. derselben consumirt. Die Abnahme der Ausfuhr dieser Artikel dürfte daher offenbar in einer Verminderung der Consumtion englischer Musline in Europa zu suchen seyn. So wie nun gewiß diese Erscheinung zum Theil auf Rechnung der neu entstandenen Zollsysteme zu sezen ist, so dürften doch diese allein dieselbe nicht in ihrem ganzen Umfange erklären. Immer noch sind Cambrics und Muslins beliebt und werden häufig getragen, und es könnte hier das russische Zollsystem, wo, wegen des viel kälteren Klima's, die Musline und Cambrics weniger Eingang finden können, weniger als der deutsche Zollverband gewirkt haben. Indessen wird die Abnahme schon früher bemerkbar. Sie dürfte daher nur zum Theil auf Rechnung des deutschen Zollverbandes zu rechnen seyn, theils aber in anderen Ursachen, namentlich in gewissen Vorzügen, welche die französischen, |145| deutschen und Schweizer Musline erlangt haben, gesucht werden müssen, wodurch die englischen gleichartigen Erzeugnisse schon früher von den europäischen Märkten verdrängt wurden.

Im Tüll dagegen ist eine Art von Stillstand eingetreten. Nachdem die Ausfuhr desselben von 1829 bis 1833 schnell von 39,022,310 Yards bis auf 79,193,574 Yards gestiegen war, und dann bald über bald unter dieser Quantität stand, hat sie 1838 an 81,987,421 Yds. betragen. Nach den übrigen Welttheilen ist der Absaz nur gering und beträgt nur 11 1/2 Proc., und von diesem kommen noch beinahe 7/9, auf Nordamerika. Der Zollverband in Deutschland kann, wegen des unbedeutenden Gewichtes dieses Artikels, kaum von sehr großem Einflusse auf die Consumtion desselben in Deutschland gewesen seyn, weßhalb sich ergibt, daß, wenn derselbe nicht gestiegen ist, der Grund davon hauptsächlich in dem geringen Absaze, den er in anderen Welttheilen findet, und in der Vervollkommnung der inländischen Fabricate gesucht werden möchte.

Dagegen hat die Ausfuhr von baumwollenen Tüchern und Calicos in reißender Progression zugenommen. Es betrug nämlich die Ausfuhr von

Tüchern. Calicos.
1829 165,445 Duzend 308,850,550 Yards.
1830 243,536 – 349,695,580 –
1831 158,503 – 306,749,324 –
1832 239,875 – 257,426,695 –
1833 690,514 – 315,655,992 –
1834 691,482 – 413,760,655 –
1835 816,611 – 455,683,869 –
1836 738,528 – 522,600,344 –
1837 726,974 – 459,721,180 –
1838 808,924 – 547,572,621 –

Die Ausfuhr der Tücher ist also fast um 500 Proc., die der Calicos um 74 Proc. gestiegen. Beide Gegenstände fallen so sehr in das Gewicht, daß der hohe, auf baumwollene Waaren ohne Unterschied von dem deutschen Zollverbande gelegte Eingangszoll nothwendig die Consumtion in Deutschland sehr vermindern mußte. In der That sind auch in den deutschen Zollverband an baumwollenen Stuhl-, Strumpf- und Posamentirwaaren nur eingegangen:

1829
1830
1831
durchschnittlich 12,150 Cntr.
1832 – – 14,159 –
1833 – – 12,953 –
1834 – – 13,540 –
1835 – – 13,808 –
1836 – – 13,507 –
|146|

im Durchschnitt also etwa 13,050 Cntr. oder 1,305,000 Pfd., während das in den ausgeführten beiden Artikeln enthaltene Garn allein auf 112,915,699 engl. Pfund zu berechnen ist.

Wären demnach auch unter den eingegangenen Baumwollenwaaren in Deutschland durchaus keine anderen als Tücher und Calicos eingegangen, was aber billig zu bezweifeln ist, so würden sie immer nur einen sehr unbedeutenden Theil der englischen Ausfuhr bilden. Die übrigen Welttheile aber haben im Jahre 1838 eine so große Anzahl beider Artikel für sich in Anspruch genommen, daß überall nur der kleinere Theil dieser Waaren für Europa übrig bleibt.

an Tüchern: an Calicos:
Die Ausfuhr hat nämlich betragen 808,924 Duz. 547,572,621 Yds.
Zieht man hievon die Ausfuhr nach den
übrigen Welttheilen ab mit
545,384 – 278,918,054 –
–––––––––––––––––––––––––
so bleiben für die europäische Consumtion 263,540 Duz. 268,654,567 Yds.

Wenn man nun bemerkt, daß im Jahre 1829 die Ausfuhr an Tüchern 165,445 Duzend, die Ausfuhr an Calicos aber 308,850,550 Yards betragen hat, so entsteht daraus die Gewißheit, daß, wenn auch die anderen Welttheile damals gar keine Tücher verbraucht hätten und die ganze damalige Ausfuhr in Europa geblieben wäre, dennoch der Verbrauch derselben in Europa seit jener Zeit um 60 Proc. zugenommen hat. Rechnen wir weiter den gegenwärtigen Verbrauch der übrigen Welttheile an Calicos von der Ausfuhr desselben im Jahre 1829 ab, so ergibt sich, daß, wenn derselbe schon im Jahre 1829 die gegenwärtige Höhe erreicht hätte, für die europäische Consumtion nur die unbedeutende Summe von 29,932,496 Yards übrig geblieben seyn würde. Dieß aber ist offenbar unmöglich, denn es läßt sich kaum denken, daß man damals in Europa eine so geringe Quantität dieser Waare consumirt habe, und daß seit jener Zeit, troz mancher der englischen Ausfuhr nachtheiliger Verhältnisse, sich die Consumtion in diesen Artikeln um 900 Proc. vermehrt haben sollte.

Ziehen wir dagegen die dermalige europäische Consumtion an 268,654,567 Yards von der gesammten Ausfuhr des Jahres 1829 ab, so verbleiben zwar, wenn die europäische Consumtion in diesem Artikel damals eben so stark gewesen wäre wie gegenwärtig, noch 40,195,983 Yards für die außereuropäische Consumtion. Indessen ist auch diese Annahme wohl offenbar zu gering. Im Jahre 1838 haben die Barbarei, brittisch Westindien und Canada allein mehr als diese Quantität verbraucht, und bei der Nothwendigkeit einer leichten Bekleidung in den heißeren Zonen, und Stätigkeit der Sitten und Gewohnheiten in diesen Gegenden, läßt sich erwarten, daß auch in den übrigen Welttheilen schon damals bedeutende Consumtionen in |147| diesen Artikeln stattgefunden haben, daß also dieses geringe Uebermaaß, über die Gesammtausfuhr von 1839, vorausgesezt, daß die europäische Consumtion damals dieselbe gewesen wäre, welche sie 1838 war, in keinem Falle die Bedürfnisse der übrigen Welttheile zu deken vermocht hätte.

Aus der Zusammenstellung dieser Umstände gelangt man zu dem wohl ganz sicheren Schlusse, daß im Jahre 1829 in beiden Artikeln sowohl die europäische als die außereuropäische Consumtion viel geringer als gegenwärtig gewesen seyn müsse, woraus sich hinwiederum unzweifelhaft ergibt, daß die Consumtionen Europa's, wie der übrigen Welttheile, in beiden Artikeln seit jener Zeit unbezweifelt gestiegen seyn müssen. In welchem Verhältnisse dieß geschehen sey, ist allerdings nicht auszumitteln; wahrscheinlich bleibt indessen, daß vorzugsweise die Consumtionen der übrigen Welttheile gestiegen seyn müssen, weil nicht nur die Zollsysteme Europa's, sondern auch die unter ihrem Schuze entstehenden und sich immer vermehrenden Fabriken im Innern derselben, eine schnelle, und in starker Progression zunehmende Vermehrung der europäischen Consumtion englischer baumwollener Waaren unwahrscheinlicher machen.

Dagegen hat die Ausfuhr und Consumtion baumwollener Garne gar sehr zugenommen, die sich folgendermaßen herausstellt:

1829 57,258,257 Pfund
1830 62,694,302 –
1831 58,846,308 –
1932 71,664,850 –
1833 67,760,722 –
1834 78,712,330 –
1835 82,457,885 –
1836 85,195,702 –
1837 105,106,529 –
1838 113,753,197 –

Diese Uebersicht weist ein konstantes Steigen dieses Ausfuhrzweiges nach, welches, da die übrigen Welttheile, selbst im Jahre 1838, nur 13,843,544 Pfd. in Anspruch genommen haben – eine Quantität, die beiläufig den achten Theil der Gesammtausfuhr in Anspruch nimmt – fast ganz auf Rechnung der vermehrten europäischen Consumtion zu sezen ist.

Die Ursachen dieser Erscheinung liegen ziemlich nahe. Der deutsche Zollverband hat mit großer Weisheit nur einen unbedeutenden Zoll von 2 Rthlr. für den Centner auf die Einfuhr baumwollener Garne gelegt, dagegen aber die baumwollenen Waaren hoch besteuert. Oesterreich, welches früher ausländische Garne gar nicht zuließ, hat seit einiger Zeit die Einfuhr gegen einen allerdings höheren |148| Zoll verstattet, und auch in Rußland ist der Bedarf von der Art, daß es noch Eingang in Massen findet.

Indem aber alle diese Länder die Verarbeiter der baumwollenen Garne im Innern durch hohe Schuzzölle und Einfuhrverbote gegen die Concurrenz fremder baumwollener Manufacturen sicherten, mußten sich diese Gewerbszweige nothwendig immer mehr heben, und es mußte mithin eben so nothwendig die Consumtion englischer Garne, deren Einfuhr gegen niedrige Zölle erlaubt ist, ziemlich in gleichem Verhältnisse steigen.

Dieses Steigen der Consumtion englischer baumwollener Garne, wie es zu dem Erhalten der englischen Baumwollenmanufactur beiträgt, gibt zugleich den erfreulichsten Beweis für das Steigen und Emporblühen der Baumwollenmanufactur auf dem europäischen Continente. In dem deutschen Zollverbande hat die Einfuhr baumwollener Garne, die zumeist fast ganz auf englische Rechnung zu sezen ist, betragen:

1834 251,148 Cntr.
1835 244,867 –
1836 307,867 –

sie ist also in diesen drei Jahren um mehr als 20 Proc. gestiegen. Dagegen hat die Ausfuhr baumwollener Garne betragen:

1834 40,695 Cntr.
1835 28,918 –
1836 27,942 –

Die Production baumwollener Garne im Inneren des Zollvereines ist seit 1834 unstreitig gestiegen, weil keine einzige der älteren Spinnereien eingegangen ist, wohl aber zu den bestehenden noch neue und größere Spinnereien dazu gekommen sind. Hat sich nun dessen ungeachtet die Einfuhr fremder baumwollener Garne um 20 Proc. vermehrt, und ist dagegen die Ausfuhr baumwollener Garne um nahezu 33 Proc. gefallen, so erhellt daraus deutlich, wie sehr die Production baumwollener Waaren gestiegen seyn müsse. Einen Beweis dafür gibt die Ausfuhr baumwollener Waaren aus den Zollvereinsstaaten. Sie betrug:

1834 74,955 Cntr.
1835 81,245 –
1836 84,273 –

während die Einfuhr in den gleichen Jahren betragen hat:

1834 13,540 Cntr.
1835 13,808 –
1856 13,507 –

und demnach stationär geblieben ist.

|149|

Die Ausfuhr baumwollener Waaren aus den Ländern des Zollverbandes ist demnach in diesen drei Jahren um etwas mehr als 12 Proc. gestiegen. Die Production selbst aber muß um viel mehr gestiegen seyn, denn der Ueberschuß der eingeführten baumwollenen Garne über die ausgeführten, die man, um die innere Production zu bestimmen, abziehen muß, beträgt für das Jahr

1834 210,453 Cntr.
1835 215,949 –
1836 279,925 –

Wenn wir nun auch annehmen, was gewiß falsch ist, daß das Erzeugniß an baumwollenen Garnen im Innern des Zollverbandes während dieses Zeitraumes gar nicht zugenommen hätte, so ergibt sich doch aus dem reinen Ueberschusse der Einfuhr baumwollener Garne über die Ausfuhr, daß die innere Production baumwollener Waaren in dem Zeitraume dieser drei Jahre sich um nahezu 33 Proc. vermehrt habe. Nimmt nun die vermehrte Ausfuhr 12 Proc. davon in Anspruch, so folgt daraus, daß sich die Consumtion baumwollener Waaren im Innern der Zollvereinsstaaten in diesem kurzen Zeitraume um 21 Proc. vermehrt habe.

Was endlich die Strumpfwaren betrifft, so ist die Ausfuhr in folgender Progression gestiegen:

1829 363,013 Duzend
1830 346,319 –
1831 791,945 –
1832 469,134 –
1833 468,602 –
1834 352,878 –
1835 394,354 –
1836 421,802 –
1837 341,232 –
1838 447,391 –

wovon 91 Proc. auf die übrigen Welttheile und nur 9 Proc. auf Europa gekommen. Ein so geringer Absaz in Europa kann nicht allein auf Rechnung des Zollsystemes, oder der Zollsysteme kommen, und darf daher wohl, wie schon längst geschehen ist, mit Recht auf den entschiedenen Vorsprung, den die Fabriken des Continents, namentlich die sächsischen Fabriken, in diesem Artikel vor den Engländern erlangt haben, gesezt werden.

Aus diesen Betrachtungen gehen doppelt erfreuliche Resultate hervor. Das erste ist die Gewißheit, daß die englische Baumwollenmanufactur fortwährend in Zunahme begriffen ist, das zweite: daß neben ihr die Baumwollenmanufactur der Zollvereinsstaaten gleichfalls im Prosperiren begriffen ist. Beide nicht zu bezweifelnde Ergebnisse |150| führen zu der erfreulichen und wohlthuenden Ueberzeugung, daß die Industrie beider Länder Hand in Hand fortschreiten kann, und entfernen die gehässige Idee, daß die Industrie des einen Landes nicht anders als mit und durch den Ruin der Industrie eines anderen Landes sich erheben könne und müsse, und das ist vielleicht nicht der kleinste Gewinn, den wir den eben gegebenen Erfahrungen und Thatsachen verdanken.

|134|

Zumeist für den Zollverband.

|141|

Dictionary of commerce. 2. Bd. S. 443.

|142|

Siehe polyt. Journal Bd. LIX. S. 299–311.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: