Titel: Ueber die Verkohlung vegetabilischer Stoffe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 73, Nr. XVI./Miszelle 15 (S. 76–77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj073/mi073016_15
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Ueber die Verkohlung vegetabilischer Stoffe.

Hr. Cagniard-Latour zeigte in einem Vortrage, den er im Monate April vor der Société philomatique in Paris hielt, und der beinahe etwas fabelhaft zu lauten schien, an, daß er mehrere Versuche über die Erhizung von Pappelholz in zugeschmolzenen Glasröhren angestellt habe. Bei diesen Versuchen soll das Holz, welches bald in kleinen Stükchen, bald als Pulver in die Glasröhren gebracht, vorher aber durch 10 bis 13 Stunden in einem auf 100° Celsius geheizten Darrofen getroknet worden, in dem Momente, wo es auf eine Temperatur, bei der die Verkohlung eintrat, nämlich auf 360° Celsius kam, so flüssig wie ein Erdharz geworden seyn. Nach dem Getöse, welches sich hören läßt, wenn die Röhren im Momente dieser Schmelzung plazten, glaubt Hr. Cagniard-Latour, daß die Röhren in diesem Momente einem inneren Druke ausgesezt sind, der vielleicht mehr als 80 Atmosphären beträgt. Selbst wenn man die Röhren nach dem Erkalten bricht, um die in ihnen verkohlte Holzmasse herauszunehmen, wird durch die plözliche Ausdehnung der in ihnen enthaltenen comprimirten Gase eine sehr starke Explosion erzeugt. In der verkohlten Masse ist selbst mit der Luppe keine Spur der Holztextur zu erkennen, bis zum Rothglühen erhizt brennt sie einige Augenblike mit Flamme, ohne jedoch dabei in Fluß zu kommen; als Rükstand bleibt hiebei eine Kohle, welche schwer verbrennbar zu seyn scheint, da sie verlischt, so wie man sie nicht langer mehr erhizt. Etwas von der verkohlten Masse zu feinem Pulver zerrieben und mit absolutem Alkohol übergossen, färbt diesen gelb; als Rükstand bleibt ein sehr feines schwarzes Pulver, aus welchem Hr. C. L. eine unauslöschliche Tinte zu bereiten gedenkt. – Hr. C. L. will seine Versuche mit verschiedenen Holzarten und auch mit einigen kalkigen Substanzen, in denen organische Stoffe enthalten sind, fortsezen, um zu erforschen, welche von diesen Substanzen unter Temperaturen und Drukgraden, welche die Glasröhren auszuhalten vermögen, in Fluß gebracht werden können. Er will diese Versuche auch mehr im Großen und mit eisernen Apparaten wiederholen, um zu sehen, ob sich hieraus nicht allenfalls in Bezug auf die Gewinnung der Holzkohlen Vortheile ziehen lassen. Auch hofft er hiedurch zu einigen Aufschlüssen über die Umstände, unter denen sich die Steinkohlen gebildet haben dürften, zu gelangen. (Mémorial encyclopédique, Februar 1839.)

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