Titel: Lehmanns Methode Stroh in eine haar- oder wollenartige Masse zu verwandeln.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 73, Nr. XVI./Miszelle 18 (S. 78–79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj073/mi073016_18

Lehmanns Methode Stroh in eine haar- oder wollenartige Masse zu verwandeln.

Im 33sten Bande der Brevets d'inventions findet man die Methode, nach welcher Hr. Lehman in Paris aus Stroh eine Masse bereitet, welche er anstatt des Roßhaares und der Wolle als Füllsel verwendet, also beschrieben. „Man |79| drükt das Stroh in Bottiche, wie sie die Färber zu haben pflegen, und welche bis auf 2 1/2 bis 3 Fuß von ihrem Rande in den Boden eingesezt sind. In diesen Bottichen übergießt man es mit soviel siedender äzender Kalk-, Kali- oder Aschenlauge, daß das Stroh davon bedekt ist. Um das Stroh untergetaucht zu erhalten, bedient man sich geeigneter Preßhölzer. Nach Ablauf von 48 Stunden schafft man das Stroh mit gebogenen Gabeln auf einen halben Dekel des Bottichs, um die Lauge ablaufen zu lassen. Je nach seiner Beschaffenheit, d.h. je nachdem es mehr oder weniger hart oder weich ist, muß hierauf das Stroh in einem Kessel, in welchen es eingedrükt wird, eine oder zwei Stunden lang gesotten werden. Daß das Stroh in hinreichendem Grade gesotten worden, erkennt man, wenn dessen Knoten zwischen den Fingern mit Leichtigkeit auseinander weichen. Nach dem Sieden wirft man das Stroh in große Körbe, wie man sie zum Waschen der Wolle zu benuzen pflegt, und in denen man es an die Waschvorrichtung schafft. Aus dem ausgewaschenen Stroh wird das Wasser ausgepreßt, worauf man es dann wie Wäsche auf Striken aufhangt, um es zu troknen. Im feuchten Zustande wird es hiebe: zwischen den Händen abgerieben, um ihm eine größere Weichheit zu geben. – Alle Arten von Stroh können dieser Behandlung unterworfen werden, doch eignet sich Roken- und Haferstroh am besten für sie. Es kann in präparirtem Zustande anstatt des Roßhaares und der Wolle zum Polstern verwendet und in Hinsicht auf Elasticität mit dem ersteren verglichen werden. Will man es nach Ablauf von einigen Jahren reinigen, so braucht man nichts weiter, als es in frischem Wasser auszuwaschen, wodurch es seine frühere Elasticität wieder gewinnt. Es kommt sehr wohlfeil zu stehen, und ist den Angriffen des Ungeziefers nicht ausgesezt.“

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