Titel: Preise für Glasfabrication, welche die Société d'encouragement in Paris ertheilte.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 73, Nr. XXXVIII./Miszelle 1 (S. 150–151)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj073/mi073038_1

Preise für Glasfabrication, welche die Société d'encouragement in Paris ertheilte.

Die Société d'encouragement ertheilte in ihrer am 16. Jan. 1839 gehaltenen öffentlichen Sizung drei der Preise, welche sie im Jahre 1838 auf verschiedene Verbesserungen in der französischen Glasfabrication ausgeschrieben hatte. Wir entnehmen aus dem Berichte, den Hr. Dumas bei dieser Gelegenheit erstattete, der aber für die deutschen und böhmischen Glasfabrikanten nichts Neues enthält, nur Nachstehendes.

1) Der Preis von 4000 Fr., der für die Fabrikation eines strengflüssigen weißen Glases ausgeschrieben war, wurde zu gleichen Theilen unter die beiden Concurrenten: Hrn. de Fontenay, Director der Glasfabrik des Baron Klinglin in Plain-de-Valch in den Vogesen, und Hrn. Bontemps, Director der Glasfabrik in Choisy-le-Roi getheilt. Nach den Versicherungen der Commission liefert die erste dieser Fabriken nunmehr den Chemikern Glaser, die dem Besten, was in diesem Fache aus den deutschen und böhmischen Fabriken hervorgeht, nicht im Geringsten nachstehen, und die sich bei starker Hize vor der Lampe arbeiten lassen, dabei aber doch die Rothglühhize aushalten, ohne eine Formveränderung zu erleiden. – Die Gläser der zweiten Fabrike, welche in Hinsicht auf den Preis des Brennmateriales etwas genirt ist, sind zwar etwas minder strengflüssig, zeichnen sich aber durch ihre vorzügliche Tauglichkeit für die Glasmalerei aus, indem sie ihrer Strengflüssigkeit ungeachtet dennoch gewisse Farben, die sich, wie z.B. das Gelb, nicht auf jeder Glassorte fixiren, annehmen.

2) Der Preis von 3000 Fr., der für die Fabrikation von Glas, welches in der Masse gefärbt worden, und von sogenanntem doppelschichtigem Glase bestimmt war, wurde ebenfalls zu gleichen Theilen zwischen die beiden Directoren der genannten Glasfabriken getheilt. De Fontenay liefert nämlich nach dem Gutachten der Commission aus den beiden genannten Sorten von Glas Geschirre von allen Farbenschattirungen, die in Böhmen erzeugt werden, und zwar zu denselben Preisen. Seine doppelschichtigen Gläser in Kobaltblau, Kupfergrün, Kupferpurpur, Goldrosa und Goldgranatfarb wetteifern mit dem Schönsten, was Böhmen in diesem Fache erzeugt. Hr. Bontemps fabricirt doppelschichtiges Tafelglas in Purpur, Blau, Violett und Grün und auch in der Masse gefärbtes Glas von allen im Handel vorkommenden Farbenschattirungen. Auch liefert er derlei Gläser, die alle für die Glasmalerei erforderlichen Eigenschaften besizen.

3) Der dritte Preis von 3000 Fr. endlich, der für die Verzierung und Malerei der bleifreien Krystallgläser ausgeschrieben worden, wurde zwischen Hrn. de Fontenay und Hrn. Louis Robert, Chef der Glasmalerei an der Fabrike zu Sevres, getheilt; denn beide erzeugen Glasgeschirre mit in der Muffel eingebrannten Verzierungen und Malereien, die in jeder Hinsicht den ausgezeichnetsten Leistungen der Böhmen gleichkommen. Andere Concurrenten hofften ähnliche, aber viel wohlfeilere Verzierungen auf Krystallglas zu erzeugen, indem sie die gewöhnlichen gegossenen Krystallgläser nahmen, diese mit dem Pinsel mit sehr leichtflüssigen Farben illuminirten, und die Stüke dann durch die Muffel gehen ließen. Da die Farben bei diesem Verfahren sehr leichtflüssig, und mithin nur von schwacher Tinte seyn können, so bekamen die mit ihnen ausgeführten Malereien weder Kraft noch scharfe Umrisse. Immerhin blieben aber auch diese Versuche |151| bemerkenswerth. Ein anderer Concurrent suchte ähnliche Producte, wie sie aus den venetianischen Glasfabriken hervorgehen, zu erzeugen, indem er die auf das Glas aufgetragene Malerei nicht in der Muffel, sondern in den Fenstern des Schmelzofens einzubrennen probirte, und dadurch eine große Ersparnis zu bewirken hoffte. Es ist sehr schwierig, nach diesem Verfahren reine und scharf begränzte Zeichnungen zu erlangen, und auch dem Concurrenten ist dieß nicht gelungen.

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