Titel: Papier aus den Fasern der Bananenstämme.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 73, Nr. XXXVIII./Miszelle 20 (S. 158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj073/mi073038_20

Papier aus den Fasern der Bananenstämme.

Die France industrielle enthält einen Aufruf an die französischen Colonisten Indiens, worin ihnen ans Herz gelegt wird, sich auf Erzeugung eines Productes zu verlegen, welches ein treffliches Material zu Papier abgibt, und ihnen aus der Bedrängniß, in welche sie durch den Aufschwung der Runkelrübenzuker, Fabrikation kamen, helfen könnte. Es handelt sich nämlich um die Ausbreitung der Cultur einer Pflanze, die dermalen in allen Tropenländern ihrer Früchte wegen an jedem Hause gezogen wird, die zugleich aber auch in ihren Stämmen und Blättern einen Faserstoff enthält, welcher ein treffliches Material zur Papierfabrication liefert. Diese Pflanze ist die Banane oder der Pisang (Musa paradisiaca). Die Versuche, welche Hr. Delatouche in Paris über die Verarbeitung dieses Faserstoffes zu Papier anstellte, ergaben so günstige Resultate, daß er demselben sowohl in seiner Anwendung für sich allein, als auch mit Lumpen und Baumwolle gemengt, ein ausgedehntes Feld für die Zukunft prophezeyt. Die erzielten Papiere sind viel stärker, geschmeidiger und weniger brüchig als die aus Lumpen und Baumwolle fabricirten, und scheinen vom stärksten Papiere an bis zum chinesischen Papiere herab alle wünschenswerthen Eigenschaften in sich zu vereinen. Vor lezterem hat es namentlich den Vorzug, daß es bei gleicher Feinheit eine außerordentliche Stärke besizt, und dennoch um 30 Proc. wohlfeiler ist. Um den Faserstoff aus den Stämmen und Blättern des Pisang zu gewinnen, bedient man sich der Zukerrohrmühlen, der Walkmühlen, der Pressen mit cannelirten Cylindern, und hierauf zur Beseitigung des Pflanzenparenchymes der Gährung und des Auswaschens in fließendem Wasser. Die Verarbeitung desselben in Zeugmasse geschieht wie die Bereitung des Zeuges aus Lumpen; dasselbe gilt auch vom Bleichen und von der weiteren Behandlung. – Wir bemerken hiezu nur noch, daß man aus den Pisangfasern in den Tropenländern schon längst verschiedene Zeuge und Matten verfertigte, und daß sich hiezu namentlich eine auf den Philippinen einheimische Varietät des Pisang, die deßwegen von den Botanikern auch den Namen Musa textilis beigelegt erhielt, trefflich eignet. Das Klima von Algier dürfte sich zur Anpflanzung dieses schäzbaren Gewächses wahrscheinlich sehr gut eignen.

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