Titel: Ueber die nachtheilige Wirkung, welche schwarze Anstriche auf Holz äußern.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 73, Nr. L./Miszelle 11 (S. 239–240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj073/mi073050_11
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Ueber die nachtheilige Wirkung, welche schwarze Anstriche auf Holz äußern.

Hr. W. Keunish sagt in einem in den Abhandlungen der Society of arts erschienenen Aufsaze: „Die nachtheilige Wirkung, welche die schwarze Farbe auf das Holz ausübt, sieht man nicht irgend wo deutlicher, als an den schwarzen Streifen eines Schiffes, welches einige Zeit über dem tropischen Klima ausgesezt gewesen. Die schwarz angestrichenen Bohlen zeigen sich nach allen Seiten zersprungen, und ich bin fest überzeugt, daß ein Stük weiß angestrichenen Holzes noch einmal so lange dauert, als ein Stük gleichen, aber schwarz angestrichenen Holzes. Ich hörte öfter erfahrne Männer den Ausspruch thun, daß sich Schwarz nicht für Holz eigne, weil es zum Behufe der Abhaltung der Witterungseinflüsse keinen Körper besize. Dieß ist zum Theile der Fall; allein ein noch größerer Nachtheil, ein Nachtheil, der so groß ist, daß man Holz nie schwarz anstreichen sollte, erwächst aus der Absorption der Wärme. Eine schwarze unpolirte Oberfläche absorbirt die Wärme am stärksten, und strahlt sie eben so wieder am stärksten aus; von einer weißen Oderfläche gilt gerade das Entgegengesezte. Schwarz angestrichenes Holz wird demnach bei gleicher Temperatur viel mehr Wärme absorbiren als weißes; und die Folge hievon ist, daß sich die Poren des Holzes mehr ausdehnen, daß das Holz nach allen Richtungen leichter nachgibt, daß das Wasser leichter in dasselbe eindringt, und daß also dessen Zerstörung durch die Witterungseinflüsse schneller erfolgt. – Ich hatte Gelegenheit, zwei Fälle, aus denen der nachtheilige Einfluß der schwarzen Farbe deutlich hervorgeht, zu beobachten. An der Sloop Ringdove, welche mehrere Jahre über in Westindien stationirt gewesen, zeigte sich nämlich bei der angeordneten Ausbesserung derselben das Holz um alle die Bolzen herum, welche in die schwarzen Streifen fielen, in gänzlicher Zerstörung begriffen, während das Holz der weißen Streifen allerwärts so gesund als nur je geblieben war. An dem Kriegsschiffe Excellent, welches so geankert lag, daß die Steuerbordseite stets der Sonne ausgesezt war, war es unmöglich, die schwarzen Stellen, welche die vorherrschenden waren, gehörig wasserdicht zu erhalten, während die andere Seite, die der Sonne nicht ausgesezt war, gar nichts zu schaffen machte. Man änderte auf meinen Vorschlag die Farbe und gab den früher schwarzen Stellen einen weißen Anstrich. Die Folge hievon war, daß das Leken aufhörte, und seit 12 Monaten nicht mehr eintrat. Ich bin überzeugt, daß das Schiff nunmehr noch einmal so lange dauern wird, als es mit dem schwarzen Anstriche gedauert hätte; denn überall, wo es früher schwarz war hatte dessen Zerstörung in kurzer Zeit reißende Fortschritte gemacht.“ (Civ. Engin. and Arch. Journ. Mai 1839.)

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