Titel: Das Dampfschiff „The british Queen.“
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 73, Nr. LXXXVII./Miszelle 1 (S. 395–396)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj073/mi073087_1

Das Dampfschiff The british Queen.“

Das Civil Engineer and Architects Journal enthält in seinem lezten Juliushefte folgende Beschreibung des Dampfschiffes The british Queen, welches in London für die englisch-amerikanische Dampfschifffahrts-Gesellschaft erbaut, und in Glasgow von Hrn. Robert Napier mit den Maschinen ausgerüstet wurde. „Daß Schiff mißt in seiner größten Länge 275 Fuß; das obere Verdek hat 245 Fuß Länge. Die Breite innerhalb der Ruderkasten beträgt 40 Fuß; die Breite sammt diesen 61 Fuß. Der Kielraum hat 27 Fuß Tiefe.“ Die Maschinen sammt Kessel und Wasser wiegen 500 Tonnen; der Steinkohlenvorrath für 20 Tage 60 Tonnen. Die Triebkraft liefern zwei Maschinen zu je 250 Pferdekräften, deren Gestell im gediegensten gothischen Style ausgeführt ist, während sich die arbeitenden Theile durch Schönheit und Genauigkeit der Arbeit, so wie durch Stärke auszeichnen. Jede der Maschinen steht auf einer Metallplatte von 35 Cntr. Schwere. Von den vier Hauptstüken des Gestelles wiegt jedes 16 Tonnen. Jeder der Cylinder hat bei 77 1/2 Zoll im Lichten ein Gewicht von 12 Tonnen und einen Kolbenhub von 7 Fuß. Die Ruderräder haben 31 1/2 Fuß Durchmesser. Ihre Schaufeln, die 9 1/2 Fuß lang sind, sind in drei verschiedenen Reihen geordnet, so daß sie einen Widerstand von 3 Fuß Breite darbieten. Die Räder machen je nach der Tiefe, bis zu der sie getaucht sind, 15 bis 16 Umgänge in der Minute. Daß Schiff ist mit vier Kesseln ausgestattet, von denen jeder einzeln und von den übrig unabhängig arbeiten kann. Die Kessel sind mit Hall's Patent-Condensatoren ausgestattet, so daß sie auf der ganzen Reise beinahe immer |396| mit demselben Wasser arbeiten. Die im Kielraum befindlichen eisernen Wasserbehälter fassen 200 Tonnen Wasser. Außerdem befindet sich aber an Bord auch noch ein Patent-Destillirapparat, welcher aus Seewasser süßes Wasser für die Maschinen und für die Mannschaft erzeugt. Der Hauptsalon des Bootes hat gegen 50 Fuß Länge und an der engsten Stelle gegen 20 Fuß Breite; er wird von Oben erleuchtet, ist mit reichen Teppichen, unter denen Wachstuch angebracht ist, belegt, und an den Wanden mit historischen Gemälden verziert. Leztere sind auf eine eigene Art von Canevaß aufgetragen, und sehen wie Wollenstikerei aus. Nicht minder schön ist der Damensalon, und der zweite Salon ausgestattet. Hinten sind 104 und vorne 108 Betten aufgestellt, und wenn es nöthig ist, ist noch für 60 bis 70 mehr Raum. Die Lampen, in denen Talg- oder Wachskerzen gebrannt werden können, sind nach einer Patentmethode eingerichtet, und bewegen sich so, daß die Kerzen stets senkrecht stehen, wie das Schiff auch immer schwanken mag. Der Porzellanservice, welcher eigens für das Schiff gearbeitet worden, hat ein Dampfschiff und verschiedene Embleme der Gesellschaft als Verzierung. Außerdem führt das Schiff aber auch noch einen prächtigen Silberservice. Zur Bedienung der Maschinen sind 32 Mann bestimmt) die ganze Mannschaft beläuft sich auf 85 Köpfe. Alle Apparate sind nach den besten Mustern gebaut; so z.B. die Spillen nach dem Patente von Tyzick und Dobinson, deren Aufhälter nach dem Patente von Moffate u.s.f. Die Kettentaue haben 1 7/8 Eisen, und sind von derselben Starke, wie sie Schiffe von 74 Kanonen zu führen pflegen. Die drei verschiedenen Anker wiegen 32, 43 und 47 Cntr. Man hat keine Kosten, Zeit und Mühe gespart, um dieses Schiff auszurüsten, wie es kein anderes ist, und für alle Bequemlichkeiten der Passagiere soviel als möglich zu sorgen. So befindet sich z.B. auf dem Verdeke ein zierliches Gemach, worin man warme, kalte und Staubbäder nehmen kann. Die Tabakraucher haben ihr eigenes Stäbchen. Die Pläze für die 300 Passagiere, welche die erste Ueberfahrt machen werden, sind schon längst vermiethet, und selbst für die Rükfahrt von New-York waren schon vor 2 Monaten alle Pläze vergeben. Die Ladung schäzt man auf 1000 Tonnen, und mit dieser und den Passagieren an Bord wird das Fahrzeug vorne 17 1/2, hinten 18 Fuß tief im Wasser gehen. Es ist bis zu 17 Fuß hinauf mit Kupfer beschlagen. Seiner ungeheuren Dimensionen ungeachtet, sieht es vollkommen ausgerüstet bei seiner Zierlichkeit nicht größer aus, als eine Fregatte erster Classe.

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