Titel: Ueber die Stärke eiserner Balken und deren Biegung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 73, Nr. LXXXVII./Miszelle 10 (S. 399–400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj073/mi073087_10

Ueber die Stärke eiserner Balken und deren Biegung.

Der kürzlich im Druk erschienene Bericht über die bei der siebenten Versammlung der British Association gepflogenen Verhandlungen enthält die Resultate der neueren Versuche, welche die bereits rühmlich bekannten HHrn. Hodgkinson und Fairbairn über die Stärke des Eisens unter verschiedenen Umständen anstellten. Das Civil Engineers and Architects Journal entnimmt hieraus nach Moseley's Illustration of Mechanics' Einiges, welches wir auch unsern Lesern mittheilen zu müssen glauben, um sie auf die Arbeiten dieser Männer aufmerksam zu machen.

„Man hat nach Tredgold allgemein angenommen, daß die Elasticitätskraft des Eisens nicht eher eine Beeinträchtigung erleidet, als bis die ihm aufgelegte Last den dritten Theil des zum Bruche erforderlichen Gewichtes übersteigt. Hr. Hodgkinson fand aber, daß sich in einigen Fallen schon eine bleibende Biegung zeigte, wenn die Last nicht über ein Sechzehntel des Bruchgewichtes betrug. Es scheint hienach, daß es in Hinsicht auf die quere Stärke keine solche Gränzen gibt, wie man sie unter dem Namen der Elasticitätsgränzen zu bezeichnen pflegte, und daß es in der Praxis von keinem besonderen Werthe ist, wenn man sich beim Belasten eines Balkens innerhalb dieser Gränzen hält. Derselbe Verf. hat ferner durch einen sehr sinnreich angestellten Versuch ausgemittelt, daß ein Eisenstab, welcher unter ganz gleichen Umständen der Extension und Compression ausgesezt wird, bei gleichen Belastungen gleiche Abbiegungen oder Deflectionen erleidet.

„Von großer Wichtigkeit sind ferner die Versuche, welche Hr. Fairbairn vornahm, um zu ermitteln, welchen Einfluß die Zeit auf die durch eine bestimmte Last bedingte Abbiegung ausübt. Es wurde zu diesem Behufe ein Eisenstab von einem Zoll im Gevierte, welcher auf zwei 4 1/2 Fuß von einander entfernten Unterlagen ruhte, mit 280 Pfd., d.h. mit 5/8 des zu seinem Bruche bestimmten Gewichtes, beschwert, und während eines Zeitraums von 15 Monaten monatlich in Bezug auf die eintretende Abbiegung mit größter Genauigkeit gemessen. Es ergab sich, daß die Abbiegung hiebei beständig zunahm, und daß die ganze Zunahme innerhalb des angegebenen Zeitraums 0,043 Zoll betrug. An einem Balken von gleichen Dimensionen, der mit 336 Pfd., d.h. beiläufig mit 3/4 seines Bruchgewichtes beschwert worden, betrug die Zunahme der Abbiegung innerhalb derselben Zeit 0,077 Zoll, und an einem gleichen mit 7/8 feines Bruchgewichtes beschwerten Balken selbst 0,088 Zoll. Die Abbiegung aller dieser Balken steigert sich bei gleichbleibender Belastung noch täglich, und es ist kaum zu zweifeln, daß es nach Ablauf einer hinreichenden Zeit selbst bis zum Bruche kommen wird. Ein vierter Balken, der mit 448 Pfd., nämlich mit einem dem Bruchgewichte sehr nahe kommenden Gewichte belastet worden, trug diese Last 37 Tage lang, wobei sich dessen Abbiegung während der Paar ersten Tage bis auf 0,282 Zoll steigerte. Diese Abbiegung behielt er sodann bei, bis er zum Bruche kam. Die hiedurch hergestellte Thatsache, daß ein über eine gewisse Gränze hinaus belasteter Balken der Last fortwährend nachgibt, jedoch in einer sehr langsam fortschreitenden Progression, ausgenommen, wenn die Last dem Bruchgewichte sehr nahe kommt, ist |400| für die Praxis von höchster Wichtigkeit. Es ist hiedurch ein ganz neues Feld für Untersuchungen und Forschungen eröffnet, denn noch gänzlich unerörtert sind die Fragen: welches sind, wenn es ja solche gibt, die Belastungsgränzen, über welche hinaus diese fortwährende Progression zum Bruche beginnt? Welche in dieser Progression bemerkbaren Geschwindigkeiten entsprechen den verschiedenen, außer diesen Gränzen gelegenen Lasten? Und welche Wirkung hat die Temperatur auf diese Umstände?

„Eine Reihe von Versuchen unternahm Hr. Hodgkinson auch zur Verificirung des Gesezes, welches bezüglich der queren Stärke rechtwinkeliger Balken als allgemein gültig betrachtet wird, und welchem gemäß sich, wenn die Längen und Breiten der Balken dieselben sind, ihre Stärken verhalten, wie die Quadrate ihrer Tiefen. Seine Versuche bestätigten dieses Gesez vollkommen. So brachte er z.B. auf Unterlagen, die 4 1/2 Fuß von einander entfernt waren, Balken aus Carron Eisen Nr. 2, welche sämmtlich einen Zoll Breite, dafür aber 1, 3, 5 Zoll Tiefe oder Höhe hatten. Der Bruch erfolgte mit 452, 3843 und 10050 Pfd., was so ziemlich den Zahlen 1, 9, 25, d.h. den Quadraten der Tiefe entspricht.“

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