Titel: Dupré's Maschine zur Fabrication der Metallkapseln.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 74, Nr. XX. (S. 98–101)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj074/ar074020

XX. Beschreibung einer von Hrn. Dupré in Paris, rue des Trois-Bornes No. 31, erfundenen Maschine zur Fabrication der Metallkapseln, welcher man sich an den Weinflaschen anstatt des Peches bedient.24)

Aus dem Bulletin de la Société d'encouragement. Jul. 1839, S. 256.

Mit Abbildungen auf Tab. II.

Da der Verbrauch an den Metallkapseln, deren man sich statt des Drahtes und des Peches bedient, um die Weinflaschen und namentlich die Flaschen, in denen gashaltige Flüssigkeiten aufbewahrt werden sollen, fest und sicher zu verschließen, täglich wächst, so sehen wir uns veranlaßt, eine Beschreibung der Maschine, mit welcher Hr. Dupré täglich 15,000 derlei Kapseln fabricirt, zu geben.

Hr. Dupré bediente sich anfänglich zu seiner Fabrication eines Drukwerkes; da jedoch bei der für die Kapseln erforderlichen Ausbauchung Punzen von abnehmenden Durchmessern erforderlich gewesen wären, um die gewünschten Dimensionen zu erlangen, so hätte man eben so vieler Drukwerke bedurft, als Punzen von verschiedener Dike. Die Folge hievon wäre nicht nur ein großer Kostenaufwand gewesen, sondern man hätte auch eine weit größere Anzahl von Arbeitern nöthig gehabt; abgesehen davon, daß die Arbeit langsam von Statten gegangen und für minder geübte Arbeiter auch mit einigen Gefahren verbunden gewesen wäre.

Dieß veranlaßte Hrn. Dupré, das Drukwerk durch eine Maschine zu ersezen, welche eine gehörige Ausbauchung des Metalles hervorbringt, schnell und regelmäßig arbeitet, keine Beaufsichtigung erheischt und nur geringe Unterhaltungskosten verursacht. Die hiebei zu lösende Aufgabe hatte ihre Schwierigkeiten; denn die Bewegungen der Maschine mußten dermaßen combinirt werden, daß, wenn die Metallscheibe einmal in sie gebracht worden, dieselbe nach und nach, ohne zu zerreißen und mit Beibehaltung einer gleichen Dike in allen ihren Theilen die Form der Kapsel mitgetheilt erhielt. Nach zahlreichen Versuchen gelang es Hrn. Dupré, endlich einen einfachen Mechanismus von gehöriger Festigkeit, welcher allen erwähnten Anforderungen entspricht, und durch den er in seiner Fabrik 15 bis 20 Arbeiter entbehrlich gemacht hat, ausfindig zu machen.

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Das zu den Kapseln bestimmte feine Zinn wird, nachdem es geschmolzen und in Klumpen gegossen worden, auf einem mit Pferdekraft betriebenen Walzwerke in Streifen von ungefähr 4 Zoll Breite ausgewalzt. Die Dike dieser Streifen ist je nach dem Zweke, zu dem sie bestimmt sind, eine verschiedene; für gashaltige Flüssigkeiten und schäumende Weine müssen sie diker seyn, als für gewöhnliche Weine und nicht gashaltige Flüssigkeiten. Aus den auf solche Weise erzeugten Streifen werden sodann mittelst eines Drukwerkes Scheiben geschnitten, welche man nach einander in die sogleich näher zu beschreibende Maschine bringt.

Die Maschine, welche man in Fig. 17 in einem Grundriffe, in Fig. 18 in einem Längendurchschnitte und in Fig. 19 in einem nach der Linie A, B genommenen Querdurchschnitte sieht, besteht aus einem hölzernen oder gußeisernen Gestelle, weches den ganzen Mechanismus trägt. Seine Bewegung erhält dieser mittelst eines Riemens, welcher über eine Rolle B läuft. Diese Rolle ist gleich der losen Rolle C, an der mit einem Schwungrade E ausgestatteten Welle D aufgezogen. Dieselbe Welle trägt auch drei excentrische Halsringe F, F, und diese sind mit den horizontalen Stangen G, G in Verbindung gesezt. Leztere sind an der horizontalen Stange H des Wagens festgemacht. Der Wagen trägt 13 Punzen I, welche von Rechts nach Links zu einen immer kleineren und kleineren Durchmesser haben, und in die Unterlagen J, welche mit Hülfe der Schrauben a, a fester angezogen werden, eintreten. Zur Erleichterung der Bewegungen des Wagens läuft derselbe mit drei Rollen c, c, c auf den Schienen d, d. Ein zweiter Wagen K, der sich unter den Punzen I befindet, erhält durch den Hebel L, welcher sich um einen Zapfen e bewegt, in seitlicher Richtung eine Hin- und Herbewegung mitgetheilt. An diesem Hebel befindet sich eine Rolle f, an der sich abwechselnd die beiden, an dem Ende der Treibwelle D aufgezogenen Excentrica M, M reiben. Der vordere Theil N des Wagens ist gegliedert, und der ganzen Länge nach durch Charniergelenke mit dem Theile K verbunden, wie man in Fig. 18 sieht. An ihm befinden sich die Federn h, auf denen die Punzen bei ihrer Bewegung nach Vor- und Rükwärts gleiten; und an ihm befinden sich ferner auch die Kelche i, welche die aus den Matrizen austretenden Kapseln empfangen und dieselben mittelst der Hin- und Herbewegung des Wagens an die nächstfolgende Matrize schaffen. Der Theil N des Wagens hebt und senkt sich abwechselnd, was mittelst der unterhalb an dem Wagen k befestigten Schienen j, die mit Verschulterungen versehen sind, bewerkstelligt wird. Durch diese Bewegung sollen nach einander die Matrizen zum Behufe der Einführung neuer Kapseln demaskirt werden. Die vor dem Wagen |100| aufgestellten Matrizen O haben eine Mündung, welche etwas größer ist als der Durchmesser des Punzens. Der Punzen drükt, indem er in die Matrize eindringt, die Scheibe auf solche Weise, daß die Kapsel daraus gebildet wird. Die Kapsel stemmt sich gegen die Kolben oder Zapfen P, welche die Kapseln während des Zurükweichens der Punzen wieder aus den Matrizen herausdrängen. An der Schnur k, welche an dem vorderen Ende des Kolbens P festgemacht und über eine Rolle geführt ist, ist ein Gewicht l aufgehängt, durch welches der Kolben fortwährend in der Matrize erhalten wird. Die Rinne Q nimmt endlich die Kapseln, die sich in einander steken, auf, wo man sie dann in dem Maaße, als die Fabrication fortschreitet, herausnehmen kann. Vor ihrem Austritte aus der Maschine werden sie jedoch noch beschnitten, und zwar mittelst einer schneidenden, an dem Punzen I befindlichen Hervorragung oder Schulter. Sie verbleiben dabei so lange auf diesem Punzen, bis sie während der Rükkehr desselben durch eine der Federn h von ihm abgehoben werden.

Die Maschine spielt folgendermaßen. Eine an dem linken Ende der Maschine sizende Arbeiterin nimmt aus einem Korbe nach einander die Scheiben, und bringt sie senkrecht in eine Coulisse, welche vor und über der ersten Matrize angebracht ist. Jede dieser Scheiben wird, indem sie sich gegen den Kelch i stemmt, alsogleich durch den Punzen I' in die erste Matrize O, welche einen Blattrand oder Kragen von geringer Breite erzeugt, getrieben. Während der Kolben sodann die Kapsel zurükdrängt und der Kolben sich zurükzieht, senkt sich der vordere Theil N mit seinen Kelchen herab. Gleichzeitig hat sich der Wagen von Rechts nach Links bewegt, wodurch auch der zweite Kelch, in den die Kapsel nunmehr eingesezt wird, eine Bewegung nach Vorwärts mitgetheilt erhielt. Der Wagen hat, indem er von Links nach Rechts vorwärts schritt, den Kelch der zweiten Matrize, welche, da sie einen kleineren Durchmesser hat als die erste, einen breiteren Blattrand erzeugt, gegenüber gebracht. Nachdem der zweite Punzen sein Geschäft vollbracht hat und während er zurükweicht, wird die Kapsel von dem Kolben zurükgedrängt. Zugleich bewegt sich der Wagen um ein Spatium nach Links, und während dieß geschieht, hat der erste Punzen eine neue Kapsel gebildet. Auf diese Weise geht die Arbeit abwechselnd von Statten, bis die Kapsel an dem Punzen I¹³ angelangt ist. Dieser Punzen läßt die Kapsel vollendet in der Matrize O¹³ zurük, nachdem sie vorher noch durch die unterhalb angebrachte Feder h beschnitten worden. Wenn sich in der Matrize O¹³ eine gewisse Anzahl von Kapseln angesammelt hat, so treibt sie der Kolben I¹³ in die Rinne Q, aus der sie endlich herausgenommen werden.

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Die fertigen Kapseln müssen etwas kegelförmig gebildet seyn, und die für gewisse Flaschen oder Fläschchen erforderliche Dimension haben. Es bedarf dann nichts mehr weiter, als daß man ihnen in einem Drukwerke die Marke oder das Wappen des Fabrikanten, für dessen Gebrauch sie bestimmt sind, aufdrükt.

Das Aufsezen dieser Kapseln kann, Hrn. Dupré gemäß, auf zweierlei Weise ebenso einfach als wirksam geschehen. Die Pfropfe der schäumenden Weine werden bekanntlich nicht tief in die Flaschen eingetrieben, sondern es bleibt ein beträchtlicher Theil derselben außerhalb der Flasche. Dieser leztere Theil, welcher mit einem Drahte zusammengedrängt wird, bildet auf dem Halse der Flasche einen Knopf. Nachdem man nun die Kapsel über diesen Knopf gestekt, soll man die Flasche gerade stehend unter eine Schraubenpresse bringen, welche den Pfropf leicht zusammendrükt. Hierauf soll man die Kapsel unter dem Ringe mit einer gekreuzten Schnur, welche mittelst eines Knebels quer durch die Maschine gespannt ist, bringen; und sodann die Flasche, indem man sie horizontal emporhebt, und nachdem man die Schraube nachgelassen, nach Vorwärts rollen. Die Schnur drükt bei diesem Verfahren die Kapsel so genau gegen den Pfropf an, daß man nicht die geringste Falte an ihr bemerkt, was ein sicheres Zeichen der luftdichten Schließung der Flasche ist.

An jenen Flaschen, an denen der Pfropf hart über dem Halse der Flasche abgeschnitten wird, braucht man um die Kapsel nur eine Schnur zu ziehen, welche mit dem einen Ende an einem Tritte oder Pedale, mit dem anderen dagegen an einem hölzernen Zapfen, den man in den Ausschnitt eines gerade stehenden Brettes eintreibt, befestigt ist. Verfährt man hiemit auf die angegebene Weise, so wird die Kapsel dadurch hinreichend befestigt. Um eine Flasche zu öffnen, braucht man nur die Kapsel der Länge nach zu spalten und abzunehmen.

Die Metallkapseln kommen nicht theurer als das Verpichen der Flaschen, und verdienen in mannichfacher Beziehung vor lezterer Verschließungsmethode den Vorzug. Ihr Verbrauch nimmt daher erstaunlich zu, und zwar nicht bloß bei den Weinhändlern, sondern auch bei den Liqueurfabrikanten, Parfumeurs etc.

Hr. Dupré erhielt für seine Maschine von der Société d'encouragement eine silberne Medaille; eine gleiche Auszeichnung ward ihm auch von Seite des Preisgerichtes der in diesem Jahre in Paris gehaltenen Industrieausstellung.

A. d. R.

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