Titel: Dennett's verbesserte Raketen zum Kriegsdienst.
Autor: Dennett, John
Fundstelle: 1839, Band 74, Nr. LXIII. (S. 289–297)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj074/ar074063

LXIII. Verbesserungen an den für den Kriegsdienst bestimmten Raketen, an den Apparaten zur Communication mit gestrandeten Schiffen mittelst Raketen, und an den Vorrichtungen zum Richten der Mörser und anderer Wurfgeschüze, worauf sich John Dennett, Ingenieur in New Village auf der Insel Wight, am 2. Aug. 1838 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem Repertory of Patent-Inventions. Okt. 1839, S. 222.

Mit Abbildungen auf Tab. IV.

Die Raketen, welche man dermalen zu militärischen Zweken fabricirt, sind gewöhnlich so eingerichtet, daß ihre Sprengkugeln in einer bestimmten Entfernung, welche je nach dem Kaliber 900, 1200, 1500 und mehr Yards beträgt, plazen. Da diese Entfernung im Felde nicht abgeändert werden kann, so geschieht es, daß eine für 1200 Yards berechnete Rakete, wenn sie auf einen Mann oder Gegenstand abgefeuert wird, der 1400 Yards entfernt ist, vor Erreichung ihres Zieles plazt und also unnüz abgeschossen ist, und daß, wenn der Gegenstand keine 1200 Fuß entfernt ist, die Rakete an ihm vorüber fliegt und erst später plazt, womit gleichfalls ihre Wirkung verloren ist.

Durch den ersten Theil meiner Erfindungen soll nun den Raketen von jedem Kaliber eine größere Wirksamkeit gegeben werden, und zwar, indem ich bewirke, daß sie innerhalb der äußersten Gränzen ihrer Wurfweite an jeder Stelle, an der sie mit dem Gegenstande, gegen den sie abgefeuert werden, in Berührung und dadurch |290| zum Plazen kommen, ihre ganze Eindrings- und Explosionskraft äußern können. Ich bewerkstellige dieß mittelst eigener Percussionszünder, welche ich in die Zündlöcher, die zu deren Aufnahme an der Spize der Sprengkugel angebracht sind, einschraube. Diese Zünder sind aus Kupfer, Kanonengut oder irgend einem anderen geeigneten Materiale verfertigt; sie haben eine Schulter, an welche ein in das Zündloch paffendes Schraubengewinde geschnitten ist, und über der ein Kranz herumläuft, bis zu dem die Zünder auf die Sprengkugeln niedergeschraubt werden.

Der Körper der Zünder ist bis auf einen Viertelzoll von seinem Ende ausgebohrt, und durch den massiven Theil oder Boden ist ein kleineres Loch gebohrt, in welches ein Piston eingesezt wird, der zur Aufnahme einer Zündkapsel, die mit den an den Vogelflinten gebräuchlichen Aehnlichkeit hat, dient. In die Bohrung der Zünder ist ein aus Eisen, hartem Kanonengute oder einem anderen geeigneten Materiale gearbeiteter Stämpel genau eingepaßt. Dieser Stämpel hat eine solche Länge, daß er bis unter den Scheitel der Zündkapsel hinabreicht; sein oberes Ende bildet einen breiten starken Kopf, und unter diesen wird ein Ring aus Tuch, Filz oder einer anderen elastischen Substanz von solcher Dike gelegt, daß der Stämpel dadurch gehindert wird, bei seiner Einführung in den Zünder, die nicht eher Statt finden soll, als bis man die Rakete zum Abfeuern richtet, mit der Kapsel in Berührung zu kommen. Dieser Ring bewirkt, daß der Stämpel nicht mit Heftigkeit auf die Kapsel niedergestoßen werden kann, und sichert also gegen die Gefahren eines zufälligen Losgehens; dagegen hindert er bei seiner Elasticität keineswegs, daß der Stämpel, wenn die Rakete den Gegenstand, gegen den sie abgefeuert wurde, trifft, auf die Kapsel niedergestoßen wird und dadurch deren Explosion bewirkt.

Fig. 68 zeigt das obere Ende einer meiner Erfindung gemäß verfertigten Rakete, an der man den Zünder an dem für ihn bestimmten Orte angebracht sieht. Fig. 69 ist ein Durchschnitt eines Zünders. Fig. 70 gibt eine Ansicht des Stämpels, unter dessen Kopf man auch den elastischen Ring bemerkt. Fig. 71 zeigt die obere Seite des Randkranzes des Zünders.

Ich verfertige übrigens auch Raketen, die etwas anders gebaut sind als die eben beschriebenen. Anstatt nämlich einen Piston mit Kapsel anzubringen, gebe ich der Bohrung einen convexen Boden, in den ich ein oder mehrere Löcher bohre. An dem Boden des Stämpels sorge ich dagegen für eine leichte Cavität, die ich mit dem Zündkraute ausstatte, so daß dieses sich entzündet, wenn der Stämpel auf den convexen Boden niedergetrieben wird. An der einen Seite des |291| Stämpels muß sich eine kleine Fläche befinden, damit beim Einführen des Stämpels in die Zündröhre die Luft aus dieser entweichen kann. Einer anderen Modification gemäß verfertige ich auch Zünder ohne Stämpel; d.h. ich lasse über den Randkranz des Zünders, der außen auf der Sprengkugel aufzuliegen kommt, einen starken Piston hinausragen, und befestige auf diesem eine Zündkapsel von größeren Dimensionen. Die unter der Kapsel befindlichen Theile sind auf dieselbe Weise durchbohrt und mit Zündkraut versehen, wie die Zündröhre einer Kanone.

Durch meine zweite Erfindung soll die zerstörende Wirkung der Raketen gesteigert und zugleich der sonst an ihnen gebräuchliche Stok entbehrlich gemacht werden. Ich erseze den Stok nämlich durch einen kurzen Eisenstab, der entweder massiv oder röhrenförmig seyn kann, und den ich auf dieselbe Weise, auf welche die Scheide des Stokes eingeschraubt wird, in die Mitte der Rakete einschraube. An dem anderen Ende dieses Stabes oder dieser Röhre befestige ich ein aus Metall oder einer anderen entsprechenden Substanz bestehendes Gegengewicht von einer den Umständen angepaßten Form und Schwere. Einige dieser Gegengewichte, die ich aus Schmied- oder Gußeisen hohl verfertige, und denen ich eine cylindrische oder andere Form gebe, lade ich mit Schießpulver, Brandkugel-Composition, Kartätschen oder anderen entzündlichen und explodirbaren Substanzen. Die Entzündung geschieht durch Zünder, welche durch das aus dem Loche der Rakete herausfahrende Feuer in Brand gesezt werden, und welche so berechnet seyn können, daß das Gegengewicht noch brennt, wenn die Rakete selbst bereits erloschen ist. Daß auf solche Weise die Kraft und Wirkung der Rakete bedeutend gesteigert wird, erhellt von selbst.

Damit die Gegengewichte nicht durch das Feuer der Rakete erhizt werden können, und damit man also nicht Gefahr läuft, daß sich deren Inhalt entzünde, bringe ich in einer geringen Entfernung über ihnen einen kegelförmigen Schild aus Eisen, der kein Feuer auf sie fallen läßt, an. Durch diesen Schild muß der Kopf des Zünders hindurchragen, damit, nachdem dieser mit einer Lunte versehen worden, beim Abfeuern der Rakete die Entzündung des Gegengewichtes erfolge. Zuweilen befestige ich an der Außenseite der Raketenkapsel in spiralförmiger Richtung metallene Nippen oder Hervorragungen, damit sich die Rakete in ihrem Fluge um ihre Achse drehen muß, was ihr nach Umständen eine größere Genauigkeit in der Richtung geben kann. Für Gegengewichte mit Kartätschen kann die aus starkem Eisenblech gearbeitete Kapsel eine cylindrische Gestalt haben, und an ihrem unteren oder am weitesten von der Rakete entfernten |292| Ende offen seyn. In das obere Ende dieser Kapsel oder in eine kleine, in ihr befindliche Kammer bringe ich eine Ladung Pulver, auf der ich dann eine genau passende starke Fütterung aus Filz, Leder, Holz oder irgend einem anderen passenden Materiale anbringe. Auf diese Fütterung lege ich in Schichten je nach der Große der Rakete Musketen- oder Pistolenkugeln oder Klöze, bis die Kapsel beinahe damit angefüllt ist, wobei ich die Zwischenräume zwischen den Schichten mit Sägespänen ausfüttere. Endlich schließe ich die Kapsel mit einem gut einpassenden, bis fest auf die Kugeln eingetriebenen hölzernen Pfropfe. Zuweilen bringe ich in einen größeren Cylinder mehrere kleinere, von denen jeder mit Pulver und einer oder mehreren Kugeln geladen ist, und die sämmtlich dadurch abgefeuert werden, daß man eine kleine Quantität Pulver mit dem Zünder und den ihnen ungehörigen Löchern communiciren läßt. Dergleichen Raketen müssen, wenn sie unter Menschenhaufen oder Pferde geworfen werden, offenbar großes Unheil und große Unordnung hervorbringen; denn nachdem die Rakete geplazt ist, wird auch noch aus dem anderen Ende derselben ein ganzer Schwarm von Kugeln ausgetrieben werden. Die Gegengewichte müssen auf solche Art an die Raketen geschraubt werden, daß man sich während der Gefechte je nach Umständen dieser oder jener Art von ihnen bedienen kann.

In der in Fig. 72 gegebenen Abbildung dieser Art von Rakete ist a die eigentliche Rakete; b der erwähnte massive oder hohle eiserne Stab; c das Gegengewicht; d der Schild und e der durch diesen dringende, zur Entzündung des Inhaltes des Gegengewichtes dienende Zünder.

Ein weiterer Theil meiner Erfindung betrifft die Anwendung meines Raketensystemes auf die Rettung von Menschen bei eingetretenem Schiffbruche. Es ist nämlich mit dessen Hülfe der Mannschaft eines zur See befindlichen Schiffes möglich, die Mannschaft eines anderen lek gewordenen oder dem Versinken nahen Schiffes, – ein Zustand, welcher so oft eintritt, und bei welchem es so schwer und leider so häufig unmöglich ist, mit den dermalen zu Gebot stehenden Mitteln die Unglüklichen vom Tode zu erretten – in sich aufzunehmen. Diese Befreiung aus einer Gefahr, die zu den schreklichsten gehört, in die ein Seemann gerathen kann, und bei der ihm nicht einmal jene Mittel zu Gebot stehen, die sich ihm beim Schiffbruche an einer Küste darbieten, glaube ich auf folgende Weise bewerkstelligen zu können. Wenn das Schiff, welches Hülfe zu leisten beabsichtigt, leewärts von dem Wrake die günstigste Stellung genommen, und mittelst einer Rakete und eines Apparates, den ich früher erfunden habe und der hinreichend bekannt ist, eine Communication mit |293| diesem hergestellt hat, so entsendet man mit Hülfe der Raketenleine an Bord des Wrakes die von mir erfundenen, sich selbst aufblasenden Rettungsschlingen, an welche vorher ein Tau gebunden worden, das durch einen an das Nock der Raa gebundenen Steertblok und durch einen anderen in der Nähe des Verdekes befindlichen Leitblok läuft. Ferner bindet man an einen der Ringe, welche sich an dem unteren Theile der Schlinge befinden, ein Stagtakel, und wenn die Schlinge an Bord des Wrakes gezogen worden, bindet man statt der Raketenleine ein zweites Stagtakel an sie, womit die Schlinge in so weit hergerichtet ist, daß sie von einem Fahrzeuge zum anderen hin und her gezogen werden kann. Wenn sich auf den quer durch die Schlinge laufenden Siz eine Person rüklings gesezt hat, so wird sie auf ein mit der Hand gegebenes Signal in der Schlinge über Bord geschafft, wo sie dann alsogleich mittelst des an dem Nock der Raa angebrachten Klapläufers an Bord des anderen Fahrzeuges gezogen wird. In der Schlinge ist die Person in vollkommener Sicherheit, denn sie kann weder untersinken, noch aus ihr herausgeschwemmt werden; auch ist sie gegen alle Unbilden geschüzt, die ihr beim Aufziehen durch das Anschlagen gegen die Seitenwände des Schiffes oder gegen das Takelwerk zugefügt werden könnten.

Die sich selbst aufblasenden Rettungsschlingen haben nun folgende Einrichtung. Ich nehme drei starke Reifen, z.B. Mastreifen, von solcher Weite, daß ein starker Mann ganz durch sie hindurchschlüpfen kann. Quer durch einen dieser Reifen fixire ich ein schmales, den Siz bildendes Brettchen, dessen obere Seite ich mit Korkspänen polstere und mit Canevaß überziehe. Sodann verbinde ich die Reifen fest mit einander, und zwar mit einem weißen Taue, dessen Enden so zusammen gespleißt sind, daß sie Doppelschlingen, welche sich unter dem Size kreuzen, bilden. An den vier Theilen des Taues werden die Reifen in der erforderlichen Entfernung von einander festgemacht. An den beiden Biegungen des Taues über den Reifen befestige ich einen großen messingenen Ring, an dem der zum Aufziehen dienende Klapläufer angebunden wird. Zwei andere Ringe befestige ich mit Riemen an den gegenüber liegenden Seiten des unteren Reifens, und an diese Ringe werden, wenn man des Apparates bedarf, die Stagtakel gebunden. Außen über dem Reifengerippe befestige ich ein Luftgefäß aus Canevaß oder einem anderen Materiale, welches durch eine Kautschukauflösung oder eine andere wasserdichte Composition vollkommen luft- und wasserdicht gemacht worden. Man kann diesem Gefäße verschiedene Formen geben; die geeignetste dürfte aber ein kurzer Cylinder seyn, der sich nach Unten in einen abgestuzten Kegel endigt. Innerhalb des äußeren Ueberzuges |294| des cylindrischen Theiles befestige ich, um dessen Umfang ausgespannt zu erhalten, zwei oder drei schmale Reifen. In dem oberen Ende dieses Cylinders befestige ich einen kurzen, etwas weit gebohrten Sperrhahn, dessen Zapfen eingeschraubt werden oder sich auch auf gewöhnliche Weise drehen kann. Es erhellt hienach offenbar, daß der ganze Apparat, wenn man seiner nicht bedarf, so zusammengelegt werden kann, daß er beinahe flach erscheint und nur einen sehr kleinen Raum einnimmt. Wenn man ihn nun aber in dieser Stellung mit geöffnetem Sperrhahne an den entgegengesezten Enden erfaßt und aus einander zieht, so wird der Luftdruk bewirken, daß bei der Oeffnung des Hahnes so lange Luft eindringt, bis der ganze Raum mit Luft erfüllt ist, wo man sodann den Sperrhahn schließt. Der Apparat bläst sich also durch diese einfache Operation von selbst auf, und wird dadurch fähig, ein bedeutendes Gewicht schwimmend zu erhalten. Wollte man ihn jedoch stärker aufblasen, so würde ich an ihm eine kleine Drukpumpe, die aus demselben Materiale bestünde, wie das Luftgefäß selbst, anbringen; d.h. ich nähme einen kleinen Cylinder, dessen Umfang durch einen Spiraldraht oder eine Reihe kleiner Reifen ausgespannt erhalten würde, während er nach seiner Längenrichtung zusammengedrükt und wieder ausgedehnt werden könnte. Sowohl in dem Scheitel als in dem Boden dieses Cylinders, welche beide aus Holz oder einem anderen geeigneten Materiale bestehen könnten, würde ich ein luftdichtes, nach Einwärts sich öffnendes Ventil, welches durch eine schwache Feder geschlossen erhalten würde, und quer über dessen Scheitel ein Griff oder eine Handhabe festgemacht wäre, anbringen. Daß man durch rasche Bewegung dieses Cylinders oder mit anderen Worten durch rasch auf einander folgendes Auseinanderziehen und Zusammendrüken desselben nach seiner Längenrichtung eine größere Menge Luft in das Luftgefäß eintreiben kann, bedarf keiner weiteren Erläuterung. Man kann sich übrigens der hier beschriebenen, sich selbst aufblasenden Rettungsschlingen auch bedienen, um Gestrandete an das Ufer zu schaffen; denn man brauchte sie zu diesem Zweke nur an einem Bloke aufzuhängen und an einer Halse hin und her zu bewegen. Sie werden sich in diesem Falle viel sicherer und bequemer zeigen, als die kleinen Boote und die sonstigen Apparate, deren man sich dermalen bedient. Ferner läßt sich der Apparat mit gleichem Vortheile benuzen, um Menschen, die am Fuße eines Felsens strandeten, zu retten; denn man brauchte ihn zu diesem Zweke nur an einem von mir erfundenen Klippengerüste anzubringen.

In Fig. 73, wo man den hier beschriebenen Apparat abgebildet sieht, ist a die Rettungsschlinge; b der Sperrhahn, durch den beim |295| Auseinanderziehen die Luft in das Luftgefäß eindringt; o das über das Rock der Raa laufende Tau; d das Stagtakel, welches an das hülfeleistende, und e das Stagtakel, welches an das verunglükte Schiff läuft.

Durch eine weitere meiner Erfindungen soll man in den eben erwähnten Fällen in Stand gesezt werden, sich einer stärkeren Raketenkraft zu bedienen, theils um die Leine auf eine viel größere als die gewöhnliche Entfernung zu schleudern, theils um, wenn es die Umstände erheischen, eine viel stärkere Leine auszuwerfen, und zwar ohne daß man an dem zu Gebot stehenden Apparate Veränderungen anzubringen brauchte. Um diesen Zwek zu erreichen, verbinde ich die Raketen durch eiserne Fesseln, die über sie laufen, mit Schrauben befestigt werden, und von denen die eine an die unteren Enden, die andere dagegen unmittelbar unter die oberen Enden der Raketen zu liegen kommt. In der oberen dieser Fesseln befestige ich einen hölzernen Sattel, dessen halbkreisförmige Enden die Size für die entsprechenden Raketentheile bilden, und die Raketen in der gewünschten Entfernung von einander erhalten. Der Sattel ist nur an der einen Seite an der eisernen Klammer befestigt, damit die Fessel frei aufspringen kann, wenn die Schraube nachgelassen wird, und damit man die Fessel in diesem Zustande mit Leichtigkeit von den Enden der Raketen ab – oder wieder an sie anschieben kann. Eine oder mehrere, jedoch kleinere derlei Fesseln schiebe ich über die Raketenstangen, um auch diese dadurch in gehöriger Stellung zu erhalten. Damit sich die beiden Raketen gleichzeitig entzünden, verbinde ich deren Zündlöcher durch eine Leitungslunte, die mit einer Röhre, welche durch eine Kautschukauflösung oder eine andere Mischung wasserdicht gemacht worden, überzogen ist. Jedes der Enden dieser Leitungslunte befestige ich an einem kupfernen oder messingenen Kreuze, an welchem zwei Arme unter rechten Winkeln so gebogen sind, daß sie in das Loch der Rakete eingetrieben werden können, sich darin in Folge ihrer Elasticität von einander entfernen, und dadurch die Leitungslunte in ihrer Stellung erhalten. Die beiden anderen Arme des Kreuzes dagegen kommen quer über das Raketenloch zu liegen, und bilden Aufhälter, damit die Lunte nicht zu weit in die Rakete eingetrieben werden kann. Die Enden der Lunte gehen durch die Mittelpunkte dieser Federkreuze und ragen beiläufig einen Zoll lang in die Raketenlöcher hinein. An der Mitte der Lunte ist eine weitere Lunte von gleicher Art, welche bis zu der Zündpfanne des Raketenschlosses führt, befestigt, und auf diese Weise werden, wenn einmal das Ende dieser lezteren Lunte entzündet worden, beide Raketen zugleich abgefeuert.

Fig. 74 gibt eine Ansicht einer Doppelrakete der hier beschriebenen |296| Art. a, a sind die beiden Raketen, welche durch eine obere Fessel b und eine untere c zusammengehalten werden. Eine ähnliche kleinere Fessel d bemerkt man auch oben an den Raketenstöken. e ist die beschriebene Leitungslunte. Fig. 75 zeigt die obere Fessel, an der f den hölzernen Sattel vorstellt. Fig. 76 gibt eine Ansicht der unteren Fessel.

Meine lezte Erfindung endlich betrifft ein Instrument, womit Mörser sicherer als bisher gerichtet werden können. Die Richtung geschieht nämlich mit Hülfe einer Linie, die vollkommen mit der Achse der Bohrung coincidirt, und nicht wie gewöhnlich mit Linien, welche temporär auf die Außenseite der Mörser verzeichnet werden. Allen Irrungen, die aus einer Ungleichheit in der Metalldike oder aus mangelnder Concentricität der Achsen der inneren und äußeren Metalloberflächen hervorgehen könnten, ist hiedurch vorgebeugt. Mein Instrument, welches aus Messing oder einem anderen Metalle, oder zum Theil aus Holz und zum Theil aus Metall verfertigt seyn kann, besteht aus einem Stabe, der um 2 bis 3 Fuß länger ist als der Mörser, vollkommen richtig so gearbeitet seyn muß, daß seine Seiten einander parallel sind, und dabei eine durchaus gleiche und so bedeutende Dike haben soll, daß er durch sein eigenes Gewicht nicht gebogen werden kann. Auf der oberen Fläche dieses Stabes muß seiner ganzen Länge nach und genau in seiner Mitte eine Linie verzeichnet werden. Von dem oberen Ende des Stabes bis auf 2/3 seiner Länge ist eine Spalte zu schneiden, und in dieser ist eine Seidenschnur oder ein feiner Draht so zu spannen, daß er mit der verzeichneten Mittellinie genau zusammenfällt. Quer über der oberen Fläche des Stabes und genau unter rechten Winkeln mit ihm sind zwei Stäbchen, die ungefähr um 1/8 Zoll kürzer sind als der Durchmesser der Bohrung des Mörsers, für den das Instrument bestimmt ist, so befestigt, daß ihre Mittelpunkte genau mit der Mittellinie zusammenfallen. Diese Stäbchen müssen sich an dem Längenstabe auf und nieder schieben, um die Entfernung zwischen ihnen nach der Länge des Bohrloches justiren zu können. Ihre Fixirung geschieht mit ausgeränderten Schraubenköpfen, die sich an ihrer unteren Seite befinden. An dem oberen Stäbchen ist eine Nivellirwaage, womit es im Niveau gestellt werden kann, angebracht; an dem unteren dagegen oder an dem Ende des Stabes ist ein Gewicht von solcher Schwere befestigt, daß es, wenn es in den Mörser gebracht worden, das andere Ende verhindert das Uebergewicht zu bekommen. Wenn nun dieses Instrument in der Richtung der Zapfen des Mörsers so in diesen gebracht worden, daß die Querstäbchen auf der ausgebohrten Oberfläche aufruhen, während der lange Stab mit der in ihm |297| angebrachten Spalte über die Fläche des Mörsers hinausragt, so wird die in ihm aufgezogene Schnur genau der Achse der Bohrung entsprechen und gleichsam nur eine Verlängerung derselben bilden, welches auch die Form der Außenseite seyn mag, und welche Unregelmäßigkeiten sich daran vorfinden mögen. Wenn, nachdem diese Vorkehrungen getroffen, in der Richtung des Gegenstandes, nach dem gefeuert werden soll, zwei Pfähle in den Boden eingeschlagen und zwischen diesen Pfählen eine über den Mörser laufende dünne Leine gespannt worden, so wird, wenn man den Mörser so lange rükt, bis die Schnur des Instrumentes mit dieser Leine zusammenfällt, der Mörser gut gerichtet seyn. An der unteren Seite des äußeren Endes des langen Stabes ist ein genau graduirter Quadrant mit einer kleinen Nivellirwaage, welcher sich um seinen Mittelpunkt dreht, befestigt. Der Zeiger dieses Quadranten deutet die Elevation der Bohrung an. Anstatt der Nivellirwaage kann man von dessen Mittelpunkte auch eine Seidenschnur mit einem Senkbleie herabhängen lassen, wo dann die Seidenschnur den Elevationswinkel durchschneidet. Das Senkblei und die Seidenschnur sollen, damit sie durch den Wind nicht in Schwingungen versezt werden können, in ein Gefäß mit Wasser oder in eine andere Flüssigkeit untertauchen. Wenn man sich des Senkbleies bedient, so ist der Mörser richtig gestellt, wenn die Schnur im Stabe, das Pendel und das Object in derselben Ebene gesehen werden. Man bedarf in diesem Falle der Pfähle und der Leine nicht, doch kann man sich ihrer immer auch bedienen.

Fig. 77 ist ein Durchschnitt eines Mörsers, woraus die Anwendung des hier beschriebenen Instrumentes erhellt. Fig. 78 ist ein Aufriß des Mörsers und des Instrumentes.

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