Titel: Seguin's Beschreibung eines Bleichapparates.
Autor: Seguin, Johann
Fundstelle: 1839, Band 74, Nr. LXXVI. (S. 359–362)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj074/ar074076

LXXVI. Beschreibung eines Apparates zum Bleichen leinener und baumwollener Gespinnste und Gewebe, worauf der Kaufmann Johann Seguin am 31. Mai 1839 in Rußland ein Privilegium für sechs Jahre erhielt.

Aus dem in russischer Sprache in Petersburg erscheinenden Journal der Manufacturen und des Handels. Juniusheft 1839, S. 377.

Mit Abbildungen auf Tab. V.

Die Verbesserungen bei dem neuen Bleichverfahren bestehen hauptsächlich:

1) in einer besonderen Einrichtung des Laugkessels, in welchen man die zu bleichenden Gewebe oder Gespinnste fest zusammengedrängt legt;

2) in der Art die Laugen mittelst Hochdrukdampf durch die in dem Kessel zusammengedrängten Gewebe und Gespinnste hindurchzutreiben;

3) im Auswaschen der Lauge und anderen beim Bleichen angewandten Flüssigkeiten, welches auf eine sehr einfache Weise bewerkstelligt wird;

4) im Durchtreiben von Chloralkalien und Säuren durch die in dem Laugkessel (oder in einem anderen Behälter) befindlichen Gespinnste oder Gewebe, vermittelst eines hydraulischen oder pneumatischen Druks.

Fig. 1 zeigt den ganzen Apparat von Vorne, mit den Röhren, durch welche die Flüssigkeiten in die verschiedenen Behälter und aus denselben geleitet werden. Die Länge der Röhren, welche in der Zeichnung nicht ganz beibehalten werden konnte, beträgt 20 Fuß.

Fig. 2 ist die Abbildung des Apparats von der Seite; Fig. 3 die Ansicht desselben von Oben.

Fig. 4 ist ein Durchschnitt des ganzen Apparats, d.h. des Kessels, in welchem das Bleichen und Reinigen der Stoffe vorgeht, und der verschiedenen Behälter, welche durch Röhren mit ihm in Verbindung gesezt sind.

Dieselben Buchstaben bezeichnen dieselben Gegenstände in allen Figuren.

Der Bleichkessel a, a, a ist rechtekig in Form eines umgekehrten Kegels aus starkem Gußeisen angefertigt und innen mit Schieferplatten ausgekleidet; der Dekel desselben muß vollkommen luft- und dampfdicht schließen, nachdem er mit Riegeln und Schrauben darauf |360| befestigt worden ist. Der Bleichkessel ist mit einem falschen oder doppelten Boden b versehen, welcher mit vielen Löchern durchbrochen ist.

Der Behälter f enthält die Lauge, eine Auflösung von beiläufig 30 Pfd. Potasche in 600 Quart Wasser; die Stärke derselben richtet sich natürlich nach den zu bleichenden Stoffen.

Die Lauge läuft durch die Röhre g in den oberen Theil des Kessels a, und nachdem dieser fast ganz (bis an den oberen Theil der Röhre g) damit gefüllt ist, sperrt man den Hahn h ab.

Aus einem in der Nähe des Bleichapparats befindlichen Hochdrukdampfkessel wird nun Dampf von 50 bis 100 Pfd. Druk auf den Quadratzoll durch die Röhre i in den Bleichkessel a gelassen. Nachdem derselbe einige Zeit auf die in den geschlossenen Kessel a befindliche Lauge gewirkt hat, fängt dieselbe an zu sieden und dringt in Folge des Dampfdruks durch die fest zusammengedrükte Waare, zertheilt deren Fasern und reinigt sie von Schlichte, Gummi, Farbstoffen etc.

Nachdem die Lauge die ganze Masse der Waare durchdrungen hat, öffnet man den Hahn j der Röhre c, so daß die Lauge aus dem unteren Theil des Kessels in die Röhre c gelangen und durch dieselbe in den Behälter f hinaufsteigen muß. Sie wird dann von diesem durch die Röhre g wieder zurük in den Bleichkessel a geleitet und diese Manipulationen wiederholt man so oft, bis die zu bleichende Waare als gehörig gelaugt zu betrachten ist. Hierauf entleert man die Lauge aus dem Kessel a, indem man den Hahn j schließt und dagegen den Hahn in der niedersteigenden Röhre k öffnet; dann treibt nämlich der Hochdrukdampf alle Flüssigkeit durch die Waare und die Röhre k in den unter lezterer befindlichen steinernen Behälter.

Um die zu bleichende Waare von der darin zurükgebliebenen Lauge zu reinigen, füllt man den Behälter f mit reinem Wasser, welches man einigemal – gerade so wie früher die Lauge – durch die Waare hindurchpreßt und wiederholt diese Operation mit frischem Wasser bis zur gänzlichen Beseitigung der Lauge aus der Waare. Hierauf muß man die Waare im Kessel a bis auf ungefähr 30° R. abkühlen, indem man aus einem in einer Höhe von 30 Fuß über demselben angebrachten Reservoir (oder vermittelst einer Drukpumpe) kaltes Wasser hindurchtreibt.

Nun kann man eine Chlorkalkauflösung aus dem steinernen Behälter l durch die Röhre m und den Hahn n in den Kessel a gelangen lassen und mittelst des hydraulischen oder eines pneumatischen Druks durch die Waare treiben, sie dann aus dem Kessel durch die Röhre e, den Hahn o und die Seitenröhre p in das Gefäß q ab lassen. Aus lezterem wird die Chlorflüssigkeit mittelst der Pumpe r |361| durch die Röhre s wieder in den Behälter l hinaufgetrieben, und diese ganze Operation wird so oft es nöthig ist, wiederholt.

Um die Waare vom Chlor zu befreien, muß man das im Behälter f befindliche reine Wasser, wie oben gesagt wurde, mittelst Dampfdruk hindurchtreiben.

Um die Waare zu säuren, wird verdünnte Schwefelsäure gerade so wie vorher die Chlorkalkauflösung, aus dem Behälter t durch die Röhre u in den Kessel a gelassen und mittelst des hydraulischen oder eines pneumatischen Druks durch die Waare getrieben, worauf man die saure Flüssigkeit durch die Röhre v in das Gefäß w auslaufen läßt und nöthigenfalls die Operation öfters wiederholt.

Um die Waare völlig von der Säure zu reinigen, wird reines Wasser mittelst Hochdrukdampf durch sie getrieben und diese Operation, so oft es nöthig ist, wiederholt; nachdem alles Wasser abgelassen ist, muß man noch so lange Hochdrukdampf durch die Waare strömen lassen, bis sie fast ganz ausgetroknet ist.

Die Behandlung der Waare mit Chlorkalk, Schwefelsäure und Wasser läßt sich auch in einem besonderen steinernen oder hölzernen Gefäße vornehmen, so daß man den Kessel a bloß zum Laugen benuzt, in welchem Falle es dann auch nicht nöthig ist, ihn mit Schiefer auszukleiden.

Zusaz.

Dieser für Hrn. Seguin in Rußland patentirte Bleichapparat ist derselbe, welcher seit einiger Zeit in England viel Aufsehen erregt; er wurde daselbst von Hrn. Wright erfunden und von demselben in Stockport bei Manchester im Großen ausgeführt, wo er aber erst seit ein paar Monaten im Gang ist und hauptsächlich zum Bleichen leinener Gespinnste und Gewebe angewandt wird. Das Ganze ist eigentlich weiter nichts, als ein verbesserter Laugenkochapparat mit vereinfachtem Auswaschen der Stüke.

Das Hindurchtreiben der Lauge durch die Waare mit Dämpfen von so hoher Spannung, wie sie Hr. Wright anwendet, muß eine sehr gute Reinigung mit bedeutender Ersparung an Alkali bewirken. Es versteht sich übrigens von selbst, daß alle diejenigen Fäden etc., welche sich von der Waare bei dem Laugen losreißen, in derselben gerade so wie in einem Filter zurükbleiben müssen, wenn man die Gewebe nach der Behandlung mit Chlor, Säure und Wasser in der Kufe selbst mit Hochdrukdampf troknen wollte, wie es in der Patentbeschreibung angegeben ist und das sonst übliche Reinigen derselben in Walken oder Waschrädern unterließe; dieß zeigte sich auch bald bei der Anwendung des neuen Bleichapparats im Großen. Nach |362| Mittheilungen, die uns über Wright's Bleichmethode zukamen, werden die gelangten und mit Wasser durch Dampfdruk gereinigten baumwollenen Gewebe mittelst einer besonderen Vorrichtung aus dem eisernen Behälter im Ganzen herausgehoben und in einen ähnlichen hölzernen Behälter gesenkt, wo nun das Chlorkalkbad, dann ohne auszuwaschen, das Säurebad gegeben wird; die Stüke werden hierauf in den Waschrädern gereinigt und auf der Troknenmaschine (über Dampfcylindern) getroknet. Dabei sollen gegen das sonst übliche Verfahren 60 Procent an Alkali und die Hälfte an Chlorkalk erspart werden, während man dieselbe Menge Säure braucht; man rechnet nämlich auf 2400 baumwollene Stüke von 4 1/2 Pfd. Gewicht: 180 Pfd. Soda, 100 Pfd. Chlorkalk und 80 Pfd. Schwefelsäure; zum Sieden derselben sind 60 Cntr. Steinkohlen, zum Sengen 30 Cntr. erforderlich, so daß das Bleichen eines solchen Stüks nach Wright's Verfahren nur auf 3 Farthing zu stehen kommen soll!

Für Leinen müssen zwei Laugenkochungen gegeben werden und dazwischen nur ein Chlorbad ohne Säure; doch zulezt wieder das gewöhnliche Chlor- und Säurebad. Die gebleichte Waare, Leinengarn sowohl als Leinengewebe, sollen von einer Weiße seyn, die nichts zu wünschen übrig läßt; dabei auch im Faden gar nicht geschwächt.

E. D.

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