Titel: Ueber die Verwandlung des Zukers in Milchsäure.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 74, Nr. XVI./Miszelle 11 (S. 80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj074/mi074016_11

Ueber die Verwandlung des Zukers in Milchsäure.

Hr. Frémy, schreibt Hr. Gay-Lussac unterm 1. Julius an die Akademie in Paris, hat kürzlich der Akademie angezeigt, daß er den Zuker in Milchsäure verwandelte, indem er ihn mit der Haut eines Kalbsmagens in Berührung brachte. Ich bin weit entfernt, dieß in Zweifel zu ziehen; ich gebe es vielmehr gern zu. Doch muß ich bemerken, daß sich die Sache von zwei Gesichtspunkten aus betrachten läßt. So wie sie Hr. Frémy darstellte, scheint derselbe hierin eine rein organische Wirkung zu sehen, während die Umwandlung eben so gut auch auf rein chemischem Wege von Statten gehen konnte. Die Milchsäure wird bekanntlich häufig erzeugt, wenn eine thierische Substanz mit einer vegetabilischen in Berührung kommt; ich selbst hatte Gelegenheit, mich bei meinen Arbeiten zu überzeugen, daß Zuker und andere vegetabilische Producte, wenn ich sie mit thierischen Stoffen in Berührung brachte, nicht bloß Milchsäure erzeugten, sondern auch für einige Zeit wenigstens die Fäulniß verhinderten, so daß sie zur Aufbewahrung solcher thierischer Stoffe benuzt werden konnten. Ich bin übrigens, wiederholt gesagt, weit entfernt, die schöne Beobachtung des Hrn. Frémy entkräften zu wollen, und beschränke mich daher lediglich auf die Bemerkung, daß die Milchsäure sehr leicht erzeugt wird, wenn man Zuker mit einer großen Menge organischer stikstoffhaltiger Stoffe in Berührung bringt, und zwar namentlich, wenn dieß bei einer Temperatur von 30 bis 40° C. geschieht. – Hr. Frémy bemerkte hiezu in einer spätern Mittheilung, daß der Mannastoff, der Milchzuker, das Dextrin und andere derlei Substanzen bei einer Temperatur von 40° C. und in Berührung mit einer thierischen Haut gleichfalls in Milchsäure oder in eine Modification derselben umgewandelt werden, wobei sich weder faulige Gase, noch eine schleimige Substanz entwikeln. Er glaubt wie Pelouze bei seinen Versuchen über die schleimige Währung beobachtet zu haben, daß sich der Zuker zuerst in Mannastoff und dieser dann in Milchsäure verwandle. Ferner fand er, daß citronen-, Weinstein- und äpfelsaures Kali und Natron sich unter Einwirkung der thierischen Häute sehr rasch in kohlensaure Salze verwandeln. Durch diese zersezende Kraft, deren Wirkung sich auf alle organischen Stoffe zu erstreken scheint, dürften seiner Ansicht nach manche Erscheinungen im Gebiete der thierischen und vegetabilischen Physiologie ihre Erklärung finden.

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