Titel: Whishaw's Bericht über die sogenannte rotirende Scheibenmaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 74, Nr. XVI./Miszelle 2 (S. 75–76)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj074/mi074016_2

Whishaw's Bericht über die sogenannte rotirende Scheibenmaschine.

Hr. Whishaw hat, um der Aufforderung zu genügen, jene rotirende Dampfmaschine, welche in den lezten Jahren unter dem Namen der rotirenden Scheibenmaschine patentirt wurde, und deren Erfinder die HHrn. Hearne und Davies sind, mit den gewöhnlichen Maschinen zu vergleichen, sechs der neuen Maschinen, von denen eine nun schon 15 Monate arbeiten soll, ohne mehr als 3 Shill. an Reparaturen gekostet zu haben, untersucht. Er drükt sich in seinem Berichte hierüber aus, wie folgt. „Die Vortheile, welche eine rotirende Maschine gewähren muß, wenn sie bei geringeren Anschaffungskosten und geringerem Aufwande an Brennmaterial eben so viel leistet wie eine Maschine mit Wechselbewegung, sind offenbar. Die Versuche zur Herstellung einer solchen Maschine waren, soviel ich weiß, bisher fruchtlos, theils weil die arbeitenden Theile der Maschine eine zu starke Reibung und mithin eine zu starke Abnuzung bedingten; theils weil die Maschinen bei gleicher Leistung eine größere Menge Dampf verbrauchten. Was nun den ersten dieser Punkte anbelangt, so habe ich gefunden, daß an der neuen Maschine der arbeitenden Theile so wenige sind, und daß deren Bewegung so gleich- und regelmäßig von Statten geht, daß die Reibung um ein Bedeutendes geringer seyn muß. Hieraus folgt, daß in demselben Verhältnisse auch deren Abnuzung und deren Neigung in Unordnung zu gerathen, geringer seyn muß. Dieß fand ich auch bei der Zerlegung mehrerer Maschinen, die längere Zeit über gearbeitet hatten, vollkommen bestätigt, indem an den arbeitenden Theilen derselben kaum irgend eine Abnuzung zu bemerken war. – Den zweiten Punkt, nämlich den Verbrauch an Dampf anbelangend, so habe ich mehrere Versuche mit einer rotirenden Scheibenmaschine, welche an den Werken der British-Alkali-Company in Bromsgrove zu verschiedenen Arbeiten, namentlich zum Pumpen von Wasser verwendet wird, angestellt. Das Resultat war, daß diese 24zöllige Scheibenmaschine, welche mit 29 Pfd. Druk arbeitete, einer Maschine von 20 Pferdekräften gleich ist, und dabei von gewöhnlicher Staffordshire-Steinkohle 2 Cntr. in der Zeitstunde oder 11 Pfd. per Pferdekraft in der Stunde verbraucht. Die Maschine arbeitet mit Hochdrukdampf, der, nachdem er seine Wirkung vollbracht hat, in die Luft entweicht. Während der Versuche betrug der Druk dem Queksilber-Manometer gemäß 29 Pfd. auf den Quadratzoll; um die Maschine jedoch mit dem größten Vortheile arbeiten zu lassen, müßte der Druk bedeutend erhöht werden. Auch muß ich bemerken, daß die Patentträger diese Maschine schon vor |76| 12 Monaten aufstellten, und damals noch nicht so viel Erfahrung hatten, wie derzeit. Alles dieß, nämlich den Mangel an Erfahrung, den unvortheilhaften Druk, mit welchem die Maschine arbeitete, und die schlechte Qualität der zu ihrer Heizung verwendeten Kohle in Anschlag gebracht, und wohl erwogen, daß der Verbrauch an Kohle dessen ungeachtet nicht größer war, als an einer Hochdrukmaschine mit Wechselbewegung von gleicher Kraft, muß ich mich dahin aussprechen, daß die rotirenden Scheibenmaschinen, wenn man bei deren Bau einmal die gehörigen Erfahrungen gemacht haben wird, in Hinsicht auf den Werbrauch an Brennmaterial eine entschiedene Ersparniß bedingen dürften. Die Maschine, welche mit einem Dampfdruke von 29 Pfd. 20 Pferdekräfte hätte, würde mit 43 1/2 Pfd. Dampfdruk 30 Pferdekräfte besessen haben. Sie nimmt einen Raum von nicht mehr als 4 Fuß im Gevierte und 7 Fuß in der Höhe ein, und wiegt mit dem Gestelle nur 41 Cntr. 3 Qurs. 16 Pfd. Da jedoch das Gestell zu leicht ist, und da ihm, um der Maschine eine größere Stätigkeit zu verschaffen, ein größeres Gewicht gegeben werden muß, so wird sich das Gewicht hiedurch wahrscheinlich auf 2 1/2 Tonnen steigern. Eine gewöhnliche Hochdrukdampfmaschine von gleicher Kraft wiegt dagegen kaum unter 20 Tonnen. Die Grundlage für die Maschine besteht aus Mauerwerk von 4 Fuß im Gevierte und 5 Fuß Tiefe. (Civil Eng. and Archit. Journ.)

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