Titel: Liepmann's Oehlbilderdruk.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 74, Nr. XVI./Miszelle 6 (S. 78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj074/mi074016_6

Liepmann's Oehlbilderdruk.

Hr. Liepmann in Berlin hat die wichtige Erfindung gemacht Oehlbilder durch den Druk vollkommen nachzuahmen und beliebig zu vervielfältigen. Der erste Gegenstand, welchem er seine Aufmerksamkeit widmete, war eines der Porträtbilder Rembrandt's, welche den Künstler selbst vorstellt und deren das königl. Museum in Berlin zwei besizt. Dieses Bild ist in Rembrandt's charakteristischer Weise behandelt, indem das Gesicht durch das Barett, mit welchem der Kopf bedekt ist, zum größeren Theile beschattet wird, und so im lichten Spiele des Helldunkels erscheint. In dieses Bild nun, welches auf dem Museum hängt und vorschriftsmäßig keinem Privaten in seine Wohnung verabfolgt wird, vertiefte sich Liepmann ganz, Stunden, Tage lang vor demselben stehend und sich mit der Colorirung desselben imprägnirend. Als er so weit gekommen, daß er die kleinsten Uebergänge der Farbenlagen in sein Gedächtniß aufgenommen, entwarf er eine Zeichnung davon (schwarz), und nach dieser übertrug er aus dem Gedächtniß den Kopf auf die von ihm erfundene Maschine, deren Zusammensezung sein Geheimniß ist, in den Farben des Originals, und zog nunmehr vorläufig 110 Abdrüke davon ab, die einer dem anderen ähnlich sehen, wie ein Tropfen Wasser dem andern, alle aber den Eindruk einer treuen Copie des Originals machen. Nach Liepmann's Versicherung kann man dergleichen Abdrüke so viele produciren, als man will, wenn man die Maschine mit neuen Farben speist, da von keiner Abnuzung, wie bei einer Platte, die Rede ist. Jeder Maler, der im Besiz des Geheimnisses ist, kann daher sein Werk, wenn er es auf die Maschine überträgt, ins Unendliche vervielfältigen. Schwer zu regieren muß die Maschine nicht seyn, denn es besorgt die Abdrüke davon bis jezt die einzige Mitwisserin um das Geheimniß – ein kleines schwaches Mädchen. Bei der Unvollkommenheit der Construction der Maschine und der erwähnten schwachen Hülfe, die der Erfinder nun noch hat, liefert sie nur 4 Abdrüke täglich; bei einer vervollkommneten wird sie bequem 40 bis 50 in einem Tage geben können, und dann wird der Preis eines Abdruks, den Liepmann bis jezt noch auf einen Friedrichsd'or gestellt hat, auf 2 Thaler herabsinken. Die Abdrüke sind übrigens auf Pappe, machen aber, wie wir nochmals wiederholen wollen, vollkommen den Eindruk, den ein auf Leinwand gemaltes Oehlbild gewährt, wovon sich die Redaction des polyt. Journals durch einen nach Augsburg gekommenen Abdruk, welcher im Local des Kunstvereins aufgestellt wurde, zu überzeugen Gelegenheit hatte.

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