Titel: Ueber industrielle Unternehmungen in Amerika.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 74, Nr. LIV./Miszelle 5 (S. 236–237)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj074/mi074054_5

Ueber industrielle Unternehmungen in Amerika.

Die eingeführte Maßregel, Bankprivilegien unter der Bedingung zu ertheilen, daß die Inhaber derselben ein bestimmtes Unternehmen ausführen müssen, hat einige Bauwerke ins Leben gerufen, welche anders wegen des ersichtlichen geringen Vortheils nicht hatten unternommen werden können. So entstand durch Staatsverordnung am 5. Mai 1831 die New Orleans Canal and Banking Comp. mit einem Capital von 4 Mill. Dollars, für welche ein Canal vom Innern der Stadt New-Orleans durch die Cypressensümpfe nach dem See Pontchartrain zu bauen und der Rest des Capitals zu Bankgeschäften zu benuzen war. Der Canal sollte oben 60' breit und für 6' tief gehende Schiffe fahrbar seyn; am einen Ende wurde ein Bassin, um andern ein Hafen erforderlich; der zu erhebende Zoll beträgt 37 1/2 Cents à Tonne Tragkraft, und der Bau mußte nach einem Jahre begonnen und in 6 Jahren vollendet seyn; nach 35 Jahren ist der Canal und eine längs demselben gebaute Straße Eigenthum des Staates Louisiana. 2roz der ungesunden Arbeit in den Sümpfen, welche 6000 Munn das Leben gekostet haben sollen, wurde der 6 Meilen lange Canal vom November 1831 bis 27. Dec. 1835 vollendet; er kostete im December 1838 schon 1,250,000 Dollars und wird wahrscheinlich volle 2 Mill. verschlingen, da man ihn bis auf 120' Breite erweitern und dadurch für Dampfschiffe fahrbar machen will. Die bisherige Einnahme, welche der Canal gegeben hat, betrug 1836: 8843 D. 76 Cent., 1837: 13,227 D. 24 Cent., 1838: 18,275 D. 84 Cent., und 3019 D. 70 Cent. für die Straße.

Am 1. April 1838 wurde eine andere Gesellschaft privilegirt, mit 3 Mill. Dollars, die Stadt New-Orleans mit Wasser zu versorgen und den Rest des Capitals zur Bewirthschaftung der Commercialbank zu verwenden. Jährlich müssen mindestens 100,000 Dollars zu dem ersten Zweke verwendet werden, bis die ganze Stadt versorgt ist, und die Zahlungen der Privatleute sind so gestellt, daß die Gesellschaft in den ersten 5 Jahren höchstens 15 Proc., in den nachfolgenden Jahren höchstens 10 Proc. reinen Gewinn hat; nach 35 Jahren kann die Stadt die Anlage zum Schäzungspreise kaufen, und nach 50 Jahren erlischt das Bankprivilegium. Es wurde ein großes Reservoir angelegt, in welches das Wasser aus dem Missisippi durch Dampfkraft gehoben und aus dem es durch Röhren, welche jezt 23 engl. Meilen Länge haben, in der Stadt vertheilt wird. Eine Familie von 6 Personen zahlt jährlich für den Gebrauch 20 Dollars, für jede Person 2 Dollars mehr; Kinder unter 15 Jahren werden als eine halbe Person gerechnet. Ein Gasthaus zahlt jährlich 50 Dollars und 3 Proc. der Miethe. Für ein Pferd werden 3 Doll., für einen Wagen ebenfalls 3 Doll., für ein Bad im Privathause 5 Doll., und im öffentlichen Hause 14 Doll. gerechnet. Die Ausgabe beträgt jezt 900,000 Doll., und doch ist noch nicht ein Viertheil der Stadt mit Wasser versehen. Die Einkünfte betrugen 1837: 8000 D., 1838: 17,000 D., und 1839 rechnet man auf 25,000 D.

Um eine mehrmals vergeblich versuchte Gasbeleuchtung in New-Orleans zu Stande zu bringen, wurde am 1. April 1835 die New-Orleans Gaslight and |237| Banking Comp. errichtet, welche 6 Mill. D. Capital hat; von dem bis jezt eingezahlten Drittel sind 450,000 D. zur Gasbeleuchtung verwendet worden, wofür 12 Meilen Hauptröhren und 40 Meilen Nebenröhren liegen, und 3500 Flammen gespeist werden. Die Compagnie legt die Röhren bis zu den Hausthüren, und der Eigenthümer bezahlt die Anlage im Hause. In jedem Hause ist ein Gasmesser, und für 1000 Kubikfuß werden 7 Doll. bezahlt. Die Steinkohlen zur Gaserzeugung kommen 2000 Meilen weit von Pittsbury.

Auf gleiche Art ist für die Anlegung von zwei großartig eingerichteten Gasthöfen unter Bedingungen, welche den Privatspeculationsgeist abschrekten, gesorgt worden. (Aus v. Gerstner's sechstem Bericht über Amerika in der Allg. preuß. Staatsztg., Nr. 224.)

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