Titel: Ueber die Fabrication von Tuch ohne Spinnerei und Weberei.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 74, Nr. LIV./Miszelle 8 (S. 238)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj074/mi074054_8

Ueber die Fabrication von Tuch ohne Spinnerei und Weberei.

Unter den außerordentlichen und wirklich wunderbaren Erfindungen unserer Zeit, schreibt der Leeds Mercury, zeichnet sich gewiß ganz besonders eine Maschine aus, mit deren Hülfe Wollentücher von jeder Breite erzeugt werden können, ohne daß dabei der gewöhnliche Spinn- und Webeproceß in Anwendung käme. Nach den Mustern, die wir von dem neuen Fabricate zu sehen Gelegenheit hatten, müssen wir uns dahin aussprechen, daß dasselbe wahrscheinlich einen großen Theil der gewöhnlichen Tücher verdrängen dürfte. Der Erfinder ist ein Amerikaner, und wird sich durch Verkauf der Erlaubnißscheine zur Benüzung seines Patentes wahrscheinlich ein großes Vermögen sammeln. Wie wir hören, hat derselbe allen vorzüglicheren Fabrikanten unseres Landes Zeichnungen seiner Maschine vorgelegt, und einstimmig den Ausspruch erhalten, daß dieselbe zur Fabrication ordinärer Tücher von gutem Stoffe vollkommen geeignet scheint. Sollte sich dieß bewähren, so wird man über die Ersparniß an Arbeit, welche die Maschine gewährt, und zwar an manueller Arbeit sowohl, als an Maschinenarbeit erstaunen. Eine Gesellschaft von 11 Londonern hat, wie wir hören, bei den Patentträgern eine Summe von 5000 Pfd. St. niedergelegt, und eine Maschine bestellt, womit einen Monat hindurch Versuche angestellt werden sollen. Fallen die Resultate hiebei entsprechend aus so zahlt die Gesellschaft den Patentträgern 20,000 Pfd. St. für das in Belgien genommene Patent, um dasselbe sodann in diesem Lande im Großen auszubeuten. England wird hoffentlich nicht zugeben, daß Belgien, welches schon in mehr dann einer Hinsicht ein ihm furchtbarer Rival ist, es in der Ausbeutung dieses neuen Industriezweiges überflügle. Auch hören wir in der That, daß ein großes Haus zu Leeds demnächst unter der Leitung des Erfinders Versuche mit der neuen Maschine anstellen will, und daß es, wenn diese günstig ausfallen, sich mit einigen 20 andern Geschäftsmännern zu verbinden gesonnen ist, um im Vereine mit diesen eine Fabrik im Großen anzulegen. Man rechnet, daß eine Maschine, welche nicht mehr als 600 Pfd. kostet, in 12 Stunden täglich 600 Yds. Wollentuch von 36 Zoll Breite erzeugt.“ – (Wir glauben diesem Artikel, welcher auf verschiedene Weise bereits in den meisten Tagblättern Deutschlands Ausnahme fand, die Bemerkung beifügen zu müssen, daß es sich in demselben um die Benuzung jener Maschinerie zu handeln scheint, auf die Hr. W. A. Robertson am 4. April 1838 ein Patent nahm, und die man im polytechn. Journale Bd. LXXIII. S. 180 beschrieben und abgebildet findet. Wiederholt müssen wir aber erinnern, daß beinahe ganz dieselbe Maschine schon früher von dem amerikanischen Hutmacher A. Wells angegeben wurde, wie im polytechn. Journal Bd. LXXI. S. 375 zu sehen.)

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