Titel: Enzmann's Versuche über Anwendung des Manganoxyds zu Lichtbildern.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 74, Nr. LIV./Miszelle 9 (S. 238–240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj074/mi074054_9
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Enzmann's Versuche über Anwendung des Manganoxyds zu Lichtbildern.

Hr. Dr. Enzmann theilt über seine Versuche, die er selbst noch nicht als gelungen bezeichnet, im Gewerbebl. für Sachsen 1839, Nr. 37 Folgendes mit:

„Uberzieht man Papier mit Manganoxyd (das von mir angewendete war durch Niederschlagen von salpetersaurem Manganoxydul mit Ammoniak und Ausstellen an die Luft gewonnen, enthielt also Ammoniak und Säure), so wird dieser braune Ueberzug schnell durch das Licht ausgebleicht, wenn man dasselbe mit Säuren bestreicht, denen man, wenn es Mineralsäuren sind, irgend einen im Wasser auflöslichen organischen Stoff, wie Zuker, Honig, Gummi u.s.w. zusezt. Je concentrirter die angewendete Säure ist, desto schneller erfolgt das Bleichen. Doch wirkt in diesem Falle zugleich die Wärme, so daß das mit Manganoxyd präparirte Papier auch im Dunkeln wieder weiß wird. Je schwächer die verwendete Säure ist, je mehr wird vom Lichte allein das Bleichen veranlaßt. Am besten eignen sich die nicht leicht krystallisirenden organischen Säuren, wie Essigsäure, Ameisensäure u.s.w.; doch müssen diese schon sehr concentrirt angewendet werden. Der Schlagschatten eines senkrecht auf dem Papier stehenden Pferdehaares wird bei der geeigneten Stärke der Säure in 15 bis 30 Minuten, oft in noch geringerer Zeit, durch Ausbleichen seines Hintergrundes vollkommen scharf und deutlich abgebildet; mit schwächeren Säuren erzeugen sich in 3 bis 4 Minuten treffliche Bilder, wenn man z.B. durchsichtige Gegenstände, wie Blätter, geschnittene durchsichtige Steine, für die Laterna magica gemalte Bilder u.s.w. auf solches Papier legt und dann das Sonnenlicht einwirken läßt. Man kann diese Bilder leicht fixiren, wenn man sie einige Augenblike in Wasser legt, wodurch die gebildete Manganoxydulauflösung und die Säuren größtentheils entfernt werden, sie dann durch eine schwache Lauge von kohlensaurem Kali oder Natron zieht, um die Säuren vollends abzustumpfen, und dann wieder in Wasser legt, damit alle salzartigen Stoffe sich vollends auslaugen. – Mit der Darstellung von Bildern durch die Camera obscura ist es mir aber wie allen (?) denen ergangen, welche sich zu diesem Zweke des Chlorsilbers oder anderer Silberpräparate bedienten. Zuweilen gelang es, schwache Andeutungen von den abzubildenden Objekten zu erhalten, am öftersten aber nicht; ja, wenn ich ein befriedigendes Resultat erzielt hatte und ich wiederholte das Experiment sogleich und unter denselben Umständen, so sah ich mich dennoch in weinen Erwartungen betrogen. Die Ursache davon ist wohl vorzüglich darin zu suchen, daß es mir bis jezt noch nicht gelungen ist, das Papier so zuzubereiten, daß das angewandte Manganoxyd sich nur in sehr dünner Schicht und gleichmäßig verbreitet auf der Oberfläche desselben befunden hätte. Bei Anwendung des Pinsels zum Auftragen des Oxydes wird die Lage zu dik und ungleichförmig vertheilt. Um das Oxyd sogleich auf dem Papiere zu erzeugen, bestrich ich dasselbe mit einer Auflösung von Manganoxydul, welche ich durch Erwärmen des Braunsteins mit Salpetersäure, bei einem Zusaz von Zuker und nachherigem Filtriren, gewonnen hatte. Das so zubereitete Papier wurde nun in einem gut zu verschließenden Kasten der Einwirkung von Ammoniakdunst ausgesezt, bis dasselbe eine dem nicht allzu dunkel gebrannten Kaffee ähnliche Farbe angenommen hatte. So wird zwar eine gleichmäßigere Färbung der Oberfläche erlangt, allein die Farbe dringt auch durch die ganze Masse des Papieres. Dieser Umstand macht, daß zum Bleichen mehr Zeit erforderlich ist, als bei Färbung der bloßen Oberfläche; will man das Bleichen dennoch in kurzer Zeit bewerkstelligen, so muß man sehr starke Säuren anwenden, und hiedurch wird wieder der Wärme ein zu großer Spielraum eröffnet; endlich werden dennoch die hellsten Lichter nicht rein weiß, sondern bleiben immer bräunlich, wenn man nicht auf Kosten der Deutlichkeit der übrigen Partien des Bildes das Licht sehr lange einwirken lassen will. Um das Durchschlagen der Manganauflösung zu verhindern, tränkte ich vorher das Papier mit Auflösungen von Sandarak, Schellak u.s.w. in Spiritus, so daß es nicht durchsichtiger davon wurde. Das Papier wurde zwar auf diese Weise besser, die Auflösung des Mangans drang aber dennoch hie und da durch, wodurch die spätere Färbung im Ammoniakdunst ungleichmäßig erfolgte. Auf dem so zubereiteten Papiere gelingt schon die Darstellung von Lichtbildern schneller und sicherer, selbst mit schwachen Säuren; das Bleichen erfolgt aber ungleichmäßig und die erlangten Bilder sind flekig. – Jezt gelingt mir diese Zubereitung noch am |240| besten, wenn ich sehr dünnes Briefpapier wähle, dasselbe in Wasser ganz durchweiche und nun so auf einer Glastafel ausbreite, daß keine Luftblasen zwischen ihm und der Tafel entstehen, ist die überflüssige Feuchtigkeit durch Pressen zwischen Fließpapier entfernt, so überziehe ich es sogleich mit der Manganauflösung und seze es ebenfalls dem Ammoniakdunste aus. Auf diese Art entsteht zwar auch die Färbung in der ganzen Masse des Papiers, allein die Hinterfläche ist doch sehr hell, weil auf diese die Einwirkung des Ammoniaks von der anderen Seite verhindert ist. Hier wirkt das Licht leichter durch die ganze Masse des Papiers und die Hinterseite ist gewöhnlich schon ganz weiß geworden, ehe man auf der Vorderfläche noch eine Aenderung der Farbe bemerkt. Die so erhaltenen Bilder müssen dann, der größern Dauer wegen, auf starkes weißes Papier aufgezogen werden. – Endlich bemerke ich noch, daß die Manganoxydulauflösung sehr sauer angewendet werden muß; je mehr sie der Neutralität nahe steht, desto weniger ist das damit gefärbte Papier zur Darstellung von Lichtbildern geeignet, indem es mehr von der Wärme als vom Lichte gebleicht wird. Am gleichförmigsten wirken die Säuren auf das gefärbte Papier, wenn man dieselben in Dunstform anwendet. Vor ihrer Einwirkung muß jedoch das Papier gleichmäßig angefeuchtet werden. Zum Befeuchten bediente ich mich einer Auflösung von Salmiak mit einem Zusaze von Zuker, wenn ich Chlor- oder Salzsäuredunst gewählt hatte, bei Essigsäuredämpfen bloßen Wassers. Doch ist dieser Weg schon sehr unpraktisch.“

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