Titel: Jacobi's Verfahren Kupferplatten mittelst Galvanismus erhaben und vertieft zu graviren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 74, Nr. LXIX./Miszelle 10 (S. 317–318)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj074/mi074069_10

Jacobi's Verfahren Kupferplatten mittelst Galvanismus erhaben und vertieft zu graviren.

Hr. Jacobi bemerkt über seine Entdekung, worüber wir früher schon eine Notiz lieferten47), in einem Schreiben an Faraday noch Folgendes:

„Vor einiger Zeit entdekte ich bei meinen elektromagnetischen Versuchen durch einen glüklichen Zufall ein Mittel, vertieft gravirte Kupferplatten mittelst des Galvanismus erhaben zu copiren (durch neues Copiren der Reliefplatten erhält man dann dem Original ähnliche) und sie dadurch ins Unendliche zu vervielfältigen. Durch dieses Verfahren werden die zartesten Linien mit einer solchen Treue wiedergegeben, daß man bei einer genauen Untersuchung die Copie von dem Original nicht zu unterscheiden im Stande ist.

Der Apparat besteht aus einem einzigen Volta'schen Paar mit Zwischenwand, bei welchem die gravirte Platte als negatives Element (anstatt der gewöhnlichen Kupferplatte) angewandt ist und in eine Auflösung von Kupfervitriol taucht. Ich fand, daß es unumgänglich nöthig ist, in die Kette ein Galvanometer mit kurzen Drahten zu bringen; man hat dann einen Führer, durch welchen man die Stärke des Stroms erfahrt, so daß man seine Wirkung dirigiren kann. Lezteres geschieht dadurch, daß man die Entfernung zwischen den Elektromotorplatten mehr oder weniger vergrößert, indem man die Länge des Verbindungsdrahts abändert oder endlich, indem man bis auf einen gewissen Grad die Leitungsfähigkeit der Flüssigkeit auf der Zinkseite verschwächt. Wenn die Operation gelingen soll, muß jedoch die Kupferauflösung immer vollkommen gesättigt seyn.

Die Wirkung darf nicht zu rasch seyn; in 24 Stunden sollen sich nur 50 bis 60 Gran Kupfer auf einem Quadratzoll reduciren.

Von den zwei beigelegten Reliefcopien einer (mit dem Grabstichel) gravirten Kupferplatte wurde die zweite durch genaues Copiren der ersten erhallen. Die eine derselben wurde in zwei Tagen, die andere in einem einzigen ausgeführt: sie sind daher auch nicht so dicht wie man sie bei langsamerer Reduktion erhält.

Man kann das schwefelsaure Kupfer auf die Art reduciren, daß man den Strom eines einfachen Volta'schen Paars in die Auflösung mittelst Kupferelektroden gelangen läßt: die Anode oder der positive Pol wird sich oxydiren; die Kathode |318| oder der negative Pol wird sich mit reducirtem Kupfer überziehen und die Auflösung wird immer auf dem gehörigen Sättigungsgrade erhalten werden. Nach der Theorie könnte man glauben, daß das Kupfer, welches sich auf der einen Elektrode reducirt, eben so viel beträgt, als dasjenige, welches sich auf der anderen oxydirt; dieß ist aber nicht der Fall und der Unterschied scheint ziemlich constant zu sehn, denn nach einer gewissen Zeit nimmt er bei der Fortsezung des Versuchs nicht mehr zu.

Eine sehr concentrirte Auflösung von schwefelsaurem Kupfer zersezt sich mit den Elektroden desselben Metalls nicht, selbst wenn man eine Batterie von drei oder vier Paaren anwendet. Die Nadel des Galvanometers wird allerdings in dem Augenblik, wo man die Kette schließt, stark afficirt; ihre Abweichung nimmt aber schnell ab und wird bald Null. Verdünnt man hingegen die Auflösung mit Wasser, welches mit einigen Tropfen Schwefelsäure versezt ist, so wird der Strom sehr stark und constant; die Zersezung schreitet regelmäßig vorwärts und die gravirte Kathode überzieht sich mit Kupfer von schöner Purpurfarbe. Wendet man statt der Kupferauflösung mit Schwefelsäure geschärftes Wasser an, so wird das Wasser selbst durch ein einziges Volta'sches Paar kräftig zersezt: die Anode oxydirt sich und der Wasserstoff wird an der Kathode frei. Anfangs wird kein Kupfer reducirt, dieß geschieht aber, sobald die Flüssigkeit eine blaue Farbe annimmt; das Metall erlangt hiebei jedoch nie Consistenz. Ich sezte den Versuch drei Tage lang fort, bis sich die Anode fast vollständig aufgelöst hatte: die Flüssigkeit wurde immer dunkler, aber die Wasserstoffentbindung nahm ab, ohne ganz aufzuhören; im Verlaus meiner Versuche kam ich noch auf mehrere Anomalien bei den secundären Volta'schen Reactionen.

In Bezug auf die technische Wichtigkeit dieser Volta'schen Copien habe ich noch zu bemerken, daß man als gravirte Kathode nicht bloß solche Metalle anwenden kann, welche negativer als Kupfer sind, sondern auch positive Metalle oder Legirungen (Messing ausgenommen). obgleich diese Metalle für sich allein die Kupfersalze zu energisch zersezen. Auf diese Art lassen sich z.B. Stereotypen aus Kupfer verfertigen, welche man beliebig vervielfältigen kann.“ (Philosophical Magazine. Septbr. 1839, S. 161.)

|317|

Polytechn. Journal Bd. LXXII. S. 76.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: