Titel: Stevelly's Methode Barometer zu füllen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 74, Nr. LXIX./Miszelle 6 (S. 314–315)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj074/mi074069_6

Stevelly's Methode Barometer zu füllen.

Hr. Professor Stevelly hielt vor der British Association in Birmingham einen Vortrag über eine Methode, wornach sich Barometer ohne Hülfe einer Luftpumpe füllen lassen, und wornach man für die Oberfläche des Queksilbers im Gefäße ein unwandelbares Niveau erhalten kann. Das Athenaeum berichtet hierüber im Wesentlichen Nachstehendes. Da es bekanntlich sehr schwer hält, eine Barometerröhre so zu füllen, daß weder Luft noch Feuchtigkeit in ihr enthalten ist, so schlug Daniell vor, die Füllung unter dem ausgepumpten Recipienten einer Luftpumpe vorzunehmen Wirklich wurde auch der Barometer der Royal Society von Hrn. Newman unter Daniell's Anleitung auf diese Weise gefüllt. Wenn man aber auch in London Optiker findet, die eine Röhre, wie man sie hiezu braucht, in gehöriger Vollkommenheit herzustellen im Stande sind, so ist dieß doch keineswegs in kleineren Orten der Fall, und wirklich mißlangen auch die Versuche, welche Hr. Stevelly in Belfort mit dieser Methode anstellte, sammt und sonders. Er kam daher nach einigem Nachsinnen auf eine einfache Methode das Torricellische Vacuum der Röhre selbst beim Fällen derselben statt der Luftpumpe zu benuzen. Er erhizte das Queksilber so weit als es sich mit dessen Handhabung vertrug und füllte die Röhre damit auf die gewöhnliche Weise |315| bis auf einen halben Zoll von ihrem oberen Ende. Dann trieb er nach dem üblichen Verfahren die Luftblasen so vollkommen als möglich aus, und kehrte die Röhre, nachdem er sie bis oben angefüllt, in einer Schale mit heißem Queksilber um, wobei das Queksilber in dem oberen Röhrentheile bis auf die Barometerhöhe herabsank. Hierauf sezte er seinen Finger unter dem in der Schale befindlichen Queksilber auf die Mündung der Röhre, hob diese heraus und legte sie mit dem Finger zugehalten flach auf einen Tisch, wobei das Queksilber schnell den unteren Theil der Röhre einnahm, so daß die Röhre nach ihrer ganzen Länge an dem oberen Theile leer blieb. Sodann drehte er die Röhre unter stetem Zuhalten derselben mit dem Finger langsam herum, wodurch jedes Theilchen Luft in den leeren Raum gebracht wurde. Nunmehr brachte er die Röhre mit ihrer Mündung nach Aufwärts wieder in senkrechte Stellung, und ließ, nachdem er einen Trichter aus reinem troknen Papiere auf die Röhre gesezt, diese durch einen Gehülfen langsam so weit mit heißem Queksilber füllen, daß die Finger davon bedekt waren. Bei langsamem Zurükziehen der Finger drang das Queksilber sachte ein und verdrängte beinahe vollkommen die atmosphärische Luft, welche sich in dem leeren Raume angesammelt hatte. Durch ein- oder zweimalige Wiederholung dieses Verfahrens nach vorausgeschiktem Auswaschen der Luft aus der Röhre erhielt Hr. Stevelly eine Queksilbersäule von ausgezeichnetem Glanze. Als er diese von ihm erfundene einfache Methode dem Hrn. Dr. Robinson von Annagh mittheilte, bemerkte ihm dieser, daß es wegen der Feuchtigkeit und Fettigkeit, welche sich beinahe beständig an den Fingern befindet, besser seyn dürfte statt des Fingers zur Schließung der Röhre ein Stük reinen trokenen Kautschuks zu nehmen. Ein nach dieser Angabe vorgenommener Versuch fiel entschieden zu Gunsten derselben aus. – Die Methode, nach welcher Hr. Stevelly eine unwandelbare Queksilberoberfläche in dem Gefäße erlangt, ist nicht minder einfach. Zur Auffindung derselben veranlaßte ihn sein schlechtes Gesicht, bei dem es für ihn von Belang war, an dem Instrumente möglichst wenige von diesem abhängige Ablesungen oder Adjustirungen zu haben. Man soll seinem Vorschlage gemäß das Gefäß durch eine Scheidewand aus Eisenblech oder aus Glas, die oben eine scharfe Kante hat, in zwei Fächer abtheilen, und in eines dieser Fächer die Queksilberröhre untertauchen lassen, in das andere dagegen einen Stämpel, welcher sachte auf- und nieder bewegt werden kann, einpassen. Um den Barometer zu einer Beobachtung zuzurichten, soll man den Stämpel zuerst herabschrauben, so daß er in dem einen Fache das Queksilber aus der Stelle treibt, während in dem anderen die Oberfläche des Queksilbers sich bis über die Schneide der Scheidewand erhebt. läßt man den Stämpel sodann wieder langsam steigen, so wird das Queksilber bis zum Niveau der Schneide der Scheidewand herabsinken, so daß hiedurch bei jeder Beobachtung die Oberfläche auf ein bestimmtes Niveau gebracht werden kann.

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