Titel: Petzhold's Methode Lichtzeichnungen darzustellen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 74, Nr. LXIX./Miszelle 8 (S. 316)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj074/mi074069_8

Petzhold's Methode Lichtzeichnungen darzustellen.

Hr. Dr. Petzhold hat über das von ihm entdekte Verfahren auf Papier mittelst Silbersalz Lichtbilder darzustellen, wobei das in der Natur Weiße wiederum weiß, das in der Natur Schwarze ebenfalls schwarz ist. Folgendes der Oeffentlichkeit übergeben.

„Die bisherige Annahme, daß reducirtes metallisches Silber einen verschiedenen Aggregatzustand besizen könne, je nach der Beschaffenheit des ausfällenden Reductionsmittels, daß es dem zufolge bald weiß, bald braun, bald schwarz erschien, ist falsch. Reducirtes metallisches Silber sieht immer weiß aus, wenn es rein ist, und was man für schwarzes metallisches Silber hielt (wenn man sich eine ähnliche Vorstellung machte wie vom Zustande des Platinmohrs u.s.w.), ist nach meinen Versuchen Silberoxydul.

Es gibt organische Säuren, z.B. Gallussäure, Tanninsäure und mehrere andere, welche beim Zusammentreffen mit salpetersaurem Silberoxyd das Silber nur bis zum Oxydul reduciren, also einen schwarzen Körper ausfällen, während sie bei passender Behandlung unter Einfluß des Lichtes reines weißes metallisches Silber geben. Bestreicht man demnach Papier mit einer Mischung einer Auflösung genannter Säuren und des salpetersauren Silbers (beide Auflösungen in bestimmter Concentration) und überläßt es der Einwirkung des Lichtes, so erhält man weißes metallisches Silber; läßt man es dagegen im vollkommnen Dunkel liegen, so wird es ganz schwarz. Legt man so zubereitetes Papier in eine Camera obscura und läßt durch eine Linse mit kurzer Brennweite das Bild irgend eines Gegenstandes darauf fallen, so werden die Lichter des Gegenstandes auf dem Bilde ebenfalls hell und weiß, die Schattenpartien ebenfalls dunkel und schwarz erscheinen. Im ersten Falle bildet sich vorzugsweise metallisches weißes Silber, im lezteren schwarzes Oxydul; ein Gemenge beider Körper bildet die Mitteltöne der Zeichnung und wird hervorgebracht durch die correspondirenden Mitteltöne des abzubildenden Gegenstandes. Corpora non agunt nisi fluida, d.h., wenn das so zubereitete Papier troken ist, so kann das Licht nichts mehr wirken, und darin allein besteht die Fixirung dieser Lichtbilder.

Da aber die atmosphärische Luft immer wehr oder weniger feucht und mit verschiedenem Gehalte von Schwefelwasserstoffgas versehen ist, so sind die erhaltenen Bilder gegen den Einfluß dieser atmosphärischen Feuchtigkeit und des Schwefelwasserstoffes durch einen Firniß zu schüzen. Denn im ersten Falle werden sie durch immer mehr überhand nehmende Reduction von metallischem Silber endlich ganz weiß, im andern Falle werden sie aber durch Bildung von Schwefelsilber ganz schwarz, und die Zeichnung muß hier wie dort verschwinden.

Das im Handel vorkommende ziemlich kostbare, aber ganz vortrefflich gearbeitete Bristolpapier dient im ausgezeichneten Grade zur Fabrication von Lichtbildern, indem es wegen seiner ungemein dichten Beschaffenheit der Masse und großen Glätte seiner Oberfläche die Anwendung des Vergrößerungsglases vollkommen verstattet, ganz abgesehen von einer Menge anderer Vortheile, die dasselbe noch außerdem darbietet.

Diese kurze Mittheilung scheint das Wichtigste meiner Erfahrungen über Daguerrotypie zu enthalten und meinen Absichten unter den jezt obwaltenden Umständen völlig zu genügen.“ (Erdmann's und Marchand's Journal für praktische Chemie Bd. XVIII. S. 111.)

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