Titel: Einiges über den Dünger.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 74, Nr. LXXXVI./Miszelle 15 (S. 400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj074/mi074086_15

Einiges über den Dünger.

Hr. Payen übergab der Akademie in Paris im Laufe dieses Herbstes eine Notiz über die Dünger, welche im Wesentlichen Folgendes enthält. „Hr. Boussingault sagt in einer seiner lezten Abhandlungen mit Recht, daß die zum Gedeihen gewisser Pflanzen nöthigen Erfordernisse mit einem tiefen Dunkel umzogen sind, und daß in dieser Hinsicht sowohl, als auch in Betreff des den verschiedenen Düngern beigemessenen Werthes in den Ansichten der Landwirthe viele Zweifel obwalten. Man weiß jezt, daß jede sprossende Pflanze eine bedeutende Menge einer stikstoffhaltigen Substanz enthält, und also Stikstoff absorbirt haben mußte. Man findet diesen Stoff in den Würzelchen, in den jüngsten Knospen, kurz in allen Organen der verschiedenen cultivirten Gewächse ohne Ausnahme. Abgesehen von dieser ersten Verwendung der in dem Boden enthaltenen stikstoffhaltigen Nahrungsmittel, sondern aber auch noch gewisse Pflanzen, z.B. jene, welche, um die größten Ernten zu geben, am meisten erschöpfen, in ihren Geweben reichlich stikstoffhaltige Bestandtheile ab. Dahin gehören die verschiedenen Arten von Kohl und Tabak, die Maulbeerbäume etc. Obschon die Luft durch die in ihr enthaltenen Stikstoffverbindungen einen Theil der Nahrung liefert, so ist doch die Erschöpfung des Bodens nach den Ernten so offenbar, daß ein Ersaz durch Düngung nöthig wird. Nach den gewöhnlichen Culturen sind es hauptsächlich die stikstoffhaltigen organischen Substanzen, welche durch die neue Vegetation assimilirt wurden; auch sind es diese Substanzen, an denen beinahe überall Mangel ist. Hieraus ergibt sich, welcher Vortheil der Landwirthschaft aus der Verwendung der früher vernachlässigten oder nur unvollkommen benuzten thierischen Ueberreste zuging. Der fortwährend steigende Werth dieser Stoffe beweist dieß nicht minder. Von jenen Substanzen, welche sowohl ihrer chemischen Bestandtheile wegen, als auch ihrer physischen Beschaffenheit nach, als die der Ernährung der Pflanzen günstigsten gelten können (worunter z.B. das trokene Blut, das gepulverte Muskelfleisch, die Wollen- und Seidenabfälle, geraspeltes Horn u dgl. gehören), kosten die 100 Kilogr. dem Landwirthe 20 bis 50 Fr., und dennoch findet man seinen Vortheil gegen den gewöhnlichen Dünger, der nur 30 Cent. oder höchstens 2 Fr. gilt! Selbst der Werth der vegetabilischen Dünger richtet sich nach ihrem Stikstoffgehalte; denn so werden z.B. die gerösteten und gesottenen Lupinen oder Teigbohnen zu 6 Fr. die 100 Kilogr. verkauft. Gewisse Düngergemische, wie z.B. der kohlige Schaum der Raffinerien, haben einen Werth, welcher von seinem Gehalte an coagulirtem Eiweiß, und von der fäulnißwidrigen Wirkung der Kohle, welche eine zu rasche Verwesung der organischen Stoffe hindert, abhängt. Während diese Rükstände früher ganz unbenüzt blieben, verkauft man sie jezt in den westlichen Gegenden Frankreichs zu 9 Fr. die 100 Kilogr. – Ohne den Wirkungen der Wurzeln auf die nachfolgenden Culturen einen größeren Werth beilegen zu wollen, als es Hr. Boussingault that, sind diese Wirkungen in manchen Fällen doch augenscheinlich. So ist nach einer von de Sylvestre dem Sohne beobachteten Thatsache und nach den Versuchen Payen's erwiesen, daß der Gerbestoff, welcher aus alten Eichentrümmern ausgezogen wird, die in der Nachbarschaft lebenden Pflanzen nicht selten tödtet, indem er den in den zarten Geweben der Wurzelfasern und Spongiolen enthaltenen Eiweißstoff zum Gerinnen bringt und dadurch die Bewegungen der Flüssigkeiten hemmt. Wie sehr übrigens die Vegetation im Wasser bisweilen von jener im Boden verschieden ist, geht daraus hervor, daß die Wurzeln einer im Wasser gezogenen Erdbeerstaude so viel Gerbsäure an das Wasser abgaben, daß alle Würzelchen der Pflanze dadurch getödtet wurden. (Echo du monde savant. No. 471.)

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