Titel: Sprengung eines versunkenen Schiffes zu Spithead mit Hülfe einer galvanischen Batterie.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 74, Nr. LXXXVI./Miszelle 8 (S. 395–396)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj074/mi074086_8
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Sprengung eines versunkenen Schiffes zu Spithead mit Hülfe einer galvanischen Batterie.

Wir haben im polytechn. Journale Bd. LXXIII. S. 117 einen größeren Aufsaz über das Sprengen mit Benüzung des Galvanismus mitgetheilt, und am Schlusse desselben einige der Versuche angereiht, welche Oberst Paslay in Chatham über das nach diesem Systeme zu bewerkstelligende Sprengen unter Wasser anstellte. Seither hat nun dieser verdiente Ingenieur-Officier seinen Versuchen eine größere praktische Anwendung gegeben, indem er den Hafen von Spithead auf diese Weise von dem Wrake des vor vielen Jahren daselbst versunkenen Schiffes Royal George zu befreien versuchte. Er begann seinen Angriff gegen das ungeheure Wrak, welches dem schönen Ankerplaze von Spithead so höchst nachtheilig ist, am 29. August, wo er mit Erfolg fünf Ladungen gegen dasselbe abfeuerte, von denen die eine aus 180, jede der vier anderen aber nur aus 45 Pfd. Schießpulver bestand. Die Wirkung dieser am Grunde des Wassers in einer Tiefe von 14 Faden bewerkstelligten Explosionen war sehr merkwürdig und gleich einem heftigen Erdbebenstoße. Die Personen, welche sich auf dem Verdeke der in der nächsten Nähe vor Anker gelegten Lichter befanden, hatten ein Gefühl, als erlitten sie eine galvanische Erschütterung, und die Fahrzeuge geriethen, ihrer Größe ungeachtet, in ein heftiges Schwanken. Dagegen erhob sich keine Wassersäule, wie man den früheren Versuchen gemäß hätte erwarten sollen. Das Wasser blieb vollkommen ruhig, und erst einige Secunden, nachdem man den Stoß gefühlt und den Knall gehört hatte, bildete es unter heftigem Blasenwerfen und Strudeln einen Kreis, der sich allmählich bis zu 50 Fuß Durchmesser ausdehnte. Dieser Kreis war anfänglich von Schaum ganz weiß, wurde aber zulezt dunkelblau und beinahe ganz schwarz, was wahrscheinlich von dem am Boden aufgerührten Schlamme herrührte. Durch die erste Explosion wurden mehrere Fische getödtet; sie verscheuchte aber auch diese Bewohner des Wassers so sehr, daß bei den folgenden Explosionen keiner mehr zum Vorscheine kam. – Am 22. September machte der unermüdliche Oberst abermals einen Angriff. Er ließ einen Cylinder, welcher 2320 Pfd. Schießpulver enthielt, sorgfältig versenken, und längs des festesten Theiles des Wrakes, den die Taucher entdeken konnten, befestigen. Nachdem alle Vorbereitungen getroffen waren, wurde das Fahrzeug, auf dem sich die Volta'sche Batterie befand, 500 Fuß weit (denn so lang waren die Verbindungsdrähte) von dem Wrake entfernt und durch Schließung der Kette die Explosion bewirkt. Die Oberfläche der See, welche ganz glatt und ruhig war, gerieth hiedurch anfänglich in eine Art zitternder Bewegung, welche kleine unregelmäßige Wellen von nicht mehr als ein Paar Zollen Höhe erzeugte. Nach drei oder vier Secunden aber erhob sich das Wasser in Gestalt eines großen Kegels oder vielmehr eines Bienenkorbes, in welcher es anfänglich langsam, dann aber rasch und an Umfang zunehmend in einer ziemlich compacten Masse bis zu einer Höhe von 28 oder 30 Fuß emporstieg. Von dieser Höhe herabfallend, bildete es sodann eine Reihe von Ringen, die sich nach allen Richtungen ausbreiteten, und von denen der erste wie eine mehrere Fuß hohe Welle aussah. Weder die Erschütterung, noch der Knall war so groß, wie ihn jene, die den früheren Explosionen mit 45 Pfd. Pulver beiwohnten, erwartet hatten, dagegen war aber die Wirkung auf das Wasser, welches doch 90 Faden Tiefe hatte, zum Erstaunen. Die hervorgebrachte Wirkung auf das Wrak werden die Taucher erst dann ermessen können, wenn die jezt herrschenden Springfluthen vorüber sind, und wenn die Taucher bei ruhiger See eine halbe Stunde lang unter Wasser zu bleiben im Stande sind. Mittlerweile ist soviel gewiß, daß Hr. Oberst Pasley dermalen die Anwendung der Volta'schen Batterie bei unterseeischen Arbeiten vollkommen in seiner Gewalt hat, und daß er die Ladungen in jeder Tiefe mit voller Sicherheit abzufeuern vermag. Er kann seine Cylinder nach und nach an alle die Stellen, die am hartnäkigsten widerstehen, bringen, wodurch es ihm am Ende gelingen muß, das ganze Wrak stükweise zu Tage zu fördern. Jedermann, der dem Abbrechen eines Schiffes zu Lande zugesehen, weiß, daß dieß die einzige Art und Weise ist, auf welche man mit einer so fest verbundenen Masse, wie sie der Rumpf eines Linienschiffes darbietet, zu Werke gehen kann. Die Festigkeit dieser Masse erhellt übrigens zur Genüge aus dem Zustande, in welchem sie sich nach 57jährigem Aufenthalte unter dem Wasser befindet. (Aus dem Civ. Eng. and Archit. Journal. Okt. 1839.)

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