Titel: Ueber die Benuzung des Dampfes als Löschmittel bei Feuersbrünsten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 74, Nr. C./Miszelle 3 (S. 441–442)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj074/mi074100_3

Ueber die Benuzung des Dampfes als Löschmittel bei Feuersbrünsten.

Hr. Picard richtete im Februar 1838 an die Pariser Akademie der Wissenschaften eine Notiz in Betreff der Benuzung des Dampfes bei Feuersbrünsten. Der Vorschlag fand damals unter den Ingenieurs wenig Beifall, wahrscheinlich weil man daraus, daß man an einigen Dampfkesseln die Feuerung durch einen Gasstrom zu bethätigen pflegt, abnahm, daß der Dampf eine ganz andere, als die von dem Proponenten erwartete Wirkung haben könnte. Dessen ungeachtet scheint es aber, daß der Dampf unter gewissen Umständen mit Nuzen zu dem angedeuteten Zweke verwendet werden kann, wie aus nachstehendem Schreiben, welches Hr. Colladon in Genf an Hrn. Arago richtete, hervorgeht. „Ich errichtete, schreibt Hr. C., gemeinschaftlich mit Hrn. Duchesne in Avignon eine Krappfabrik, in der wir mit mehreren neuen Methoden Versuche machten. Die Triebkraft der Fabrike liefern zwei Dampfmaschinen zu 18 Pferdekräften, welche während der Dauer der Arbeiten Tag und Nacht in Gang sind. Die Nachbarschaft zwischen diesen Dampfmagazinen und unseren Troknenkammern veranlaßten uns auf Benuzung des Dampfes bei eintretender Feuersgefahr zu denken. Wir leiteten daher in eine der Troknenkammern provisorisch eine Röhre, durch welche der Dampf von einem Kessel herbeiströmen konnte. Die Kammer, welche 117 Kubikmeter Rauminhalt hat, empfängt nur durch die unten an ihr angebrachten Oeffnungen Luft, und endigt sich oben in ein Gewölbe und in einen Rauchfang von 0,40 Centim. Durchmesser. Zum Versuche hängten wir ungefähr zwei Meter unter der Wölbung eine aus tannenen Latten zusammengesezte Hürde von 8 Quadratmeter Oberfläche auf, auf der wir eine 0,40 Centim. dike Schichte scharf getrokneter Holzspäne ausbreiteten. Diese Holzmasse ward von Unten an mehreren Stellen zugleich in Brand gestekt. Kaum war die Thüre der Kammer geschlossen, als die Flamme schon bis an das Gewölbe reichte und bei dem Rauchfange hinausschlug. Wir ließen nun Dampf in die Kammer ein, worauf das Feuer alsogleich merklich abnahm, und in weniger als zwei Minuten gänzlich erloschen schien. Da wir jedoch die Dampfeinleitung unterbrechen mußten, indem etwas an der Röhre in Unordnung gerathen war, so brannte das Feuer neuerdings wieder auf. Wir brachten die Röhre wieder in Ordnung, und nunmehr war das Feuer in 10 Minuten gänzlich gelöscht. Wir bemerkten bei diesem Versuche, daß der Dampf die Lebhaftigkeit der Flamme ziemlich rasch dämpft, daß es aber eine verhältnißmäßig längere Zeit braucht, bis auch die Kohlen, welche zu glimmen fortfahren, verlöschen. Die Mündung des Hahnes, bei welcher der Dampf eintrat, hatte 0,03 Centim. Durchmesser. Bei einem zweiten Versuche, bei dem der Dampf durch eine Mündung von 0,01 Centim. eintrat, beschränkte der Dampf gleichfalls die Lebhaftigkeit des Feuers gar sehr; allein zur völligen Auslöschung des Holzes waren beinahe 20 Minuten Zeit erforderlich. Brennende vegetabilische Körper werden übrigens durch den Dampf noch leichter ausgelöscht, als brennende Fette; so brannten z.B. brennende Kerzen, welche in die Kammer gestellt worden, noch ganz gut, |442| als die Späne und selbst die Latten schon gänzlich verloschen waren. Wenn unsere Fabrik vollkommen eingerichtet seyn wird, werden wir weitere Versuche anstellen und deren Resultate seiner Zeit bekannt machen. Es kommen in den Krappfabriken ziemlich häufig Feuersbrünste vor; denn wenn die Krappwurzel stark getroknet ist, wird sie so leicht entzündbar, daß selbst die besteingerichteten Troknenkammern einer Entzündung nicht immer vorbeugen können. Man erstikt das Feuer gewöhnlich durch Verstopfung aller Luftzugänge bald; immer verliert aber der Krapp hiebei bedeutend an Güte. Würde sich der Dampf als ein wirksames Löschmittel bewähren, so wäre er weit vorzuziehen, da er dem Krappe keinen Schaden bringt, und da er sich auf das einfache Oeffnen eines Hahnes schnell und leicht in der ganzen Kammer verbreiten würde. Der Dampf erstikt das Feuer, indem er die Luft aus der Stelle treibt; indem er deren Eintritt durch die Luftlöcher hindert; und indem er sich auf allen Theilen, die noch nicht brennen, verdichtet und sie dadurch feucht und zur Entzündung unfähig macht. Es ist Schade, daß man sich dieses Schuzmittels unter manchen Umständen, unter denen es mit großem Erfolge angewendet werden könnte, noch beinahe nirgendwo bediente. So könnte man z.B. in gewissen Theilen der Spinnereien, namentlich in den Klopfkammern, wo am leichtesten Feuer ausbricht und die sich gewöhnlich in der Nachbarschaft der Kessel befinden, Nuzen daraus ziehen; ebenso auf den Dampfschiffen, und überall, wo ein arbeitender Dampfkessel zur Verfügung steht, und wo das Feuer an einem Orte ausbricht, dessen Zugänge leicht abgesperrt werden können.“ (Comptes rendus de l'Académie, 1839. No. 14.)

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