Titel: Ueber die Fabrication des chinesischen Papieres.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1839, Band 74, Nr. C./Miszelle 7 (S. 443–444)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj074/mi074100_7

Ueber die Fabrication des chinesischen Papieres.

Hr. Jobart, den die belgische Regierung bei Gelegenheit der lezten Industrieausstellung nach Paris abgeordnet hatte, erstattete einen ausführlichen Bericht über seine Sendung. Besonders ausführlich handelt dieser Bericht über die Papierfabrication und die mit dieser zusammenhängenden Industriezweige Frankreichs. Es wird darin behauptet, daß vielleicht keine Fabrication in den lezten 10 Jahren in Frankreich so große Fortschritte gemacht haben dürfte, als jene des Papieres. Das französische Papier hat sich dem englischen in Hinsicht auf Vollkommenheit angenähert, ist aber dabei im Preise sehr gesunken, während das englische gleich theuer blieb. Der Bericht erwähnt ferner mit besonderem Lobe der Fortschritte, welche in Frankreich die Fabrication des chinesischen Papieres, dessen man sich zu den besseren Abdrüken von Kupferstichen und Lithographien bedient, machte. Hr. Jobart ergreift diese Gelegenheit, um eine Beschreibung des Verfahrens, welches man in China selbst bei der Fabrication dieses Papieres befolgt, mit dem Bemerken mitzutheilen, daß er seine Aufschlüsse von einem Belgier, Namens Breton, der 23 Jahre in China zubrachte, hat. Obwohl das Meiste hievon schon aus älteren Schriften über China bekannt ist, so sind doch mehrere Notizen darin enthalten, die unseren Lesern angenehm seyn werden, und die uns daher gleichfalls zur Mittheilung dieses Berichtes veranlaßten. Das Capital, heißt es in dieser Beschreibung, welches in China zur Anlegung einer Papierfabrik erforderlich ist, scheint, dem Bedarfe an Geräthen nach zu schließen, sehr unbedeutend. Ein Paar gußeiserne Kessel, einige hölzerne Bottiche, ein mit Stuk gedekter Trokenapparat, mehrere Bambusgeflechte, und einige Formen, die gleichfalls sehr künstlich aus Bambus zusammengesezt sind, bilden beinahe das ganze Fabrikmobiliar. Das Verfahren selbst ist folgendes. Man taucht die aus dem Papier-Maulbeerbaume gebildeten Bündel, welche aus abgeblätterten Reisern von der Dike eines Gänsekieles bestehen, in einen Kessel mit siedendem Wasser, und nimmt sie wieder heraus, wenn in Folge des Schwindens des unteren Endes der Rinde ungefähr ein Zoll langes Stük des Holzes sichtbar geworden. Ist dieß der Fall, so breitet man die Reiser auf einer Hürde aus, und schlägt sie auf dieser so lange mit Bambusstöken, bis sich die Rinde mit dem flachsartigen Faserstoffe davon ablöst. Dieser leztere wird, um ihn von aller Rinde zu befreien, von Weibern wie Flachs gehechelt. Die gehechelte seidenartig glänzende Faser gibt man in eine Art steinernen Mörsers, der bis zu seiner Mündung in den Boden eingesezt ist, und dessen Stämpel, welcher aus einem Stük harten Holzes besteht, in der Mitte des Mörsers mittelst eines aus starken Bambusstöken zusammengesezten Rahmens senkrecht erhalten wird. Dieser Stämpel wird von Arbeitern mit Hebeln, auf denen sie, um sich weniger zu ermüden, bald sizen, bald stehen, auf und nieder bewegt, bis die Fasermasse dadurch in eine gleichmäßige Zeugmasse verwandelt worden. Diese Masse bringt man, wenn das Papier keine Leimung bekommen soll, mit reinem Wasser, und wenn man ihm eine solche geben will, mit Reiswasser in eine Bürte. Aus dieser schöpfen zwei Arbeiter mit ihrer Form ein Blatt nach dem anderen, wobei sie theils, um die Zeugmasse gleicher zu vertheilen, theils um sie schneller abtropfen zu machen, die Form mit einem ausgekerbtem Stabe leicht erschüttern. Zwischen die einzelnen ausgehobenen Blätter wird kein Flanell gelegt, wie es bei uns zu geschehen pflegt, sondern man schichtet sie in Haufen auf, und bringt nur an dem einen ihrer Enden kleine Stükchen Holz, welche zum Fassen und Ausheben derselben dienen, zwischen sie. Die Blätter werden sodann auf der aus Stuk gebildeten Platform, unter der man ein Feuer unterhält, ausgebreitet, und mit einer feinen Bürste gezwungen, sich an diese Platform anzulegen. In ein Paar Secunden sind sie vollkommen troken, wo man sie dann im Zigzag so faltet, wie sie im Handel zu uns kommen. Das ganze Material einer großen chinesischen Papierfabrik ist keine 1500 Fr. werth. Ein Rieß von 100 |444| großen Blättern, welches in Frankreich mit 60 bis 80 Fr. bezahlt wird, kostet in China nicht mehr als 8 bis 9 Fr. Die Blätter der chinesischen Bücher sind, weil sie der in China üblichen Drukmethode gemäß nur auf einer Seite bedrukt werden können, durchaus gedoppelt. Das Druken selbst geschieht auf folgende Weise. Ein Schriftkundiger schreibt die für den Druk bestimmten Werke mit einem Pinsel sauber auf Papier. Dieses Papier wird mit der Schrift nach Abwärts gekehrt auf die zum Druke bestimmten Holzblöke, die aus einem sehr zarten in China einheimischen Holze bestehen, geleimt. Ist das Papier troken geworden, so befeuchtet man es etwas weniges mit einem Schwamme und nimmt es von dem Bloke ab, auf dem sodann die Schriftzüge zurükbleiben. Weiber und Kinder schneiden hierauf mit kleinen stählernen Instrumenten die Schriften aus, so daß erhaben gravirte Blöke, wie man sie in der Kattundrukerei hat, zum Vorscheine kommen. Mit diesen Blöken wird gedrukt; man hat aber weder eine Presse, noch eine Walze, noch irgend andere Vorrichtungen; sondern das ganze Verfahren besteht einfach darin, daß man mit einer in die Schwärze getauchten Bürste leicht über den Blök hinfährt; daß ein Kind das Ende eines Blattes an den Rand des Blokes hält, während ein zweites Kind das andere Ende aufgehoben und gespannt erhält; und daß der Druker mit einer trokenen Bürste über den Rüken des Papierblattes hinfährt, um es an der Schwärze ankleben zu machen. Ein guter Arbeiter zieht gewöhnlich nach jeder Schwärzung drei Abdrüke von einem Bloke ab, wobei er nach jedem mit seiner Bürste etwas stärker anhält. Da die zum Druke verwendete Schwärze auslöschlich ist, so werden alle alten Papiere abgewaschen und wieder unter den Stämpel gebracht. Hr. Breton sah auch eine Art sehr zähen Pakpapieres, welches kaum leichter als Musselin zu zerreißen ist, und dessen sich der gemeine Chinese häufig als Saktuch bedient, aus Floretseide bereiten. Als die Engländer das erste endlose Papier nach China brachten und damit den chinesischen Fabrikanten etwas für sie Unerreichbares zu zeigen wähnten, erboten sich diese sogleich Papier von jeder Länge und Breite zu liefern. Sie hielten auch wirklich Wort, und zwar ohne daß sie mehr thaten, als daß sie die englische 80,000 Fr. kostende Maschine durch einen langen Bottich ersezten, der kaum über 40 Fr. kostet. Ihr Verfahren ist folgendes. Sie stampfen Floretseide auf die angegebene Weise, und sezen die dadurch erlangte Zeugmasse in dem langen Bottiche der Sonne aus. Die Seide steigt, da sie specifisch leichter ist als das Wasser, allmählich an dessen Oberfläche empor, um auf dieser ein Häutchen zu bilden, welches durch die Sonne gar bald eine solche Consistenz bekommt, daß es einem leichten Zuge zu widerstehen im Stande ist. Ein gewandter Arbeiter erfaßt sodann das Ende dieses Häutchens zwischen zwei dünnen Latten, und zieht es hierauf langsam aus dem Bottiche, in welchem man das Wasser während des Ausziehens des Häutchens beständig auf der Höhe der Wand, an der es ausgezogen wird, erhält. An der frei gewordenen Wasserfläche erhebt sich neue Seidenmasse, welche sich stets an das Ende des Häutchens ansezt, so daß man aus dem Bottiche bis zur Erschöpfung der in ihm enthaltenen Zeugmasse ein ununterbrochenes Blatt ausziehen kann. Gewöhnlich gibt man den Blättern bei 3 Fuß Breite 20 Fuß in der Länge. Zum Behufe des Troknens breitet man sie auf Gras, auf dem man sie umkehrt. Die chinesischen Papierfabriken sehen daher von Weitem wie Bleichen aus. Handelt es sich um endloses Papier, was übrigens der Chinese für unnüz hält, so wird das Häutchen auf einen an dem Bottiche befindlichen Cylinder aufgerollt, wobei man zwischen die Windungen bereits trokenes Papier einlegt. Dieses Seidenpapier, welches gelblich ist, dient hauptsächlich zum Einwikeln verschiedener Gegenstände. Es ist nicht von ganz gleicher Dike, jedoch so stark, daß ein Streifen von 3 Millimeter ein Gewicht von einem Kilogramm zu tragen vermag, ohne darunter zu reißen. Seine Stärke verdankt es den Seidenfasern, von denen einige nach der Fabrication 2 bis 3 Centim. Länge haben. Es wäre wohl der Mühe werth, diese Art der Papierfabrication auch in Frankreich und Italien, wo man so viele Floretseide zur Verfügung hat, daß vor einigen Jahren ein Chemiker sie als Dünger zu benüzen vorschlug, zu versuchen. (Echo du monde savant. 1839, No. 490.)

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