Titel: Ueber den dermaligen Stand der Spinnereien im Departement des Oberrheins.
Autor: Zuber, J.
Schlumberger, Nicolas
Bourcart, Camille
Schwartz, Eduard
Fundstelle: 1840, Band 75, Nr. XV. (S. 64–71)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj075/ar075015

XV. Ueber den dermaligen Stand der Spinnereien, Webereien und Drukereien im Departement des Oberrheins. Im Auszuge aus einem von der Departements-Jury über die im Jahre 1839 gehaltene Industrieausstellung erstatteten Berichte.12)

Aus dem Bulletin de la Société industrielle de Mulhausen, No. 60.

I. Baumwollspinnerei.

Die Zahl der thätigen Spindeln, welche im Jahre 1834 sich auf 530,000 belief, hat sich seither um 153,000 vermehrt, so daß man dermalen in Summa 683,000 zählt, welche in 52 Etablissements vertheilt sind. 350,000 derselben werden durch Dampfmaschinen, und 330,000 durch Wasserkraft in Bewegung gesezt.

Man erzeugt Gespinnst von jeder Feinheit, von Nr. 4 angefangen, welches aus Abfall gesponnen wird, bis zu Nr. 200, wozu lange amerikanische Baumwolle genommen wird. Ungefähr 2/3 des Gespinnstes bestehen aus Nr. 28 bis 40, und sind zum Weben von Kattunen bestimmt.

Der Verbrauch an Baumwolle läßt sich für 27 Spindeln täglich auf 1 Kilogr. anschlagen, was also für die 683,000 Spindeln täglich 25,296 Kilogramme, oder für das Jahr von 300 Tagen 7,588,800 Kilogr., oder den Ballen im Durchschnitte zu 175 Kilogr. gerechnet 43,365 Ballen ausmacht. Rechnet man das Kilogr. im Durchschnitte zu 2 Fr. 70 Cent., so gibt dieß im Ganzen für den Rohstoff einen Werth von 20,489,895 Fr.

Den Abfall zu 8 Proc. gerechnet gibt diese Wolle an Gespinnst 6,981,696 Kilogr., welche bei dem dermaligen Werthe des Kilogr. zu 4 Fr. eine Summe von 27,926,784 Fr. repräsentiren. Zieht man hievon den Werth des Rohstoffes im Betrage von 20,489,895 Franken ab, so restiren für Fabricationskosten und Handelsgewinn 7,436,889 Fr., oder 1,07 Fr. auf das Kilogr.

Die Spinnereien des Departements, welche im Allgemeinen gut gebaut und auch gut unterhalten sind, repräsentiren, die Spindel zu 35 Fr. angeschlagen, einen Werth von 23,905,000 Fr. Die Zahl |65| der in ihnen verwendeten Arbeiter beläuft sich ungefähr auf 14,000, so daß einer auf 49 Spindeln trifft.

Die vorzüglichsten der in den Spinnereien des Departements eingeführten Verbesserungen bestehen in der Einführung der Spindelbänke mit Verzahnungen anstatt der Vorspinnmaschinen; und in der immer mehr in Aufnahme kommenden Anwendung der sogenannten Couloirs zur Vereinigung der Wikler oder Bänder der Kardir- und Zugstühle. Ferner kennt man mehrere englische Verbesserungen in der Baumwollspinnerei, wozu namentlich die mechanischen Spüler (renvideurs mechaniques); die mechanische Reinigungskarde, der Double Speeder, der für die gewöhnlichen Feinheitsnummern mit Vortheil die Spindelbank ersezt, gehören. Leider machen aber die Inhaber der Einführungs-Patente für diese Maschinen so hohe Anforderungen, daß bisher noch kein Haus im Stande war, sich dieselben anzueignen.

Im Jahre 1834 betrug die Differenz zwischen dem Preise der rohen und jenem der gesponnenen Baumwolle in den Gespinnsten von Nr. 30 bis 40 noch 3 Fr. 20 Cent. per Kilogr. Dermalen ist diese Differenz auf 1 Fr. 7 Cent. herabgesunken. So lange in Frankreich Spinnereien bestehen, war die für die Veredlung des Rohstoffes treffende Summe noch nie so gering; und es steht zu befürchten, daß bei dem Verluste, der für manche Fabriken offenbar daraus erwachsen muß, mehrere derselben nothwendig ihre Arbeiten werden einstellen müssen. Erhöht wird diese ungünstige Stellung der Fabriken noch durch die Speculationen, welche seit einem Jahre in Hinsicht auf die rohe Baumwolle betrieben werden, und deren Gelingen hauptsächlich dem den Seehäfen eingeräumten Monopole zuzuschreiben ist, und durch Herabsezung der Ausfuhrprämie für Baumwollgespinnste und Baumwollgewebe. Man könnte demnach diesem so höchst wichtigen Industriezweige wohl zu Hülfe kommen, wenn man Maßregeln ergriffe, welche den Preis des Rohstoffes herabzudrüken im Stande wären, und wenn man die Ausfuhr durch eine verständige Erhöhung der Prämie begünstigte.

II. Weberei.

1. Baumwollen- und Wollengewebe für den Druk und zum rohen Verkaufe. Calicos, Musseline, Jacconets etc., Mousselines-Laine.

Die Weberei hat seit dem Jahre 1834 im Departement bedeutende Veränderungen erfahren. Die Zahl der mechanischen Webestühle hat sich beinahe verdoppelt; jene der Schlichtmaschinen stieg nicht in demselben Verhältnisse, indem man sich früher schon zur |66| Zubereitung der Ketten für die Handwebestühle dieser Maschinen bediente. Die Zunahme der mechanischen Webestühle hat allerdings einen Theil der Handwebestühle außer Thätigkeit gesezt; allein doch nicht so viele, als dafür mechanische errichtet wurden; denn das Departement erzeugt dermalen eine um 1/3 größere Menge von Geweben als im Jahre 1834. Während man nämlich in diesem Jahre 920,000 Stüke, welche im Durchschnitte 32 Stab lang waren, erzeugte, wurden ihrer im J. 1838 nicht weniger als 1,200,000 zu 36 bis 42 Stab erzeugt. Schlägt man ein Stük im Durchschnitte zu 28 Fr. im Werthe an, so gibt dieß eine Summe von 33,600,000 Fr., und zieht man hievon den Werth des Gespinnstes mit 24,000,000 Fr. ab, so bleibt für die Façon die Summe von 9,600,000 Fr., wovon die Hälfte den von den Arbeitern gewonnenen Arbeitslohn repräsentirt. Der Arbeitslohn für die Handweberei ist so herabgesunken, daß die Weber nicht davon leben könnten, wenn sie nicht größten Theils nebenbei Akerbau trieben, und nur jene Zeit, wo sie der Akerbau nicht beschäftigt, am Webestuhle zubrächten. Die Handweber, denen diese Aushülfe fehlte, mußten sich anderweitige Beschäftigung suchen, und gingen, wenn sie nicht in den mechanischen Webereien Aufnahme finden konnten, zu anderen Industriezweigen über. Uebrigens bedroht die Zunahme der mechanischen Webereien und das nochwendig hieraus folgende fortwährende Sinken des Arbeitslohnes der Handweber einen wichtigen Theil unserer Bevölkerung mit einer Verarmung, die von den Freunden der Menschheit nicht unberüksichtigt bleiben darf. Zum Glüke erhebt sich ein neuer Industriezweig, nämlich die Fabrication wollener Gewebe zum Druke, die besonders dann in Aufnahme kommen würde, wenn man mit Errichtung von Wollenspinnereien vorschritte. Die Krisis von 1837 drükte die Weberei ebenso wie die ganze Baumwollindustrie; sie führte eine bedeutende Verminderung des Arbeitslohnes herbei, und legte den Fabrikanten große Opfer auf. Dafür veranlaßte sie aber auch Versuche und Anstrengungen, denen man mehrere Fortschritte verdankt; darunter z.B. die Einführung der Fabrication mehrerer Gewebe, die im Elsaß gar nicht oder nur wenig erzeugt wurden, wie z.B. der Jacconets, der gemusterten Musseline, der Organdis etc. Man zählte im Anfange des J. 1839 5908 mechanische Webestühle und 256 Schlichtmaschinen.

2. Gemusterte Gewebe in Baumwolle, Wolle, Seide und Leinen, welche auf dem Jacquartstuhle erzeugt werden.

Mülhausen zählt in 4 Fabriken 110 Jacquartstühle, auf denen hauptsächlich baumwollene Möbelzeuge erzeugt werden. In |67| einer dieser Fabriken fing man an damascirte Tischteppiche aus farbigen Baumwollgespinnsten nach Art derjenigen, welche die Engländer aus Wolle und Baumwolle fabriciren, zu erzeugen: ein Fabricat, welches sich sowohl durch seine Vollkommenheit als durch seine Wohlfeilheit auszeichnet. Ferner erzeugt man Gewebe aus reiner Floretseide sowohl, als aus solcher und aus Wolle. Endlich machte man auch mit der Fabrication von Leinendamast einen Anfang. Man kann die Stüke, welche aus den 4 genannten Fabriken hervorgehen, jährlich auf 3000 bis 3500 zu 31 bis 36 Stab, und deren Werth zu 250 bis 300,000 Fr. anschlagen. Die Weber verdienen dabei des Tages 2 bis 2 1/2 Fr.

3. Farbige Baumwollzeuge, Baumwoll-Leinwand, Schnupf- und Halstücher, Ginghams, Roben und Madras.

Die Fabrication farbiger Baumwollzeuge, deren Hauptsiz in dem Thale St. Marie-aux-Mines ist, beschäftigt daselbst, und in der Umgegend von Ribeauvillé, Mülhausen und Colmar gegen 20,000 Arbeiter. Ihre Lage ist seit 1834 ungefähr dieselbe geblieben; dafür sind aber an ihren Producten bedeutende Fortschritte bemerkbar. Kattunleinwand, die man früher nur von einer Sorte fabricirte, wird dermalen von den feinsten Nummern angefangen bis zu jenen hinauf erzeugt, deren Werth hauptsächlich in ihrer Stärke gelegen ist. Farbige Halstücher, broschirt und mit Seide vermengt, sind seit einigen Jahren sehr in Aufschwung gekommen. Ginghams werden nur mehr zur Ausfuhr fabricirt; doch ist es bei dem hohen Preise der Baumwolle kaum mehr möglich, hierin mit dem Auslande Concurrenz zu halten. Dasselbe gilt auch von der Fabrication von Roben und Madras für Indien, deren Production dermalen sehr unbedeutend ist. Die Türkischrothfärberei, die in 8 Anstalten betrieben wird, behauptet ihren alten Ruf, leidet aber unter dem hohen Preise des Robstoffes, bei dem es schwer ist, auf fremden Märkten mit Gewinn zu verkaufen. – Man kann annehmen, daß in dem hier abgehandelten Fache jährlich 400,000 Stüke zu 30 Stab fabricirt werden, was, wenn man das Stük im Durchschnitte zu 35 Fr. anschlägt einen Werth von 14,000,000 Fr. repräsentirt. Von dieser Summe kommen 4 1/2 Mill. auf 1,000,000 Kilogr. Gespinnst von Nr. 5 bis 140; 3 1/2 Mill. Fr. auf Farbstoffe und Brennmaterial; 4 Mill. Fr. auf Arbeitslohn, und 2 Mill. Fr. auf allgemeine Kosten. Der Arbeitslohn vertheilt sich folgendermaßen: ein Aufseher verdient täglich 2 Fr., ein Weber 1 1/3 bis 1 1/2 Fr., Weiber und Kinder 60 bis 70 Cent.

|68|

III. Zeugdrukerei.

Die Kattundrukerei bot im Jahre 1834 die günstigsten Aussichten. Große Verbesserungen, welche man in mehrfacher Beziehung gemacht hatte, sezten die Fabrikanten in Stand Fabricate zu liefern, welche sich durch Haltbarkeit und Schönheit der Farben, durch guten Geschmak und Mannichfaltigkeit der Muster auszeichneten. Die allerdings schon bedeutende Production überschritt noch keineswegs den Bedarf, und sowohl im In- als im Auslande fand der Fabrikant leicht Absaz zu einem Preise, der ihm einen mäßigen Gewinn sicherte. Dieser überaus günstige Stand der Dinge führte nicht nur eine Erweiterung der bereits bestehenden Fabriken, sondern auch die Errichtung vieler neuer nach sich. Die Production steigerte sich hiedurch in hohem Maaße, und zwar leider in einem Augenblike, wo der Absaz im Auslande durch den deutschen Zollverein und die amerikanische Handelskrisis beinahe vernichtet war. Nothwendige Folge hievon war eine unerhörte plözliche Entwerthung der in den Magazinen aufgespeicherten Fabricate, und damit Verluste, unter denen viele Häuser erlagen. Erst in neuester Zeit und seit sich der Zustand des amerikanischen Handels wieder bessert, erwacht wieder die frühere Thätigkeit in den Fabriken. Man hat in mehreren Theilen der Fabrication Ersparnisse eingeführt und Vereinfachungen getroffen; auch kam der Walzendruk mit einer oder mehreren Farben wieder entschieden in Gunst, so daß man im Stande war, die Preise zu erniedrigen. Leider gestattete aber der hohe Preis der Baumwolle noch immer nicht im Preise so weit herabzugehen, daß man auf fremden Märkten die Concurrenz zu halten vermöchte.

Wenn auch nur wenige Verbesserungen von Belang, die in der Kattundrukerei gemacht wurden, aufgeführt werden können, so läßt sich doch im Allgemeinen sagen, daß die besseren Methoden sich sehr verbreitet haben. Eine interessante Neuigkeit waren auf der Anstellung vierhändige auf der Walzendrukmaschine gedrukte Muster in lauter ächten Farben, die bisher noch nicht so gedrukt werden konnten, daß man sie gleichzeitig denselben Färbeoperationen unterziehen konnte, von der Kattunfabrik der HHrn. Haußman, Jordan, Hirn und Comp. Hrn. Adolph Hirn, dem Erfinder dieses Verfahrens, gebührt das Verdienst, die Indiennen-Fabrication um einen Schritt vorwärts gebracht zu haben, und zwar um einen Schritt, der um so wichtiger ist, als er mit einfachen und wohlfeilen Mustern neue und sehr mannichfaltige Effecte hervorzubringen gestattet.13) – Erwähnung verdient |69| auch die glükliche Idee, die Fantaisiemuster mit einem Grund zu versehen, welcher selbst ein Dessin bildet und auf der einfachen oder doppelten Walzendrukmaschine gedrukt wird. Man kann nämlich auf diese Weise mit sehr einfachen, von der Hand gedrukten Mustern eine große Mannichfaltigkeit erzielen. Man war durch dieses Verfahren veranlaßt, über die Mittel zur Reservirung der verschiedenen mit der Walze oder von der Hand gedrukten Mordants und Farben Untersuchungen anzustellen, die auch zu den günstigsten Resultaten führten.

Der seit dem Jahre 1834 im Elsaß bekannte Druk mit der Perrotine eignet sich nicht gut für die Dessins der dortigen Fabriken, weßhalb denn auch kaum mit vier oder fünf solchen Maschinen gearbeitet wird.

30 Fabriken, welche 10,000 Männer und Weiber und 4000 Mädchen und Knaben beschäftigen, erzeugen dermalen im Departement des Oberrheins jährlich 600,000 Stük Indiennen zu 36 bis 38 Stab, und 55,000 Stüke Mousseline, Organdis, Jacconets. Die Triebkraft liefern 16 Wasserräder von der Kraft von 312 Pferden, und 13 Dampfmaschinen zusammen von 180 Pferdekräften.

Der Werth der Fabricate läßt sich zu 56 Fr. per Stük auf 36,680,000 Fr. anschlagen. Davon kommen auf die 655,000 Stük roher Calicos zu 28 Fr. per Stük 18,340,000 Fr.; auf die Farbstoffe und chemischen Producte zu 10 Fr. per Stük 6,550,000 Fr.; auf das Brennmaterial zu 2,50 Fr. per Stük 1,637,500 Fr.; auf Arbeitslohn zu 7 1/2 Fr. per Stük 4,912,500 Fr.; auf Interessen und allgemeine Kosten zu 8 Fr. per Stük 5,240,000 Fr.

Der Werth der Mobilien und Immobilien der 30 Fabriken kann auf 8 Millionen Fr., und das Betriebscapital zu 23 Mill. Fr. angeschlagen werden.

Der Druk auf Seiden- und Wollenzeuge ward schon vor dem Jahre 1834 von einigen Elsasser Häusern betrieben. Ersterer wurde seither aufgegeben; lezterer dagegen hat große Fortschritte gemacht, |70| so daß es dermalen wenige Indiennen-Fabrikanten gibt, die nicht auch auf Wolle druken. Mehrere Verbesserungen von Werth wurden in dieser Beziehung gemacht, und unter den Neuerungen verdient das Aufdruken von Reservagen mit der Walze erwähnt zu werden. In diesem Jahre dürften 25 bis 30,000 Stüke Mousseline-de-laine zu 36 Stab im Werthe von 4,050,000 Fr. gedrukt werden, wonach der Mittelpreis des gedrukten Fabricates sich zu 3 Fr. 75 Cent. der Stab berechnen würde. Von obiger Summe kommen 2,160,000 Fr. auf die rohen Stüke, von denen der Stab 2 Fr. gilt; der Rest auf Arbeitslohn, Farbstoffe und allgemeine Kosten. Ein Theil der gedrukten Gewebe hat Ketten aus Baumwolle.

IV. Drukwalzen-Stecherei.

Die Zahl der Anstalten, welche sich mit dem Graviren von Drukwalzen befassen, ist seit dem Jahre 1834 von 4 auf 10 gestiegen. Sie beschäftigen 200 Arbeiter, und liefern jährlich gegen 1200 Walzen, wovon 1000 für das Elsaß und die Normandie gehören, die übrigen 200 aber nach Oesterreich, Preußen, Spanien, der Schweiz und nach Baden gehen. Im Jahre 1838 wurden Walzen im Werthe von 70,000 Fr. ausgeführt. Die Ausfuhr nach Rußland, wohin früher viele Walzen gingen, ist dermalen gesperrt. Bei den großen Fortschritten, welche dieser Industriezweig machte, und bei den anerkannten Vorzügen der Elsasser Gravirung vor der englischen, würde die Ausfuhr an gravirten Walzen noch viel bedeutender seyn, wenn das Kupfer nicht einen so großen Einfuhrzoll in Frankreich zahlen müßte, und wenn der auf die gravirten Walzen gelegte Ausfuhrzoll nicht so bedeutend wäre. Bei einigen hierauf bezüglichen Modificationen im Zolltarife dürften die französischen Walzen im Auslande leicht überall mit den englischen concurriren können.

––––––––––

Als Anhang fügen wir noch Einiges auf die Tuch- und die Papierfabrication Bezügliches bei.

Tuchfabrication. 12 Fabriken erzeugen mit 1000 Arbeitern, von denen einer des Tages im Durchschnitte 1 Fr. 50 Cent. verdient, jährlich 60,000 Meter Tuch für den Walzendruk im Werthe von 1,080,000 Fr., indem der Meter im Durchschnitte 18 Fr. kostet. Außerdem werden noch 100,000 Meter farbiges Tuch fabricirt, welche, den Meter zu 24 Fr. gerechnet, einen Werth von 2,400,000 Fr. repräsentiren. Alle diese Fabricate sind von guter Qualität; besonders sind die Druktücher in ganz Europa bekannt.

Papierfabrication. Das Departement erzeugt jährlich 550,000 Kilogr. weißes Papier, und hievon treffen 330,000 Kilogr. |71| auf die Fabrik der HHrn. Brüder Kiener zu Lutterbach, die eine Maschine nach Didot's System errichtet haben; 120,000 Kilogr. auf die Fabrik der HHrn. J. Zuber und Comp. zu Noppentzwiller, die mit ihrer Patentmaschine arbeiten; und 100,000 Kilogr. auf die fünf kleineren Fabriken, die sich seit Einführung der Maschinen in der Papierfabrication noch erhalten haben. Von den 300 Arbeitern verdient einer im Durchschnitte 1 1/2 Fr. des Tages. Man verarbeitet nur Lumpen. – Die bekannte Papier-Tapeten-Fabrik zu Rixheim, in welcher zuerst der Druk mit Walzen eingeführt wurde, liefert jährlich 250 bis 300,000 Rollen im Werthe von ungefähr 500,000 Fr. Unter den von ihr ausgestellten Fabricaten zeichneten sich der Druk mit geglättetem Bronze, welcher die Vergoldung ersezt, und die mit der Walze gauffrirten Papiere, welche die sonst zu Tapeten verwendeten Maroquins und gepreßten Leder ersezen, und unendlich wohlfeiler kommen, aus.

Wir entnehmen diesem Berichte, der von den HHrn. J. Zuber Vater, Nicol. Schlumberger, Cam. Bourcart, Ed. Schwartz, Fred. Japy und Marozeau unterzeichnet ist, nur das auf die Spinnereien, Webereien und Zeugdrukereien des Departements des Oberrheines Bezügliche, indem die übrigen Industriezweige daselbst mit Ausnahme der Maschinenwerkstätten von minder bedeutendem Umfange sind. A. d. R.

|68|

Bei einer Discussion, welche in der Société industrielle durch diese Mittheilung veranlaßt wurde, ward beschlossen, daß die Gesellschaft in ihrem |69| Bulletin nachstehende Ausschlüsse über diesen Gegenstand geben soll. „Das gleichzeitige Aufdruken oder Nebeneinanderdruken mehrerer ächten Farben mittelst der zwei- und dreifachen Walzendrukmaschine ist nichts Neues, sondern ward schon auf mehrfache Weise versucht. Seit Jahren schon wußte man bei dieser Art von Druk das ächte Blau (durch Schwefelarsenik reducirten und in Aezkali aufgelösten Indigo) mit den Krappfarben zu vereinen. Nur das ächte Grün bot für die Ausführung im Großen noch Schwierigkeiten dar. Diese zu heben, ist den HHrn. Haußman, Jordan, Hirn und Comp. zum größeren Theile gelungen, und man bemerkt wirklich unter den von diesem Hause ausgestellten Fabricaten ziemlich schönes ächtes Grün, obwohl es zugleich mit dem Rosa, dem Violett etc. (womit das Grün gleichzeitig gedrukt worden seyn mußte) die Krappfärberei und Seifenpassagen durchmachte.“ A. d. O.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: