Titel: Daft's Verbesserung an den Schreibzeugen.
Autor: Daft, Thomas Barnabas
Fundstelle: 1840, Band 75, Nr. XXVI. (S. 108–111)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj075/ar075026

XXVI. Verbesserungen an den Schreibzeugen und an den Materialien und Apparaten zum Siegeln von Briefen und anderen Documenten, worauf sich Thomas Barnabas Daft, in Regent-Street in der Grafschaft Middlesex, am 2. Febr. 1839 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem Repertory of Patent-Inventions, Nov. 1839, S. 288.

Mit Abbildungen auf Tab. II.

Der erste Theil meiner Erfindung betrifft gewisse Verbesserungen an den Schreibzeugen, in Folge deren diese Vorrichtungen die Tinte in einem besseren Zustande liefern, als sie von irgend einem anderen dermalen gebräuchlichen Schreibzeuge geliefert wirb. Die Tinte, deren Zufluß durch den Druk der Luft bewirkt wird, ist in ihnen nicht nur gegen die Einwirkung der äußeren atmosphärischen Luft geschüzt, sondern wenn irgend etwas an dem Schreibzeuge in Unordnung |109| geräth und Luft an die Tinte gelangen kann, hört der Abfluß von Tinte aus demselben auf.

Der zweite Theil meiner Erfindung betrifft einen verbesserten Verschluß für Briefe und andere Dokumente.

Fig. 19 zeigt einen meiner Schreibzeuge in einem Durchschnitte. a, a ist der Tintenbehälter, der aus Glas oder irgend einem anderen entsprechenden Materiale bestehen kann, und dessen Form sich je nach Geschmak und Belieben abändern läßt. Auf dem oberen Theile dieses Behälters wird mit Kitt oder auf irgend andere Weise luftdicht ein Dekel b befestigt, an welchem mit einer Schraube oder nach irgend einer anderen Methode ein kurzer Cylinder c festgemacht ist. An dem unteren Theile dieses Cylinders befindet sich ein Boden, und von Oben steigt nach Abwärts ein Luftcanal, der seitlich in den Cylinder c eintritt. Dieser Luftcanal ist deßhalb indirect in den Cylinder eingeführt, damit, wenn der Schreibzeug zufällig umgestürzt wird, doch keine Tinte in den Cylinder c gelangen kann. An der inneren Seite des Cylinders c befindet sich ein gut geliederter und gut eingepaßter Kolben, welcher sich luftdicht in dem Cylinder zu bewegen hat, und der durch eine Schraube d, welche in dem Dekel e des Cylinders c spielt, in Bewegung gesezt wird. Hieraus erhellt, daß das Emporsteigen und Herabsinken des Kolbens auf die in dem Behälter a befindliche Luft wirkt; denn wenn der Kolben nach Abwärts gedrängt wirb, wird die in dem Cylinder c enthaltene Luft in den Behälter a getrieben werden, und aus diesem lezteren eine entsprechende Menge Tinte in den Tintenzeug f treiben. Wird hingegen der Kolben in den oberen Theil des Cylinders c zurükgezogen, so wird der Luftdruk auf die in dem Tintenzeuge f befindliche Tinte wirken, und dieselbe in den Behälter a zurüktreiben. Das, um was die Tinte in dem Behälter weniger geworden, wird durch eine gleiche Menge Luft, welche durch den Tintenzeug einströmt, und an den oberen Theil des Behälters a emporsteigt, ausgeglichen. Ich muß besonders auf diesen Umstand aufmerksam machen, denn durch ihn unterscheidet sich mein Schreibzeug von jenen älteren Schreibzeugen, an denen die Tinte mittelst eines Kolbens, der mit ihr in Berührung stand, aus dem Tintenbehälter ausgetrieben wurde, und welche eben deßhalb leicht in Unordnung geriethen. An meinem Schreibzeuge wird die Tinte durch den Druk der in den Behälter a getriebenen Luft, indem diese in dem Behälter eine gleiche Menge Tinte verdrängt, in den Tintenzeug getrieben, und es befindet sich also über der Oberfläche der Tinte und dem Instrumente, womit die Luft in den Behälter a getrieben wird, eine Quantität Luft.

Ich habe in der Zeichnung die Luftpumpe oder den Apparat, |110| womit Luft in den Behälter a eingetrieben wirb, als an dem oberen Theile des Schreibzeuges angebracht dargestellt; man kann ihm aber offenbar auch irgend eine andere geeignete Stellung geben. Der Scheitel des Tintenzeuges f steht höher als die Tinte je in dem Behälter a stehen kann; wenn daher an der Luftpumpe irgend etwas in Unordnung geräth, und hiedurch Luft in den oberen Theil des Behälters a gelangen kann, so findet kein Abfluß von Tinte aus diesem Statt, wie dieß an jenen Schreibzeugen der Fall ist, an denen die Tinte vermöge des Drukes der Luft, der durch Zurükziehen eines Kolbens in Wirksamkeit gebracht wird, in dem Behälter erhalten wird.

Von dem unteren Theile des Tintenzeuges f steigt bis in die Nähe des Bodens des Behälters a eine Röhre g hinab, über deren unteres Ende ein Stük feinen Silberdrahtgewebes, welches als Seiher wirkt und keine diken Theile in den Tintenzeug gelangen läßt, gespännt ist. Der Tintenzeug f ist an einer kreisrunden Platte, mit der er luftdicht in die in dem Dekel b des Behälters a befindliche Oeffnung geschraubt ist, befestigt. Diese Platte wird, wenn man den Behälter a mit Tinte füllen will, angenommen; doch kann das Füllen auch durch eine eigene Oeffnung, welche mit einem luftdicht schließenden Pfropfe versehen seyn muß, geschehen. Wie hoch die Tinte im Behälter a stehen mag, so wird, so lange sie sich nur über dem unteren Ende der Röhr g befindet, beim Herabschrauben des Kolbens in den Cylinder c stets eine Quantität Tinte in den Tintenzeug getrieben werden. Dagegen wird, wenn man den Kolben nach Aufwärts zieht, die aus dem Tintenzeuge genommene oder verbrauchte Tinte durch eine gleiche Luftmenge, welche durch den Tintenzeug in den Behälter a tritt, ausgeglichen werden. Es ist klar, daß an meiner Vorrichtung nur der Luftdruk, welcher durch den in einem Cylinder spielenden Kolben hervorgebracht wird, auf die Tinte wirkt; und daß, wenn in dem Tintenzeuge f keine Tinte enthalten ist, das Schreibzeug umgestürzt werden kann, ohne daß Tinte aus dem Behälter a ausfließt, so lange die Luftpumpe unthätig bleibt.

Ich muß bemerken, daß, obwohl die Luftpumpe an dem hier abgebildeten Schreibzeuge aus einem Cylinder c und einem Kolben besteht und ich dieser Einrichtung auch den Vorzug gebe, ich mich doch keineswegs an sie binde, indem man sich zum Eintreiben von Luft in den Behälter a, und zum Verdrängen von Tinte aus demselben offenbar auch anderer Vorrichtungen bedienen kann.

Fig. 20 zeigt einen Durchschnitt eines anderen meiner Erfindung gemäß verfertigten Schreibzeuges, welcher jedoch in einigen Dingen etwas von dem zuerst beschriebenen abweicht. Da dessen einzelne |111| Theile mit den bereits an dem ersten gebrauchten Buchstaben bezeichnet sind, so habe ich nur zu bemerken, daß die Röhre g, anstatt durch den Dekel des Behälters a zu sezen, von dessen Boden ausläuft und an ihrem oberen Ende das Tintenzeug bildet; und daß sich ferner der Boden des Cylinders c in den Behälter a öffnet. Wenn dieses Schreibzeug umgestürzt wird, so kommt die Tinte mit dem Kolben in Berührung, und wenn etwas von ihr an diesem vertroknet, so könnte dessen Spiel dadurch beeinträchtigt werden. Ich halte daher diese Art von Schreibzeug für jene Fälle, wo die Schreibzeuge häufig von einem Orte zum anderen gebracht werden müssen, und dabei einer Umstürzung ausgesezt sind, nicht so gut als die ersteren, obwohl sie in allen anderen Fällen ebenso gute Dienste leisten als diese.

Meine zweite Erfindung, die, wie gesagt, den Verschluß von Briefen und anderen Documenten betrifft, beruht auf der Anwendung dünner Metallplatten oder Metallstreifen, welche mit Siegellak befestigt werden.

Fig. 21 und 22 zeigt die Vorder- und die Rükseite einer Note, welche mit einem Metallstreifen verschlossen ist. Die Enden dieses Streifens sind, nachdem sie durch die Note geführt worden, am Rüken mit Siegellak an dem Papiere befestigt. Die Platte oder der Streifen kann aus irgend einem beliebigen Metalle bestehen; dünnes versilbertes oder vergoldetes Messing verdient den Vorzug, doch binde ich mich nicht hieran.

Fig. 23 gibt mehrere Ansichten einer derlei Platte; in einer derselben sieht man sie in der Biegung, die man ihr geben muß, um sie durch die in den Brief gestochenen Löcher steken zu können. Zur Verfertigung dieser Plätten bediene ich mich einer Schwungpresse, in der ich auf den Schild oder breiteren Theil derselben auch verschiedene Wappen oder sonstige Figuren presse.

Fig. 24 zeigt das zum Durchstechen der Briefe oder sonstigen Documente bestimmte Instrument, welches, wie man sieht, zwei Schneiden hat, die man durch das zusammengefaltete Papier sticht. Wenn die Enden der Metallstreifen durch diese Löcher gestekt worden, biegt man sie nieder, und drükt sodann mit Siegellak das Petschaft darauf, wie in Fig. 23 zu sehen ist. Man kann übrigens auch ein Siegel mit Oblaten und einem Stükchen Papier darauf anbringen.

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