Titel: Stegers, Recepte zu den schönsten, den Säuren widerstehenden Glasmalerflüssen und Farben.
Autor: Stegers, M. A.
Fundstelle: 1840, Band 75, Nr. XXX. (S. 121–138)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj075/ar075030

XXX. Bewährte Recepte zu den schönsten, den Säuren widerstehenden Glasmalerflüssen und Farben; mitgetheilt von M. A. Stegers.

Die schöne Kunst der Glasmalerei ist zu unserer Zeit nicht allein in der ganzen Fülle ihrer alten Pracht wieder emporgetaucht, sondern hat auch durch die Riesenfortschritte der Chemie und durch den neuen Aufschwung der zeichnenden Kunst einen Umfang an technischen und ästhetischen Mitteln gewonnen, der Alles übertrifft, was sie je in dieser Art aufzubieten vermochte.

Dessen ungeachtet ist sie noch lange nicht so verbreitet, als sie der trefflichen Effecte wegen, deren sie fähig, es verdient, und in älterer Zeit, ungeachtet der größeren Beschränktheit ihrer Mittel, es war.

Die Gründe hievon sind weniger in den religiösen Zuständen unserer Zeit gegenüber jenen der verlebten Jahrhunderte, und sohin in der Voraussezung zu suchen, als ob unsere Kunst sich ausschließend zur Darstellung des Heiligen eigne, darum aber an dem frivolen Sinne der Gegenwart scheitern müsse; denn gerade die trefflichsten Meister der Nachblüthezeit dieses Kunstzweiges, wie die Maurer u.a., erwiesen in ihren Werken, daß die Glasmalerei auch außer dem Dienste der Kirche ihrer wunderbaren Wirkung fähig, sohin den mehr weltlichen Anforderungen unseres Zeitalters nicht minder zu entsprechen im Stande sey, als dem frommen Sinne des Mittelalters. Vielmehr sind die Momente, welche der weiteren Ausbreitung unserer Kunst, und darum auch dem allgemeineren Begehren nach ihr, gleich beim Wiederaufleben derselben hemmend entgegentraten, nicht sowohl in ihr selbst, als an denen zu suchen, in deren Händen sie ruht, nicht sowohl in der Kunst, als an den Künstlern.

Es gehörte schon einmal zu den bedeutsamsten Motiven des früheren gänzlichen Verfalls der Glasmalerei, daß die Meister dieser Kunst, welche so ganz und gar auf empirischem Principe basirt ist, ihr freilich mühsam und auf dem dornigen Wege langjährig fortgesezter Versuche errungenes Kunstwissen als ein höchst persönliches Eigenthum, als die Grundlage ihres Broderwerbes und Künstlernachruhms nicht nur bei Lebzeiten ganz geheim zu halten, sondern auch lieber mit ins Grab zu nehmen, als einem Schüler zu hinterlassen pflegten.

Dieser, wenn auch leicht erklärliche, darum aber nicht minder verdammliche Egoism, dieser Geiz nach künstlerischen Monopolen |122| beherrscht auch die ohnehin über die Gebühr speculative Gegenwart, und ist in der That der Urgrund des hier besprochenen Mißstandes.

Das förderlichste Element dagegen zur vollesten, freiesten Entwikelung der Kräfte überhaupt, daher auch der künstlerischen, ist Concurrenz. Sie vervielfältigt die Production, ruft das öffentliche Urtheil zum Vergleiche auf, und erzwekt einen rühmlichen Wetteifer, welcher hinwieder dem Gehalte des Producirten zu gute kommt, und das Wohlgefallen der Menge, und damit ein immer neues Begehren nach neuen Erzeugnissen der Kunst anregt.

Keine andere Absicht nun rief das vorliegende Collectaneum ins Leben, als eine solche, der Kunst nur höchst ersprießliche Concurrenz dadurch zu eröffnen, daß es recht vielen die bisher von den Eingeweihten eifersüchtig bewachten technischen Mittel dazu an die Hand gibt.

Leztere selbst sind von sorglich geprüfter Auswahl, bewährt durch langjährige Praxis, und so faßlich redigirt, daß auch der Nichtchemiker in Darstellung derselben nirgends fehlgehen kann.

Indem man die Pigmente benennungsweise ausschied in Flüsse und Farben, wobei man unter ersteren alle diejenigen, welche mit dem Flußmittel schon zusammengeschmolzen und verglast sind, unter lezteren aber alle übrigen Färbekörper verstanden wissen will, die ohne solchen vorangehenden Proceß, übrigens gleichviel, ob mit Hülfe eines Flußmittels oder keines, eingebrannt werden, folgte man der in einer jüngst erschienenen „Geschichte der Glasmalerei“ von M. A. Gessert aufgestellten Theorie, welche zugleich den Vortheil gewährt, jene Irrungen zu vermeiden, die ihren Ursprung in der früheren Homonymik des Flusses für das mit dem Flußmittel vorgeschmolzene Oxyd, und das Flußmittel selbst hatten.

Mögen diese wenigen Blätter nicht nur recht viele Künstler von Beruf, sondern auch Dilettanten veranlassen, durch die vielfältigste Production dem Auge des Volkes die hohen Reize unserer Kunst allenthalben zu erschließen und würdigen zu lehren!

I. Weiß.

A. Fluß. 1) 2 Theile sogenanntes Beinglas mit 1 Theil Mennige zusammengemischt in einem bedekten hessischen Tiegel im Windofen geschmolzen, dann in eine Schüssel mit kaltem reinem Wasser ausgegossen und nach dem Abkühlen auf einer Reibetafel von dikem Scheibenglase mit gläsernem Laufer gerieben.

B. Farbe. 2) 1 Th. weißgebrannte Knochen mit 2 Th. Flußmittel auf der gläsernen Platte zusammengerieben.

Flußmittel: Bleiglas (Jet oder Rocaille).

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3) 1 Th. weißes Zinnoxyd mit 2 Th. Flußmittel behandelt wie das vorige.

Flußmittel: Bleiglas.

4) Das Zinnoxyd zu Weiß gewinnt man folgender Art. In einem bedekten hessischen Tiegel schmelzt man 1 Th. reine Zinnspäne, sezt diesen, sobald sie geschmolzen, 2 Th. Salpeter zu und rührt die Mischung mit einem eisernen Stäbchen wohl um. Der Tiegel wird, neuerlich bedekt, in den glühenden Kohlen erhalten, die Mischung jedoch von Zeit zu Zeit mit dem Stäbchen umgerührt, bis dieses anfängt an der Spize weiß zu werden. Nachdem man das Umrühren noch eine Zeit fortgesezt, dann die Masse aus dem Schmelztiegel in einen agatnen Mörser gegossen und erkalten lassen, wird sie zerrieben, ausgekocht, und nachdem das Wasser abgegossen ist, abgetroknet.

II. Schwarz.

A. Farbe. 5) 2 Th. (durch Ausglühen des salpetersauren Kupfers bereitetes) Kupferoxyd und 1 Th. Flußmittel.

Flußmittel: Gleiche Theile krystallisirter Borax, Mennige und gepulvertes Glas werden nach dem Mengen im Windofen etwa eine oder anderthalb Stunden gut in einem hessischen Tiegel geschmolzen, dann in ein Gefäß mit Wasser ausgegossen und nach dem Herausnehmen abgetroknet und auf der Glasplatte gepulvert.

Oder:

6) Dem vorigen etwas Eisenoxyd oder Braunstein zugesezt, gibt jenen bräunlichen Ton, der auf alten Glasbildern so häufig vorkommt.

7) 1 Th. schwarzes, aus dem rothen Eisenoxyd durch Vermischen mit Baumöhl zu einem feuchten Pulver und durch nachheriges Erhizen im Schmelztiegel bis zur Verdampfung des Oehls bereitetes Eisenoxydul, 1 Th. Kupferoxyd (durch Glühen und Ablöschen des grünen kohlensauren Kupferoxyds in Wasser bereitet) und 2 1/4 Th. Flußmittel.

Flußmittel: 2 Th. Bleiglas, mit Wasser auf der kupfernen Platte, oder auf einem sonstigen Farbensteine zur gehörigen Feinheit gerieben, und 1/4 Th. arabisches Gummi. Lezteres wird erst hinzugesezt, wenn schon die Oxyde dem Bleiglase beigemischt sind; alles zusammen aber wird so zart als möglich gerieben.

Oder:

8) 1 Th. Kobaltoxyd, 1 Th. Braunstein, 1 Th. Kupferasche, 1 Th. Hammerschlag wird zusammengemischt, und anfangs bei schwachem, dann aber sehr starkem Feuer geschmolzen, bis es recht |124| fein fließt; hierauf wird die Masse ins Wasser geschüttet, nach dem Erkalten gepulvert, mit 12 Th. Flußmittel versezt, und fein gerieben.

Flußmittel: 1 Th. reiner weißer Sand und 3 Th. Bleiglätte werden zusammengeschmolzen, und wenn die Masse dünn fließt, auf eine erwärmte Marmorplatte oder in einen eisernen Mörser geschüttet, nach dem Erkalten ganz fein gestoßen und mit Wasser ausgeschlemmt, um das allenfalls reducirte Blei zu entfernen.

Oder:

9) 2 Th. Eisenoxydul mit 2 1/4 Th. Flußmittel von und in derselben Art wie bei Nr. 7 behandelt.

Oder:

10) 1 Th. Hammerschlag, 3 Th. Kupferoxyd und 4 Th. calcinirtes Antimonium werden wie bei Nr. 8 behandelt und mit 3 Th. Flußmittel abgerieben.

Flußmittel: 1 Th. Sand und 3 Th. Bleiglätte werden wie bei Nr. 8 behandelt und mit 1/3 Borax fein zusammen gerieben. Der Borax aber muß folgender Art präparirt seyn. Man füllt einen Schmelztiegel zur Hälfte damit und sezt ihn in glühende Kohlen, bis sich der Borax in eine schwammige Masse verwandelt, d.h. calcinirt hat. Dann schüttet man ihn in einen anderen Schmelztiegel über, schmelzt ihn in heftigem Feuer zu einer klarfließenden Masse, gießt leztere in kaltes Wasser und stößt und reibt sie nach dem Erkalten möglichst fein.

Oder:

11) 1 Th. Purpur (siehe dessen Bereitung unten), 3 Th. Kobaltoxyd, 3 Th. Hammerschlag, 6 Th. calcinirtes Antimonium und 3 Th. Kupfersmalte werden behandelt wie bei Nr. 8, und mit 3 Th. Fluß versezt.

Flußmittel: 1 Th. Sand und 2 3/4 Th. Bleiglätte werden wie bei Nr. 8 behandelt und mit 3/8 Th. des eben beschriebenen Borax fein abgerieben.

Oder:

12) Man behandelt 3 Th. Kobaltoxyd, 3 Th. Kupferoxyd, 3 Th. Hammerschlag und 4 Th. Antimonium mit 3 Th. Flußmittel wie bei Nr. 8, 10 und 11.

Flußmittel: 1 Th. Sand, 2 Th. Bleiglätte und 1/4 Th. Borax behandelt wie bei Nr. 10.

Oder:

13) 2 Th. schwarzes Kupferoxyd mit 2 1/4 Th. Flußmittel von und in derselben Art wie bei Nr. 7 behandelt.

14) Ein schönes Blauschwarz gewinnt man, wenn man einer |125| der Vorschriften Nr. 7, 9 oder 13 einen geringen Theil Kobaltoxyd zusezt.

15) Ein ins Bräunliche spielendes Schwarz gewinnt man, wenn man bei denselben Vorschriften einen ähnlichen Zusaz von Manganoxyd (Braunstein) anwendet.

16) Mattschwarz oder Ferne liefert 1 Th. Kupfersmalte und 1 Th., jedoch nicht bis zu Verlust seiner Schwärze calcinirtes, Spießglanz, zusammengerieben.

Oder:

17) 1 Th. Kupfersmalte und 1 Th. nicht calcinirter Braunstein auf vorige Weise behandelt.

Oder:

18) 1 Th. Purpur, 1 Th. Kobaltoxyd und 1 Th. Braunstein, gut zusammengestoßen und fein abgerieben.

III. Roth.

A. Fluß. 19) 1 Th. Eisenoxyd, welches man dadurch gewinnt, daß man reine eiserne Nägel stark ausglüht, in Salpetersäure auflöst, die Auflösung bei gelindem Feuer langsam abdünstet und den Rükstand ausglüht, wird mit 3 Th. Flußmittel aus 1 Th. Sand, 2 Th. Bleiglätte14) und 1/4 Th. Boraxglas15) gut zusammengeschmolzen, bis es, mit einem Glasstäbchen umgerührt, ganz feine und reine Fäden zieht. Nachher wird der Schmelztiegel sammt der Masse ins Wasser geworfen, leztere nach ihrem Erkalten vom Tiegel losgemacht, in einem agatnen Mörser zu Pulver gestoßen und auf der Glasplatte fein gerieben.

Oder:

20) 1 Th. Braunstein mit 8 Th. Flußmittel aus 1 Quentchen Sand und 3 Quentchen Bleiglätte auf die vorige Weise zusammengeschmolzen und behandelt.

B. Farbe. 21) 1 Th. kupferfreier Eisenvitriol oder basisches schwefelsaures Eisenoxyd, mehr oder weniger stark erhizt, mit 2–3 Th.

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Flußmittel zusammen gerieben gibt alle Abstufungen von Hellem Roth bis ins bräunliche Violett.

Flußmittel: 6 Th. weißer, ausgewaschener und geglühter Quarzsand, 4–5 Th. gelbes Bleioxyd und 2–3 Th. basisch salpetersaures Wismuthoxyd, fein gepulvert in einer Reibschale von Porzellan innigst gemengt und in einem zuerst rothglühend gemachten hessischen, bedekten Tiegel unter mehrmaligem Umrühren mit einem Stahlstäbchen zu dünnfließender Masse geschmolzen, die dann in eine Schüssel mit Wasser ausgegossen, getroknet, gepulvert und durch ein feines Sieb gebeutelt wird.

22) Gewöhnliches Roth liefert 1 Th. Eisenvitriol, bei starkem Feuer ausgeglüht, in heißem Wasser vier- bis sechsmal geschlemmt, getroknet, und auf Glas mit 3 Th. Flußmittel fein abgerieben.

Flußmittel: 1 Quent. Sand und 3 Quent. Bleiglätte.

23) Um diesen Eisensafran, der außerdem wohl flüchtig ist, beständig zu machen, calcinirt man ihn mit feinem weißem Meersalz, indem man lezteres in einem bedekten Schmelztiegel halb glühend werden läßt, dann 1 Th. davon mit 1 Th. Eisensafran in einem Achat- oder Glasmörser gut durch einander reibt, einen Schmelztiegel damit füllt, und 2 Stunden lang in einem zunehmenden Feuer erhält, bis der Tiegel von allen Seiten mit glühenden Kohlen umgeben ist. Die aus dem Feuer genommene und erkaltete Masse stößt man im Mörser ganz fein und schlemmt das Pulver drei- bis viermal mit heißem Wasser, indem man es bei jedem neuen Wasseraufguß mit einer Glasröhre sorgfältig umrührt, um das Salz rein auszuwaschen. Nachdem es sich so gesezt, daß das Wasser keine rothe Farbe mehr hat, gießt man lezteres behutsam ab, wäscht ersteres noch einigemal mit frischem Wasser, und reibt es, wenn es getroknet, noch einmal mit 1 Th. des vorigen Flußmittels zum Gebrauch fein ab. Um noch sicherer zu gehen, kann man auch das Meersalz vorher in Wasser auflösen, filtriren und abdampfen. Endlich bedient man sich beim ganzen Verfahren am räthlichsten neuer, noch ungebrauchter Schmelztiegel.

Oder:

24) Gleiche Theile gelbes Eisenoxyd (Eisenocher), gelbes Bleioxyd oder Bleiglas, Spießglanzglas, Schwefelkupfer und Schwefelsilber werden fein mit Wasser gerieben und auf dem Glase, ohne Zusaz eines Flußmittels, aufgetragen.

Oder:

25) 1 Th. kupferhaltiges Silber, z.B. von Scheidemünzen, mit 2 Th. rohem Spießglanz (Schwefelantimon) geschmolzen, gepulvert, und mit gleichviel rothem Eisenoxyd oder Kolkothar vermengt. |127| Auch dieses Pigment wirb ohne Flußmittel, und, gleich dem vorigen, in ziemlich diker Lage aufgetragen, wovon sich die Oberfläche des Glases bei der gehörigen Temperatur des Einbrennens roch färbt. Der Ueberrest der Masse wird nachher mit dem Spatel wieder hinweggenommen.

Oder:

26) 1 Th. Silber, 2 Th. rothes Spießglanz und 1 Th. Schwefel werden klar geschmolzen, und zum Gebrauch mit 2 Th. Flußmittel gemischt.

Flußmittel: 1 Quent. Sand und 2 Quent. Bleiglätte.

Oder:

27) 2 Th. rothes Eisenoxyd, 1 Th. Bleiglätte, 1 Th. Gummi, 4 Th. Bleiglas und 6 Th. bester rother Röthelstein. Erst wird das Bleiglas auf der gläsernen Reibetafel höchst fein zerrieben, dann die Glätte, Gummi und Eisenoxyd zugesezt, und, nachdem alles gehörig vermischt worden, der gepulverte Röthel hinzugethan. Das Ganze wird nun auf das zarteste zerrieben und in einem etwas hohen Glase mit so viel Wasser vermischt, daß es die Consistenz eines dünnen Syrups erhält, wozu 4–5 Unzen Wasser erfordert werden. Man bringt es nachher im Sommer in die Sonne, im Winter in die Nähe des Stubenofens oder der Ofenröhre, und verwahrt die Flüssigkeit auf das sorgfältigste vor jedem Staub, ohne durch Bedekung die Ausdünstung derselben zu hemmen, was man am besten durch eine darüber gestürzte Glasgloke bewirkt, an deren Wandungen sich die verdampfende Flüssigkeit sammelt und abfließt. So bleibt das Fluidum drei Tage ruhig stehen, alles Dike senkt sich fest auf den Boden des Glases, und die Flüssigkeit zeigt sich oben am Rande desselben in durchsichtigen Ringen als eine schöne rothe Farbe. Sie wird nun behutsam abgegossen und wie zuvor fortgefahren, bis durch mehrmaliges Abgießen alle Farbe von dem Saze getrennt ist. Dann wird diese in einem gläsernen Farbenschälchen durch Hülfe einer gelinden Wärme, am besten in der Sonne, eingetroknet und aufbewahrt. In noch flüssigem Zustande, bevor sie ganz troken geworden, angewendet, zeigt sie sich immer lebhafter und reiner, als wenn sie einmal völlig ausgetroknet ist. In lezterem Zustande wird sie wie Gutti angewendet, ohne sie vorher zu reiben, was ihre Durchsichtigkeit und Schönheit benehmen würde. Recht bereitet und angewendet aber übertrifft sie an beiden das beste Roth der Alten.

28) Ziegelroth wird dargestellt durch 1 Th. Eisenoxyd und 12 Th. Ochergelb, das aus 1 Th. basisch schwefelsaurem Eisenoxyd und 1 Th. Zinkoxyd gewonnen und mit 5 Th. Flußmitel versezt wird.

Flußmittel: 1 Th. Sand, 3 Th. Mennige und 1/8 Th. gebrannter |128| Borax, behandelt (nämlich fein gerieben, gemischt, geschmolzen, in Wasser ausgeschüttet, getroknet und gepulvert) wie bei Nr. 21.

29) Fleischroth erhält man, wenn man Eisenvitriol und Alaun in grob gepulvertem Zustande in der Wärme zerfließen läßt, die Erhizung bis zum Erscheinen der gehörigen Farbe steigert, den Rükstand mit heißem Wasser auswäscht, und ihm 1–2 Th. Flußmittel zusezt.

Flußmittel: 6 Th. weißer, ausgewaschener und geglühter Quarzsand, 4 Th. gelbes Bleioxyd, 1 Th. Boraxglas und 1 Th. Salpeter, behandelt wie bei Nr. 21.

30) Dunkelroth: 1 Th. präparirter Blutstein mit 3 Th. Flußmittel zusammengestoßen und auf der gläsernen Platte gerieben.

Flußmittel: 1 Quent. Sand und 2 Quent. Bleiglätte.

31) Purpur, Goldpurpur, Purpur des Cassius wird erhalten, wenn man eine Auflösung des reinen Goldes (Goldchlorid-Lösung) durch eine Zinnauflösung (Zinnchlorür-Lösung) niederschlägt. Er bekömmt nach der größeren oder geringeren Menge des beigemischten Zinns und nach der geringeren oder höheren Oxydationsstufe der Auflösungen entweder eine schöne rothe Farbe von verschiedenen Nüancen, als Scharlachroth, Carminroth, Rosenfarbe, Fleischfarbe u.s.w., oder eine violette oder braune. Man versezt ihn zum Gebrauche mit 4 Th. Flußmittel.

Flußmittel: 1 Th. Kieselpulver (reinster Feuerstein, 3–4 mal im Tiegel geglüht, jedesmal in reinem Wasser abgelöscht, dann in einem Porzellanmörser gepulvert und durch ein feines Sieb geschlagen), 1 1/4 Th. Boraxglas (d. i. gewöhnlicher Borax durch Calcination von seinem Krystallwasser befreit und dann zu Glas geschmolzen) und 5/8 Th. Mennige, alles zusammengeschmolzen, dann feingerieben.

Oder:

32) Man löst 1 Th. dünngeschlagnes Gold in Königswasser auf, schüttet die Auflösung in ein Glas, verdünnt sie mit 15 Th. Regenwasser, und schüttet hiezu 1 1/2 Th. reine Zinnspäne, die man in Salzsäure aufgelöst und erkalten lassen hat, und beim Zuschütten stets umrührt. Nachdem die Mischung eine Viertelstunde ruhig gestanden, gießt man 1/2 Th. reinen Harn dazu und rührt alles wohl durcheinander. Nach etwa zwei Stunden gießt man das Flüssige von dem Purpur, der sich nun gesezt hat, hinweg, süßt diesen vollkommen aus, bringt ihn, wenn er abgetroknet ist, auf ein flaches Porzellangefäß, legt ein Stükchen Papier darüber, und sezt ihn so |129| dadurch verhindern kann, daß man die abgewogene Goldauflösung lange auf glühende Kohlen, bis das Papier verkohlt ist. Der Purpur wird mit 12 Th. Flußmittel in Anwendung gebracht.

Flußmittel: 1 Th. Sand, 2 Th. Bleiglätte und 3/4 Th. Boraxglas.

Oder:

33) Dukatengold wird in Königswasser aufgelöst, die Auflösung wird, insoferne das Gold mit Silber legirt war, von dem sich ausscheidenden Chlorsilber abgegossen, das leztere mit etwas destillirtem Wasser abgewaschen, und dieses der Auflösung zugefügt, worauf man dieselbe unfiltrirt bei mäßiger Hize so weit abdampft, bis sie eine dike krystallinische Salzhaut bildet, und beim Neigen des Gefäßes auf die Seite nur noch ein wenig von der rochen Auflösung unter der Salzhaut hervorquillt. Man läßt jezt die Masse erkalten, wobei sie durch und durch fest wird, löst sie ohne langen Aufschub, um das Anziehen von Feuchtigkeit zu vermeiden, in dem Zehnfachen ihres Gewichtes. Wasser auf, und filtrirt die Auflösung, welche eine geringe Menge reducirten Goldes hinterläßt. Um das Filtrum auszuwaschen, behält man dazu von der genau abgewogenen Wassermenge etwas zurük, und fügt diesen Nest dann der Auflösung zu. Zur Bereitung der Zinnauflosung kann man sich sehr wohl des käuflichen krystallisirten Zinnsalzes bedienen, welches man, wenn es feucht ist, durch Pressen zwischen Drukpapier troknet. Einen Theil desselben löst man in vier Theilen destillirten Wassers auf, filtrirt die Auflösung, und verwendet sie sogleich nach ihrer Bereitung, weil sie späterhin durch Anziehung von Sauerstoff aus der Luft trüb wird und basisches salzsaures Zinnoxyd in Gestalt eines weißen Pulvers absezt. Ferner löst man einen Theil arabisches Gummi in drei Theilen heißen destillirten Wassers auf, und filtrirt durch graues Löschpapier, weil Drukpapier wegen seiner größeren Dichtigkeit die klebrige Flüssigkeit schwer durchläßt. Hat man auf vorstehende Weise die drei Flüssigkeiten bereitet, so vermischt man drei Unzen destillirtes Wasser mit 28 Gran der Gummiauflösung und trägt nach sorgfältigem Umrühren 14 Gran der Zinnauflösung ein. Das Gefäß, in welchem leztere abgewogen wurde, spult man mit ein wenig Wasser aus, und vermischt sodann das Ganze mit 23 Gran Goldauflösung, deren Gefäß man gleichfalls, jedoch mit der Mischung selbst nachspült. Die Färbung, welche durch das angegebene Verhältniß der Zuthaten entsteht, ist feurig rothbraun; allein im Feuer entwikelt sich, wenn dieses Präparat zur Glasmalerei angewendet wird, daraus gerade das schönste Purpurroth. Durch die Einwirkung der bei der Bildung des Purpurs in der Flüssigkeit frei gewordenen Säure wird die Farbe leicht etwas verändert, was man |130| mit ihrem doppelten Gewicht Wasser verdünnt, 10 Gran doppeltkohlensaures Kali in derselben auflöst, und sie dann erst der nach obiger Anweisung mit Gummi versezten Zinnauflösung beimischt. Um den Purpur, dessen Niederfallen zur Zeit noch durch das Gummi verhindert wird, abzuscheiden, versezt man das Gemisch mit Weingeist, bis eine starke Trübung entsteht; hiezu ist von 75 procentigem Spiritus ungefähr das doppelte Gewicht der Mischung erforderlich, wenn doppeltkohlensaures Kali zugesezt wurde, außerdem das Dreifache. In Verlauf einer Stunde, wenn man während dieser Zeit einigemal umrührt, fällt der Purpur in röthlichbraunen Floken nieder, und die Flüssigkeit bleibt klar, nur mit geringer Färbung darüber stehen. Nachdem man decantirt hat, wird der Niederschlag noch mit etwas Weingeist übergossen; man läßt ihn auf einem Filter von Drukpapier abtröpfeln, drükt ihn sammt dem leztern zwischen Löschpapier allmählich aus, löst ihn ab, und reibt ihn in einer Reibschale mit schwachem, 50procentigem Weingeist zu einem dünnen Brei an, den man in einem geeigneten Gefäße drei Minuten lang kochen läßt, und dann in ein Cylinderglas gießt. Sobald er sich hier gesezt hat, gießt man das Flüssige ab, und ersezt es durch doppelt soviel Wasser. Diese Operation wird noch einmal wiederholt, wodurch das Gummi, bis auf einen kleinen unschädlichen Rest, entfernt wird. Sollte aus dem lezten Wasser der Purpur schon sehr langsam niederfallen und dicht über dem Bodensaze eine fast klare rothe Schicht bilden, was eine Neigung sich aufzulösen beurkundet, so muß man nach dem Abgießen des Wassers wieder eine kleine Portion starken Weingeistes hinzufügen, damit der Purpur von neuem etwas dichter coagulire, und der lezte Antheil Flüssigkeit sich abfiltriren lasse. In jedem Falle wird der abgetröpfelte Niederschlag, wie das erstemal, sammt dem Filter zwischen Löschpapier ausgedrillt, noch naß mit einem stumpfen Messer losgenommen, und in einer Porzellanschale ausgetroknet, wobei er sehr stark an Umfang verliert und eine ganz dunkle Farbe erhält. Zur Anwendung reibt man den Purpur auf dem Reibsteine anhaltend mit Wasser zusammen, bis man eine ganz klare, tiefgefärbte, dikliche Flüssigkeit erhalten hat, sezt dann 2–6 Th. Flußmittel hinzu, reibt wieder, und läßt das Ganze in einer Porzellanschale austroknen, worauf es mittelst verdikten Terpenthinöhls, wie andere Glasmalerfarben, pinselrecht gemacht wird.

Flußmittel: 8 Th. weißer, ausgewaschener und geglühter Quarzfand, 4 Th. Boraxglas, 1 Th. Salpeter und 1 Th. weiße Kreide, behandelt wie bei Nr. 21.16)

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IV. Blau.

A. Fluß. 34) 3 Th. Kobaltoxyd, welches folgendermaßen gewonnen wird. Man löst reines geröstetes Kobalterz in reiner verdünnter Salpetersäure in der Wärme bis zur Sättigung auf, schlägt es nach hinlänglichem Verdünnen mit Wasser mittelst kohlensauren Natrons nieder, und süßt den Niederschlag mit heißem Wasser aus. Ist dieser getroknet, so wird er mit der dreifachen Gewichtsmenge reinen trokenen Salpeters vermengt, in einen Schmelztiegel getragen, und mit einer Kohle angezündet. Ist die schwache Verpuffung beendet, so wird das Kobaltoxyd zum Rothglühen erhizt, ausgewaschen und getroknet. 3 Th. davon werden nun mit 2–5 Th. Flußmittel, aus 8 Th. weißem ausgewaschenem und geglühtem Quarzfand, 4–6 Th. Boraxglas, 1–2 Th. Salpeter und 1 Th. weißer Kreide in starkem Feuer 1 1/2 Stunde lang geschmolzen, und zum Gebrauch feingerieben.

35) Sollte man den Kobalt nur roh erhalten können, und daher gezwungen seyn, ihn selbst zu rösten, so nimmt man hiezu am besten spanischen und schwedischen, den man dadurch prüft, daß man ihn zuvor in Salpetersäure auflöst, die mit 2/3 Wasser geschwächt ist Welcher nun die schönste rothe Auflösung gibt, den wähle man, lege ihn, um ihn arsenikfrei zu machen, auf Kohlen, umgebe ihn ebendamit von allen Seiten, und glühe ihn, bis der Arsenik in weißen Krystallen an den Mauern und Steinen umher angeschossen ist, der Kobalt aber eine mehr metallische Gestalt und metallischen Glanz gewonnen hat. Diese Arbeit aber erfordert wegen der Schädlichkeit der Arsenikdämpfe die größte Vorsicht, und möchte, wenn die Localität nicht besonders hiezu geeignet ist, am liebsten im Freien vorgenommen werden.

36) Einen andern blauen Fluß geben 1 Th. Kobaltoxyd und 4 Th. Boraxglas, in starkem Feuer an vier Stunden geschmolzen. Die Strengflüssigkeit des Kobalts erfordert, daß dieser Fluß für den Gebrauch nochmals mit 2 Th. Flußmittel fein zusammengerieben werde, welches man aus 1 Th. Bergkrystall und 1 Th. Boraxglas erhält, die man zusammengeschmolzen, in Wasser geschüttet, gestoßen, und fein gerieben.

37) Zu Dunkelblau mengt man 4 Th. Königssmalte und 2 1/2, Th. Mennige in einem Porzellanmörser aufs innigste, sezt die Mischung in einem glasurirten Schmelztiegel dem stärksten Feuer so lange aus, bis man vollkommen klare Glasfäden vom schönsten Azurblau ziehen kann, holt dann die Masse mit einem Haken aus dem Tiegel, und läßt sie in eine Schüssel kalten Wassers fallen. Ist sie getroknet, |132| so wird sie zum Gebrauche fein gerieben. Das Verhältniß der Mennige muß sich übrigens nach der wandelbaren Strengflüssigkeit der im Handel vorkommenden Smalte richten.

Oder:

38) Man behandelt 1 Th. schwarzes Kobaltoxyd, 6 Th. weißes gepulvertes Glas, 2 Th. Mennige und 2 Th. Salpeter wie das Vorige.

Oder:

39) 1 Th. Königsblau wird mit 3 Th. Boraxglas zusammengeschmolzen, gestoßen, und dann noch mit 2 Th. Flußmittel von und in derselben Art, wie bei Nr. 36 fein abgerieben.

40) Helleres Blau geben gleiche Theile bester Königssmalte, weißes, in einem blanken eisernen oder Porzellanmörser fein gepulvertes und gesiebtes Glas, und Mennige, – wie bei Nr. 37 gemischt und geschmolzen.

Oder:

41) 2 Th. Zaffer, 8 Th. weißes, fein gepulvertes Glas, 6 Th. Salpeter und 6 Th. Mennige, wie das vorige gemischt, geschmolzen und gerieben.

B. Farbe. 42) Man läßt gerösteten Kobalt in einer mit 2/5 Wasser verdünnten Salpetersäure an zwei bis drei Tagen ruhig stehen und sezt ihn nur von Zeit zu Zeit in heiße Asche. Wird die Auflösung nach und nach hell und schön roth, so gießt man sie sorgfältigst, um ja keinen Bodensaz mit überzuschütten, ab; lezteren aber begießt man wiederholt mit Wasser und etwas Salpetersäure, um die noch etwa darin befindliche rothe Farbe vollends herauszuziehen, und schüttet dann die verschiedenen Auflösungen zusammen in eine porzellanene Schale. Zu 6 Th. dieser rothen Auflösung mischt man 2 Th. von dem weißesten auf die obige Art gereinigten Meersalz, und gießt, wenn sich lezteres aufgelöst, die Flüssigkeit vom Bodensaz, der unbrauchbar, ab, und in eine porzellanene Schale, die man in heiße Asche sezt. So oft sich binnen einiger Stunden des Abdampfens neuer Bodensaz bildet, gießt man die Flüssigkeit wieder sorgfältig ab, rührt aber diese nachher, besonders wenn sie anfängt etwas dik zu werden, fleißig mit einem Glasstäbchen um, bis sie sich endlich in ein körniges Salz von der schönsten blauen Farbe verwandelt. Auch dieses Salz läßt man eine oder zwei Stunden auf der heißen Asche, dann sezt man es in die freie Luft, bis es nach einigen Tagen karmoisinroth wird, worauf man es zurük in die Asche, wo es wieder blau, und neuerdings an die Luft, wo es wieder roth wird, bringt, und dieß Verfahren so lange wiederholt, bis man aus dem erwärmten Salze keine Salpeterdünste mehr aufsteigen merkt, und |133| eine Probe davon, in ein kleines Glas gethan, und einige Linien hoch mit Wasser übergossen, nach einer halben Stunde roch geworden ist, ohne dem Wasser ihre Farbe mitzutheilen. Bewährt sich diese Probe, so süßt man das Salz sorgfältig aus, troknet die nun sehr rothe Farbe in einer Porzellanschale über heißer Asche, und bringt sie noch einmal in glühende Kohlen, wo sie sich in das schönste beständige Blau verwandelt. 1 Th. davon wird zum Gebrauch mit 2 1/2 Th. Flußmittel versezt.

Flußmittel: 1 Th. Bergkrystall und 1 Th. gut geschmolzenes Boraxglas, zusammengestoßen, geschmolzen, in Wasser ausgeschüttet, in einem eisernen Mörser gestoßen, und auf der Glastafel ganz fein gerieben.

V. Gelb.

A. Fluß. 43) Jonquillengelben Fluß erhält man, wenn man 1 Th. Antimonsäure, 2 Th. einer calcinirten Mischung aus gleichviel Zinn und Blei, 1 Th. kohlensaures Natron und 24 Th. Flußmittel aus 1 Th. weißem ausgewaschenem und geglühtem Quarzsand und 3 Th. Mennige zusammenschmelzt.

44) Citronengelben Fluß bereitet man, wenn man 2 Th. Sand und 6 Th. Bleiglätte mischt und schmilzt, die fließende Masse in einen eisernen Mörser gießt und fein pulvert, alsdann mit 1 Th. Silberoxyd und 1/8 Th. Spießglanz genau zusammenreibt, bei heftigem Schmelzfeuer in einem hessischen Tiegel schmelzt, in kaltes Wasser schüttet, und fein reibt.

B. Farbe. 45) Man läßt, zu gelber Farbe, fein gepulvertes Antimon, mit dem 1 1/2 fachen Gewichte Salpeter gemengt, durch Eintragen in einen glühenden Schmelztiegel verpuffen, glüht die Masse dann auf eine Viertelstunde, pulvert und zerreibt sie nach dem Erkalten, und wäscht sie mit kochendem Wasser aus. Das zurükbleibende weiße Pulver, welches aus saurem antimonsaurem und antimonigsaurem Kali besteht, wird mit dem gleichen, ja selbst mit dem doppelten Gewicht Mennige gegen eine Stunde lang in einem Schmelztiegel mäßig geglüht und zum Gebrauche mit gleichen Theilen Flußmittel versezt.

Flußmittel: 1 Th. weißer, ausgewaschener und geglühter Quarzsand, und 3 Th. Mennige zusammengerieben, gemengt und geschmolzen etc., wie bei Nr. 21.

Oder:

46) Uranerz wird zerkleinert und geröstet, in Salpetersäure aufgelöst, die Auflösung filtrirt, und das etwa darin vorhandene Blei durch Hinzutröpfeln von Schwefelsäure gefällt. Die klare grüne Auflösung |134| wird dann zur Trokne verdunstet, und so lange geglüht, bis es in eine gelbe Salzmasse verwandelt ist. 1 Th. des so gewonnenen Präparats wird mit 3 Th. Flußmittel angerieben.

Flußmittel: 4 Th. Mennige und 1 Th. Kieselpulver, zusammengeschmolzen und gepulvert.

Oder:

47) Man schneidet 1 Th. feines, reines, dünngeschlagenes Silber in Streife, und stößt 1 Th. rohes Spießglanz und 1 Th. ganzen Schwefel zu Pulver. Mit beiden lezteren Substanzen bedekt man den Boden eines Schmelztiegels, bringt darauf eine Schicht des dünngeschnittenen Silbers, und fährt so fort, bis Alles eingeschichtet ist. Man bringt nun den Schmelztiegel in glühende Kohlen, und bedekt ihn selbst mit einer schwarzen Kohle. Sobald der Schwefel anfängt zu brennen, ist die Masse in Fluß. Diese wird nun in klares Wasser geschüttet, getroknet, mit 3 Th. dunkelgebranntem Oker versezt, und recht fein gerieben. Das Pigment wird ohne Zusaz eines Flußmittels und ohne Gummi einen Messerrüken dik auf die umgekehrte Seite des Glases aufgelegt, und nach dem Einbrennen wieder abgebürstet.

Oder:

48) um ein helleres Gelb zu erzielen, verfährt man gerade so wie beim Vorigen, nur daß man statt 3 Th. Oker nur 1 Th. hinzumischt. Ja selbst die vorige gelbe Farbe, welche nach einmaligem Einbrennen noch nicht erschöpft ist, kann noch einmal zu einem besseren Colorit gebraucht werden.

49) Das eigentliche sogenannte Kunstgelb der Alten erhält man folgendermaßen. Man schmelzt 2 Th. gutes Schwefel-Antimon mit 1 Th. ziemlich kupferfreiem Silber zusammen, rührt die Masse gut durcheinander, und gießt sie in einen metallenen Mörser aus, worin man sie nach dem Erkalten pulvert, und in einem verstopften Gläschen als Schwefelspießglanzsilber aufhebt. Von diesem Schwefelspießglanzsilber nimmt man 1 Th., reibt es mit Wasser auf der kupfernen Reibeplatte zur möglichsten Zartheit, und vermischt es mit 4, 5 bis 7 Th. gelben, zweimal geglühten Und in Wasser abgelöschten Okers, je nachdem die Farbe Heller oder dunkler ausfallen soll. Der Auftrag geschieht ganz so wie bei Nr. 47.

Oder:

50) Chlorsilber wird mit dreimal soviel gebranntem eisenhaltigem Thon (gebranntem Lehm aus einem Bakofen, den man vorher gepulvert und fein gesiebt hat) mit Wasser zusammengerieben und wie Nr. 47 aufgetragen.

Oder:

51) 1 Th. Schwefelsilber, 1 Th Spießglanzglas und 1 Th. |135| gebrannter Oker werden auf das Feinste zusammengerieben, und wie vorher behandelt.

52) Orange erhält man, wenn man reines Silber in reiner Salpetersäure auflöst, und es wieder aus der Auflösung durch ein hineingehangenes blankes Stük Zinn oder Kupferblech trennt. Die kleinen Blättchen, in denen es sich ausscheidet, werden gesammelt, in warmem Wasser gewaschen, und fein gerieben. 1 Th. davon vermischt man mit 1–2 Th. der rothen Farbe Nr. 27 und trägt es auf.

Oder:

53) 1 Th. Silberpulver, wie es durch Fällung einer salpetersauren Silberauflösung, mittelst eingestellten Kupferblechs erhalten, und mit warmem Wasser ausgewaschen worden, wird mit 1 Th. rothem und 1 Th. gelbem Eisenoxyd zusammengerieben, und wie Nr. 47 aufgetragen.

VI. Grün.

A. Fluß. 54) 1 Th. grünes kohlensaures Kupferoxyd, welches man durch Auflösen des Kupfers in Salpetersäure und nachheriges Fällen mit kohlensaurem Kali, gehöriges Auswaschen und Troknen gewonnen, 4 Th. weißes gepulvertes Glas, und 2 Th. Mennige werden in einem Porzellanmörser auf das Genaueste vermengt, in einem glasurirten Schmelztiegel dem stärksten Schmelzfeuer so lange ausgesezt, bis die ausgezogenen Glasfäden vollkommen klar erscheinen, dann mit einem Haken aus dem Tiegel gezogen, ins Wasser geworfen, getroknet, und gepulvert.

Oder:

55) 4 Th. Kupferoxyd, 1 Th. Antimonsäure oder antimonsaures Kali, und 6 Th. Flußmittel aus 6 Th. Sand, 4 Th. gelbem Bleioxyd, 1 Th. Boraxglas und 1 Th. Salpeter werden zusammengeschmolzen und fein gerieben.

Oder:

56) 1 Th. Kupferniederschlag, den man erhält, wenn man blauen Kupfervitriol in seiner achtfachen Menge kochenden Wassers auflöst, durch ein hineingestelltes blankes Stük Eisen das Kupfer aus der Auflösung scheidet, und den nach 24 Stunden ausgeschiedenen Niederschlag mit siedendem Wasser abwäscht und troknet, dann 4 Th. weißes gepulvertes Glas und 2 Th. Mennige, behandelt wie bei Nr. 54.

Oder:

57) 1 Th. Kupferoxyd, 10 Th. antimonsaures Kali mit 30 Th. Flußmittel aus 1 Th. Sand und 3 Th. Mennige zusammengeschmolzen.

Oder:

58) 1 Th boraxsaures Kupferoxyd, durch Auflösung des reinen |136| schwefelsauren Kupfers in Wasser, und Fällung mit aufgelöstem boraxsaurem Natron, Aussüßen und Troknen erhalten, 3 Th. weißes Glaspulver, und 1 Th. Mennige, gemischt und behandelt wie bei Nr. 54.

B. Farbe. 59) 3 Th. reines Kobaltoxyd werden in Salpetersäure ausgelöst, und 2 Th. Zinnspäne in Salzsäure; beide Auflösungen werden dann in Ein Glas zusammengeschüttet, und mit kohlensaurem Kali niedergeschlagen. Der Niederschlag wird auf Löschpapier gesammelt, ausgefüßt, getroknet, auf einem Porzellanscherben unter die Muffel gebracht und gegen acht Stunden in gelb glühendem Feuer, unter öfterem Umrühren, erhalten. Nach dem Erkalten versezt man 1 Th. dieses Grüns mit 4 Th. Flußmittel.

Flußmittel: 1 Th. Sand, 2 Th. Bleiglätte und 1/4 Th. Boraxglas.

Oder:

60) Man reibt gleiche Theile chromsaures Kali und Schwefel zusammen, und schmelzt sie in einem bedekten Tiegel. Sobald die Masse ruhig stießt, wird sie ausgegossen und durch fleißiges Auswaschen mit kochendem Wasser von der sich gebildet habenden Schwefelleber befreit, worauf das Oxyd als schöne grüne Farbe zurükbleibt. Diese wird auf einem Filter gesammelt, getroknet, fein gerieben und 1 Th. davon zum Gebrauch mit 3 Th. Flußmittel versezt.

Flußmittel: 4 Th. Mennige und 1 Th. Kieselpulver zu vollkommen durchsichtigem Glas zusammengeschmolzen und gepulvert.

Oder:

61) 1 Th. reines Chromkali mit 3 Th. feinem Quarzpulver zusammengerieten, aufgetragen und eingebrannt.

Oder:

62) 1 Th. Braunstein und 2 Th. Kobalt- oder Königsblau zusammengemischt und fein gerieben.

Oder:

63) 2 Th. reines Kobaltoxyd mit 1 Th. Flußmittel fein zusammengerieben.

Flußmittel: 1 Quent. weißer Sand und 2 Quent. Bleiglätte.

(Nr. 62 und 63 dienen zu grüner Ferne.)

VII. Violett.

A. Fluß. 64) 1 Th. bester, mit gleichen Theilen Salpeter in einem Töpferofen calcinirter Braunstein, 6 Th. weißes Glaspulver und 2 Th. Mennige werden vermischt, und im stärksten Schmelzfeuer, wie bekannt, behandelt.

|137|

Oder:

65) 1 Th. calcinirter Braunstein, 1 Th. Zaffer, 10 Th. weißes Glaspulver, und 4 Th. Mennige, behandelt wie das Vorige.

B. Farbe. 66) Man versezt Goldpurpur mit verschiedenen Mengen Chlorsilber, indem man lezteres zuvor mit dem zehnfachen Gewicht Flußmittel aus 3 Th. weißem ausgewaschenem und geglühtem Quarz, 5 Th. gebranntem Borax und 1 Th. Mennige geschmolzen, auch den Goldpurpur mit diesem Flußmittel vermengt, und das Ganze zusammenreibt. Man kann auch die Fällung des Goldpurpurs auf solche Weise vornehmen, daß er sogleich in Vermengung mit Chlorsilber sich niederschlägt. Zu diesem Behuf tröpfelt man in eine große Menge Wasser unter Umrühren zuerst etwas Zinnauflösung, dann ein wenig salpetersaures Silber und gleich darauf die Goldauflösung. Die verhältnißmäßige Menge der drei Auflösungen ist durch Versuche zu bestimmen. Der Niederschlag wird mit ungefähr gleichviel, oder etwas mehr Flußmittel versezt.

Flußmittel: 8 Th. Sand, 4 Th. Boraxglas, 1 Th. Salpeter, und 1 Th. weiße Kreide, behandelt wie bei Nr. 21.

Oder:

67) 1 Th. Goldpurpur mit 3 Th. blauer Farbe aus Kobaltoxyd oder Königssmalte zusammengerieben. Diese Mischung gibt das schönste Violett, das sich nach Maaßgabe mehr oder minderen Purpurs und helleren oder dunkleren Blaues in verschiedenen Abstufungen darstellen läßt.

Oder:

63) 1 Th. Purpur und 6 Th. Flußmittel zusammengerieben. Gibt dunkleres Violett.

Flußmittel: 1 Th. Sand, 2 Th. Bleiglätte, und 1/4 Th. Boraxglas.

Oder:

69) Man vermengt reinen Goldpurpur gleich nach der Fällung und dem Auswaschen, ohne ihn vorher zu troknen, mit etwas Flußmittel.

Flußmittel: 1 Th. weißer, ausgewaschener und geglühter Quarzsand und 3 Th. Mennige, behandelt wie bei Nr. 21.

VIII. Braun.

A. Fluß. 70) 1 Th. Braunstein und 8 Th. Flußmittel aus 1 Quent. Sand und 3 Quent. Bleiglätte gut zusammengeschmolzen, gestoßen und fein gerieben.

|138|

Oder:

71) 1 Th. Braunstein, 1/4 Th. Blau von Nr. 42, und 8 Th. des vorigen Flußmittels, ebenso behandelt.

Oder:

72) 7 Th. Goldgelb von Nr. 47, 1 Th. Antimonium, und 3 Th. Flußmittel von 1 Th. Sand, 2 Th. Blei, und 1/4 Th. Borax zusammengeschmolzen, gestoßen, und fein abgerieben.

B. Farbe. 73) Rothes Eisenoxyd, durch Fällen aus dem reinen schwefelsauren Eisen vermittelst kohlensauren Kali's und nachherigen Glühens bis zur lebhaft rochen Farbe bereitet.

Flußmittel: Gleiche Theile Bleiglas, mit dem Oxyde und etwas Gummiwasser auf der gläsernen Reibtafel gerieben.

Oder:

74) 2 Th. Eisenoxyd, 3 Th. Braunstein und 3 Th. Goldgelb von Nr. 47 ruhig zusammengeschmolzen, ins Wasser geschüttet, und nach dem Erkalten mit 3 Th. Flußmittel versezt.

Flußmittel: 1 Th. Sand, 2 Th. Bleiglätte, und 1/4 Th. Boraxglas.

Oder:

75) Rothes Eisenoxyd (Blutstein. Röchet, natürlicher Eisenrost) mit Braunstein und einem kleinen Antheil Schwefelspießglanzsilber oder irgend eines Silberoxyds thun, wie Nr. 73 behandelt, dieselben Dienste.

Ebenso:

76) Der bei Bereitung der rothen Farbe Nr. 27 zurükbleibende Saz, der ohne weitere Behandlung aufgetragen werben kann.

Endlich:

77) 7 Th. Goldgelb von Nr. 47 mit 1 Th. Braunstein zusammengerieben, ohne es zu schmelzen oder mit Flußmittel zu versezen.

(Nr. 71 gibt Sepia-, Nr. 72 Gelb-Braun.)17)

|125|

Man merke sich ein für allemal, wo Sand und Bleiglätte als Flußmittel vorkommen, wie bei den Recepten Nr. 22, 26, 30 und 63, müssen diese beiden Ingredienzien vor ihrem Zusaze zum Pigmente zusammengestoßen in einem hessischen Tiegel bei immer stärkerem Feuer geschmolzen, in einen eisernen Mörser geschüttet, nach dem Erkalten fein gestoßen und mit Wasser ausgeschlemmt werden.

|125|

Wo aber Sand, Bleiglätte und Boraxglas als Flußmittel indicirt ist, wie bei den Recepten Nr. 32, 59, 68 und 74, wird zwar Sand und Bleiglätte auch, wie vorhin angegeben, unter sich geschmolzen und gepulvert, das Boraxglas aber wird lediglich zu diesem Pulver hinzugerieben, nicht aber noch einmal mit ihm geschmolzen; – dieß statt schleppender Wiederholungen bei den einzelnen, hier überdieß benannten Recepten.

|130|

Eine andere Bereitungsart des Goldpurpurs ist in der Note 17 S. 135 angegeben. A. d. R.

|138|

Ein zweiter Aufsaz des Hrn. Verfassers: „Nachträgliches über Glasmalerpigmente und deren Flußmittel, sowie über das zwekmäligste Verfahren beim Auftragen und Einbrennen derselben“ erscheint im nächsten Hefte des polytechn. Journals.

Hinsichtlich der Bereitung des Goldpurpurs müssen wir noch bemerken, daß derselbe nach den Versuchen des Hrn. Oberbergraths Fuchs in München ohne die geringste Schwierigkeit in seinem höchsten Grad von Schönheit erhalten wird, wenn man eine sehr verdünnte Auflösung von Gold in Königswasser mit einer eisenhaltigen Lösung des Zinnsesquichlorürs versezt; leztere erhält man, indem man eine Lösung von Zinnsalz in Wasser so lange mit salzsaurem Eisenoxyd vermischt, bis die Flüssigkeit ihre Farbe verloren und einen schwachen Stich ins Blaugrüne erhalten hat. A. d. R.

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