Titel: Taylor's Treibapparat für Boote etc.
Autor: Taylor, Peter
Fundstelle: 1840, Band 75, Nr. XXXVII. (S. 175–184)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj075/ar075037

XXXVII. Verbesserungen an den zum Treiben von Schiffen, Wagen und Maschinen dienenden Mechanismen etc. und an den rotirenden Dampfmaschinen, worauf sich Peter Taylor, von Birchen Bower bei Chadderton in der Grafschaft Lancaster, am 1. Decbr. 1838 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem Repertory of Patent-Inventions. Dec. 1839, S. 321.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

Meine Erfindungen betreffen: 1) gewisse zum Treiben von Schiffen bestimmte Mechanismen oder Apparate. 2) Verbesserungen an |176| den rotirenden Dampfmaschinen, wodurch dieselben zum Treiben von Schiffen, Locomotiven und verschiedenen Maschinen geeignet werden. 3) Verbesserungen an den rotirenden Dampfmaschinen, welche auch auf rotirende Pumpen zum Wasserheben anwendbar sind.

Fig. 1 gibt eine seitliche Ansicht eines Canalbootes oder einer Barke, an der mein verbesserter Treibapparat angebracht ist. Die zur Bewegung dieses Apparates dienende Dampfmaschine ist nach dem zweiten Theile meiner Erfindung gebaut; man kann aber auch ebenso gut irgend eine andere gute Dampfmaschine anwenden, da der Treibapparat von der Dampfmaschine unabhängig ist. Mein Treibapparat beruht auf der Anwendung von Flügeln oder Schrauben, oder Schraubentheilen, oder krummlinigen Flügeln oder Schaufeln an zwei Achsen oder Wellen. Eine derlei Welle sieht man in dieser Figur sowohl an dem Vordertheile als an dem Hintersteven des Fahrzeuges angebracht; doch kann man sich auch nur eines einzigen Treibapparates bedienen, und diesen an einem der Enden des Schiffes oder auch in irgend einer anderen geeigneten Stellung wirken lassen.

In Fig. 2 sieht man eine Nabe und zwei der schief gebogenen Flügel oder Schaufeln in größerem Maaßstabe gezeichnet, woraus die Einrichtung derselben deutlicher hervorgeht. Jede Schaufel besteht nämlich aus einem schiefen oder krummlinigen Flügel, der mit einem zweiten ähnlichen Flügel an einer und derselben Nabe festgemacht ist. Eine solche Nabe sieht man in Fig. 3 einzeln für sich. Diese Naben, deren je nach der Kraft der Maschine und der Oberfläche der Flügel oder der Schaufeln mehrere seyn können, werden mit Keilen oder auch auf andere Weise an den Wellen festgemacht. Ich weiß sehr wohl, daß man schon früher ähnliche Theile von Schrauben bildende Schaufeln, so wie auch ganze Schrauben zum Treiben von Schiffen Verwendete. Ich dehne daher auch meine Ansprüche nicht auf die Anwendung von derlei Schaufeln oder Schrauben im Allgemeinen aus, sondern beschränke mich in denselben auf jene Anordnung, gemäß welcher zwei Wellen oder Spindeln so angebracht sind, daß die Schaufeln oder Schrauben der einen zwischen jene der anderen eintreten können, wodurch ich innerhalb eines bestimmten Raumes eine sehr ausgedehnte Treiboberfläche zu erzielen im Stande bin.

Fig. 4 gibt eine Endansicht einer Barke, woraus hervorgeht, daß die Schaufeln oder Schraubentheile der einen Welle beinahe bis zu der anderen Welle hinanreichen, und daß also hiemit innerhalb des Hinterstevens des Fahrzeuges eine große Treiboberfläche gewonnen wird. Bemerken muß ich hiebei, daß, obwohl die Wellen als über der Wasserlinie befindlich dargestellt sind, dieß doch zur Erlangung |177| eines günstigen Spieles meines Apparates nicht durchaus erforderlich ist; vielmehr können sich sowohl die Wellen als auch die sämmtlichen Oberflächen des Treibapparates auch gänzlich unter Wasser befinden.

Obwohl ich gesagt habe, daß die Schaufeln oder Schrauben zwischen einander spielen, so binde ich mich, wenn die Wellen sich über der Wasserlinie befinden, doch keineswegs hieran; denn man kann die Wellen auch in größerer Entfernung von einander anbringen, und selbst das Fahrzeug zwischen sie treten zu lassen, wo dann die Schaufeln nicht mehr zwischen einander spielen werden. Es scheint mir jedoch, daß diese Stellung der Wellen nicht so günstig seyn dürfte, obwohl ich ausdrüklich bemerke, daß in allen Fällen, wo ich mich ganzer Schrauben bediene, ich mich keineswegs daran binde, sie zwischen einander spielen zu lassen.

In den bisher beschriebenen Figuren sind a, a die an den Wellen b, b befestigten krummen Schaufeln oder Schraubensegmente, welche in entgegengesezten Richtungen in die Wellen eingesezt sind; d.h. die Schaufeln der einen Welle sind so angebracht, daß sie Theile einer sogenannten rechthandigen Schraube bilden, während die Schaufeln der anderen, Theile einer linkhandigen Schraube bilden. Auch wenn man sich ganzer Schrauben bedient, muß die eine recht- und die andere eine linkhandige seyn. Die Wellen sollen so nahe an einander aufgezogen seyn, daß die Schaufeln a, a beinahe bis zu jener Welle, in die sie nicht eingesezt sind, reichen. Es erhellt dieß aus der Zeichnung, so wie es auch dann gilt, wenn man sich ganzer Schrauben bedient. Die Wellen oder Schraubenspindeln b, b laufen bei c, c in entsprechenden Anwellen, gehen durch die Röhren d und treten bei e in ein Gehäuse oder in eine Umschließung, aus der kein Wasser in das Fahrzeug gelangen kann. Hier sind an ihnen die Zahnräder f befestigt, die ihre Bewegung von anderen, an der Welle i angebrachten Zahnrädern h mitgetheilt bekommen. Die Welle i, welche bei j in gehörigen Anwellen läuft, erhält ihre Bewegung von dem an der Hauptwelle der später zu beschreibenden rotirenden Dampfmaschine aufgezogenen Zahnrade k. Dieses leztere greift nämlich in das an der Welle i angebrachte Getrieb l, wie dieß Alles aus Fig. 1 deutlich zu ersehen ist. An derselben Welle i befindet sich auch eine Trommel oder Rolle, die mittelst eines Riemens die Welle n treibt, an der ein Windfang, welcher einen gehörigen Zug in der Kesselfeuerung erzeugt, und den man in Fig. 27 einzeln für sich abgebildet sieht, angebracht ist. Der Kessel selbst ist von der Art, wie man sie an den Locomotiven zu haben pflegt. Das Steuerungsrad o ist durch ein angemessenes Räderwerk mit dem Steuerruder |178| in Verbindung gebracht. Das an der Welle q befindliche Rad p dient, wenn es nöthig ist, zum Umkehren der Maschine, wie dieß später bei der Beschreibung meiner Verbesserungen an den Dampfmaschinen angegeben werden soll. Der Steuermann kann mit Hülfe dieser Vorrichtung, wenn er es für nöthig hält, die Direction der Dampfmaschine umändern, wodurch er den Lauf des Fahrzeuges also noch mehr in seine Gewalt bekommt.

In Fig. 5 sieht man ein anderes Triebwerk zum Treiben zweier, mit meinem Schaufelapparate ausgestatteter Wellen. Das Zahnrad r ist an der Welle einer rotirenden oder auch einer anderen Dampfmaschine aufgezogen. Die beiden Zahnräder oder Getriebe s, s befinden sich an den die Schaufeln führenden Wellen. Das Rad r hat, wie man sieht, zwei Reihen von Zähnen; die beiden Räder s, s haben eine gleiche Anzahl von Zähnen, und werden folglich mit gleicher Geschwindigkeit umlaufen. Diese Anordnung gewährt in jenen Fällen, wo es sich um Ersparniß an Raum handelt, großen Vortheil; auch wird bei der Mittheilung einer raschen Bewegung an die Treiber an Räderwerk erspart. Da sich die Treiber durch einfaches Umkehren der Maschine nach entgegengesezten Richtungen in Bewegung sezen lassen, so kann das Fahrzeug rük- und vorwärts getrieben werden. Endlich erhellt, daß, wenn man die Wellen und die Treiber in den gegenüber liegenden Anwellen auswechselt, das Wasser, je nachdem man es für das Geeignetste hält, gegen den Mittelpunkt oder von demselben weg bewegt wird.

Ich gehe nunmehr auf die Beschreibung des zweiten Theiles meiner Erfindung über. Fig. 6 ist ein senkrechter Durchschnitt einer meiner Erfindung gemäß gebauten Dampfmaschine. Der Durchschnitt ist quer durch die Hauptwelle geführt.

Fig. 7 ist ein Durchschnitt derselben Maschine, welcher jedoch nach der Längenachse der Hauptwelle geführt ist.

Fig. 8 zeigt die Maschine in einer Endansicht.

An allen diesen Figuren sind gleiche Theile mit gleichen Buchstaben bezeichnet, was auch von den verschiedenen anderen Figuren, in denen mehrere einzelne Theile der Maschine in verschiedenen Ansichten dargestellt sind, gilt.

Das Eigenthümliche dieser Maschine liegt darin, daß sich in einem äußeren oder stehenden Cylinder, den man den Dampfcylinder nennen kann, ein anderer Cylinder bewegt, und daß zwischen beiden Cylindern ein ringförmiger Raum gelassen ist, worin die Kolben, die sich an dem innern Cylinder ein- und ausschieben, spielen. Der äußere Cylinder A wird von einem angemessenen Gestelle getragen und festgehalten. Der innere Cylinder B kann aus einem, zwei oder mehreren |179| Theilen, die mit Keilen oder auf irgend andere Weise an der Hauptwelle befestigt sind, bestehen. Die Enden D, D dieses Cylinders B sind so geformt, daß sie die parallelen Führer E, die mit Schrauben und Schraubenmuttern an ihnen befestigt werden, aufzunehmen im Stande sind. Die Führer müssen sehr genau gearbeitet seyn, da sie auf die später anzugebende Weise die Bewegung der Kolben zu controliren, und sie zu zwingen haben, sich genau in radialen Linien von dem Mittelpunkte des Cylinders B weg und gegen denselben hin zu bewegen, so oft sie mittelst der später zu beschreibenden excentrischen Führer in Bewegung gesezt werden. Die Kolben F, F, deren man hier zwei sieht, können auch, wenn gehörige Vorsorge hiefür getroffen ist, in größerer Anzahl vorhanden seyn, da meine Erfindung keineswegs auf deren Anzahl, sondern nur auf den Apparat, welcher zu deren Controlirung dient, und deren Spiel sicherer macht, Bezug hat. Diese Kolben schieben sich, wie später gezeigt werden wird, in den Cylinder B hinein, und treten auch wieder aus ihm heraus. An ihnen befinden sich Achsen oder Zapfen G, an deren jeder sich zwei Räder oder Rollen bewegen. Eines dieser Räder G 1 läuft, wie man in Fig. 28 sieht, in den an den Enden des Cylinders B angebrachten Führern E, E und zwingt also den Kolben zu einer richtigen Bewegung. Alle diese Theile müssen, wenn ihr Spiel ganz gut von Statten gehen soll, mit der möglich größten Genauigkeit und Sorgfalt gearbeitet seyn. Die Kolben bewegen sich in Spalten oder Oeffnungen, welche in dem Cylinder B angebracht, und, wie die Zeichnung zeigt, mit einer Metallliederung versehen sind. Das Ein- und Austreten der Kolben an dem Cylinder B wird mittelst der an den Enddekeln des Cylinders A angebrachten excentrischen Führer H, H bewirkt. Diese Führer H, H, welche man in Fig. 9 angedeutet sieht, sind solchermaßen eingerichtet, daß die Kolben nicht eher außer Thätigkeit kommen, als bis sie an der Auslaßöffnung vorübergegangen, bis also der Dampf nicht länger mehr auf sie wirkt, und bis demnach der Kolben mit Leichtigkeit nach Einwärts gegen den Mittelpunkt des Cylinders B gezogen werden kann. Dieses Einziehen und Heraustreiben der Kolben wird durch die Räder G 2, welche sich zwischen den Führern H, H bewegen, bewirkt. Dabei werden die Kolben solchermaßen in den ringförmigen Dampfweg getrieben, daß nicht eher, als bis der Kolben gänzlich ausgetreten ist, ein gewaltsamer Druk auf sie wirken kann: eine Einrichtung, in Folge deren die Kolben mit Leichtigkeit spielen können. Bei aufmerksamer Betrachtung der Zeichnung wird Alles dieß klar werden; auch wird man sehen, daß die Ränder der Kolben zum Behufe der Aufnahme der Metallliederung x, x ausgekehlt sind. Diese Liederung wird durch |180| Spiralfedern, die in entsprechenden, an den Kolben befindlichen Ausschnitten untergebracht sind, fortwährend nach Auswärts gedrängt. I, I ist ein Stüzpunkt für den Dampf, welcher aus zwei Platten, die mit Bolzen oder Schrauben und Schraubenmuttern an dem Cylinder A festgemacht sind, besteht. Die Metallliederung J läßt sich mit Hülfe der Schrauben K, welche bis an die Außenseite des Cylinders A dringen, von Außen her adjustiren, wie aus einer Betrachtung der Zeichnung und aus Fig. 30 und 31 deutlich hervorgehen wird. Die Enden des Cylinders B haben, wie Fig. 10 und 11 zeigen, metallene Liederungen L, L, und diese gehen von den Ringen L 1 aus, die an den Enden des äußeren Cylinders angebracht sind und an beiden Enden auf die Oberfläche des inneren Cylinders drüken, so daß der zwischen den beiden Cylindern A, B befindliche ringförmige Raum dampfdicht schließend erhalten wird. Die Dampfwege M, M öffnen sich gehörig in den Dampfcylinder A, so wie auch in die Dampfbüchse N, die man in Fig. 32 von Unten betrachtet sieht, und in welche der Dampf bei O von dem Kessel her eintritt. Nachdem er seine Wirkung auf den Kolben vollbracht hat, tritt der Dampf bei der Auslaßmündung P aus. Wie man sieht, kann die Richtung des Dampfes mittelst der Schiebventile Q, welche sich, wie Fig. 33 zeigt, in den parallelen Führern Q¹ schieben, je nachdem es die Umstände erfordern, beliebig abgeändert werden. Zur Bewegung der Ventile dient ein Getrieb B, welches, wie Fig. 34 zeigt, in die an dem oberen Theile des Ventiles Q befindliche Verzahnung Q², Fig. 35, eingreift, und welches an der Welle R', die durch eine geeignete Stopfbüchse an die Außenseite der Dampfbüchse läuft, angebracht ist. Wenn auch eine ähnliche Methode die Bewegung umzukehren bereits an anderen Dampfmaschinen angewendet worden seyn mag, so nehme ich doch deren Benuzung an allen rotirenden Dampfmaschinen, an denen sich die Kolben in einen inneren Cylinder ein- und ausschieben, als mein Recht in Anspruch. Doch erhellt, daß das Schiebventil auch auf andere Weisen in Bewegung gesezt werden kann, wie z.B. mittelst einer durch eine Stopfbüchse laufenden Stange, wie sie zur Bewegung der Schiebventile mit Wechselbewegung dient.

In Fig. 12 sieht man einen anderen Mechanismus, womit die Kolben aus dem inneren Cylinder heraus bewegt und außer Thätigkeit gesezt werden können. Die Theile, welche von den früher beschriebenen beibehalten wurden, sind hier mit denselben Buchstaben bezeichnet. Der ganze Unterschied besteht darin, daß die excentrischen Führer, die sich an den Enddekeln des äußeren Cylinders befinden, hier weggelassen sind, und daß an deren Stelle an dem äußeren Cylinder Federn X angebracht sind, welche übrigens auch an der |181| ringförmigen Wand der Dampfkammer festgemacht werden können. Diese Federn X bilden beim Zurükziehen der Kolben elastische Führer für die an den Achsen oder Spindeln der Kolben angebrachten Räder; in der Mitte bilden sie hingegen einen fixen Widerstand, wodurch die gänzliche Zurükziehung der Kolben beim Vorübergehen derselben an den Dampfstüzpunkten verbürgt ist. In diesem Falle ist an jeder der Kolbenachsen nur ein einziges Rad G² angebracht, und der innere Cylinder führt Räder oder Rollen, die den Kolben als Führer dienen und sie in radialer Stellung erhalten. Durch die Bewegung des inneren Cylinders wird, wie man sieht, der Rahmen X² veranlaßt, sich an der Haupttreibwelle C zu schieben, wo dann die Räder der Rollen mit der feststehenden Feder X in Berührung kommen. In jedem der Enden des Rahmens X² befindet sich eine Spalte, in der sich die Hälse oder Zapfen der Kolben F gegen den Mittelpunkt der Welle C hin- und von demselben wegbewegen, so oft die Spiralfedern X³ auf sie wirken. Diese Federn sind, wie die Zeichnung deutlich zeigt, in die die Kolben tragenden Anwellen versenkt. X⁴ ist eine von den vier Verzahnungen, von denen sich zu jeder Seite des Rahmens X² eine schiebt. An jedem Ende der Maschine ist eine derlei Vorkehrung getroffen. X⁵ ist eins von den vier Getrieben, von denen an jedem Ende einer Spindel, die in entsprechenden Lagern läuft und von dem inneren Cylinder getragen wird, eines umläuft. Die verschiebbaren Verzahnungen X⁴ greifen in die Getriebe X⁵ ein, und sezen dieselben in Bewegung; und da jede dieser verschiebbaren Verzahnungen durch eine Stange mit dem Kolben in Verbindung steht, so unterstüzen sie die parallele Bewegung der Kolben. X⁶ ist ein Wäscher oder Ring, der mittelst einer Klemmschraube an der Welle C des Cylinders B festgestellt wird, aber sich auch lose an ihr befinden kann. Ein derlei Ring ist zu jeder Seite des Rahmens X² als Führer anzubringen.

Fig. 13 zeigt einen anderen Mechanismus, womit die Kolben herausgetrieben und wieder außer Thätigkeit gesezt werden können. Anstatt nämlich die excentrischen Führer an den Enddekeln des äußeren Cylinders zu befestigen, sind sie an einer zwischen den Enden des inneren Cylinders B und den Dekeln des äußeren Cylinders A befindlichen Scheidewand angebracht. Ich wende in diesem Falle Federführer X an, denen sowohl an ihren Enden als an ihren Seiten freies Spiel gegönnt ist, so daß sie nachgeben, wenn die Räder oder Rollen der Kolben auf sie treffen. Da der Mittelpunkt der Feder einen fixen Widerstand gewährt, so ist hiedurch beim Vorübergehen der Kolben an den Dampfstüzpunkten eine gänzliche Zurükziehung derselben verbürgt. Man kann bei dieser Einrichtung leichter |182| an die Führer gelangen und sie leichter und besser untersuchen, als dieß möglich ist, wenn sie an der inneren Oberfläche der Dekel des äußeren Cylinders angebracht sind. Die in dieser Fig. 13 angedeuteten excentrischen Führer würden sich für drei Kolben eignen, deren radiale Führer aus Rädern oder Rollen, welche auf jedem Kolbenende aufruhen und von dem inneren Cylinder getragen werden, wie man in Fig. 15 und 16 sieht, bestehen.

In Fig. 14 sieht man, in kleinerem Maaßstabe gezeichnet, drei Kolben, von denen zwei herausgetrieben sind, der dritte hingegen zum Behufe des Vorbeigehens an dem Dampfstüzpunkte zurükgezogen ist. Was die Dampfwege betrifft, so wird jeder Mechaniker diese so abzuändern wissen, daß sie der gewählten Kolbenzahl entsprechen, ohne daß dabei von dem von mir aufgestellten Principe, wonach die Kolben ausgetrieben oder zurükgezogen werden, abgegangen wird.

Fig. 15 ist ein Quer- und Fig. 16 ein Längendurchschnitt einer Dampfmaschine, welche einigermaßen von den oben beschriebenen abweicht, und zwar namentlich in der Art und Weise, auf welche die erforderliche radiale Verschiebung oder Schieberbewegung der Kolben erzielt wird. Es befinden sich hier an der Achse oder Spindel eines jeden der Kolben zwei Räder, welche von den an der stehenden Welle Y' befestigten Excentricis Y geführt werden. Die Welle der Maschine ist hohl und dreht sich an einer stehenden Welle und an beiden Enden in Anwellen. Die äußeren, an der Kolbenachse angebrachten Räder bewegen sich gegen die Federführer X. Durch das Spiel zwischen den excentrischen Federführern X und den Excentricis Y werden die Kolben aus dem inneren Cylinder herausgetrieben und wieder in denselben zurükgezogen. Damit sich die Kolben mit Sicherheit und Genauigkeit in radialen Richtungen bewegen, sind die Reibungsräder oder Rollen Z angebracht, deren Wellen in entsprechenden, an der inneren Oberfläche des inneren Cylinders befestigten Zapfenlagern laufen. Wenn man den Federführer X an den innerhalb der inneren Cylinder befestigten Excentricis Y anbringt, wie man dieß in Fig. 19 und 20 sieht, werden die äußeren Räder oder Rollen, so wie auch die an den beiden Kolbenenden befindlichen Achsen oder Zapfen entbehrlich. Ferner wird man aus einem Blike auf Fig. 21 und 22 sehen, daß man anstatt der in Fig. 15 und 16 ersichtlichen Excentrica Y gleichfalls ein dem beschriebenen ähnliches stehendes Excentricum anbringen kann, wo dann sowohl die Federn X, als auch die Achsen oder Zapfen und Räder an beiden Kolbenenden vollkommen entbehrlich werden. In allen übrigen Beziehungen sind die bereits oben angegebenen Theile beibehalten, und auch mitdenselben Buchstaben bezeichnet worden. Zum |183| Behufe der Befestigung der Excentrica Y an einer stehenden, innerhalb der hohlen befindlichen Welle nach der in Fig. 15 und 16 angegebenen Methode muß der innere Cylinder wenigstens aus drei, fest durch Bolzen verbundenen Theilen bestehen.

Fig. 17 zeigt eine andere Methode, nach welcher die Kolben in Bewegung gesezt werden können. Dieselbe beruht auf der Anwendung eines excentrischen Führers W, der an jedem Ende zwischen dem Enddekel des äußeren Cylinders und dem Ende des inneren Cylinders an einem Rahmen oder einer Scheidewand befestigt oder gebildet ist, oder der auch an beiden Maschinenenden an der inneren Seite des Enddekels angebracht werden kann. Es befinden sich in diesem Falle an jedem Kolbenende zwei Achsen oder Spindeln, von denen eine jede ein Rad oder eine Rolle trägt. Es befindet sich demnach das eine Rad eines jeden Kolbens an der einen und das andere an der anderen Seite des excentrischen Führers, und hieraus folgt, daß sich die Kolben beim Umlaufen gehörig bewegen müssen.

In Fig. 23 sieht man das nakte Ende des äußeren Cylinders A. Dieser Cylinder ist an beiden Enden etwas weiter ausgebohrt als die Dampfkammer, und bildet auf diese Weise, wie Fig. 24 zeigt, eine Schulter für den Ring, der an beiden Enden die Wand für die ringförmige Dampfkammer bildet. Der Ring ist, wie in Fig. 24 zu sehen, an den äußeren Cylinder gebolzt, füllt an beiden Enden den zwischen dem inneren und äußeren Cylinder befindlichen Raum gänzlich aus, und ist, wie ich bereits oben gesagt, mit einer metallenen Liederung versehen.

Fig. 25 zeigt einen Rahmen, der zwischen Fig. 24 und den Enddekel des äußeren Cylinders gebracht und an lezteren oder auch an die Wand der Dampfkammer gebolzt wird. Dieser Nahmen dient bloß als Träger der zur Regulirung der Kolben dienenden Führer, wo diese dann nicht an den Enddekeln oder an der in der hohlen Welle befindlichen stehenden Welle befestigt zu werden brauchen. Bei dieser Einrichtung lassen sich sämmtliche arbeitende Theile adjustiren und in ihrem Spiele beobachten, bevor man die Dekel oder Endplatten, die hier keinen anderen Zwek haben, und bloß als Verschluß dienen, befestigt.

Fig. 26 ist ein Durchschnitt, an welchem die drei lezteren Figuren 23, 24, 25 miteinander verbunden sind.

Ich habe am Schlüsse dieser Beschreibung nur noch zu bemerken, daß, wenn man die hier erläuterte Maschine als Pumpe zum Heben von Wasser benuzen will, anstatt der Dampfröhre eine entsprechende Saugröhre an der Maschine angebracht werden muß. Auch muß anstatt des Dampfventiles für eine Röhre, welche das Wasser dahin führt, wo man seiner bedarf, gesorgt werden.

|184|

Ich nehme keinen der einzelnen Theile als meine Erfindung in Anspruch, und bemerke, daß man auch einige derselben abändern kann, in so lange man das Princip unverändert beibehält. Es erhellt offenbar, daß, wenn man an der Welle der Dampfmaschine Räder anbringt, die sich für Eisenbahnwagen eignen, die Maschine auch zum Treiben von Wagen dienen kann; so wie man die Maschine unter Benuzung eines angemessenen Räderwerkes auch zum Betriebe irgend einer Maschinerie verwenden kann.

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