Titel: Ueber das beste Verhältniß zwischen der Kraft und der Tonnenzahl der Dampfschiffe
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 75, Nr. XVI./Miszelle 4 (S. 74–75)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj075/mi075016_4

Ueber das beste Verhältniß zwischen der Kraft und der Tonnenzahl der Dampfschiffe

hielt Hr. Scott Russell vor der British Association in Birmingham einen Vortrag, aus dem das Athenacum Nachstehendes mittheilt. „Die meisten Dampfboot-Eigenthümer machten sich zur Regel, eine im Verhältnisse zur Tonnenlast geringe Kraft anzuwenden; nur wo es sich hauptsächlich um große Geschwindigkeit handelte, nahm man mit einem großen Aufwande an Brennmaterial, der mit der Zunahme der Geschwindigkeit nicht im Verhältnisse stand, zu einem höhern Kraftverhältnisse seine Zuflucht; d.h. man wendete hohe Kräfte und eine große Menge Brennmaterial auf und erzielte dadurch nur eine geringe Zunahme an Geschwindigkeit. Hienach mußte nothwendig die Anwendung geringerer Kräfte und geringerer Geschwindigkeiten in finanzieller Hinsicht als das Vortheilhafteste erscheinen. Dieser Schluß hat sich jedoch keineswegs bewährt; denn eine Untersuchung der Bücher mehrerer Compagnien in Hinsicht auf den Verbrauch an Brennmaterial hat dargethan, daß die Anwendung hoher Kräfte und großer Geschwindigkeiten ökonomischer ist, als jene geringer Kräfte. Hr. Russel schrieb dieß dem von ihm bezüglich auf die Wellen aufgestellten Principe zu, und gelangte, indem er den Gegenstand einer höchst sorgfältigen Prüfung unterstellte, zu einem Resultate, welches ihm eben so neu als merkwürdig schien. Das Princip desselben ist, daß es bei der Fahrt eines Dampfschiffes auf offener See, auf der dasselbe Gegenwinden ausgesezt ist, eine gewisse Höhe der Geschwindigkeit und des Kraftaufwandes gibt, welche mit einem geringeren Aufwande an Brennmaterial erzielt werden kann, als eine geringere Geschwindigkeit mit geringerer Kraft. Hr. Russel hat dieß für ein Schiff arithmetisch bestimmt, und hienach eine Formel construirt, nach der die Berechnung auch für andere Fälle geschehen kann.

Schönes Wetter. 1200 Tonnen, 400 Pferdekräfte, 9 Meilen in der Zeitstunde, 216 Meilen des Tages, eine Tonne Steinkohlen per Stunde, 2160 Meilen in 10 Tagen, 240 Tonnen Steinkohlen.

1200 Tonnen, 500 Pferdekräfte, 10 Meilen in der Zeitstunde, 240 Meilen des Tages, 1 1/4 Tonnen Steinkohlen per Stunde; 2160 Meilen in 9 Tagen, 370 Tonnen Steinkohlen.

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Schlechtes Wetter. 1200 Tonnen, 400 Pferdekräfte, 5 Meilen in der Zeitstunde, 120 Meilen des Tages, eine Tonne Steinkohlen per Stunde; 2160 Meilen in 18 Tagen; 436 Tonnen Steinkohlen.

1200 Tonnen, 500 Pferdekräfte, 6 3/4 Meilen in der Zeitstunde; 162 Meil. des Tages, 1 1/4 Tonnen Steinkohlen per Stunde; 2160 Meilen in 13 1/5 Tagen, 395 Tonnen Steinkohlen.

Allgemeine Formel. Es sey v die Geschwindigkeit eines bestimmten Dampfschiffes bei gutem Wetter; v' die Geschwindigkeit desselben Schiffes bei schlechtem Wetter; v'' ein Schiff von höherer Kraft bei schönem, und v''' dasselbe Schiff bei schlechtem Wetter; p die Kraft des ersteren und p' jene des lezteren Schiffes, so ist

Textabbildung Bd. 75, S. 75

im Falle der Aufwand gleich ist, wonach man leicht berechnen kann, welches das höchste Kraftverhältniß ist, bei dem sich ein Vortheil in Hinsicht auf den Verbrauch an Brennmaterial ergibt. – Dieses Princip gilt übrigens nur für längere Seereisen; denn da wo das Schiff keinen länger andauernden ungünstigen Witterungseinflüssen ausgesezt ist, würde ein größerer Aufwand an Kraft nothwendig nur größere Kosten nach sich ziehen.

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