Titel: Himly's Lichtbilder.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 75, Nr. XVI./Miszelle 8 (S. 76–77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj075/mi075016_8

Himly's Lichtbilder.

Am 19. Oktbr. v. J. legte Hr. Dr. Karl Himly, Docent der Physik und Chemie an der Universität zu Göttingen, der königlichen Societät der Wissenschaften daselbst ein von ihm verfertigtes Lichtbild vor, welches in mehrfacher Beziehung von denen des Hrn. Daguerre sich unterscheidet. Während bei den leztern das Bild bekanntlich aus Queksilber oder vielmehr aus Silberamalgam gebildet zu seyn scheint, spielen bei dem erstgenannten noch andere Metalle, die nicht in der Hize sich verflüchtigen lassen, eine wichtige Rolle. Mit Anwendung solcher Metalle ist es gelungen, durch starkes Erhizen der Metallplatte, auf der das Bild sich zeigt, dem Bilde selbst eine viel größere Festigkeit zu geben, als dieß bei denen des Hrn. Daguerre der Fall ist. Wahrscheinlich ist es, daß hiebei durch die Erhizung ein Zusammenfritten des lokeren Metallbildes hervorgebracht wird. Während die Daguerre'schen Bilder sehr sorgsam gegen jede mechanische Einwirkung bewahrt werden müssen, kann man ein auf genannte Weise zubereitetes Bild ohne die geringste Verlezung in feines Papier eingewikelt Wochen lang in der Tasche herum tragen. Auch läßt sich dasselbe mit Anwendung |77| eines Haarpinsels durch Wasser oder Spiritus öfters abwaschen und reinigen. Wenn gleich man nun auch ferner sehr sanft mit dem Finger darüber streichen kann, so widersteht es doch einem stärkeren Reiben mit gleichzeitiger Anwendung eines Drukes nicht, da hiebei, wegen der Weichheit der Metalle, die feinen Metalltheilchen gleichsam verbogen und nieder gestrichen werden. Indem man nun auch mittelst eines Pinsels im Stande ist, eine schwarze Farbe auszustreichen, so wird man es auch erreichen können, Abdrüke zu machen, sobald eine Farbe gefunden seyn wird, welche nur von demjenigen Metall, aus welchem das Bild besteht, angenommen wird, während die übrige Metallplatte sich unempfänglich dagegen zeigt, oder auch, wenn das Umgekehrte Statt findet. Ueberhaupt scheint diese Art des Abdruks, wie sie auch beim Steindruk üblich ist, am meisten zur Vervielfältigung der Lichtbilder geeignet zu seyn. Einige Versuche haben gelehrt, daß man wahrscheinlich am leichtesten durch eine chemische Behandlung der Platte zum Ziele gelangen wird, weil das Metall der Platte und dasjenige, aus welchem das Bild besteht, sehr verschiedene chemische Eigenschaften besizen, und es daher auch mehrere Substanzen gibt, die nur auf eines dieser Metalle eine Einwirkung ausüben, wodurch den angeführten Erfordernissen am leichtesten Genüge geleistet werden kann. Eine zweite Eigenthümlichkeit der besagten Bilder ist die, daß man denselben gewisse verschiedene Farbentöne nach Willkür mittheilen kann, so daß sie ein schwärzliches, grauliches oder gelbliches Ansehen erhalten. Bei dieser Behandlung, und dieses ist noch besonders zu erwähnen, tritt das Bild viel lebhafter und frischer hervor, wodurch die Deutlichkeit desselben sehr gefördert wird. Wurde unter denselben Umständen, wie da sind: Lichtstärke der beleuchteten Gegenstände, Tageszeit, Dike der Jodschicht, Zeit, während welcher das Bild in ein und derselben camera obscura sich befindet etc., ein Bild ganz nach Daguerre's Vorschrift bereitet, so ergab sich, daß es an Deutlichkeit den vorerwähnten Bildern stets etwas nachstand. (Götting. Gel. Anz.)

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