Titel: Ueber die Gegenwart des Jods in den Producten, welche man bei der Verbrennung der Steinkohlen erhält.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 75, Nr. XXXII./Miszelle 9 (S. 158–159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj075/mi075032_9
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Ueber die Gegenwart des Jods in den Producten, welche man bei der Verbrennung der Steinkohlen erhält.

Ich entdekte, schreibt Hr. Bussy im lezten Novemberhefte des Journal de Pharmacie, in einigen der Muster, welche mir von den Producten der Steinkohlengrube in Commentry eingesandt worden, hydrjodsaures Ammoniak, welches bisher noch nirgendwo in natürlichem Zustande gefunden worden. Die im Dept. de l'Allier gelegene Grube wird großen Theils unter freiem Himmel ausgebeutet. Durch die Einwirkung der Luft auf die in den Kohlen enthaltenen Schwefelkiese trat eine Entzündung ein, welche sich fortwährend hie und da erhält, und in deren Folge aus den in dem Boden befindlichen Sprüngen weiße Dämpfe aufsteigen, die nach Schwefel und zugleich auch nach Salzsäure riechen. Durch Verdichtung dieser Dämpfe bilden sich an der Oberfläche des Bodens krystallinische Efflorescenzen, welche zum Theil weiß, zum größeren Theil aber röthlich gelb und selbst dunkelroth sind. Der rothe und gelbe Theil besteht aus Schwefel, aus rothem Schwefelarsenik, aus Salmiak, den man schon längst in den Verbrennungsproducten der Steinkohlen entdekt hatte, und aus sublimirtem hydrjodsaurem Ammoniak. Lezteres entdekte ich bisher noch in keinem der Muster in isolirten Massen, sondern immer mit Salmiak vermengt. Die Auflösung dieses jodhaltigen Salmiaks gibt mit Stärkmehlauflösung versezt erst dann eine blaue Farbe, wenn man ihr einen Tropfen Chlorwasser zusezt; zum Beweise, daß das Jod nicht frei darin enthalten ist. Der Luft ausgesezt färbt sich das Salz, indem die Hydrjodsäure eine Zersezung erleidet; allein nach einiger seit verschwindet auch das Jod so, daß man in demselben Muster auch keine Spur mehr davon findet. Ich würde die Resultate meiner ersten Versuche für irrig gehalten haben, wenn ich mich nicht durch die Prüfung frischer Muster, die mir mit aller Vorsicht von der Grube aus zugesandt worden, überzeugt hatte, daß sich die Hydrjodsäure mit der Zeit und unter dem Einflüsse der Luft so zersezt, daß das Jod gänzlich verschwindet. Man muß daher, um das Jod aufzufinden, mit Mustern arbeiten, welche gegen die die Zersezung bewirkenden Einflüsse geschüzt gewesen. Eine Einwikelung derselben in Papier reicht hiezu nicht aus; denn das Papier färbt sich wegen des in ihm enthaltenen Stärkmehles blau, indem sich das Jod von dem Wasserstoffe scheidet, und lezterer sich mit dem Sauerstoffe der Luft verbindet. Ich hätte zu erforschen gewünscht, ob das Jod auch in anderen Steinkohlen als jenen von Commentry enthalten ist; da dergleichen Versuche jedoch so zu sagen an Ort und Stelle vorgenommen werden müssen, so muß ich sie Anderen überlassen und mich damit begnügen, die Sache in Anregung gebracht zu haben. In welchem Zustande das Jod in den Steinkohlen enthalten ist, ist schwer zu sagen; doch scheint es ziemlich wahrscheinlich, daß die Salzsäure des Salmiaks durch die Einwirkung der bei der Verbrennung frei werdenden Schwefelsäure auf das Kochsalz, welches in den Steinkohlen enthalten seyn dürfte, geliefert wird. Wenn man nun bedenkt, daß die alkalischen Chlorverbindungen beinahe immer mit dergleichen Jodverbindungen vergesellschaftet sind, so dürfte man annehmen, daß das Jod wahrscheinlich als Jodkalium in den Steinkohlen enthalten ist. Erwägt man ferner, daß das Jod gewöhnlich auch von Brom begleitet ist, so wird man später wohl auch das Brom in einer ähnlichen Verbindung auffinden.

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