Titel: Ueber die Wirkung des Salzwassers auf das Eisen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 75, Nr. XLV./Miszelle 11 (S. 246–247)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj075/mi075045_11

Ueber die Wirkung des Salzwassers auf das Eisen.

Im III. Bde. der Papers on subjects connected with the duties of the Corps of the Royal Enginners befindet sich eine Notiz des Hrn. Oberstlieutenants Reid über die Wirkung des Salzwassers auf das Eisen folgenden wesentlichen Inhaltes. „Die Verwendung des Eisens zur Bekleidung der Werften und anderer der See ausgesezten Bauten gab bereits Anlaß zu mehreren Versuchen und Abhandlungen über den Einfluß des Seewassers auf dieses Metall; dagegen hat meines Wissens noch Niemand auf die Veränderungen aufmerksam gemacht, welche das Eisen erleidet, wenn es in Berührung mit Quarzgeschieben und anderen Substanzen der Einwirkung des Seewassers unterliegt. Das Anbaken solcher Geschiebe an alte lange versunken gewesene Anker ward schon häufig beobachtet, und ebenso fand man beim Ausziehen von Pfählen, die in Häfen u. dergl. eingeschlagen gewesen, in die eisernen Schuhe derselben solche Geschiebe incrustirt; ja selbst in süßem Wasser ward schon öfter eine ähnliche, jedoch minder ausgedehnte derlei Wirkung beobachtet. Da ich einen Theil der sogenannten Wasserbrecher in Portsmouth, welche bei jeder Fluth von der See bedekt werden, wieder herzustellen beauftragt war, so hatte ich mehrfache Gelegenheit, die fragliche Wirkung zu beobachten. Ich entdekte an dem Eisenbeschläge der Pfähle häufig kleine nadelförmige weiße Krystalle von kohlensaurem Eisen, und noch öfter einen Anflug von kohlensaurem Eisen, dessen Farbe vom Hellgelben bis zum Braunen und Schwarzen wechselte. Bei Hurst Castle fand ich große Bohlen, welche von den Fluthen abgerissen worden, fest mit Kieseln incrustirt. Man war hier anfangs über die Ursachen des Anklebens der Kieseln nicht im Klaren, als man aber die Bohlen der Länge nach durchsägen ließ, zeigte sich, daß sie so voll mit Nägeln beschlagen waren, daß deren Köpfe einander berührt haben mußten. Die Köpfe dieser Nägel waren mit der Zeit beinahe verschwunden, und an deren Stelle hatte sich eine schwarze, krystallinische, glänzende Substanz abgelagert, welche die Kiesel fest an die Bohlen kittete. Ich dachte mir hienach, daß zwischen dem metallischen Eisen und den Kieseln, wenn sie in Seewasser getaucht sind, eine Volta'sche Wirkung Statt finde, und wenn dem so ist, so ist kaum zu bezweifeln, daß unter ähnlichen Umständen zwischen dem Eisen und anderen Steinen eine gleiche Wirkung eintreten dürfte. Es wurden daher versuchsweise einige der Wasserbrecher in Portsmouth mit sehr dünnem Eisenbleche zwischen Steinblöke von Sevanage eingesezt. Nach Verlauf von einem Monate hatten sich Sand und kleine Kiesel fest zwischen das Eisen und die Steine eingebettet, und es begann bereits die Bildung jener schwarzen kristallinischen Substanz, die in Hurst Castle beobachtet wurde. Ich habe seither gefunden, daß Hr. Cross sich bei Gelegenheit ähnlicher Forschungen überzeugte, daß Eisen, wenn es in einem flüssigen Medium mit Kieselmasse in Berührung steht, elektrische Erscheinungen hervorbringe; und daß überhaupt die Erzeugung von Krystallen mittelst der Volta'schen Elektricität bereits bedeutende Fortschritte gemacht habe. Ich beabsichtige übrigens durch diese Abhandlung nur darauf hinzuweisen, daß aus einer weiteren Verfolgung dieser Studien Resultate hervorgehen dürften, |247| welche für die Wasserbauten von hohem Belange seyn könnten. Es steht sehr dahin, ob nicht mit dünnen Eisenplatten, wenn sie abwechselnd mit Steinmassen gelegt werden, unter der See feste Felsenmassen mit krystallinischen Adern erzeugt werden könnten. Gemische aus Eisenfeilspänen, Sand und Kies dürften vielleicht, wenn man sie mit Röhren in die Tiefe der See versenkt, zu festen Massen zusammenbaken, und auf diese Weise eine Grundlage für Leuchtthürme u. dergl. Bauten abgeben.“

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: