Titel: Ueber den Alkoholgehalt einiger Weine und Biere.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 75, Nr. XLV./Miszelle 12 (S. 247–248)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj075/mi075045_12

Ueber den Alkoholgehalt einiger Weine und Biere.

Hr. Dr. Christison in Edinburgh war einige Zeit über mit Versuchen zur Bestimmung des Weingeistgehalts mehrerer Weine, wie sie in England im Handel vorkommen, beschäftigt, sowie auch mit Erörterung der Ursachen, welche die in dieser Beziehung unter den Weinen obwaltenden Verschiedenheiten bedingen. Zur Untersuchung schlug er hiebe: die Destillation ein, und bei dieser waren solche Vorkehrungen getroffen, daß sämmtlicher Alkohol und Wasser ohne eine Spur von Empyreuma übergingen, und zwar ohne daß der Verlust dabei mehr als zwischen 2 und 6 Granen von 2000 betragen hätte. Aus der Quantität und dem spec. Gewicht wurde das Gewicht des absoluten Alkoholes von 793, 9 spec. Gewichte und das Volumen des probehaltigen Weingeistes von 920 spec. Gewichte nach den Tabellen von Richter, die auf jenen Gilpin's fußen, berechnet. Hr. Christison kam nach seinen Analysen zu dem Schlüsse, daß die Weingeiststarke vieler Weine und Biere von den meisten, die vor ihm Untersuchungen in dieser Hinsicht vornahmen, zu hoch angegeben wurde. Die Resultate, zu denen er gelangte, sind in folgender Tabelle enthalten.

Textabbildung Bd. 75, S. 247
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Hr. Christison bemerkte, daß übrigens die Weingeiststarke durchaus nicht mit dem commerciellen Werthe einer und derselben Weinsorte im Verhältnisse stehe, und daß dieselbe oft gar sehr von dem abweicht, was der geübteste Weinkenner nach dem Geschmake angibt. – Sodann trug derselbe einige Beobachtungen über die Wirkung vor, welche die Aufbewahrungsmethode auf die Weingeiststärke mancher Weine ausübt: namentlich die langsame, Jahre lang fortgesezte Verdunstung der Weine durch Fässer, und zwar besonders in heißen Klimaten. Seine Forschungen sind in dieser Hinsicht noch nicht abgeschlossen; doch glaubt er nach seinen bisherigen Erfahrungen den Schluß ziehen zu können, daß der Alkoholgehalt bei dieser Aufbewahrungsweise durch eine geringe Anzahl von Jahren hindurch steigt, später aber wieder abnimmt, und daß die Zeit, wo der Wein Alkohol zu verlieren anfängt, wahrscheinlich mit jener zusammenfällt, wo er nicht weiter mehr an Wohlgeschmak gewinnt. Die Zunahme an Alkohol, welche bei der langsamen Verdunstung durch das Faß anfänglich erfolgt, schien auf den ersten Gedanken mit dem bekannten Sömmering'schen Versuche, wonach Weingeist stärker wird, wenn man ihn in einem mit einer Schweinsblase überzogenen Gefäße aufbewahrt, zusammenzufallen. Hr. Christison bemerkt jedoch, daß er bei mehrfacher Wiederholung dieses Versuches und mannichfacher Modificirung desselben nie zu dem von Sömmering angegebenen Resultate gelangte, wobei er übrigens zugibt, daß er Sömmering's eigenen Aufsaz nicht kenne, und nur nach dem verfahren sey, was verschiedene Schriftsteller nach Sömmering hierüber erzählen. Bei seinen Versuchen wurde der Weingeist stets schwacher. Zugleich ward aber beobachtet, daß, wenn die Blase, in welcher Weingeist enthalten war, in einen beschränkten Raum zugleich mit Aezkalk eingeschlossen wurde, der Weingeist sich langsam in absolutem Alkohol von 796 spec. Gewicht verwandelte, indem sich bald eine permanente Alkoholatmosphäre bildete, während die wässerige Atmosphäre eben so schnell als sie sich bildete, von dem Aezkalke absorbirt wurde. Später zeigte sich, daß hiezu nicht einmal eine Blase erforderlich ist; denn ein offenes Schalchen mit Weingeist wurde, wenn es mit Aezkalk in einen kleinen Raum eingeschlossen wurde, innerhalb zweier Monate absoluter Alkohol von 796 spec. Gewichte. Prof. Graham wies vor Kurzem ein ähnliches Factum nach, indem er zeigte, daß Weingeist in dem Luftpumpenvacuum in reinen Alkohol verwandelt werden kann. Ein Vacuum ist jedoch weder dem Principe noch der That nach hiezu durchaus nothwendig; wohl aber beschleunigt es den Proceß. Die neue Methode ist, wie Hr. Dr. Christison meint, offenbar auch zur Gewinnung von absolutem Alkohol im Großen anwendbar, wenn hinreichende Zeit dabei gestattet ist. (Edinb. New Philos. Journal, 1839.)

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