Titel: Stehelin's Verbesserungen im Bau der Dampfwagen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 75, Nr. LVIII./Miszelle 5 (S. 324–325)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj075/mi075058_5

Stehelin's Verbesserungen im Bau der Dampfwagen.

Bis jezt sind die Dampfwagen keineswegs ohne Tadel in Bezug auf ihre Dauerhaftigkeit gewesen; denn selbst einer der bessern unter ihnen konnte kaum sieben bis acht Tage gehen, ohne einer Ausbesserung unterworfen zu werden. Dieß nöthigt die Eisenbahngesellschaften, eine große Anzahl von Dampfwagen für einen anhaltenden Dienst zu halten. Und dennoch war es sehr leicht, dem Dampfwagen eine größere Dauerhaftigkeit und größere Sicherheit zu geben, wie die Einfachheit der Erfindung des Hrn. Ch. Stehelin, Maschinenbauers in Bitschweiler (Oberrhein), beweist. Was man bis jezt an den Dampfwagen und selbst an andern Dampfapparaten nicht verhindern konnte, war der Dampfverlust; diese Verluste entstehen bekanntlich durch den Spielraum und die Verrükung der Röhren, welche man nicht auf eine dauerhafte Weise an den Wänden befestigen konnte.

Nun ist es Hrn. Ch. Stehelin gelungen, durch ein sehr einfaches, aber sehr vollkommenes Verfahren die Röhren an den Kesselwänden zu befestigen, in der Art, daß sie weder ein Losewerden, noch irgend eine Veränderung befürchten lassen. Das Verfahren besteht in Folgendem: bis jezt bediente man sich kurzer Büchsen (eiserne, etwas konische Ringe), um die Röhren an den Wänden zu befestigen; aber diese Büchsen hielten die Röhren nur durch einen sehr veränderlichen Druk fest; man fand große Schwierigkeit, sie an den Wänden zu befestigen; man konnte sie nicht dauerhaft verbinden, und bei Reparaturen erschütterte und verschlechterte man sämmtliche Verbindungen der übrigen Röhren.

Hr. Ch. Stehelin hat gedacht, daß, wenn er durch irgend ein Mittel die Röhre auf die Büchse und in die Wand fest eindrüken könnte, allen diesen Nachtheilen vorgebeugt würde. Die Büchse des Hrn. Stehelin ist nicht allein an |325| dem äußern Theile mit einem Rande versehen, wie die gewöhnliche, sondern sie hat noch eine Verstärkung ungefähr gegen den Theil, welcher sich außerhalb der innern Wand befinden soll, damit diese Verstärkung zwekmäßig wirken kann, ist die Büchse durchschnitten und mit Einschnitten versehen; mittelst einer konischen Schließe preßt sie die Röhre so viel man will und ohne Erschütterung gegen die Wand, und befestigt sie darin so fest, als man es wünschen kann. Damit aber diese große Festigkeit keinen Unfall bei raschen und beträchtlichen Veränderungen der Temperatur herbeiführe, hat Hr. Stehelin die Röhren ein wenig gebogen, und man wird leicht einsehen, daß unter dieser Form die Röhren alle Bedingungen der Dauerhaftigkeit darbieten. Man wird begreifen, daß durch diese einfache und sinnreiche Construction die Wände nun fest gehalten, die Röhren nicht mehr loker, die Verrükungen und die Dampfverluste von dieser Seite fast unmöglich werden. Die Schwierigkeiten im Fall einer Ausbesserung werden unbedeutend seyn; der Dienst auf der Eisenbahn wird nicht mehr unterbrochen werden, die Sicherheit wird größer seyn, und endlich können die Eisenbahngesellschaften die Zahl der Dampfwagen beträchtlich vermindern.

Die Administration hat in der lezten Zeit Proben von den Dampfwagen auf Eisenbahnen gefordert, und hat keine bessere Probirart gefunden, als den Druk, mit welchem die Maschine gewöhnlich arbeitet, auf das Doppelte zu erhöhen.

Alle diejenigen, welche diese Proben genau beobachtet haben und das Maschinenwesen kennen, wissen, daß diese Prüfungsart für die Dampfmaschinen verderblich war, daß sie die flachen Enden der beiden Kesselwände von einander entfernte und häufige Verrükungen herbeiführte. Mit den Büchsen des Hrn. Stehelin aber werden diese Versuche eben so entscheidend und nicht zu fürchten seyn, denn die Röhren und Kesselwände, unter sich fest verbunden, können leicht ihrem höchsten Druke widerstehen. (Moniteur belge.)

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