Titel: Ueber die mechanische Werkstätte des Hrn. W. Fairbairn in Manchester.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 75, Nr. LXVIII./Miszelle 6 (S. 412–413)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj075/mi075068_6

Ueber die mechanische Werkstätte des Hrn. W. Fairbairn in Manchester.

Ein Werkchen, welches kürzlich in Manchester unter dem Titel: Manchester as it is erschien, enthält mannichfache interessante Notizen über die dortigen Fabriken, aus denen wir für unsere Leser Einiges des Interessanteren auszuziehen gedenken. Wir beginnen mit einer gedrängten Beschreibung der mechanischen Werkstätten des rühmlich bekannten Hrn. William Fairbairn, in denen hauptsächlich Maschinerien der schwersten Art, wie Dampfmaschinen, Wasserräder, Locomotiven, Räderwerke für Mühlen u. dergl. erzeugt werden, und in denen fortwährend 550 bis 600 Arbeiter beschäftigt sind. Der ganze Gang der Arbeiten in dieser schönen Anstalt ist streng systematisch; jeder Arbeiter hat sein eigenes Geschäft angewiesen, und die Arbeiten sind mit der größten Rüksicht auf Kostenersparniß vertheilt. Ueberall herscht die regste Thätigkeit ohne alle Confusion, und vom Mechaniker und Modellirer bis zum Grobschmiede arbeitet Alles mit derselben Regelmäßigkeit, wie die Maschinen, die aus ihren gemeinschaftlichen Anstrengungen hervorgehen. – Zu den wichtigsten Fabrikaten gehören die Dampfmaschinen, die hier von 8 bis zu 400 Pferdekräften erzeugt werden; von lezteren wiegt eine gegen 200 Tonnen an Metall, und der Werth beläuft sich auf 5 bis 6000 Pfd. Sterl. Die Gießerei ist in großem Maaßstabe eingerichtet. Güsse von 12 Ton. Schwere, wie sie z.B. der Balancier einer Dampfmaschine von 300 Pferdekräften hat, sind gar nicht selten. Ein Schwungrad für eine Maschine von 100 Pferdekräften mißt 26 Fuß im Durchmesser und wiegt gegen 35 Tonnen. Wasserräder von 62 Fuß Durchmesser kommen öfter in Arbeit. Im Durchschnitte werden |413| in diesen Werkstätten wöchentlich 60 Ton. und jährlich gegen 3120 Tonnen Metall verarbeitet. – Ein sehr kostspieliges Departement der Fabrik, nämlich die Darstellung der Modelle beschäftigt täglich 50 Personen. Jedes Stük muß, bevor es gegossen werden kann, in Holz gearbeitet werden, und nach diesen Modellen oder Mustern arbeitet man erst in Sand die Model, in welche das Metall gegossen wird. Die vorhandenen Modelle haben einen Werth von vielen 1000 Pfd. Sterl.; die vorzüglicheren werden, nachdem sie gebraucht worden, angestrichen, gefirnißt und sorgfältig in einem trokenen Magazine aufbewahrt, damit man sie zur Hand hat, wenn man sie bei Reparaturen gebrochener Maschinen oder bei der Anfertigung neuer braucht. Häufig werden diese Modelle aus Mahagoniholz gearbeitet. – Zu den interessanteren Maschinen, welche man in diesen Werkstätten findet, gehört eine, welche zum Hobeln des Eisens bestimmt ist, und die das Eisen mit der größten Regelmäßigkeit und mit solcher Leichtigkeit abhobelt, daß man meinen sollte, sie arbeite in Holz. – Sehr merkwürdig ist auch die Fabrication der Dampfkessel, welche gewöhnlich aus schmiedeisernen Platten von 3/8 Zoll Dike zusammengesezt, und mit Nieten von 3/4 Zoll Dike verbunden werden. Das Ausschlagen der Löcher geschieht mit einer sehr einfachen aber höchst kräftigen Maschine mit einer Leichtigkeit, als wenn dabei bloß der Luftwiderstand zu überwinden wäre. Das Vernieten, welches sonst eine sehr geräuschvolle Arbeit war, geschieht dermalen mittelst einer Maschine, die ganz leise arbeitet. Anlaß zur Erfindung dieser Maschine, welche den HHrn. Fairbairn und Robert Smith angehört, gaben die Umtriebe der 50 Kesselmacher, die in der Fabrik früher Beschäftigung fanden, sich aber, in der Meinung einen höheren Lohn zu erzwingen, auflehnten. Die Maschine ersezt jezt die 50 Arbeiter und leistet dasselbe schneller, mehr systematisch, und, wie gesagt, ohne Lärm. – Hr. Fairbairn zahlt wöchentlich gegen 1000 Pfd. Sterl. Lohn; der geringste Arbeiter verdient wöchentlich 25 Shill.; viele nehmen aber 2 bis 3 Pfd. in der Woche ein. Seine Fabricate sind von Petersburg bis Neu-Süd. Wallis gesucht. In seinen Werkstätten wurden auch die interessanten Versuche der HHrn. E. Fairbairn und Eaton Hodgkinson über die Stärke verschiedener Baumaterialien, welche in den Transactions of the Manchester Philosophical Society beschrieben sind, vorgenommen. Ueberdieß besizt er auch noch zu Millwall in London ein Etablissement, worin er 400 Arbeiter beschäftigt, und in welchem bloß Dämpfmaschinen und eiserne Dampfboote gebaut werden. (Mechanics' Magazine No. 853.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: