Titel: Ueber Kalander zur Appretur baumwollener und leinener Gewebe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 75, Nr. LXVIII./Miszelle 8 (S. 414)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj075/mi075068_8

Ueber Kalander zur Appretur baumwollener und leinener Gewebe.

Die Appretur der baumwollenen und leinenen Gewebe, welche vorher gestärkt worden sind, besteht bekanntlich in einer künstlichen Bearbeitung der Schaufläche, durch welche diese einen matten oder scharfen oder zum Theil verlegten (moirirten) Glanz erhält. Mit einem großen Aufwände an Zeit wurde sonst eine solche Appretur unter Mangelkasten oder unter Reibe- oder Glättsteinen bewerkstelliget, jezt aber meistens mit Hülfe der Kalander. Ein solcher Kalander besteht aus einem System von fünf über einander gelagerten Walzen, die wir mit A, B, C, D und E bezeichnen wollen, und wovon A, C und E aus zusammengepreßten Papierbogen auf schmiedeeisernen Spindeln, B und D aber aus Gußeisen und hohl angefertigt sind. Die unterste Walze A ruht mit ihren Zapfenenden in festen Pfannen, welche in die gußeisernen Ständergerüste eingelegt sind; die folgenden drei Walzen lagern dagegen mit ihren Mantelflächen nur auf einander, und werden bei ihrem Erheben und Senken zwischen Bakenstüke aus Metall geführt, welche in Aussparungen der Ständergerüste eingelegt und durch Schließkeile so fest gekeilt sind, daß die Walzenachsen genau in den durch die untere Achse gedachten Verticalebenen sich befinden; damit indessen die gußeisernen Walzen auch in der Längenrichtung nicht etwa ausweichen können, greifen die Bakenstüke mit einer Feder in Ruthen, welche in jene eingedreht sind. Zum Zusammendrüken der fünf Walzen auf einander dient eine in jedem Gerüste angeordnete aus zwei Hebeln bestehende Hebelverbindung.

Die Bewegung wird mittelst eines Räderwerks zuerst der gußeisernen Walze B mitgetheilt und von dieser nur durch Reibung an die übrigen Walzen übertragen, wenn nämlich für eine beabsichtigte Appretur die Peripheriegeschwindigkeiten der Walzen gleich seyn sollen; durch ein Zwischenrad aber an ein auf der zweiten gußeisernen Walze befestigtes Stirnrad mit einer geringeren Anzahl von Zahnen, und sofort an diese Walze selbst, wenn für eine scharfe Glanzappretur eine größere Peripheriegeschwindigkeit von derselben verlangt wird. Die Wirkung eines solchen Kalanders hängt natürlich viel von der Art und Weise seiner Anwendung ab. Eine sehr schäzbare Beschreibung und Abbildung eines solchen Kalanders nebst Bemerkungen über dessen Anfertigung und Benuzung hat Hr. Wedding in den Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen 1839, 6te Lieferung S. 237 mitgetheilt.

Er bemerkt, daß die besten Kalander in Preußen von dem Mechanikus Hrn. Hummel gebaut werden. Die Preise, welche derselbe in Berlin stellt, sind:

Für einen Kalander zu 8/4 breiter Waare, mit zwei Papierwalzen von
16 Zoll (preußisches Maaß) Durchmesser, zwei gußeisernen Walzen,
wovon die eine 16 Zoll, die andere 8 Zoll Durchmesser hat, und mit
den Vorrichtungen zum Glänzen



= 1670 preuß. Thlr.
Für einen Kalander zu 8/4 breiter Waare, mit zwei Papierwalzen von
16 Zoll Durchmesser und einer gußeisernen Walze von 8 Zoll
Durchmesser


= 1320 Thlr.
Für einen Kalander zu 6/4 breiter Waare, mit zwei Papierwalzen von
16 Zoll Durchmesser und einer gußeisernen Walze von 8 Zoll
Durchmesser


= 1100 Thlr.
Für eine Papierwalze von 16 Zoll Durchmesser zu 8/4 breiter Waare = 330 Thlr.
Für eine Papierwalze von 16 Zoll Durchmesser zu 6/4 breiter Waare = 260 Thlr.48)
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Für die Anfertigung von Kalandern können wir auch Hrn. Mechanikus J. G. Lippmann in Mittweida (bei Chemnitz in Sachsen) und Hrn. Mechanikus G. Hävel in Augsburg empfehlen. A. d. Red.

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