Titel: Ueber Menotti's Seife zum Wasserdichtmachen der Wollentuche.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1840, Band 76, Nr. XIV. (S. 49–50)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj076/ar076014

XIV. Ueber Menotti's Seife zum Wasserdichtmachen der Wollentuche und anderer Gewebe.

Aus den Comptes rendus 1840 No. 7.

Hrn. Menotti ist es gelungen eine Seife zu bereiten, welche die Eigenschaft besizt, die Gewebe wasserdicht zu machen, ohne daß sie deßhalb aufhören die Luft durchzulassen; Dumas und Robiquet haben über diese Erfindung der französ. Akademie der Wissenschaften folgenden Bericht erstattet:

Die bisher angewandten Mittel, um die Gewebe wasserdicht zu machen, waren so kostspielig, daß solche Zeuge nur von der wohlhabenden Classe angeschafft werden konnten, also gerade von denjenigen Personen, welche ihrer am wenigsten bedürfen. Hr. Menotti hat es sich dagegen zur Aufgabe gemacht, ein Verfahren auszumitteln, welches so wohlfeil und einfach ist, daß diese Zeuge in allgemeinen Gebrauch kommen können. Dieß ist ihm auch vollkommen gelungen, und sein Verfahren kann von Jedermann angewandt werden, denn es besteht ganz einfach darin, den ganz trokenen Zeug in eine fast kochende Auflösung seiner wasserdicht machenden Seife (savon hydrofuge) zu tauchen. Nachdem der Zeug ganz gleichförmig damit getränkt ist, drükt man ihn mäßig aus, läßt ihn troknen, und Alles ist beendigt.

Wir haben uns in Menotti's Anstalt begeben, wo er uns die Zusammensezung seiner Seife mittheilte und sie in unserer Gegenwart bereitete. Menotti machte vor uns mehrere Zeugstüke wasserdicht, und um uns die Wirkung seiner Seife recht auffallend zu zeigen, ließ er mehrere Perkalstüke mit der heißen Auflösung seiner Seife besprizen und sogar einige Buchstaben mit ihr auf die Gewebe |50| zeichnen. Nach dem Troknen der Gewerbe sah man von der Seife keine Spur darauf, sobald man sie aber in Wasser, selbst kochendes, einweichte, konnten alle mit dieser Seift getränkten Stellen genau erkannt werden und die Buchstaben erschienen ganz deutlich, indem sich die troken gebliebenen Stellen von den nassen durch den Farbenton natürlich genau unterscheiden ließen.

Bei dem Verkaufspreise, wie ihn Menotti für seine Seife festgesezt hat, kann man für einige Centimes mehrere Meter Zeug wasserdicht machen; eine gewöhnliche Blouse käme nicht über 40 Cent. zu stehen, und ein Soldatenmantel beiläufig auf das Doppelte.

Wir brauchen wohl kaum zu bemerken, daß ein Zeug bei diesem Verfahren um so wasserdichter wird, je dichter er gewoben ist. Vielleicht würde die neue Methode auch noch bessere Resultate liefern, wenn man nicht das Gewebe selbst, sondern den Urstoff, woraus es fabricirt wird, mit dieser Seife imprägniren würde; dieß will Hr. Menotti versuchen, und da sein Präparat der Weichheit des Faserstoffs sehr wenig schadet, so betrachtet er den Erfolg als gewiß.

Das Publicum im Allgemeinen, besonders aber solche Personen, welche ihr Beruf nöthigt, sich auf den Straßen allen Einflüssen der Witterung auszusezen, sind Hrn. Menotti für sein eben so einfaches als wohlfeiles Verfahren die Zeuge wasserdicht zu machen, zu großem Dank verpflichtet.

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