Titel: Zenneck's Beiträge zum chemischen Theil der Bleichkunst.
Autor: Zenneck, Ludwig Heinrich
Fundstelle: 1840, Band 76, Nr. XCIII. (S. 382–391)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj076/ar076093

XCIII. Beiträge zum chemischen Theil der Bleichkunst; von Professor Zenneck in Stuttgart.

Mit Abbildungen auf Tab. VI.

Vorwort.

Die neuere Chemie hat bei der Bleichkunst allerdings mannichfaltige und große Verbesserungen eingeführt, indem sie die verschiedenen Bestandtheile, die bei Flachs, Hanf etc. durch die Bleichung entfernt werden sollten, besser kennen lehrte, diese und jene neue Mittel bei den Bleichprocessen, wie namentlich das Chlor und seine Verbindungen an die Hand gab und auf die Theorie dieser Processe ein Licht warf, bei dem sich diese, wenigstens besser als früher, erklärten. Aber weit gefehlt, daß durch sie jezt Alles geschehen ist, und daß der Techniker jezt nur das anwenden darf, was ihn der Chemiker in Bezug auf seine Kunst im Allgemeinen gelehrt hat, so stößt jener noch auf manche Punkte, die von chemischer Seite her noch nicht so ausgemacht sind, als für ihn zu wünschen ist und die ihn zu Fragen veranlassen, denn Beantwortung ihm nur die Chemie bei ihrer |383| speciellen Anwendung auf seine Kunst geben kann. So ist z.B. noch nicht entschieden, ob bei dem Flachs, oder Hanf und dergl. Bleichgegenständen eine Art von Kleber vorkömmt, oder ein gewisses Harz, oder sonst ein Stoff, welcher die Bleichung so sehr erschwert, noch ist das sicherste Mittel bekannt, wie man auf andere Weise, als mit Chlor die hartnäkigen Farbstoffe wegschaffen kann, noch sind die Theorien über die Bleichung mit Chlor, über die Rasenbleiche, Wasserbleiche und andere Verfahrungsarten so im Reinen, daß sich dagegen keine Einwendungen machen ließen, und daß selbst die Chemiker nicht mehr mit einander darüber stritten. Durch Personen veranlaßt, die von mir über die chemischen Verhältnisse der Bleichgegenstände Belehrung erhalten wollten, bin ich auf diese und andere Lüken in diesem Theil der Bleichkunst gestoßen, und da ich dieselben, so viel mir möglich war, bei meinen Vorträgen auszufüllen gewünscht habe, so stellte ich einige Versuche an, die den Zwek hatten, das Fehlende hiebei zu ergänzen. Haben sie zwar auch nicht alle die Aufgaben vollkommen gelöst, die ich dabei im Auge hatte, so werden doch die Resultate der meisten als Beiträge zu vollständigeren Auflösungen gelten, und die verschiedenen Apparate55), die ich zu diesen Untersuchungen eingerichtet habe, dürften wegen ihrer Bequemlichkeit selbst den Techniker veranlassen, meine Versuche zu wiederholen und manche davon nach einem größern Maaßstab anzustellen.

I. Versuche mit Flachs.

Was für Bestandtheile sind im ungebleichten Flachs mit der reinen weißen Faser verbunden und kömmt unter denselben besonders auch ein stikstoffhaltiger Theil (Pflanzenleim?) vor, wie bekanntlich angenommen wird? – Zur Beantwortung dieser Fragen wurde

A) Tauflachs und zwar

a) 100 Gr. auf folgende Weise behandelt:

1) Sie wurden mit 10 Kubikz. Alkohol von 30° Beck digerirt, kaum zum Kochen gebracht, und nach 24 Stunden mit weiterem Alkohol ausgewaschen, bis dieser farblos blieb. Der ausgepreßte und wieder getroknete Flachs hatte sich fast nicht in seiner gelblichgrauen Farbe geändert, aber an Gewicht = 6 Gr. verloren. Dieser 6 Gr. betragende Auszug sah gelblichbraun aus, erschien beim Troknen fettig, löste sich nur zum Theil in Wasser, schmolz beim Erhizen in |384| einer Glasröhre, röthete zwar Lakmuspapier nicht beim Verbrennen, bräunte aber auch nicht Curcuma und verbrannte in offener Luft mit heller Flamme.

2) Der 100 – 6 = 94 Gr. betragende Rükstand der alkoholigen Behandlung wurde mit Aezlauge erwärmt, die in 7 Kubikz. Wasser 7 Gr. Aezkali enthielt, und nach 24 Stunden unter Erwärmung mit 18 Kubikz. reinem Wasser so lange ausgewaschen, bis das Waschwasser nicht mehr auf Curcumapapier reagirt hatte. Der Verlust des Flachses, der nun getroknet mehr aschgräulich aussah, betrug = 6 Gr.; der Niederschlag dieses kalischen Auszuges mit Salzsäure war braun, trennte sich zwar wahrscheinlich wegen etwas niedergeschlagenem Fett schwer, und langsam vom Wasser durch das Filter, löste sich jedoch den andern Tag beim Auswaschen mit kaltem Wasser wieder in diesem. Beim Erhizen des gesammelten und getrokneten dunkelbraunen Rükstandes in einer Glasröhre verbrannte dieser, ohne zu schmelzen, mit einem übelriechenden Rauch, der aber weder Lakmus röthete, noch Curcuma bräunte, sondern lezteres nur durch das entstandene flüchtige Oehl färbte. Der kalische Auszug enthielt daher keinen Stikstoff.

3) Der rükständige Flachs = 100 – 12 Gr. = 88 Gr. kam in eine Mischung von 12 Kubikz. Wasser mit 1 Kubikz. concentrirter Schwefelsäure und blieb darin unter wiederholtem Schütteln 24 Stunden lang liegen. Der Flachs hatte dadurch 5 Gr. verloren und ein weißlichgraues Aussehen erhalten. Ein Theil (2 Kubikz.) von der schwefelsauren Auflösung schlug sich mit kohlensaurem Kali schmuzig blaugrün nieder und dieser Niederschlag wurde nach Wiederauflösung in etwas schwefelsaurem Wasser der übrigen Portion bei Zuguß von blausaurem Eisenkali (Blutlauge) dunkelblau. Das schwefelsaure Wasser (von beinahe 8 Proc. Schwefelsäure = 1,0544 spec. Gewicht) hatte also das Eisenoxyd gut ausgezogen; aber der Flachs ward bei dem Gebrauch dieses Reagens von der genannter Stärke sehr spröde.

b) Von demselben Tauflachs wurden 300 Gr. in einer Pfanne und hierauf in glühendem Platintiegel verbrannt und geglüht, bis die grauweiße Farbe seiner Asche sich nicht mehr veränderte; die erhaltene Asche betrug 3 Gr., also 1 Proc. des Flachses, und bestand, wie gewöhnlich die Asche von holzartigen Stoffen, aus Pottasche, da die wässerige Auflösung Curcuma bräunte, und aus verschiedenen andern Salzen und Oxyden (namentlich auch aus Eisenoxyd), die aber zusammen kaum 1/2 Gr. betrugen und auf die Farbe des Flachses wohl nur den geringsten Einfluß hatten.

c) 1000 Gr. desselben Tauflachses wurden 1) mit 3 Schoppen Alkohol von 30° Beck in etwa 4–5 Portionen desselben nach |385| einander, statt bloß erwärmt oder kaum bis zum Kochen gebracht zu werden, wirklich jedesmal 1/4 bis 1/2 Stunde lang gekocht, die noch heiße Portion Alkohol alsbald abgegossen und in einer Flasche zum Erkalten stehen gelassen. Die Kochung geschah in einer Retorte mit aufgerichtetem Hals und Vorlage, so daß die Alkoholdämpfe größtentheils wieder in die Retorte zurüktraten, und wurde nach geschehener Ausdrükung des Flachses mit einem hölzernen Stab in der Retorte unter neuem Alkoholzuguß so lange (gegen vier- bis fünfmal) wiederholt, bis sich der Alkohol nicht mehr gefärbt hatte. Bei dem Erkalten der nacheinander erhaltenen weingeistigen Auszüge erschienen jedesmal, sobald die Temperatur der Flüssigkeit bei ihrer Prüfung mit einem eingetauchten Thermometer auf etwa 45° R. gesunken war, weiße Floken 56) bei der ersten Portion, und nur bei der lezten kaum noch einige Spuren. Alle diese verschiedenen Auszüge wurden filtrirt, die weiße Substanz gesammelt und die geblichte Flüssigkeit destillirt, der in der Retorte zurükgebliebene Flachs aber nach seiner Herausnahme von dem anhängenden Alkohol durch Auspressen so viel als möglich befreit, um denselben zu den vorherigen Auszügen zu bringen und zulezt noch mit warmem reinem Wasser ausgewaschen, gepreßt und diese geistig-wässerige bräunliche Flüssigkeit abgedampft. Die Producte dieser Behandlung waren also α) der flokige Niederschlag der kaltgewordenen Auszüge, β) der Rükstand des abdestillirten Alkohols, γ) der Rükstand der abgedampften Auswaschung mit Wasser, und δ) der rükständige Flachs. Sie zeigten folgende Beschaffenheiten:

α) Der im Filter gesammelte flokige Niederschlag aus der kochendheißen weingeistigen Lösung war ganz weiß und betrug troken = 8 Gr. Er war geruch- und geschmaklos, fühlte sich zwar weich an, aber nicht gerade fett- oder wachsartig, schmolz erst bei einer Temperatur von 65–70° R., bräunte sich bald in einer Glasröhre oder auf einem Platinlöffel, verflüchtigte sich bei stärkerer Hize als scharfriechendes brenzlichtes Oehl, ohne feuchtes Curcuma zu bräunen und verbrannte zulezt mit hellgelblichter Flamme, ohne viel kohlige Theile zurük zu lassen. In siedendem Alkohol von 30° Bek löst sich dieser wachsähnliche Stoff auf und schlägt sich bei 45–50° R. daraus nieder, ohne krystallinische Form anzunehmen. Chlor löst ihn auf, wie ein festes Fett und aus dieser Auflösung schlägt er sich mit kohlensaurem Kali ohne Aufbrausen nieder. In Aezlauge wird er nur |386| bei starker Erhizung und in geringer Menge aufgelöst; nicht in kaltem, aber in kochendem Schwefeläther; auch nicht in kaltem Terpenthinöhl löst er sich auf, aber in einem etwas erwärmten leicht und bleibend. Dieser weiße Stoff ist daher kein Pflanzenfett, sondern ein fettwachsartiger Körper, der mit dem Myricin am meisten übereinkömmt; Prout's cire des feuilles et des fruits ist ihm auch sehr ähnlich.

β) Der Rükstand des mit dem Flachs gekochten und nachher abdestillirten Alkohols (einer weingelben Flüssigkeit von etwa 3 Schoppen) oder der alkoholige Extract war bitter, klebrig im feuchten Zustand, im Wasser sich erweichend und zulezt größtentheils darin auflösend, auch Feuchtigkeit anziehend, dunkelbraun und = 14 Gr. schwer. Beim Verbrennen färbte der Rauch des im Wasser aufgelösten Theils das Lakmuspapier roth und verhielt sich also wie jede stikstofffreie Pflanzenmaterie, insbesondere aber wie der sogenannte bittere Extractivstoff. Der im Wasser unauflösbare Theil des Extracts bestand aus etwas Fett, das beim Abdestilliren des Alkohols auf dem Wasser schwamm, und aus Harz, das beim Wiederauflösen des trokenen Extracts mit heißem Wasser zurük blieb.

γ) Der zulezt noch beim Auswaschen des Flachses mit Wasser erhaltene Stoff: der wässerige Extract, war gleichfalls braun, doch troken weniger dunkel als der alkoholige Extract, bitterlich und beim Verbrennen ebenfalls nur einen säuerlichen Rauch gebend; er betrug = 11 Gr.

δ) Der rükständige Flachs dieser Behandlung mit Weingeist und Wasser sah nach dem Troknen an der Sonne zwar noch nicht weiß aus, aber doch nicht mehr gelblich- oder bräunlichgrau, sondern hellaschgrau. Sein Gewichtsverlust betrug = 22 Gr., was allerdings mit der Summe seiner Auszüge (8 + 14 + 11 = 33 Gr.) nicht übereinstimmt, sich aber daraus erklärt, daß diese Auszüge, und namentlich die braunen Extracte, eine gewisse Menge von Feuchtigkeit enthalten, welche sich durch das Troknen nicht austreiben läßt.

2) Von diesem rükständigen Flachs wurden 100 Gr. mit einer Auflösung von 2 Gr. reinem Aezkali in 9 Kubikz. Wasser gegen 8 Tage lang verschlossen, unter mehrmals wiederholtem Schütteln der Sonne ausgesezt und nachher mit reinem Wasser ausgewaschen. Die Aezlauge hatte sich nun während dieser Zeit nur wenig gefärbt und bei Zuguß von reiner Salzsäure nur wenig Niederschlag, kaum 1 Gr., abgesezt; der getroknete Flachs war jedoch um etwas bleicher geworden, ohne an Stärke verloren zu haben.

3) Von demselben rükständigen Flachs wurden 500 Gr. in einer tubulirten Flasche mit 1/2 Maaß reinem Wasser so zusammen gebracht, |387| daß durch ein luftdicht eingeseztes, bis auf den Boden reichendes Rohr die äußere atmosphärische Luft auf das Wasser und den Flachs einwirken, durch ein anderes luftdicht eingeseztes Glasrohr aber, das mit einem Gasometer in Verbindung stand, ein bei der Einwirkung des Wassers und der äußern Luft auf den Flachs etwa entstehendes Gas zu dem Meßcylinder übergehen könnte. (s. Fig. 4.) Während seines Aufenthalts in dem Wasser innerhalb 10 Tage, theils in der Sonne, theils im Schatten, hatte aber der Flachs kein Gas entwikelt, sondern nur das Wasser gefärbt und auf diesem eine dünne Haut entstehen lassen. Beim Herausnehmen dieses Wassers und Ausdrüken des Flachses roch die Flüssigkeit etwas faulicht, reagirte säuerlich und hinterließ beim Troknen 10 Gr. einer grauen schleimigen Substanz, die sich durch kalten Alkohol in eine hellbraune auflösliche und in eine dunkelbraune unaufgelöste trennte, ohne jedoch nach dem Eintroknen beim Verbrennen weder in der einen, noch andern Form auf Curcumapapier eine alkalische Reaction auszuüben. Der Flachs selbst sah zwar nun getroknet etwas weißer aus, jedoch nicht mehr als die (nach 2) mit Aezlauge behandelte Portion und hatte in dem Wasser ziemlich viel von einer stikstofffreien braunen Materie verloren, aber er hatte bei dieser Behandlung sichtlich an Stärke eingebüßt.

4) Von demselben rükständigen Flachs (1), wovon nach §. 2 schon ein Theil mit Aezlauge kalt behandelt wurde, wurden nun 60 Gr. mit reiner Aezlauge, und zwar im Verhältniß von 5 Gr. Aezkali zu 6 Kubikz. Wasser viermal wiederholt gekocht, wie bei den Hanfuntersuchungen eine Hanfportion (siehe II. a. b. der Hanfuntersuchungen). Der mit reinem Wasser ausgewaschene Flachs erschien nun um vieles bleicher als nach seinen vorhergegangenen Behandlungen, ohne an Stärke viel verloren zu haben, während die erhaltene Aezkalilösung, gegen 24 Kubikz., sehr braun gefärbt war und bei Zuguß von Salzsäure einen braunen (humussäureartigen) Niederschlag gab.

Bei diesen verschiedenen Behandlungen des Tauflachses zeigte sich also 1) die mit seiner reinen Faser verbundenen Theile waren: eine Art von Fettwachs, das sich leichter durch kochenden Alkohol, als durch kochende Aezlauge ausziehen läßt, viel theils in Alkohol und Wasser, theils nur in Wasser löslicher brauner und bitterer Extractivstoff, etwas Harz und Fett, auch etwas Pottasche und andere Basen, besonders Eisenoxyde, aber keine kleberartige Materie, die Stikstoff enthielte, 2) daß kochender Alkohol (30° B.) zwar den Flachs ziemlich entfärbt, aber nicht in dem Grad, wie kochende Aezlauge; 3) daß wässerige Schwefelsäure, welche die Oxyde sehr gut auszieht, nicht zu stark seyn darf, wenn sie die Faser nicht schwächen soll, und daß |388| 4) ein langer Aufenthalt des Flachses in ruhigem Wasser bei Lufteinwirkung eine Fäulniß bewirkt, welche der Stärke der Faser schädlich ist.

B) Ungerösteter Flachs, d.h. ein Flachs, der von seiner Holzfaser durch besondere mechanische Manipulation, ohne weder auf der Wiese, noch im Wasser zubereitet worden zu seyn, befreit war, wurde 1) (360 Gr.) in zwei Phiolen vertheilt und in diesen mit je 6 Kubikz. Alkohol von 0,85 spec. Gewicht innerhalb vier Tage abwechselnd gekocht (s. Fig. 2), der noch heiße etwas gelb gefärbte Alkohol davon ausgedrükt und filtrirt, diese Operation nochmals mit 6 Kubikz. Alkohol innerhalb einiger Stunden wiederholt, und der im Flachs noch zurükgebliebene Alkohol mit etwas Wasser ausgepreßt, endlich nach erhaltenem Niederschlag in dem erkälteten Auszug dieser filtrirt, und das Filtrirte zuerst in einer Retorte und hierauf in offener Schale abgedampft. Die Resultate waren folgende:

a) Der Niederschlag in dem erkalteten Alkohol betrug kaum = 1,5 Gr. weißen fettwachsartigen Stoffs.

b) Bei dem Abdestilliren in der Retorte sammelte sich ein braunes Fett auf der Oberfläche, = 1,5 Gr.

c) Aus dem Abgedampften der Schale, an welche sich ein kleiner Theil davon als braune klebrige Substanz = 0,5 Gr. anhängte, trennte sich dieses Harz durch Kochung mit Wasser, indem sich der übrige braune Extract = 9 Gr. auflöste, und durch Alkohol ab.

Das Ganze der Abscheidung betrug also 12 1/2 Gr., und folglich in Vergleichung mit dem Extract, den früher 1000 Gr. von geröstetem Tauflachs geliefert hatten, mehr als der braune Extract von diesem; fettwachsartigen Stoff enthielt es aber verhältnißmäßig weit weniger, während sich bei jenen 1000 Gr. kein braunes Fett vorfand; es scheint demnach lezteres bei dem Rösten in eine Art von Fettwachs überzugehen, und da der ungeröstete Flachs beim Spinnen einen bittern Geschmak zeigt, so dürfte dieser wohl von der verhältnißmäßig größern Menge auflöslichen Extractivstoffes herkommen.

2) Da dieser Flachs bei der beschriebenen Behandlung kaum etwas bleicher geworden war, so kochte ich 60 Gr. desselben (mit Alkohol gekochten) mit 10 Gr. Aezkali, das in 4 Kubikz. Wasser gelöst war, also in einer Lauge, die etwas mehr als 1 Proc. festes Kali enthielt, in einer Vorrichtung, wobei sich kein Wasser verlor und wobei also die Lauge immer gleich blieb. (s. Fig. 1.) Die Auflösung, zu der gegen 6 Stunden verwandt wurden, wurde sehr braun und enthielt gegen 1 1/2 Gr. Extract. Der mit reinem Wasser |389| nach nochmaligem Kochen ausgewaschene Flachs erschien nun als ein ziemlich weißes Product.

C) Schneeflachs, der im Februar auf das Feld gelegt, unter dem darauf gefallenen Schnee bis zu dessen Schmelzung liegen geblieben und dann innerhalb 8 Tagen getroknet war, seiner Farbe nach dem Wasserflachs ähnlich, jedoch mehr weißlich- als gelblichgrau wurde.

1) 300 Gr. wurden mit 10 Kubikz. Alkohol (von 30° B.) gegen 12 Stunden lang in einem Digerirapparat mit Kühltrichter (s. Fig. 1) und nach dem Abguß des heißen Alkohols noch mit einigen Kubikzoll, wobei wieder einige Färbung entstand, erhizt.

a) Der weiße fettwachsartige Niederschlag aus dem heißen Alkohol betrug = 1,5 Gr. (wie bei dem ungerösteten) und daher weniger als bei dem Tauflachs.

b) Der bräunliche Rükstand der alkoholigen Destillation, wobei sich kein schwimmendes Oehl, wie bei dem Auszug des angerösteten Flachses, zeigte, wog = 3,5 Gr., und bestand daher in weit weniger braunem bitterm Extractivstoff, als bei dem ungerösteten, da er nach dem Verhältniß von 360 zu 300 gegen 8 Gr. davon hätte betragen sollen. Durch Einwirkung des Schnees beim Schmelzen muß also der Flachs von seinem braunen Farbstoff verloren haben.

2) 60 Gr. von dem rükständigen Flachs mit 10 Gr. Aezkali in 4 Kubikz. Wasser mehrere Stunden lang gekocht und mit kochendem reinem Wasser ausgewaschen, lieferten zwar einen braunen Auszug, aber Salzsäure schlug daraus nur wenig nieder und der getroknete Flachs hatte kaum ein weißeres Ansehen als nach der alkoholigen Behandlung erhalten. Auch hatte er kaum etwas an seiner Stärke verloren.

3) Als hierauf 40 Gr. des Rükstandes noch einmal mit 5 Gr. Aezkali und ein Paar Kubikzoll Wasser gekocht wurden, gab zwar die Lösung, die nur wenig braun aussah, mit Salzsäure einen kaum den Boden des Gefäßes bedekenden Niederschlag, und seine Farbe ward bedeutend weißer, aber nun hatte er an Stärke merklich gelitten.

Die geringe Menge von braunem Extract, welchen die Aezlauge nach dem Gebrauch des Alkohols aus dem Schneeflachs ausschied, erklärt einerseits die (dem Wasserflachs ähnliche) hellere Farbe, und macht andererseits wahrscheinlich, daß, was der kalte Alkohol noch aufgelöst enthielt, wie bei dem (späterhin untersuchten s. II. c.) Wasserhanf, vorzüglich harzartiger Extractivstoff war, daß also seine |390| Röstungsart (unter schmelzendem Schnee) mit der Wasserröstung am meisten übereinkommt.

D) Versuche mit Wasserflachs, betreffend seine Bleichung mit einer Mischung von Aezlauge und Alkohol (30° B.).

Versuchen mit Wasser- und Tauhanf zufolge (II. c.) enthält der Wasserhanf mehr harzige Theile als der Tauhanf. Da nun ein solcher vorwiegender Harzgehalt ohne Zweifel auch bei dem Wasserflachs in Vergleichung mit dem Tauflachs Statt findet, auf das Harz aber Alkohol vorzüglich wirkt, so entsteht die Frage: ob ein Wasserflachs nicht am schnellsten durch Kochung mit Alkohol (30° B.) und dazu geseztem Aezkali gebleicht, oder wenigstens zur gänzlichen Bleichung mehr vorbereitet werde, als durch bloßes Kochen mit Aezlauge? – Zur Beantwortung dieser Frage stellte ich daher folgende vergleichende Versuche mit zwei Portionen getrokneten 57) Wasserflachses (je 200 Gr.) an, indem ich eine jede derselben mit 20 Gr. reinem Aezkali und 5 Kubikz. die eine mit Wasser, die andere aber mit Alkohol von 30° B. in ein Fläschchen auf einem Digerirgestell (s. Fig. 1) so einschloß, daß die Flüssigkeit sich nicht verflüchtigen konnte. Nachdem eine jede einen Tag lang digerirt wurde und gekocht hatte, so wurde der Flachs aus einer jeden herausgenommen und ausgedrükt, dann wieder einen Tag lang mit 5 Kubikz. Wasser (die eine, wie die andere Portion) digerirt, hierauf noch einmal einen Tag lang mit gleich viel Wasser erwärmt und zulezt zum Auswaschen beim Herausnehmen am dritten Tag mit eben so viel Wasser behandelt, so daß von jeder Flüssigkeit dreierlei Extractwasser vorhanden waren, nämlich das erste am meisten laugenhaltige, ein zweites von den beiden wässerigen Digestionen und ein drittes als leztes Waschwasser. Von diesen dreierlei Extractwassern war

das erste des mit bloßer Aezlauge behandelten Flachses sehr dunkelbraun, trüb und mit einigem Niederschlag.

des mit Aezkali und Alkohol behandelten aber

schwach gelblichbraun und nach und nach Floken (von Fettwachs) absezend;

das zweite Extractwasser der ersten Portion

hellbräunlich und, nebst einigem Niederschlag, trübe;

das der zweiten Portion aber

dunkelbraun und gleichfalls mit einem Niederschlag;

das dritte Waschwasser von beiden Portionen schmuzig trübe mit etwas Niederschlag.

|391|

Der Alkohol hatte demnach (zufolge der blassen Farbe seiner Lösung) wenig auf den braunen Farbstoff des Flachses gewirkt und das Aezkali vielmehr an seiner Lösung gehindert. Nachdem nun eine jede Portion des Flachses so stark als möglich wieder auf dem Ofen getroknet worden war, so betrug der Gewichtsverlust, den die gesammte Extraction bewirkt hatte, bei der ersten (bloß mit Aezlauge behandelten Portion = 35 Gr. und bei der zweiten (mit Aezkali, Alkohol und Wasser behandelten) = 37 Gr., also bei lezterer nur 2 Gr. mehr, und die getrokneten Flachsportionen selbst sahen nicht nur überhaupt etwas schmuzig gelber aus, als der noch unbehandelte Flachs, sondern es war auch der mit Alkohol und Aezkali behandelte bräunlich gelber als der mit bloßer Lauge tractirte. Der Gebrauch des Alkohols führt also auf diese Art nicht besser zum Zwek und es ist den vorhergehenden Versuchen (I. A. c.) zufolge vortheilhafter, den Alkohol allein vor der Behandlung mit Aezlauge auf den Flachs einwirken zu lassen.

(Die Fortsezung und der Schluß folgt im nächsten Hefte.)

|383|

Diese Apparate finden sich auf Tafel VI (Fig. 15) abgebildet und sind am Ende der Abhandlung erklärt. Daß ich auf dieselbe auch meinen Gasometer für Chlorkalk- und Potascheprüfungen, dessen Erklärung sich in Buchner's Repert. XLV. H. 2 (alte Folge) findet, gesezt habe, wird manchem Techniker nicht als überflüssig erscheinen.

|385|

Solche weiße Floken erhielt auch Erxleben bei seiner Behandlung von Flachs mit Weingeist von 0,830 spec. Gewicht, als er diesen nach und nach bis zu 50° R. erhizte; nur sonderte er sie wegen ihrer geringen Menge nicht ab. (S. böhmische Leinwandbleiche, 1812, S. 254.)

|390|

820 Gr. Wasserflachs, die in kaltem Zimmer gelegen waren, auf dem sehr warmen Ofen getroknet und noch warm gewogen wurden, hatten nur noch ein Gewicht = 740 Gr. und folglich beinahe 10 Proc. Feuchtigkeit gehabt.

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