Titel: Zenneck's Beiträge zur Bleichkunst.
Autor: Zenneck, Ludwig Heinrich
Fundstelle: 1840, Band 76, Nr. CV. (S. 433–448)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj076/ar076105

CV. Beiträge zum chemischen Theil der Bleichkunst; von Professor Zenneck in Stuttgart.

Mit Abbildungen auf Tab. VI.

(Fortsezung und Beschluß von H. 5, S. 391.)

II. Versuche mit Hanf.

Der im Wasser geröstete Hanf sieht bekanntlich weißlichgelb aus, während der Wiesen- oder Tauhanf eine schmuzigere bräunlich graue Farbe hat. Woher kömmt dieser Unterschied und warum ist jener seiner schon gegebenen hellern Farbe ungeachtet schwerer zu bleichen als lezterer? Kömmt dieses und jenes von einer dabei eintretenden verschiedenen Modification der fetten und harzigen Farbtheile her, oder von einer verschiedenen Wirkung der verschiedenen Röstungsart (eine gleichförmige mit Oxyden und Salzen begabte Wassermasse, oder reines stets wechselndes63) Wasser) auf die erdigen Theile des Hanfes? – Um hierüber einige Aufklärung zu erhalten, wurden folgende vergleichende Versuche angestellt mit

a) Wasserhanf und Tauhanf.

1) 150 Gr. Wasserhanf (= A.) und eben so 150 Gr. Tauhanf (= B.) wurden mit einer Aezlauge, die aus 10 Gr. reinem Aezkali und 5 Kubikz. Wasser bestund, zusammengebracht, auf den warmen Ofen gestellt, öfters geschüttelt und nach ein paar Tagen mit reinem Wasser ausgewaschen, bis alle kalische Reaction aufgehört hatte.

Die Erfolge davon waren:

α) Die Auflösung der Wasserhanftheile (von A.) sah stark gelb aus, die der Tauhanftheile von (B.) aber bräunlichgelb. Als nun zu den beiden Auflösungen verdünnte Schwefelsäure gesezt und die Niederschläge filtrirt wurden, so war zwar die Farbe der beiden filtrirten Flüssigkeiten gleichmäßig gelblich, aber die von A. ging schneller durchs Filter, als die von B., der Niederschlag aus A. enthielt also weniger zähe Theile, als der von B.

β) Der Niederschlag aus A. sah troken bräunlichgelb aus und betrug 3 Gr., der von B. hingegen war braun und wog 4,5 Gr. also mehr, wie schon nach 1) zu vermuthen war. Beide Niederschläge verhielten sich aber beim Verbrennen in einer Glasröhre auf |434| gleiche Art: ihr Rauch roch nach verbranntem Fett und brachte keine Färbung bei feuchtem Curcumapapier hervor; die kalischen Auszüge enthielten daher keinen Stikstoff, welcher beim Verbrennen Ammoniak hätte erzeugen können.

γ) Der in Aezlauge behandelte Hanf A. hatte dadurch seine gelbliche Farbe nur wenig verändert, indem er kaum etwas weißlicher geworden, der Hanf B. hingegen sah nach derselben Behandlung mehr aschgrau als gelblichgrau und deutlich weißlicher aus, und hatte also durch die Lauge mehr von seinem Farbstoffe verloren, in Uebereinstimmung mit dem größern Gewicht seines Auszugs.

Eine Veränderung der beiden Hanfsorten in der Stärke ihrer Faser, theils in Bezug auf ihren ursprünglichen Zustand, theils in Vergleichung mit einander nach dieser Behandlung konnte nicht wahrgenommen werden.

2) 150 Gr. Wasserhanf (A.) und eben so 150 Gr. Tauhanf (B.) wurden mit 5 Kubikz. Weingeist von 30° Beck digerirt und diese Digestion nach Abgießung der gefärbten Flüssigkeit mit weiterem Weingeist ein paarmal wiederholt, bis die Färbung aufgehört hatte. Die Erscheinungen dabei waren folgende:

α) Die geistige Auflösung aus I. sah deutlich gelb aus, doch weniger stark als die kalische und sezte beim Erkalten weisliche Floken ab; die Auflösung aus b. hingegen sezte zwar auch solche Floken ab, sah aber weit weniger gefärbt aus.

β) Der abgedampfte trokene Auszug von A. wog 3,5 Gr. und hatte eine bräunlichgelbe Farbe, der von B. aber 2 Gr. und zeigte neben feiner bräunlichen Farbe noch eine grünliche. Beide Auszüge schmolzen bei der Erhizung, und rochen beim Verbrennen nach Verbranntem Fett und etwas aromatisch, ohne Curcumapapier zu bräunen. Dieser Behandlung zufolge enthielt also A. mehr harzige oder fettartige Theile als B. und lezterer, wie es scheint, ein grünliches Harz, keiner von beiden aber (wie schon die kalischen Auszüge gezeigt hatten) Stikstoff.

γ) Die beiden rükständigen Hanfsorten hatten sich bei dieser Behandlung weder in ihrer Farbe, noch in der Stärke merklich verändert, selbst nicht der Hanf B.64), der doch bei der kalischen Behandlung weislicher geworden war. Was daher dem Hanf B. die bräunlichgraue Farbe ertheilt, muß ein leichter in Aezkali als in Weingeist auflöslicher, und also ein Ulmin- oder humusartiger Stoff seyn, und da A. zwar mit Weingeist mehr Extract als B. geliefert hatte, jedoch bei bloßer Digestion damit nicht merklich weißer geworden |435| war, so scheint seine gelbliche Färbung von einem harz- und fettartigen Farbstoff herzurühren, der nur durch anhaltendes Kochen entfernt werden kann.

3) Von den nach 1) mit Aezlauge behandelten rükständigen zwei Hanfsorten wurden je 120 Gr. mit wässeriger Schwefelsäure, die aus 1/10 Kubikz. concentrirter Schwefelsäure und 9/10 Kubikz. Wasser bestund, also von spec. Gew. = 1,141 war, zusammengebracht und nach einigen Tagen mit heißem Wasser ausgewaschen.

α) Die erhaltenen sauren Flüssigkeiten waren fast nicht gefärbt, jedoch bei B. etwas grauer als bei A.

β) Die mit kohlensaurem Kali bewirkten Niederschläge waren bei beiden sehr unbedeutend, nicht gefärbt, sondern weißlicht, und enthielten erdige Oxyde.

γ) Die rükständigen Hanfsorten sahen aber nach dem Troknen beiderseits röthlich aus und hatten an Stärke entschieden verloren.

Die Farblosigkeit der schwefelsauren Lösungen und der Niederschläge zeigt an, daß die Farben der beiden Hanfsorten nicht von einem gewissen Eisenoxydgehalt herrühren, und, da die Schwefelsäure bekanntlich die organischen Stoffe mehr oder weniger röchet, so rührte die entstandene röthliche Farbe der damit behandelten Haufe von dieser Säure her.

4) Bei ähnlicher Behandlung der (nach 2) mit Weingeist vorher untersuchten Hanfsorten mit wässeriger Schwefelsäure zeigten sich keine andern Erfolge.

b) Da die gelbliche Farbe, welche bei dem Wasserhanf durch die gewöhnlichen Bleichmittel so schwer zu entfernen ist, nach den vorgehenden Versuchen (a. 1 u. 2) von einem harz- und fettartigen Stoff herzurühren schien, der sich in Aezlauge und bloß erwärmtem Weingeist nur schwer auflöste; so wurden 100 Gr. von noch unverändertem Wasserhanf

1) mit Schwefeläther digerirt – dieser lieferte einen gelblichen Extract, der nach Fett roch, leicht schmolz und mit gelblichter Flamme verbrannte. Er wog = 1 Gr. und löste sich in kochendem Alkohol und bestand in einem Gemenge von Fett und Harz. Der zurükgebliebene Hanf hatte seine gebliche Farbe noch nicht merklich verloren.

2) Alkohol von 30° B., womit der rükständige Hanf hierauf gekocht wurde, färbte sich etwas gelblich, sezte einige weiße Floken ab (ohne Zweifel dieselbe fettwachsartige Substanz, welche beim Kochen von Tauflachs mit Alkohol erhalten wurde), und hinterließ beim Abdestilliren einen bräunlichen Extract = 3 Gr., der sich mit heißem Wasser in eine graue harzartige und eine braune, bittere und extractartige |436| Substanz trennte. Nach dieser Behandlung hatte der Hanf schon merklicher von seiner gelblichen Farbe verloren.

3) Als der von seinem Alkohol befreite Hanf nun mit reinem Wasser geschüttelt und eine halbe Stunde damit stehen gelassen wurde, so erschien dieses sehr trübe. Es wurde daher dasselbe abgesondert, filtrirt und nach abermaligem Wasserzuguß diese Behandlung so lange wiederholt, bis die Trübung des Wassers aufgehört hatte. Das im Filter Zurükgebliebene sah schmuziggrau aus, war sehr schleimig, zähe und schien eiweißartig zu seyn, getroknet = 1 Gr. und von grauer Farbe, färbte aber beim Verbrennen Curcumapapier nicht braun und war also nur Pflanzenschleim. Das filtrirte Wasser (etwa zwei Schoppen) hinterließ beim Abdunsten einen gelblichbraunen bittern Extract = 1 Gr. und der rükständige ausgepreßte und an der Sonne getroknete Hanf hatte jezt seine gelbliche Farbe in eine graulichweiße verwandelt.

4) Von diesem graulichweißen Hanf wurden nun 80 Gr. mit einer Auflösung von 2 Gr. reinem Aezkali in 9 Kubikz. Wasser (wie bei dem Flachs 100 Gr.) 8 Tage lang verschlossen der Sonne ausgesezt, um ihm seine graulichweiße Farbe zu nehmen. Das Aezkali hatte aber nur wenig von ihm aufgenommen, so daß sich der Niederschlag mit Salzsäure kaum auf 1 Gr. belief, und der Hanf zeigte nach seinem Troknen keine weiße Farbe, sondern eher wieder statt der graulichen einen Stich ins Röthlichweiße, wie wenn die kalte Aezlauge den Farbstoff wieder hätte hervortreten lassen.

5) Um dem Wasserhanf aber diese röthliche Farbe zu nehmen, kochte ich ihn mit Alkohol von 30° B., wusch ihn nach seiner Herausnahme aus dem Gefäß mit reinem Wasser aus und sammelte sowohl den weißen fettigen Niederschlag aus dem Alkohol, als auch den braunen geistig wässerigen Extract, der so wenig als bei dem Tauhanf einen stikstoffartigen Körper enthielt. Der Hanf hatte jezt zwar sein röthlichgelbes Aussehen verloren und ein mehr weißgraues erhalten; da er jedoch noch lange nicht weiß aussah, so behandelte ich ihn noch einmal mit Aezlauge auf folgende Weise:

6) Der mit Alkohol gekochte und ausgewaschene Hanf = 57 Gr. wurde mit 20 Gr. Aezkali in 4 Portionen je mit 6 Kubikz. Wasser, so daß jede Auflösung gegen 3/10 Proc. Aezkali enthielt, so lange gekocht, bis seine Bleichung merklicher als früher wurde. Diese ward nun auch wirklich bedeutender nach dem Auswaschen mit Wasser und die rükständige Lauge zeigte sich sehr braun gefärbt, und gab auch mit Salzsäure einen hellbraunen humusartigen Niederschlag.

c) Wasserhanf und eben so Tauhanf (75 Gr. von jedem) wurden mit 6 Kubikz. Alkohol (26° B.) und hierauf noch einmal |437| mit 4 Kubikz. nach der bei (I. B. Fig. 2) angegebenen Weise abwechselnd gekocht, bis leine merkliche Färbung, noch ein Niederschlag nach Abgießung der heißen Auflösung bei ihrer Erkältung mehr eintrat.

Der Wasserhanf lieferte aber alsdann einen dem Volumen nach geschäzten kleineren Niederschlag als der Tauhanf und zeigte also weniger Gehalt an weißem fettwachsartigen Stoff als lezterer. Umgekehrt lieferte aber der Wasserhanf einen größern alkoholigen bräunlichgelben, harzigen Extract = 3 Gr. als der Tauhanf, der = 2 Gr. dunkelbraun und in Wasser leicht auflöslich war. Es scheint also der fettwachsartige Stoff mehr bei gleichzeitiger Einwirkung der Luft und des Wassers, als durch lezteres allein zu entstehen, jedenfalls aber wahrscheinlich aus den harzigen extractiven65) Theilen, da sich diese beim Wasserhanf noch in größerm Verhältniß zeigten, als beim Tauhanf.

Bei dieser Behandlung mit 10 Kubikz. Alkohol hatten die beiden Hanfe übrigens an Entfärbung nicht gewonnen, vielmehr sahen sie jezt schmuziger aus und zwar der Wasserhanf röthlichgrauer und der Tauhanf dunkler aschgrau, auch zogen sie an der Luft nach mehreren Tagen wieder Feuchtigkeit an, weil sich ihr Extractivstoff jezt wahrscheinlich mehr an die Oberfläche gezogen hatte. Eine ähnliche, wenigstens scheinbar nachtheilige Wirkung des Alkohol auf den Entfärbungsproceß zeigte sich auch bei dem Wasserflachs (I. D.), indem dieses Reagens auch hier den braunen Farbstoff statt ganz auszuziehen, zum Theil an die Oberfläche zu bringen schien. Daß aber dieser scheinbare Nachtheil bei einem nachfolgenden Gebrauch von Aezlauge aufgehoben werde, indem diese alsdann um so sicherer entfärbt, erweist sich aus den Versuchen mit Tauflachs, der nach (I. A. c.) zuerst mit Alkohol und dann mit Aezlauge gekocht worden war.

III. Versuche mit verschiedenen bei der Behandlung von leinenen und wollenen Zeugen vorkommenden Gegenständen.

a) Versuche, die Theorie der Bleichung mit Chlor betreffend.

Der gewöhnlich angenommenen Theorie der Bleichung mit Chlor zufolge zersezt das Chlor das Wasser, in welchem der Bleichgegenstand liegt, in Wasserstoff- und Sauerstoffgas, verbindet sich mit jenem zu Salzsäure und der Sauerstoff verbindet sich mit den Farbstoffen des Gegenstandes. Wäre diese Theorie richtig, |438| so müßte eine unmittelbare Herbeiführung des Sauerstoffs zu den Bleichgegenständen vortheilhaft seyn, und ich stellte daher auch in zwei Fläschchen mit Tauflachs, wovon das eine 10 Kubikzoll atmosphärische Luft mit 2 Kubikz. Wasser und das andere eben so viel Sauerstoffgas und Wasser enthielt, vergleichende Versuche an. Die Resultate waren jedoch zu wenig entscheidend, als daß sie ohne Wiederholung in größerem Maaßstabe für oder gegen diese Theorie etwas beweisen könnten. Ich habe aber dieser Theorie deßwegen nie sehr beigestimmt, weil bekanntlich diese Verwandlung des Chlors durch Wasser in Salzsäure sehr langsam vor sich geht, die Bleichung eines vegetabilischen Stoffes durch Chlor aber einen sehr raschen Gang befolgt. Um übrigens noch meine Zuhörer von der Langsamkeit dieser Chlorverwandlung in Salzsäure durch ein bestimmtes Experiment zu überzeugen, schloß ich in ein Fläschchen von 5 Kubikzoll Inhalt frisch bereitetes Chlorgas mit einem Kubikzoll Wasser luftdicht ein und stellte das Gefäß in die Sonne. Nach zwei Wochen war aber die grünlichgelbe Farbe des Gases noch darin sichtbar, und verschwand erst vollkommen nach ein paar Monaten. Alsdann wurde das Fläschchen unter Wasser geöffnet; hiebei trat nun zwar über die Hälfte des Gefäßinhalts Wasser ein und lezteres färbte alsbald Lakmuspapier roth, aber das Fläschchen selbst roch noch sehr nach Chlor und das eingetretene Wasser bleichte solches Papier noch augenbliklich vollkommen; es war also von den 4–5 Kubikz. Chlorgas nur ein Theil in Salzsäure verwandelt, der übrige Theil aber von dem eingeschlossenen Wasser absorbirt, jedoch nicht verändert worden. Nun geht die Bleichung mit Chlor oder mit irgend einer chlorhaltigen Flüssigkeit sonst immer weit rascher vor sich, als die auf irgend eine andere Weise bewirkte. Es dürfte daher nicht unwahrscheinlich seyn, daß das Chlor entweder unmittelbar den Wasserstoff der Pflanzenfarben an sich reißt, und dadurch die Bleichung hervorbringt, oder, daß es sich als Chlor oder als Salzsäure mit den Farbstoffen zu leichten auflöslichen Körpern verbindet, besonders da man weiß, daß Chlor den Schleim in Citronensäure und das Fett in Chlorwachs verwandelt, das Stärkmehl sauer macht, und daß salzsaures Gas mit Terpenthinöhl eine Art Kampher hervorbringt. Nur fragt es sich hier namentlich, was aus dem gewöhnlich braunen Extract wird, den man bei Behandlung des ungebleichten Flachses und Hanfes mit Alkohol und Lauge erhält? In dieser Hinsicht wurden folgende Experimente angestellt.

1) Der dunkelbraune Extract einer Behandlung des Flachses mit Alkohol und nachherigem Wasser, wurde im Wasser wieder bis auf eine geringe unlösliche Portion aufgelöst und einem langsam sich |439| entbindenden Strom von Chlorgas ausgesezt. (Siehe Fig. 3). Nach ein paar Stunden wurde der Extract hellbraun, dann gelblichbraun und zulezt hell schwefelgelb. Beim Abdampfen des herausgenommenen Gemenges von Flüssigem und Festem hörte die Verflüchtigung von Chlor und Salzsäure bald auf, und auf dem Boden der Schale erschienen bräunliche pulverartige Theile, während die Flüssigkeit dunkler gelb wurde. Nach dem Filtriren zeigte der zurükgebliebene Extrat keine saure Reaction, war nicht ganz in Wasser auflöslich und noch weniger in Alkohol, hatte auch beim Eintroknen über Wasserdämpfen eine etwas hellere Farbe angenommen als der ursprüngliche Extract; das Filtrat aber, das beim weitern Abdampfen dunklergelb geworden und bei stärkerer Erhizung salzsaure Dämpfe ausstieß, auch mit kohlensaurem Kali stark aufbrauste, hörte bei Wasserzusaz und abermaligem Abdampfen auf, saure Dämpfe auszustoßen und wurde zulezt schmuzigweiß und im Wasser, wie in Alkohol sehr wenig auflöslich. Sobald aber Schwefelsäure darauf gegossen wurde, erschienen wieder saure Dämpfe, die mit ammoniakhaltigem Papier weißlicht wurden und daher Salzsäure waren. Allen diesen Erscheinungen zufolge hatte sich also der Extract mit dem Chlor oder der daraus entstandenen Salzsäure verbunden und dadurch seine dunkle Farbe verloren; und da wenigstens der größere Theil des Extracts seine Auflöslichkeit im Wasser und Alkohol verloren hatte, so wurde er wahrscheinlich seiner Bestandtheile nach verändert.

2) Eine Auflösung der Häute von schwarzen Trauben in Wasser, die dunkelrothbläulich aussah, wurde mit den noch schwarz aussehenden Häuten einem langsamen Chlorgasstrom bei einer Vorrichtung (siehe Fig. 3) ausgesezt, wobei das überflüssige Chlorgas in Ammoniak zersezt und ein anderes zugleich etwa sich bildendes kohlenstoffhaltiges Gas entweder von dem Ammoniak aufgenommen oder in einem mit Salzwasser angefüllten Meßcylinder aufgefaßt werden konnte. Nach mehreren Stunden, während welchen das Ammoniak einiges Chlorgas aufgenommen und statt dessen sein entsprechendes Stikgas in den Meßcylinder hatte übergehen lassen, wurde die dunkelrothe Auflösung röthlichgelb und selbst ein großer Theil der Häute hatte eine gelbliche Farbe angenommen.

a) Die röthlichgelbe Auflösung reagirte während des Abdampfens, so lange sie noch viel Wasser enthielt, zwar als Dampf nicht saurer; sobald sie aber dichter und zugleich dunkler rothgelb, zulezt bis ins Schwarzbraune geworden war, fing sie an Salzsäure zu entwikeln und zeigte diese ebenfalls bei Aufguß von concentrirter Schwefelsäure durch weiße Dämpfe an, als ein Stöpsel mit Ammoniak darüber gehalten wurde. Als nun zu einer Portion der dunkelbraunen |440| Flüssigkeit Ammoniak gegossen wurde, so gab sie zwar wieder weißlichte Dämpfe (Salmiakdämpfe), aber die frühere dunkelrothe Farbe kehrte nicht wieder, vielmehr wurde die Mischung nur hellbraun.

b) Bei den mehr oder weniger gelblich gewordenen Häuten war weder bei dem Eintroknen, noch bei Zuguß von Schwefelsäure viel Salzsäuregehalt wahrzunehmen; als aber Ammoniak oder Pottasche mit ihnen gemischt wurde, so nahmen sie alsbald ihre ursprünglich röthlichschwarze Farbe wieder an. Der Farbstoff war bei ihnen also nicht, wie bei dem durch Wasser erhaltenen Auszug durch das Chlor vertilgt.

c) Ein kohlehaltiges Gas, als z.B. Kohlensäure oder Kohlenwasserstoffgas, konnte weder in dem Ammoniakgefäß, noch in dem Meßcylinder neben dem Stikgas aufgefunden werden.

Was daher der erste Versuch mit dem in dem Flachs vorkommenden braunen Farbstoff schon gelehrt hatte, daß nämlich sich dieser jedenfalls mit dem Chlorgas (als Salzsäure) in eine innige Verbindung sezt und durch diese Verbindung für das Auge mehr oder weniger verschwindet, das zeigte auch hier der zweite Versuch, welcher mit einem ausgezeichneten andern Farbstoff angestellt worden ist.

Ist aber diese Folgerung aus den angestellten Versuchen richtig, so ist weder die (um mich kurz auszudrüken) Sauerstofftheorie (der Chlorwirkung durch den Sauerstoff des Wassers auf die Farbstoffe), noch die Wasserstofftheorie, nach der das Chlor den Wasserstoff der leztern an sich risse und sie dadurch zerstörte, anzunehmen, sondern eher die Theorie einer unmittelbaren Verbindung 66) mit dem Ganzen, oder vielleicht auch zum Theil veränderten Farbstoffe; und da diese salzsaure Verbindung in Wasser nicht sehr löslich ist, so folgt daraus, daß dieses nicht hinreicht, die Wirkungen dieser Verbindung, die dem Bleichgegenstand bei längerem Aufenthalt schädlich seyn müssen, aufzuheben, und daß zu ihrer Herausschaffung kräftigere Mittel, wie namentlich starke Lauge, angewandt werden müssen.

b) Vergleichende Versuche mit verdünnter Schwefel- und Salzsäure.

Um die erdigen Salze, besonders die Kalksalze aus der Leinwand bei der Bleichung abzutrennen, hat man neuerdings Salzsäure |441| vorgeschlagen, statt verdünnter Schwefelsäure, weil der salzsaure Kalk ungleich löslicher in Wasser ist, als der Gyps, der bei solchem sauren Bad entstehen kann. Es fragt sich aber, ob die Salzsäure die Leinwand nicht mehr als die Schwefelsäure67) angreift und sie vielleicht nicht bei einem niederen Grad ihrer Stärke weniger schädliche Folgen hat? – Die in der Hinsicht angestellten Versuche mit schlesischer Leinwand waren folgende: je 5–6 Quadratzoll davon wurden in 5 Kubikzoll sehr verdünnter Schwefelsäure und eben so von Salzsäure zwei Tage lang eingetaucht erhalten. Die mit Beck's Säurearäometer gemessene Stärke der Säure war bei

Nr. 1 = 1° ( = 10° des Essigaräometers.)
Nr. 2 = 1,5° ( = 15° – )
Nr. 3 = 3,0° ( = 30° – )

Die Leinwandstüke wurden vor dem sauren Bad mit heißem Wasser ausgewaschen und eben so wiederum nach demselben, so daß sich bei Auflegung von Lakmuspapier kaum noch eine Spur von Säure bei ihm gezeigt hatte. Nach ihrer Troknung ergab sich bei der Prüfung des Einflusses der angewandten Säuren Folgendes: das Bad von Nr. 1, sowohl das salzsaure als das schwefelsaure, hatte die Faser nicht angegriffen, aber das von Nr. 2 jedoch nur das salzsaure und kaum das schwefelsaure; stärker und sichtlicher hingegen Nr. 3 von beiden Arten Säure. Aus diesen Versuchen folgt also, daß zwar ein salzsaures Bad bei einem höhern Grad der Stärke als 1° B. die Faser mehr angreift, als ein schwefelsaures derselben Stärke, bei jenem Grad (1° B.) hingegen, und um so weniger bei niedrigerem (nach dem Essigaräometer) der Faser nicht schädlich ist.

c) Untersuchung geschwefelter Tücher.

Nach Grotthuß (siehe Berzel. Lehrb. der Chem. I. S. 470) verbindet sich bei dem Schwefeln der Tücher die schwefliche Säure mit den Farbstoffen zu weißlichter Materie; nach Andern aber bedekt nur der Schwefel die Oberfläche der Tücher und diese Bleichweise ist jedenfalls so wenig dauerhaft, daß wohl eine solidere zu wünschen wäre. Um darüber in beiderlei Hinsicht durch eigene Versuche belehrt zu werden, kochte ich 1) ein Stük geschwefelten Flanells mit Alkohol (25° B.); der geringe Rükstand des Auszugs = 1 Gr. roch aber bei dem Verbrennen nicht schweflichsauer, und es war demnach kein Schwefel vom Alkohol aufgelöst worden. 2) Ein anderes |442| Stük von solchem Flanell, das mit Aezlauge kalt behandelt worden war, lieferte a) beim Ausdrüken eine trübe Lösung, die eingetroknet mit Schwefelsäure zwar einen weißlichten Niederschlag, aber keinen Geruch nach schweflicher Säure, noch nach Schwefelwasserstoff gab, und b) eine helle Lösung, die beim Aufgießen von Schwefelsäure einen dem Schwefelwasserstoff ähnlichen widrigen Geruch erregte, so daß die Aezlauge wenigstens keine schwefliche Säure aufgenommen zu haben scheint. 3) Ein drittes größeres Stük desselben geschwefelten Flanells, gegen 10 Quadratzoll groß, wurde in einer Retorte mit reinem Wasser (gegen 8 Kubikz) mehrere Stunden lang gekocht und die Vorlage immer kalt erhalten; das übergegangene Wasser färbte nun Lakmuspapier roth und roch auch nach Schwefelwasserstoffgas, während das zurükgebliebene Wasser der Retorte keine Reaction zeigte; schwefliche Säure war also wohl schwerlich in dem geschwefelten Flanell, sondern entweder Schwefelwasserstoffsäure oder Schwefel, der das kochende Wasser zersezt und jene Säure erst gebildet hatte.

Diesen Versuchen zufolge scheint mir daher bei der Schwefelung der wollenen Zeuge nicht sowohl eine Verbindung mit schweflicher Säure (wenigstens nicht als eine bleibende Verbindung), sondern eher eine Bedekung mit Schwefel Statt zu finden, der sich durch Zersezung der innern oder äußern Feuchtigkeit mehr oder weniger in Schwefelwasserstoff verwandelt und durch diesen die bekannte Schwärzung benachbarter Silberstoffe hervorbringt. – Was aber die versuchte Herausschaffung des braunen Farbstoffs des Flanells durch Alkohol oder kalte Aezlauge betrifft, so führte sie durchaus nicht zum Ziel, da die auf diese Art behandelten Stüke insgesammt nach dem Troknen schmuziger aussahen, als so lange sie der Schwefel noch bedekt hatte.

d) Untersuchung der Weizenstarke in Vergleichung mit Kartoffelstärke.

Die Stärke des Weizenmehls wird bekanntlich bei dem Stärken der Zeuge der des Kartoffelmehls vorgezogen, weil sie bei feuchter Luft nach ihrer Anwendung mehr Haltbarkeit zeigt als leztere, und die Weber schreiben ihr daher, im Gegensaz zu der Kartoffelstärke, mehr Leim zu. Es ist also nicht bloß wichtig, ein sicheres Unterscheidungszeichen dieser beiden Stärkearten zu haben, sondern es fragt sich auch, ob die Weizenstärke wirklich einen gewissen leimartigen Stoff enthalte, der sie bei ihrem Gebrauch gegen Erweichung der Zeuge durch die Feuchtigkeit der Luft schüzt.

1) Zur Unterscheidung der Kartoffelstärke von der Weizenstärke hat nun vor einigen Jahren Marozeau (Erdmann's Journ. der |443| techn. Chemie XVI. H. 2) angegeben, daß man 1 Quentchen der Stärke mit 1/2 Kubikz. concentrirter Schwefelsäure mischen und dann noch 1/4 Kubikz. Wasser darauf gießen soll und daß man alsdann bei der Kartoffelstärke einen ameisensäureähnlichen Geruch empfinden werde, während er bei der Weizenstärke ausbleibe. Dieses Kennzeichen ist nach den von mir angestellten mehrfachen Proben68) richtig; nur ist der bei der Kartoffelstärke eintretende Geruch nicht sowohl ein ameisenartiger, sondern vielmehr ein faulichter Geruch, der vielleicht von dem Fuselöhl der Kartoffeln herrühren konnte, und wenn Marozeau behauptet, daß man mit diesem Mittel selbst noch 1/50 Kartoffelstärke, die mit Weizenstärke gemengt wäre, darin erkennen könnte, so dürfte hier einige Uebertreibung Statt finden. Uebrigens ist der Stoff, welcher der Kartoffelstärke diesen Geruch ertheilt, von der Art, daß man ihn bei einer Destillation von verdünnter Salzsäure mit solcher Stärke in der Vorlage erhält, und daß das erhaltene Destillat nicht sobald seinen Geruch verliert.

2) Um zu finden, ob die Weizenstärke wirklich einen gewissen leimartigen Stoff enthalte, kochte ich 1/2 Loth davon mit Alkohol von 0,85 spec. Gewicht über eine Stunde lang und filtrirte das Gekochte noch siedend heiß; die filtrirte Flüssigkeit sah schmuzig gelblich aus und ließ bei dem Abdestilliren einen honiggelben klebrigen Stoff zurük, der bei dem Verbrennen in einer Glasröhre Curkumapapier durch seinen Rauch bräunte, wie der Pflanzenleim des Klebers. Kartoffelstärke hingegen, die auf gleiche Weise mit Alkohol gekocht ward, lieferte kein gelbliches Filtrat, sondern nur ein weißlichtrübes, das, ohne beim Verbrennen Curcuma zu bräunen, nur durch eine geringe Menge aufgelöster Stärke seine Farbe erhalten hatte. Die bessere Beschaffenheit der Weizenstärke kömmt also wahrscheinlich von dem Pflanzenleim her, als einem Klebertheil, welcher bei dem Abschlämmen des Weizenmehls mit kaltem Wasser sich nicht ganz vollkommen abtrennt.

Anhang:
betreffend den Gebrauch des Gasometers (Fig. 5) bei Prüfungen von flüssigen Chlorverbindungen und aufgelöster Pottasche.

In Buchner's Repertorium XLV. H. 2 (alte Folge) findet sich zwar eine Beschreibung meines pneumatischen Chlorometers und Anleitungen zu seinem Gebrauch bei Prüfungen von Chlorkalk, von |444| Säuren (als Acidometer), von Salzen, die Kohlensäure enthalten (als Antracometer) etc. – Es ist aber weder hier, noch in andern Journalen, wo dieses Instrument erklärt wird, das Verfahren angegeben, nach welchem 1) ein bereits in Wasser aufgelöster Chlorkalk, oder bloßes Chlorwasser, mit einem Wort: eine liquide Chlorverbindung – 2) unter den kohlensauren Salzen, namentlich das basisch kohlensaure Natron (Soda), sey es im festen oder aufgelösten liquiden Zustand gegeben, geprüft werden kann. Nun kommt es aber nicht selten vor, daß man wissen will, wie stark ein bereits gebrauchtes Chlorwasser noch ist, um zur Bleichung eines weitern Gegenstandes gebraucht werden zu können, und eben so, wie stark eine schon angewandte Lauge ist, um etwa noch zu weiteren Zweken zu dienen. Ich will daher für diese beiden Fälle angeben, wie man dabei den Gasometer gebrauchen kann:

1) Prüfungsart bei einer liquiden Chlorverbindung.

Wenn eine in Wasser aufgelöste Chlorverbindung, wie z.B. flüssiger Chlorkalk in der tubulirten Flasche des Gasometers (Fig. 5 B.) mit aufgelöstem, also gleichfalls flüssigem phosphorsaurem Ammoniak zusammen käme, so würde die Zersezung des Ammoniaks durch das Chlor so schnell vor sich gehen, daß dabei während des nach offenen Zustandes der Flasche leicht von dem entwikelten Stikgas verloren gehen kann. Um daher einen solchen Verlust zu vermeiden, muß das phosphorsaure Ammoniak in fester Gestalt als grobes Pulver auf die flüssige Chlorverbindung der Flasche geschüttet und diese hierauf schnell geschlossen werden. Bei 1 Kubikz. eines auch starken in Wasser aufgelösten Chlorkalks (30 Gr. bei etwa 20 Proc. Chlorgehalts) sind 10 Gr. von phosphorsaurem Ammoniak mehr als hinreichend, da eine solche Auflösung 6 Gr. Chlor enthält und 6 Gr. Chlor 9 Gr. phosphorsaures Ammoniak fordern. Gesezt also z.B., man habe in die Prüfungsflasche 4 Kubikz. Chlorkalkwasser gebracht, 40 Gr. von dem pulverisirten Salze69) eingeschüttet und nach gehöriger Erwärmung und darauf geschehener Abkühlung bei 12–15° R. 6,4 Kubikz. Stikgas erhalten, so enthielten die 4 Kubikz. Flüssigkeit 6,4/0,4 Gr. Chlor. Nun gehen beinahe 26 rhein. Kubikz. auf einen würtembergischen Schoppen und 104 Kubikz. auf ein Maaß, man kann daher aus jenem gefundenen Verhältniß von 4 Gr. Chlor in 1 Kubikz. Chlorwasser leicht finden, wie viel Loth oder Pfund Chlor |445| in einer großen Masse von gegebenem Chlorkalkwasser vorhanden seyn muß. Weiß man, wie viel Chlorkalk zu einem andern Chlorkalkwasser gebraucht worden ist, und wie viel Chlor der hiezu gebrauchte Chlorkalk enthielt, so läßt sich die Stärke (der Chlorgehalt) beider Chlorkalkwasser mit einander vergleichen.

2) Prüfungsart von Pottasche.

Nach Berand 70) enthalten 100 Gr. des halbkohlensauren Kali's (reiner Pottasche) 29,79 Gr. Kohlensäure = 55,2 rhein. Kubikz.; aus 10 Gr. dieses Salzes entwikelt sich daher bei Einwirkung einer stärkeren Säure 5,5 Kubikz. Kohlensäure, die zur Verhütung ihrer Einsaugung eine gesättigte Auflösung von Bittersalz fordert.

a) Ist nun die Pottasche (rein oder unrein) in fester Gestalt zu prüfen, so bringt man eine Mischung von 4 Vol. Wasser mit 1 Vol. concentrirter Salzsäure zusammen und gießt davon 1 rhn. Kubikzoll in die Entwiklungsflasche des Gasometers (was hinreicht, um damit aus mehr als 100 Gr. reiner Pottasche71) alle Kohlensäure auszutreiben); dann wirft man 10 Gr. oder mehr von der zu prüfenden Pottasche, in etwas Filtrirpapier eingepakt, in die saure Flüssigkeit, schließt sogleich die Flasche, erwärmt diese, und sieht, wenn keine Gasblasen mehr erscheinen, nach eingetretener Abkühlung auf die Grade des Gasometers. Haben z.B. 10 Gr. eines solchen Salzes 4 Kubikz. kohlensaures Gas entwikelt, so enthielt es nach der Proportion: 5,5 Kubikz. Kohlensäure: 10 Gr. reine Pottasche = 4 Kubikzoll Gas : X = 7,25 Gr. reine Pottasche, und das Uebrige bestand aus andern Salzen.

b) Ist aber die Pottasche in Wasser aufgelöst und in diesem Zustand zu prüfen, so muß zur Austreibung ihrer Kohlensäure eine feste Säure gewonnen werben, damit jene sich nicht zu schnell entwikele und etwas von ihr verloren gehe. Zu diesem Zwek läßt sich Weinsteinsäure, Kleesäure, Boraxsäure etc. anwenden. Um nun bei 100 Gr. von reiner Pottasche alle Kohlensäure auszutreiben, braucht man von der Weinsteinsäure 141 Gr., von der Kleesäure 250 Gr., von der Boraxsäure 130 Gr., u.s.f., und 1 rhein. Kubikz. einer gesättigten Auflösung von einer durch Wiederkrystallisiren gereinigter (nicht chemisch reiner) Pottasche enthält bei einem Gewicht von 333,3 Gr. von dieser Pottasche72) 83,3 Gr., so daß ein rhein. Kubikzoll dieser |446| Flüssigkeit gegen 100 Gr. Weinsteinsäure fordern würde. Da aber eine unreine Pottasche-Auflösung bei gleichem spec. Gewicht, das bei jener 1,153 ist, 1/3 – 1/2 reine Pottasche enthalten mag, so kann man nach Eingießung von 1 rhein. Kubikz. unreiner Pottaschenlösung in die Entwiklungsflasche, wenn sie gesättigt ist, mit 40 bis 50 Gr. Weinsteinsäure ausreichen, nach Eingießung von 1/2 Kubikz. aber und Verdünnung mit 1/2 Kubikz. Wasser, mit 20–25 Gr., die man in Filtrirpapier gepakt, hineinwirft; ja, in vielen Fällen genügen schon 10–15 Gr., um 1/2 Kubikz. einer solchen Auflösung zu zersezen. Zur Versicherung jedoch, daß alles zersezt sey, ist es übrigens gut, nach geschehener Beobachtung der Grade an dem Meßcylinder die restirende Flüssigkeit zu untersuchen, ob sie Lakmuspapier noch bläut oder röthet, da in jenem Fall eine größere Menge von Säure zu derselben Menge von Pottascheflüssigkeit eingetragen werden müßte. Wenn aber bei solchem Papier Röthung eingetreten ist, so ist Wiederholung des Versuchs mit mehr Weinsteinsäure überflüssig und man hat, um aus den beobachteten Kubikzollen von Kohlensäure die Gewichtsmenge von reiner Pottasche in der geprüften Pottaschelösung zu berechnen, nur die obige Proportion: (siehe a.) 5,5 Kubikz. verhalten sich zu 10 Gr. reiner Pottasche, wie die beobachtete Kohlensäuremenge zu der gesuchten reinen Pottasche in der unreinen, anzuwenden.

Erklärung der Apparate.

Fig. 1. Einfaches Digerir- (oder auch Koch-) Gestell mit seinem Kühltrichter.

A Sturzscheibe, als Boden für die Phiole B, angelöthet an die

a, a', a'' drei Drahtstangen, an welche unten gleichfalls angelöthet ist ein

A' Sturzboden für die Lampe L.

B Phiole oder Glaskolben, der auf einem eisernen Reif b ruht, oder auch in einem Kreisausschnitt von A' sizen kann.

C Blechtrichter, in welchem ein zinnernes Schlangenrohr zur Abkühlung der Dämpfe eingelöthet ist. Er läuft in den drei Stangen vermittelst seiner drei Oehrchen c, c' und c''.

Bei Erhizung des Alkohols, der Lauge etc. mit dem Flachs in B fallen die Dämpfe vom Schlangenrohr S des mit kaltem Wasser gefüllten Trichters wieder zurük und man hat nur jenes von Zeit zu Zeit (durch einen Heber, oder einen Hahn H) abzulassen, und es mit kaltem zu ersezen.

Fig. 2. Abwechselnder Digerir- (oder Koch-) Apparat ohne Kühltrichter.

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A Retortengestell mit seinen

a, a', a'' drei durch Schrauben (oder durchbohrte Korke) beweglichen Stangen.

B, C Glaskolben, die durch ein doppeltwinkliches Glasrohr b mit einander luftdicht in Verbindung stehen, so daß die heißen Dämpfe des einen Kolbens in den anderen übergehen.

R Ein Metallring mit seinen Füßen r, r' und r'' , als Stellvertreter der Ringe und Stangen eines Retortengestells. (In Ermanglung des leztern wird das Glasrohr an irgend eine Stange festgebunden.) Sobald die meisten Dämpfe vom Kolben B z.B. in den Kolben C übergegangen sind, wird die Lampe L von B hinweg unter C gestellt.

Fig. 3. Apparat zur Untersuchung der Chlorwirkungen auf Farbstoffe.

A Träger mit seiner Stange, Ring und Schraube a.

B Glaskolben, der Salzsäure mit Braunstein enthält, durch b verbunden mit

C tubulirte Flasche, die den zu entfärbenden Körper enthält, durch c verbunden mit

D tubulirte Flasche mit Ammoniakwasser, so daß das überschüssige Chlor hier zersezt wird und statt seiner Stikstoff nebst dem Gas, das etwa in C aus dem Farbstoff entsteht, übergeht durch d in die

E Schüssel, wo es aufgenommen wird von einem

G graduirten Glascylinder, der mit dem Salzwasser der Schüssel gefüllt ist.

F Einfache Flasche mit Kalkmilch, die man an die Stelle von D und E sezen kann, wenn man bloß Chlor nach C auf eine Art leiten will, bei welcher das überschüssige Gas absorbirt wird.

Das Salzwasser der Schüssel E und des Cylinders G ist am besten Bittersalzlösung; um nun zu finden, ob der Cylinder G einen Kohlenwasserstoff erhalten hat, so wird er mit einer Glasscheibe bedekt umgekehrt und im Augenblik des Wegschiebens von dieser eine brennende Kerze in ihr eingetaucht. Sollte in C Kohlensäure entstanden seyn, so zeigt sie sich theils im Ammoniak von D (durch Aufbrausen mit einer Säure), theils in G (durch Absorption beim Einbringen von Aezkali unter der Sperrflüssigkeit).

Fig. 4. Einrichtung zur Untersuchung der Wirkung von bloßem mit der Atmosphäre in Verbindung stehendem Wasser auf einen Bleichgegenstand.

A Tubulirte Flasche, durch welche einerseits eine Glasröhre a bis gegen ihren Boden hin luftdicht geht und von der andrerseits |448| eine gekrümmte Glasröhre b entweder in eine Schüssel (Fig. 3 E) unter einen Cylinder G, oder in einen Gasometer (Fig. 5) läuft.

Entstehen bei der gleichzeitigen Einwirkung des Wassers und der Atmosphäre (durch die Röhre a) Gase, so gehen sie entweder für sich in den Gasrecipienten über, oder sie lassen sich aus dem Wasser durch Erwärmung von A oder durch Salzsäure, die durch die Röhre a eingegossen wird, austreiben und alsdann (wie bei dem Apparat von Fig. 3) untersuchen.

Fig. 5. Gasometer zu Chlorkalk- und zu Pottascheprüfungen.

A Glascylinder mit Fuß zur Aufnahme des

C Meßcylinders, in welchen die von dem

B Glaskolben luftdicht ausgehende Glasröhre b bis nach Oben übergeht,

R Ring von Eisenblech, der den Glaskolben hält. An der Stelle des lezten einfachen Kolbens dient als bequemer ein tubulirter Kolben mit oder Hahn, ähnlich den Flaschen von Fig. 3 C u. D, jedoch muß er wegen der Erhizung durch die Lampe L unten kugelförmig seyn.

Der Gebrauch dieses Gasometers sowohl zu Chlorkalk- als zu Pottascheprüfungen ist ausführlich beschrieben in Buchner's Repert. (alte Folge) XLV. H. 2.

|433|

Es ist bekannt, daß Wasser in Verbindung mit Luft die leicht oxydirbaren Metalle mehr angreift als bloßes Wasser, es könnte daher jenes auch bei der Taubleiche die Farbstoffe eher zersezen.

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Dieser hatte dadurch eher noch eine dunklere Farbe angenommen.

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Da nach Extractionsversuchen mit ungeröstetem, der Farbe nach dem Wasserflachs und dem Wasserhanf sehr ähnlich aussehendem Flachs, ein solcher sehr wenig fettwachsartigen Stoff, aber desto mehr braunes Fett nebst Harz enthält, so verwandelt sich wahrscheinlich solches Fett bei der Wasserröstung in Harz, bei der Tauröstung aber in fettwachsartigen Stoff.

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Eine solche unmittelbare Verbindung des Chlors mit einem Bleichgegenstand will auch R. Kane durch Versuche gefunden haben. (Siehe Buchner's Repert. d. Pharm. XIX. S. 108.)

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H. Kurrer (S. 26 und 156) empfiehlt zu 1000 Th. Wasser 10–12 Th. Schwefelsäure von 71° B. (die 65 Proc. reine Säure enthält) zu sezen. Die Stärke seiner Säure ist also = 1°,7 B.

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Hiebei zeigte sich die Mischung der Kartoffelstärke als durchscheinend wasserhell, die der Weizenstärke aber als weißliche trübe.

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Zur sichern und schnellen Einbringung kann, man das Salz in Filtrirpapier einpaken.

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Nach Berz. enthalten 100 Gr. dieses Salzes 31,82 Gr. Kohlensäure.

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Denn 100 Gr. reine Pottasche fordern nur 58 Gr. concentr. Salzsäure, und 1/5 jener Mischung enthält 80 Gr. concentr. Salzsäure; man kann demnach in dieselbe Salzsäure wenigstens 100 Gr. Pottasche nach einander werfen.

|445|

Da eine solche gereinigte Pottasche nicht lauter chemisch reine Pottasche ist, so enthält ein Kubikzoll von jener noch weniger als 83,3 Gr. reine Pottasche.

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